Presseaussendung vom: 25.03.2019

Neues Festival LINZ FMR 19 Kunst in digitalen Kontexten und öffentlichen Räumen

Von 27. bis 30. März an der Donaulände

LINZ FMR ist ein neues biennales Format für Kunst in digitalen Kontexten und öffentlichen Räumen, das den ephemeren Charakter der digitalen und vernetzten Gegenwart reflektiert. Die erste Ausgabe findet von 27. bis 30. März 2019 in Linz entlang der Donaulände statt. LINZ FMR ist eine Plattform, vielleicht sogar eine Art Festival, das sich gerne als LINZ EPHEMER ansprechen lässt. Die fortschreitende Digitalisierung des Alltags impliziert intensive Überlagerungen und Schichtungen von altbekannten, physischen sowie feinmaschig verflochtenen, virtuellen Räumen. In der Schnelllebigkeit dieser multidimensionalen Strukturen verflüchtigen sich im Kontext von künstlerischer Arbeit langsam auch die letzten Bastionen klarer Medien- und Disziplinenzuschreibungen. 

„LINZ FMR ist ein neues Format, das mit seinem Schwerpunkt auf digitaler Kunst den Charakter von Linz als UNESCO City of Media Arts noch mehr unterstreicht“, so die Linzer  Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer.

Donaulände wird erneut zum Kunstraum

Kern des Formats ist eine Ausstellung im öffentlichen und offenen Raum mit Arbeiten von internationalen und lokalen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit Kunst in digitalen Kontexten auseinandersetzen. Begleitend wird ein Vermittlungsprogramm mit verschiedenen Führungen und ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Konzerten und Gesprächen angeboten, um sich neuen Ansätzen, Arbeitsweisen und Entwicklungen zu widmen.

LINZ FMR wird kuratiert und organisiert von qujOchÖ, servus.at, dem Atelierhaus Salzamt, der Abteilung Kulturwissenschaft der Kunstuniversität Linz und der STURM UND DRANG GALERIE.

Das Adjektiv ephemer hat seine Wurzeln im griechischen ephemēros, was so viel bedeutet wie nur einen Tag lebend, und beschreibt etwas von kurzer Dauer, von Vergänglichkeit und schwindender Bedeutung. Ephemer – dieser Begriff in drei Silben – wird zu F.M.R., zum Titel eines neuen Formats, eines neuen biennalen Festivals.

Der Titel

Louis Aragon, einer der Protagonisten des frühen Surrealismus der 1920er-Jahre charakterisiert das Ephemere in seinem 1926 erschienenen Roman Le Paysan de Paris (Der Bauer von Paris) als einen Begriff, ein Phänomen, das vor Trugbildern nur so strotze: „Das Ephemere ist eine Gottheit, die so polymorph ist wie ihr Name.“ Aragon erlebte auf seinen Spaziergängen durch die Pariser Straßen der 1920er-Jahre eine Stadt, die zu dieser Zeit kontinuierlicher Veränderung unterlag und so den idealen Nährboden für eine Faszination für das Vergängliche, das Flüchtige bot. Ephemer. Es sind diese „drei Silben, die wie eine von grünen, koboldhaften Augen bevölkerte Legende klingen“ und sich jeder Illusion von Dauerhaftigkeit entziehen. Die zweite Zeile dieser lautmalerischen Annäherung reduziert den Begriff auf ein Minimum, auch das Schriftbild wird flüchtig. F.M.R. Heute, beinahe 100 Jahre später, werden diese drei Buchstaben zum Titel eines neuen Formats — LINZ FMR.

18 Künstlerinnen und Künstler stellen aus

LINZ FMR will der Gegenwart einen Rahmen, eine temporäre Bühne bieten und setzt künstlerische Prozesse in Szene, um ihren ephemeren Charakter zu erproben. LINZ FMR überlagert und schichtet zeitliche sowie materielle Ebenen. Das Phänomen, das von Aragon in plastischen Bildern voller Flüchtigkeiten beschrieben wurde, ist zugleich Fundament, Arbeitsanweisung und Exit-Strategie einer Konfrontation mit Kunst in digitalen Kontexten und öffentlichen Räumen. An vier Tagen werden Arbeiten von 18 Künstlerinnen und Künstlern im weitläufigen Parkareal der Linzer Donaulände gezeigt und unterschiedliche Zugänge zu Prozessen und Strukturen der Gegenwart erprobt.

So führten beispielsweise Diskurse rund um neue Ansätze in der Medien- und Internetkunst zur Herausbildung eigenwillig anmutender Micro-Genres wie Post Internet Art, New Aesthetic oder New Digital Art; doch selbst Subkategorien können im Kontext einer gegenwärtigen Auseinandersetzung mit Kunst in digitalen Kontexten nur als vergängliche Momentaufnahmen fungieren. Faktoren wie die omnipräsente Dauervernetzung oder der Umgang mit scheinbar unbegrenztem Zugang zu Information unterstreichen den jeweils ephemeren Charakter künstlerischer Produktionen. Die Ebenen der Bedeutung beugen sich demnach der Geschwindigkeit und Vergänglichkeit, welche die Strukturen ihrer Produktion sowie Rezeption mit sich bringen.

Zum Programm

Mittwoch, 27. März, 17 Uhr

Eröffnung @ Lentos Freiraum, anschließend geführter Rundgang @ Donaulände, danach Get-together @ Atelierhaus Salzamt

Ausstellung an der Donaulände in Linz mit Arbeiten von: Suzanne Treister (UK), Clement Valla (US), Karl Philips (BE), Bernhard Garnicnig (AT) & Jamie Allen (CA), Tomáš Moravec (CZ) & Matej Al-Ali (SK), Thomas Kluckner (AT), Filippo Minelli (IT), Isabella Auer (AT), Hybris (DE), Susanna Flock (AT) & Leonhard Müllner (AT), The Cool Couple (IT) und Karin Ferrari (IT).

Donnerstag, 28. März, 14 Uhr

Symposium am Rande digitaler Flüchtigkeiten @ splace am Hauptplatz

Mit Helena Schmidt (Hochschule der Künste, Bern), Vincenzo Estremo (Nuova Accademia di Belle Arti, Milano) & Künstlerinnenkollektiv Hybris (München). Moderation: Moritz Pisk

Das Symposium bei LINZ FMR 19 widmet sich der digitalen Vergänglichkeit. Daten aller Art zirkulieren in Hochgeschwindigkeit, Files rasen umher und sind permanent verfügbar – online ist immer alles jetzt, alles scheint jederzeit greifbar und gegenwärtig zu sein. Doch der Rausch der rasenden Verfügbarkeit lässt zugleich auch das Ephemere, das Flüchtige in neuem Licht in den Vordergrund treten und immer präsenter werden. Soziale Netzwerke, Datensammlungen oder ganze Informationsketten können, zumindest oberflächlich, so schnell verpuffen und verschwinden wie sie aufgekommen sind. Gefühlte Kontinuität trifft auf unscharfe Kurzlebigkeit, digitale Zeitstrukturen ticken oftmals anders.

Künstlerisch-wissenschaftliche Inputs, ein gemeinsamer Rundgang durch die Ausstellung und ein Open Round Table verfolgen die Strukturen des Verschwindens und tasten sich aufmerksam entlang ihrer künstlerischen und politischen Relevanz. Die Teilnahme am Symposium sowie an der inkludierten Spezialtour ist kostenlos. Der Open Round Table versteht sich als breite Diskussionsplattform, die einen diskursiven Austausch zwischen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie Besucherinnen und Besuchern des Symposiums ermöglicht. Zusätzlich besteht die Möglichkeit spontane Diskussionsbeiträge, die auch künstlerische Micro-Inputs sein können, unterstützt von Projektion oder Audioeinspielung, einzubringen.

Ablauf:

14 Uhr Eröffnung, Inputs, Statements
15:30 Uhr Spezialführung
17 Uhr Open Round Table — Wine & Open End

Freitag, 29. März, 21 Uhr

Konzerte @ Stadtwerkstatt

Mit Shinsekai (VIE/AUT), Wien Diesel (AUT), Fauna (AUT) & Elvin Brandhi aka Freya Edmondes (WAL)

LINZ FMR 19 bringt auch einen Abend lang elektronische Musik in die Stadt. Passend für die erste Ausgabe des biennalen Formats wird dabei ein feines Line-Up geboten, das soundmäßig und visuell in der Nähe einer Kunst in digitalen Kontexten verortet werden kann.

Elvin Brandhi (WAL): Verstörend, zerhackt, vielflächig. Elvin Brandhis untröstlicher Laptop-Black-Metal kombiniert kreischende Autotune-Narrative, die in einem Schlachtfeld von Glitch-Screech-Elektronik ertrinken, erweitert um visuelle Collagen. Erste EP „Shelf Life“ jetzt auf C.A.N.V.A.S. erschienen.

Fauna (AUT): Rana Farahani aka Fauna macht seit Jahren mit experimenteller elektronischer Musik die Clubs hierzulande unsafe, zu Beginn als DJ, seit einiger Zeit mit selbst produzierten Tracks. Ihre Live-Sets mäandern zwischen melancholisch anmutenden Sequenzen, hämmernden Subbässen und pitchigen Überdosen. Fauna is lonely at the top: „I am a Supergirl, standing on top of the world, and all the do is buggin' me, but I don't give a fuck.“

Wien Diesel (AUT): Wien Diesel ist das 2017 gegründete gemeinsame Projekt von Bechamel3000 aka MC Rhine (u. a. bekannt von ihrer Kollaboration mit König Leopold, wie beim LINZFEST 2015 zu sehen) und Marie Vermont aka DNYE. Fein granulierter Drone trifft hier auf hüpfende, rotierende und zischende Samples, immer wieder unterbrochen durch leicht durchgeknallte Rap-Schnipsel. Tribal, Wien, Tankstelle, Auto, verspiegelt, Tattoostrumpf, V-neck, Donner, Gatorade, KP3, Mini & Maxi, Glatze, Military Baby, Diesel Jean, Acid washed, Moon washed, Fancy denim, Attack, Heulen, Hi, Smile, Brigittenau, but we still need love 'cause we're just a man.

Shinsekai (VIE): Shinsekai (新世界, „Neue Welt“) ist ein transhumanes Projekt, das radikale Möglichkeiten in der Musik durch Manipulation digitaler Tracks untersucht. In ihren DJ-Sets untersucht sie düstere, abstrakte Tracks, um futuristische, Sci-Fi-ähnliche Klanglandschaften zu erzeugen. Mit dem Spielen und Mixen von zwei gegensätzlichen Genres im Bereich der elektronischen Musik ist es das Ziel, die Grenzen der Genres zu brechen. Alienartige Klangfarben, verzerrte Vokale und gestörter Cluborientierter Rhythmus zeigen einen kaleidoskopischen Blick auf eine mögliche musikalische Zukunft. 10110010101010! 

Samstag, 30. März, 19 Uhr

Artist Talks @ quitch

Isabella Auer, Karin Ferrari & Bernhard Garnicnig im Gespräch mit Dagmar Schink

Abschlussparty @ STURM UND DRANG GALERIE

LINZ FMR 19 wird von den Linzer Kunst- und Kulturinitiativen qujOchÖ und servus.at, dem Atelierhaus Salzamt, der Abteilung Kulturwissenschaft der Kunstuniversität Linz und der STURM UND DRANG GALERIE kuratiert und organisiert.

Kunstvermittlung

Das Kunstvermittlungsprogramm bei LINZ FMR bietet neben einem Rahmenprogramm mit Lectures & Talks auch öffentliche Rundgänge, Spezialtouren und Schulführungen, die einen näheren Einblick in den Kontext des Formats und die präsentierten Arbeiten ermöglichen.
Öffentliche Rundgänge bieten einen einfachen Einstieg in LINZ FMR, werden von professionellen KunstvermittlerInnen begleitet und finden täglich zu folgenden Zeiten statt:

  • Mittwoch, 27. März, Eröffnungsrundgang um 17:30 Uhr
  • Donnerstag, 28. März 2019, jeweils um 11, 14 und 17 Uhr
  • Freitag, 29. März, jeweils um 11, 14 und 17 Uhr
  • Samstag, 30. März, jeweils um 11, 14 und 17 Uhr

Treffpunkt 15 Minuten vor Start beim Lentos. Die Dauer beträgt 1,5 Stunden. Pay as you wish. Größere Gruppen können auch abseits der angegebenen Zeiten einen Rundgang buchen. 
Spezialtouren geben einen vertiefenden Einblick in LINZ FMR, werden von Kuratorinnen und Kuratoren sowie Künstlerinnen und Künstlern zu folgenden Zeiten begleitet:

  • Donnerstag, 28. März, 15:30 Uhr
  • Freitag, 29. März, 15:30 Uhr
  • Samstag, 30. März, 15:30 Uhr

Zusätzlich wird eine spezielle Themenführung am Samstag, 30. März, um 12:30 Uhr, die unter dem Titel „Kunst im öffentlichen Raum / Forum Metall & LINZ FMR / Aktualisierung eines Skulpturbegriffs im Kontext eines historischen Ensembles“ steht.

Treffpunkt 15 Minuten vor Start beim Kunstmuseum Lentos. Die Dauer beträgt zwei Stunden. 
Eine weitere Option zur Erkundung von LINZ FMR bietet der CityArtWalk, der in Kooperation mit Linz Tourismus angeboten wird. Nähere Informationen per E-Mail an: vermittlung@linzfmr.at.
Schulführungen ermöglichen einen niederschwelligen Zugang zu LINZ FMR für junge Menschen. Der Fokus liegt vor allem auf der Wahrnehmung von Kunst im städtischen Raum. Ausgehend von drei ausgewählten Arbeiten wird über aktuelle Fragen wie Digitalisierung, Netzkultur und Wahrnehmungsgewohnheiten reflektiert und diskutiert. Die geführten Touren finden in leichter Sprache statt. Treffpunkt 15 Minuten vor Start beim Lentos. Die Dauer beträgt eine Stunde. 

Beteiligte 

qujOchÖ ist ein 2001 in Linz gegründetes Kunstkollektiv. Es agiert an den Schnittstellen von Kunst, Gesellschaft und Wissenschaft, ist mannigfaltig, heterogen, untaggable und gänzlich undiszipliniert, verwendet Alles und Nichts, zeigt, installiert, interveniert, lärmt, baut, diskutiert und verbindet und macht alles aus Liebe und Überzeugung.

servus.at ist eine Netzkulturinitiative in Linz. Als Verein betreibt sie ein unabhängiges Kultur-Datenzentrum und ist über das ACOnet ans weltweite Netz angebunden. Zu seinen Mitgliedern zählen Kunst- und Kulturschaffende, alternative Bildungseinrichtungen, freie Radios, universitäre Einrichtungen und NGOs. servus.at fördert die Verwendung von freier Open Source Software, erforscht Phänomene digitaler Kultur, beleuchtet gesellschaftspolitische Implikationen im Umgang mit Technologie und beschäftigt sich mit zentralen Fragen der Informationsgesellschaft.
Das Atelierhaus Salzamt ist eine Kultureinrichtung der Stadt Linz in zentraler Lage an der Donau. Es bietet Wohn- und Arbeitsateliers für internationale und regionale KünstlerInnen, einen Ausstellungs- bzw. Veranstaltungssaal mit laufendem Ausstellungsbetrieb, internationalen künstlerischen Austausch und Kunstvermittlung durch KünstlerInnengespräche und Atelierbesuche.

Im Zentrum der Tätigkeiten der Abteilung Kulturwissenschaft der Kunstuniversität Linz steht die Arbeit an dem, was Antonio Gramsci einen „Inventarvorbehalt“ genannt hat: Das Studium und die kritische Sichtung jener Spuren, die geschichtliche Prozesse in aktuellen Selbstverhältnissen hinterlassen haben. Dies beinhaltet das Kennenlernen räumlich oder zeitlich entfernter kultureller Formationen, die Befragung von Alltagskultur und künstlerischer Produktion und die Untersuchung von Medien und Kulturtechniken. Die Ausrichtung ist eine kulturhistorisch informierte Gegenwartsforschung, die aktuelle Problemstellungen adressiert.

Die STURM UND DRANG GALERIE ist eine 2014 gegründete, zeitgenössische Galerie mit Sitz im Herzen der Linzer Altstadt. Innerhalb kurzer Zeit etablierte sie sich als Treffpunkt der jungen, urbanen Kunstszene. Die STURM UND DRANG GALERIE schafft Raum für ungezwungenen Austausch mit dem kunstinteressierten Publikum, widmet sich der Förderung ausgewählter, aufstrebender KünstlerInnen und begleitet diese auf ihrem Werdegang. Die Galerieräumlichkeiten werden neben Ausstellungen auch für Performances, Lesungen, Medienkunst, Installationen und Konzerte genutzt.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Kulturreferentin Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer und Dr. Julius Stieber, Direktor Kultur und Bildung, zum neuen Festival LINZ FMR 19)

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