Presseaussendung vom: 02.04.2019 |

Förderung von Sprach- und Lesekompetenz im Kindergarten Fast 1.500 Kinder nehmen an Sprachprojekt teil

„Anlässlich des Internationalen Tag des Kinderbuches möchten wir da-ran erinnern, wie wichtig es ist, die Begeisterung für das Lesen bei den Jungen und Mädchen so bald wie möglich zu fördern. Denn Sprachkompetenz und Lesekompetenz sind miteinander stark verbunden“, erklärt Bildungsreferentin Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger. Werden Kinder im Erwerb ihrer Sprachfähigkeit schon früh unterstützt, lernen sie früher und leichter lesen. Lesen wiederum erhöht die Sprachkompetenz. „Bilderbücher und Vorlesen spielen dabei eine zentrale Rolle: Je früher und je öfter einem Kind vorgelesen wird, desto positiver und stärker wird seine Bindung an das Medium Buch“, ergänzt die Kinderbuchexpertin Sabine Weißensteiner, die auch mit den städtischen Kindergärten eng zusammen arbeitet.

Der Kindergarten als elementare Bildungseinrichtung hat eine zentrale Bedeutung in der Vermittlung und Stärkung der Sprachkompetenz. Dem Bilderbuch kommt dabei besondere Bedeutung zu. Gemeinsam mit dem Institut für Jugendliteratur wurde 2011 in acht städtischen Betreuungseinrichtungen das Projekt Bilderbuchkindergarten gestartet. Heuer nehmen bereits 17 Kindergärten teil. Insgesamt zwölf Bilderbücher aus der neueren deutschsprachigen Produktion wurden ausgewählt. Der inhaltliche Schwerpunkt lag dabei auf gesellschaftspolitisch relevanten Themen wie Migration, Fremdenfeindlichkeit, Armut und Geschlechterrollen, Generationenverständnis, Freunde und Zusammenhalt, Gefühle und Empathie, Umwelt und Technik.

„Als besonderes Motto für unsere vielen Aktivitäten rund um das Bilderbuch gilt: Keine Alltagssituation ist für den Spracherwerb so ergiebig und wertvoll wie die Vorlesesituation und das gemeinsame Betrachten eines Bilderbuches“, sagt Regina Stieber von den Kinder- und Jugendservices. Um bei Bedarf Kinder speziell fördern zu können, arbeiten mehr als 100 Sprachpädagoginnen und -pädagogen in Kleingruppen sehr individuell und einfühlsam mit den Mädchen und Buben. Insbesondere durch den verstärkten Einsatz von Bilderbüchern wird die Sprachkompetenz entwickelt.

Bilderbücher zur Förderung kindlicher Sprachkompetenz

Das Projekt „Linzer Bilderbuchkindergärten“ legt den Fokus auf die Arbeit mit Bilderbüchern. Diese spielen in der Förderung der kindlichen Sprachkompetenz und Lesesozialisation eine große Rolle. Es existieren deutliche Zusammenhänge zwischen der frühen Begegnung des Kindes mit Bilderbüchern und seiner Sprachkompetenz sowie seiner späteren Leseleistung. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird und die sich gerne mit Bilderbüchern auseinandersetzen, haben einen größeren aktiven sowie passiven Wortschatz. Sie beginnen früher und leichter zu lesen, sie ziehen in der Schule in allen Bereichen daraus Vorteile. Im gemeinsamen Betrachten von Büchern und im Zuhören entwickelt sich das Verständnis für Geschichten und ihre Zusammenhänge (Textverständnis). Empathie, Abstraktionsvermögen, Kategorienbildung und Konzentrationsfähigkeit werden gefördert.

„Bilderbücher helfen, die individuelle Wahrnehmung, Fantasie und Kreativität zu entwickeln. Sie sind die Grundlage für eine gute Lesekompetenz, die in weiterer Folge für den erfolgreichen Bildungsweg ausschlaggebend ist“, stellt Bildungsstadträtin Mag.a Eva Schobesberger fest. 

Fast 1.500 Kinder nehmen am Projekt teil

Das mit dem Institut für Jugendliteratur umgesetzte Projekt wurde im Herbst 2011 in acht Kindergärten gestartet. Heuer erfolgte die Fortsetzung, diesmal nehmen bereits 17 Kindergärten mit zirka 1.500 Kindern teil. Einige Einrichtungen sind bereits zum wiederholten Mal dabei, so dass die neu dazugekommenen von ihren Erfahrungen profitieren konnten.

Wesentliche Ziele des Projekts liegen in folgenden Segmenten:

  • Stärkung der Sprachkompetenz der Kinder
  • Förderung der Lesefähigkeit
  • Weiterentwicklung der Kommunikationskompetenz
  • Schaffung eines frühen positiven Zugangs zum Medium Buch, vor allem auch bei jenen Kindern, die aufgrund ihres sozialen / kulturellen Hintergrundes noch wenig mit Büchern in Berührung gekommen sind
  • Vermittlung des Vorlesens als positives Erlebnis in der Gruppe und damit verbunden die Motivation zum eigenständigen Betrachten von Bilderbüchern
  • Förderung der kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklungsbereiche der Kinder
  • Intensivierung des Netzwerkes der Linzer Magistratskindergärten
  • Etablierung des Bilderbuches in der öffentlichen Wahrnehmung als selbstverständliches Instrument der frühkindlichen Entwicklung

Projektablauf: Lesen und gestalten

Die siebzehn teilnehmenden Kindergärten erhielten eine Kollektion von zwölf Büchern aus der neueren, deutschsprachigen Produktion. Die nach qualitativen Kriterien getroffene Auswahl berücksichtigt verschiedene Themenbereiche. Weiters gibt es Zusatzangebote durch andere Medien wie Musik und Film auf Audio-CD oder DVD. Dieses breit gestreute Angebot erlaubt es, dass in der Vermittlungsarbeit durch die Kindergarten Pädagoginnen und Pädagogen sehr individuell vorgegangen werden kann. Die Bilderbuchkollektion verbleibt nach Projektende im Kindergarten, sodass die Aktion auch dem Medienbestandsaufbau dient.

Zwölf Wochen lang (September bis Dezember) wurde wöchentlich ein Buch aus dem Repertoire vorgelesen. Im Anschluss daran finden verschiedene Arten der Auseinandersetzung und Vertiefung in den Kindergärten statt. Die Begeisterung und das Interesse der Kinder, so viele Bücher durchzulesen, erstaunten das Team. Auch dass sie sich die Inhalte der Bücher über die Wochen sehr gut gemerkt hatten, war bemerkenswert. Gemeinsam wählten dann Pädagoginnen, Pädagogen und Kinder denjenigen Titel aus, mit dem sie in den nächsten sechs Wochen kreativ arbeiten wollten. 

In der Zeit von Oktober 2018 bis März 2019 trafen sich die teilnehmenden Pädagoginnen/Pädagogen zwei Mal zu einem Kontakttreffen, in dem sie sich über ihre Erfahrungen im Rahmen des Projekts austauschen konnten sowie Hilfestellungen und Inputs von Seiten des Instituts für Jugendliteratur erhielten. Mit den Kindern wurde schließlich viel Zeit für die Erstellung der Präsentation ihrer Eindrücke und Interpretation der Geschichte aufgewendet.

Präsentation im öffentlichen Raum

Der innovative Ansatz des Projekts besteht darin, dass die Ergebnisse nicht in den Räumen des Kindergartens bleiben, sondern in die Öffentlichkeit getragen werden. Die Pädagoginnen und Pädagogen suchten öffentliche Orte, an denen sie die kreative Umsetzung des Bilderbuches „inszenieren“.

Die Präsentation soll jedoch mehr beinhalten als das Zeigen von Zeichnung-gen, Collagen oder Werkarbeiten, die zu dem Buch entstanden sind. Gemeinsam wurde mit den Kindern, zu einem Buch ihrer Wahl, eine kreative Präsentation entwickelt, die zum Beispiel die Botschaft des Buches verdeut-licht, den Schauplatz zeigt oder mit Assoziationen spielt. 

Die Inszenierung im öffentlichen Raum führt dabei zu einer sinnvollen Kooperation des Kindergartens mit seiner Umgebung, etwa mit umliegenden Geschäftsleuten. Die Arbeit der Einrichtung wird öffentlich sichtbar, die Identifikation der Kinder mit ihrem Kindergarten gehoben, das Thema „Vorlesen“ öffentlich wahrgenommen.

Das Bilderbuch im Kindergarten

Mit weiteren zahlreichen Projekten und Initiativen werden Buben und Mädchen  in den städtischen Kindergärten an Bücher herangeführt. 

Schreibwerkstätten und Literacy-Projekte

In der Kreativwerkstatt werden aus den Büchern Theaterspiele, eigene Lieder und eigens gestaltete Bilderbücher. Mit Hilfe von kreativen Ausdrucksformen im Mal-Atelier, Fotoapparat und von den Pädagoginnen/Pädagogen diktierten Geschichten werden eigene Bilderbücher entwickelt. Oder es wird aus den Büchern ein Theaterspiel oder Musical erarbeitet und aufgeführt.

Sprachliches Handeln besteht aus Denkoperationen. Je differenzierter die Handlungen der Kinder sein können, umso differenzierter entwickelt sich ihre Sprache. Durch das Eintauchen in die Welt der Bilderbücher, in die spannenden Geschichten und unterschiedlichen Lebensformen, entwickeln die Kinder ein differenziertes Weltbild.

Mehrsprachige Bilderbuchlesungen

Mit Hilfe der mehrsprachigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Eltern beziehungsweise der Rucksackmütter finden immer wieder mehrsprachige Bilderbuch-Lesungen statt. Das Buch wird erst in Deutsch vorgelesen, dann in einer anderen Sprache. Kinder aus dieser Sprachwelt erfahren Kinderliteratur in ihrer Muttersprache, die anderen Kinder tauchen in den Klang und in die Melodie einer fremden Sprache ein. In den Kindergärten werden zudem Bilderbücher auf DVDs in den Bilderbuch-Kinos betrachtet – auch hier ist neben der deutschen Sprache eine andere Sprache zu hören.

Kinder-Bibliotheken

In allen Kindergärten stehen den Kindern ausgewählte Bilderbücher zur freien Entnahme zur Verfügung – vom Lexikon  bis zu Kunst-Bildbänden, von Technik-Anleitungen und Kochbüchern bis zu den klassischen Bilderbüchern aus den Lebenswelten der Kinder den Themen Migration, Fremdenfeindlichkeit, Armut und Geschlechterrollen, Generationenverständnis, Freunde und Zusammenhalt, Gefühle und Empathie, Umwelt und Technik, Naturwissenschaft und Kunst.

Die Kinder können sich Bilderbücher mit nach Hause nehmen, auch den Eltern wird das gerne angeboten. Kinder sind auch eingeladen, ein Lieblingsbuch von zu Hause mitzunehmen und dieses den Kindern zu präsentieren, selbst vorzulesen beziehungsweise von den Pädagoginnen/Pädagogen vorlesen zu lassen.

In einigen Kindergärten gibt es das Angebot für Eltern, mit den Pädagoginnen und Pädagogen in die Welt der Bilderbücher einzutauchen, den Wert des Vorlesens zu erfahren, um die Förderung der Sprache im Alltag zu Hause gut umsetzen zu können.

Besuch in Büchereien

Die Büchereien der Stadt Linz werden von den Kindergärten gerne besucht, Kinder erleben hier eine spezielle Welt des Buches, die Vielzahl von Büchern ist oft sehr beeindruckend. Auch hier wird immer wieder vorgelesen beziehungsweise werden Bücher ausgeborgt.

Mit einigen Verlagen wird manchmal in der Vorweihnachtszeit eine Buchausstellung im Kindergarten und in der Krabbelstube organisiert.
Kinder kommen mit den Pädagoginnen und Pädagogen in Seniorenheime um dort Kinderbücher vorzulesen beziehungsweise zeigen die kreative Umsetzung von Bilderbüchern – mit Tanz, Spiel und Kreativität aufzuführen

Leseprojekte mit Schulen und Märchen

Einige Schulen laden Kindergartenkinder zu kleinen Leseprojekten ein. Neben Kreativ-Stationen werden auch Bücher vorgelesen. 
Viele Kindergärten wenden sich schwerpunktmäßig Märchen zu, und tauchen durch Vorlesen in die magische Welt ein. Auch hier mündet vieles in kreativen Umsetzungen der Inhalte.

Kamishibai

Kamishibai ist in Japan Anfang des 20. Jahrhunderts als Straßenkunsttheater entstanden, bei dem die Handlung durch Bildtafeln in einem bühnenähnlichen Rahmen dargestellt wird.

Es bietet eine besondere Möglichkeit für das Erzählen zu Bildern und Bilderbüchern. Die Aufmerksamkeit der Kinder wird spannungsvoll gesteigert und viele Details auf den Bildern können durch die Großflächigkeit noch mehr in den Blick genommen werden. Es entstehen viele Gesprächsimpulse. Eine Menge Bilderbücher sind dafür geeignet, aber auch zahlreiche Märchen und naturwissenschaftliche Themen. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Bildungsreferentin Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger zum Thema „Förderung von Sprach- und Lese-kompetenz im Kindergarten“. Weitere Gesprächspartnerinnen: Regina Stieber, Kinder- und Jugendservices Linz und Sabine Weißensteiner, Buchhandlung Fürstelberger, Mitorganisatorin der Linzer Kinder- und Jugendbuchtage)

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