Presseaussendung vom: 21.03.2019

Ersatzfläche für Alkohol- und Suchtkranke Konflikte im öffentlichen Raum minimieren und Aufenthaltsbereich für Alkoholkranke ermöglichen

Die Landeshauptstadt Linz verfügt über ein gut ausgebautes Netz an Einrichtungen für verschiedene Randgruppen und wohnungslose Menschen, von tagesstrukturierenden Angeboten und Wärmestuben bis zu  Notschlafstellen und Übergangswohnungen. Trotz des bestehenden gut ausgelasteten Angebotes zeigt sich, dass alkoholkranke und suchtkranke Personen an manchen Orten als größere Gruppe in Erscheinung treten. Besonders mit jenen Suchtkranken, die zusätzlich unter psychischen Erkrankungen leiden, führt dies zu einem erhöhten Konfliktpotential mit anderen Bevölkerungsgruppen. In der Vergangenheit war der Hessenplatz sowie die Fläche neben dem Südbahnhofgebäude oftmals ein Brennpunkt. Rückmeldungen der Streetworkerinnen und Streetworker zeigen, dass sich mit Beginn der wärmeren Temperaturen ein Großteil der Szene in Richtung OK-Platz verlagert. 

Obwohl der öffentliche Raum allen Personen offen steht, sollte das Konfliktpotential möglichst reduziert werden. Es benötigen Menschen aus diesen Problemgruppen eine gute Alternative zu den bisherigen Aufenthaltsorten.

Aus diesem Grund soll, ergänzend zu den bestehenden Angeboten, eine Ersatzfläche angeboten werden, auf der sich jene Personen, die sich im vergangenen Jahr beim Südbahnhofmarkt zusammen gefunden haben, tagsüber treffen und aufhalten können, ohne dass dabei Konflikte mit anderen Bevölkerungsgruppen entstehen. 

„Gemeinsam mit Sucht-Experten, der Polizei und SozialarbeiterInnen wollen wir den Versuch unternehmen, den Alkohol- und Suchtkranken eine Ersatzfläche zur Verfügung zu stellen. Ein konkreter Vorschlag liegt vor, etwaige notwendige Adaptierungsmaßnahmen werden derzeit geprüft“, so Bürgermeister Klaus Luger. 

„Die Erfahrungen am Hessenpark und am Südbahnhofmarkt haben gezeigt, dass die Konflikte vor Ort mit Sozialarbeit alleine nicht zu lösen sind. Es braucht daher einen entsprechenden, niederschwellig betreuten Aufenthaltsbereich für Alkoholkranke, um das Konfliktpotenzial zu minimieren und gleichzeitig der Zielgruppe eine entsprechende Fläche zu bieten“, betont Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.  

„Niemand möchte in seiner unmittelbaren Umgebung von Lärm und Randalen belästigt werden. Trotzdem muss man realistisch bleiben: Suchtkranke verschwinden nicht vom einen auf den anderen Tag aus der Öffentlichkeit. Deshalb ist die Schaffung eines Treffpunktes vorerst eine akzeptable Lösung. Aber es muss auch ganz klar festgestellt werden, dass diese Ersatzfläche keinen rechtsfreien Raum bietet, wo Menschen unbehelligt Drogen konsumieren können“, erklärt Sicherheitsstadtrat Raml.

Die vorgeschlagene Ersatzfläche befindet sich im Bergschlössl-Park an der Ecke Ziegeleistraße und Waldeggstraße. Die Fläche befindet sich im Besitz der Stadt Linz, etwaige notwendige Adaptierungsmaßnahmen werden derzeit geprüft. 

Übereinkunft für Ersatzflächenangebot

Die derzeitige Situation am OK-Platz ist, wie vormals im Hessenpark, als auch am Südbahnhofmarkt, für alle Beteiligten unbefriedigend. In einem gemeinsamen Dialog zwischen Stadtregierung, Polizei, Experten und SozialarbeiterInnen ist der Vorschlag entstanden, für Alkohol- und Suchtkranke eine entsprechende Ersatzfläche zur Verfügung zu stellen. 

Die geplante Ersatzfläche im Bergschlössl-Park

Konkret ist die Ersatzfläche im südöstlichen Abschnitt des Parks an der Ecke Ziegeleistraße und Waldeggstraße geplant. Die Fläche befindet sich im Besitz der Stadt Linz, etwaige notwendige Adaptierungsmaßnahmen werden derzeit geprüft. 

Diese Ersatzfläche weist zahlreiche Vorteile auf: 

  • Die bestehende Nähe zum Zentrum, was wiederum eine gute Betreuung durch den Sozialverein B37 ermöglicht. 
  • Ebenso ist eine Infrastruktur für Nahversorgung gegeben. 
  •  Aufgrund der guten Lage im Park ist zudem garantiert, dass sich Anrainerinnen und Anrainer nicht gestört fühlen. Für Alkoholkranke befindet sich dort eine attraktive Fläche, an der ein Aufenthalt ohne Konflikte möglich sein soll. 

Etwaige Anschlüsse wie Kanal- und Wasseranschluss wie auch ein Sichtschutz zur LIMAK werden derzeit geprüft. Ebenfalls als vorteilhaft erweist sich die Nähe zur Polizeiinspektion am Linzer Hauptbahnhof, die bei Ausschreitungen im Notfall rasch vor Ort ist. 

Betreuung durch Sozialverein B37

Wie auch bisher übernehmen die SozialarbeiterInnen des Sozialvereins B37 die Betreuung vor Ort. Da viele der Personen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, bereits Klientel des Vereins und in B37-Einrichtungen wohnversorgt sind, erweist sich eine durchgehende Betreuung als sinnvoll. Outreachwork ist in der Wohnungslosenhilfe eingebettet in Folgeangebote wie Notschlafstelle, Wohnheime, Wohngemeinschaften, Wärmestuben und Beratungsstellen, welche ein vernetztes Handeln und die Umsetzung von Hilfeplänen ermöglichen.

Maßnahmenpaket aus Sozial-, Sicherheits- und Präventionsarbeit  

Um Konflikte im öffentlichen Raum weitestgehend zu minimieren, braucht es ein Maßnahmenpaket aus Sicherheits-, Sozial- und Präventionsarbeit. Die Landeshauptstadt Linz hat viele Maßnahmen bereits ergriffen. 

Ein dichtes Netz an Einrichtungen für Alkohol- und Suchtkranke mit den Vereinen B37, Substanz, pro mente, Caritas, Arge für Obdachlose sowie ergänzende Angebote von Stadtdiakonie und der Barmherzigen Schwestern garantiert, dass jene Menschen, die Unterstützung brauchen, diese auch erhalten. 

Die erst kürzlich gestartete Implementierung von Sozialarbeit im Ordnungsdienst in Zusammenarbeit mit der Volkshilfe stellt einen weiteren Schritt zur Bearbeitung von Konflikten im öffentlichen Raum dar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsdienstes wissen genau, wo Spannungen und Probleme im Zusammenleben verschiedener Interessensgruppen bestehen. Die Volkshilfe ist in diesen Fällen als kompetenter Ansprechpartner für alle Menschen präsent, die sich im öffentlichen Raum der Einsatzgebiete der mobilen Sozialen Arbeit aufhalten oder dort zu tun haben. 

Gegen den Drogenhandel in der Stadt ist die Polizei eine verlässliche Partnerin. Bürgermeister Klaus Luger bekräftigt in diesem Zusammenhang seine Aufforderung an das Innenministerium, die Polizeidienststellen in Linz zumindest entsprechend dem geplanten Dienstplan zu besetzen. Denn die aktuellen Zahlen zeigen, dass von den für Linz vorgesehenen 657 Dienstposten lediglich 555 besetzt sind. Besonders dramatisch stellt sich die Situation in jenen Polizeiinspektionen dar, die für jene Plätze zuständig wären, die zuletzt besonders im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit standen. 

In der Präventionsarbeit wie auch bei der Einrichtung der Ersatzfläche steht die Stadt Linz in einem guten Austausch mit dem Institut für Suchtprävention. „Die geplante Ersatzfläche für Suchtkranke ist ein ernst zu nehmender Versuch die Situation zu entschärfen - unter Rücksichtnahme auf Gesunde und Kranke. Es ist auch ein Experiment dessen Verlauf und Ausgang niemand voraus sehen kann. Eine umfangreiche Prozessdokumentation wäre sinnvoll, um daraus zu lernen“, so Christoph Lagemann, Leitung Institut Suchtprävention, pro mente .  

Tagesstruktur für Suchtkranke und niederschwellige Notschlafstellen

Aufrecht bleibt die Forderung an das Land Oberösterreich, das quantitative Angebot von Tageseinrichtungen für wohnungslose Menschen, insbesonders für jene mit Suchterkrankungen, in Linz deutlich zu erhöhen und ein niederschwelliges Notschlafstellenangebot für Personen zu errichten, die aufgrund ihrer psychischen Krankheit nicht in bestehenden Einrichtungen leben können. 

(Informationsunterlage von Bürgermeister Klaus Luger, Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing, Sicherheitsreferent Stadtrat Michael Raml, Stadtpolizeikommandant Brigadier Karl Pogutter und B37-Geschäftsführer Christian Gaiseder zur Pressekonferenz „Ersatzfläche für Alkohol- und Suchtkranke“)

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