Presseaussendung vom: 11.04.2019

B37 – 30 Jahre im Einsatz gegen Obdachlosigkeit Ganzjährig große Nachfrage nach Notschlafplätzen

Niemand muss in Linz auf der Straße leben

Für Menschen ohne Dach über dem Kopf ist das Überleben auf der Straße nicht einfach. Sie sind das ganze Jahr über auf vielfältige Hilfe und Unterstützung angewiesen. In Linz übernimmt den größten Anteil dieser Hilfe der Sozialverein B37 mit seinen neun Einrichtungen. Und das bereits sehr erfolgreich seit 30 Jahren.  

An vorderster Front der B37 Einrichtungen steht die Notschlafstelle  NOWA in der Anastasius-Grün-Straße, die 2018 18.000 Nächtigungen verzeichnen konnte. Insgesamt stellt der Sozialverein 248 Betten und 140 mobilbetreute Wohnplätze zur Verfügung. Zusammen erreichten die Einrichtungen des Sozialvereins knapp 126.000 Nächtigungen im vergangenen Jahr. 

„Der 1988 neu gegründete Sozialverein B37 hat sich von Anfang an als Errungenschaft im Sozialbereich einen Namen gemacht. Nicht nur für die Stadt, da viele Probleme gleich direkt vom Sozialverein aufgefangen wurden. Vor allem für die hilfesuchenden Menschen, die sofort einen Ansprechpartner hatten und offen und ohne Vorbehalte aufgenommen wurden. 30 Jahre nach der Gründung zeigt sich, dass dieses Modell (leider) noch immer notwendig ist. Durch die Erfahrung, die der Sozialverein B37 in dieser Zeit sammeln konnte, ist es heute möglich, viele Problemfälle von Obdachlosigkeit frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern“, zeigt sich Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing begeistert über 30 erfolgreiche Jahre des Sozialvereins. 

B37 - Hilfe für akut wohnungslose Menschen

Die Gründe, warum Menschen obdachlos werden, sind vielfältig. Einige sind zum Teil unverschuldet durch Scheidung und Arbeitsplatzverlust in die Obdachlosigkeit abgerutscht, andere haben aufgrund von Suchterkrankungen sowie psychischen Problemen kein Dach mehr über dem Kopf. Wohnungslose Menschen in Linz müssen jedoch nicht auf der Straße leben. Der Linzer Sozialverein B37 stellt dazu unterschiedliche Einrichtungen und Unterstützungsangebote zur Verfügung.

Der Schwerpunkt der Tätigkeit in der kalten Jahreszeit liegt vorrangig in der Versorgung und Hilfe der Obdachlosen auf der Straße. Primär sollen sie bewegt werden, die Notschlafstelle NOWA in der Anastasius-Grün-Straße zu nützen. Für manche kommt das trotz der Kälte nicht in Frage. Die Obdachlosenstreetworker des Vereins kümmern sich daher direkt vor Ort um diese Personen und versorgen sie mit wichtigen Utensilien, wie Decken oder Lebensmitteln. 

30 Jahre Sozialverein

Nachdem 1988 die Heilsarmee Linz verließ, kaufte das Magistrat das verwaiste Haus Bethlehemstraße 37 auf. Rund 160 Personen wohnten zu diesem Zeitpunkt noch dort. Der neu gegründete, selbstständige Verein „Sozialheim B37" mietete das Objekt und führte es als Wohnungslosenheim weiter. Nach und nach wurde die Zielgruppe der Obdachlosen immer breiter und differenzierter, sodass neue Angebote zur Betreuung und Wiedereingliederung in ein selbständiges Leben notwendig wurden. Zwischen 1993 und 1995 wurden sechs weitere Einrichtungen eröffnet (SCHU – Übergangswohnheim; ALOA – Aktiv leben ohne Alkohol; NOWA – Notschlafstelle; PSD – Psychologischer Dienst; OBST – Outreachwork, Streetwork; MOWO – Mobile Wohnbetreuung). 2002 wurden schließlich die TAGO –Tagesstruktur und 2005 die Alkoholberatungsstelle – ABS gegründet. 

Heute zählen zum Sozialverein B37 neun verschiedene Einrichtungen, die insgesamt 248 Betten und 140 mobil betreute Wohnplätze anbieten. 116 MitarbeiterInnen stehen für die Anliegen der BewohnerInnen und Hilfebedürftigen zur Verfügung. Damit ist der Verein der Größte seiner Art in Linz.

Die gesamte Finanzierung des Sozialvereins erfolgt grundsätzlich durch das Land Oberösterreich, die Stadt Linz trägt jedoch durch das Umlageverfahren rund ein Viertel zum Vereinsbudget bei.

2018: Knapp 126.000 Nächtigungen in den B37 Einrichtungen 

Das wichtigste Angebot im B37-Programm für akut Wohnungslose stellt die Notschlafstelle dar. Im vergangenen Jahr erfolgten dort 17.932 Nächtigungen. Die durchschnittliche Belegung der insgesamt 59 Plätze lag bei 49,1 Personen. Das Psychosoziale Wohnheim an der Bethlehemstraße verzeichnete 44.451 Nächtigungen bei 124 Plätzen. Die 15 Wohnplätze in der Alkoholberatungsstelle ALOA waren 2018 ebenfalls sehr gut ausgelastet und die Nächtigungszahl lag bei insgesamt 5.049. Das Mobile Wohnen MOWO war auch sehr nachgefragt; 31.684 Nächtigungen waren teilbetreut und 12.381 Nächtigungen erfolgten durch die mobile Betreuung. Die Nächtigungsleistung des B37 lag somit 2018 bei insgesamt 125.780. 

Im Wohnbereich gab es 1.559 Zugänge (1.221 Männer, 313 Frauen und 25 Minderjährige), ebenso erfolgten 1.562 Abgänge (1.238 Männer, 302 Frauen und 22 Minderjährige). 

Neun erfolgreiche B37 Angebote

NOWA - Notschlafstelle 

Als erste Anlaufstelle für viele Wohnungslose gilt die NOWA. Menschen, die keine andere Schlafmöglichkeit haben, können hier für eine bestimmte Zeit ein Dach über dem Kopf bekommen. Neben dem reinen Schlafplatz umfassen die Aufgaben der NOWA aber auch Beratung, Information und Weitervermittlung der Betroffenen. Sie erhalten eine medizinische Grundversorgung, Unterstützung bei der Klärung ihrer sozialen Situation sowie Hilfe bei einer Konfliktregelung. Seit September 2007 stehen in dem Gebäude an der Anastasius-Grün-Straße 59 Schlafplätze für Männer, Frauen und Familien in Ein- bis Vierbettzimmern zur Verfügung.

PSWB – Psychosoziales Wohnheim

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und/oder Suchterkrankungen haben es besonders schwer, geeigneten Wohnraum zu finden. Das Psychosoziale Wohnheim in der Bethlehemstraße nimmt sich dieser Fälle an und bietet hier längerfristig eine Unterkunft. Insgesamt bietet das PSWB 124 Wohnplätze. Gemeinsam mit dem PSD, dem psychologischen Dienst des B37, der speziell für diese Zielgruppe gegründet wurde, erhalten diese KlientInnen die notwendige Hilfe, um individuelle Wohn- und Lebensperspektiven zu erarbeiten sowie die dazu nötigen Kompetenzen zu fördern. 

Das PSD besteht aus einem Team klinischer PsychologInnen und PsychotherapeutInnen und unterstützt inzwischen auch die anderen Einrichtungen des B37. Das Angebot 2018 umfasste klinisch psychologische Behandlungen, psychologische Testdiagnostik und Psychotherapie im Einzel- und Gruppensetting. Insgesamt 1.981 Termine wurden 2018 absolviert und dabei 107 KlientInnen betreut.

OBST – Outreachwork

Ganz wichtig für den Verein B37 ist es, den Kontakt zu den Obdachlosen, die sich nicht in einer Einrichtung des Sozialvereins betreuen lassen, aufrecht zu erhalten. Durch das Projekt Obdachlosen-Streetwork (OBST) ist ein regelmäßiges Aufsuchen der Zielklientel in deren Szene und eine Betreuung möglich. Dabei werden die auf der Straße lebenden Personen auch mit Decken, Thermoschlafsäcken und adäquater Winterbekleidung versorgt. Primäres Anliegen, ist es als Gesprächspartner da zu sein, neue Lebensperspektiven zu finden und Unterstützung zu bieten. Außerdem helfen die Outreach-WorkerInnen den Betroffenen beim Umgang mit Behörden.
Eine medizinische Grundversorgung sowie, wenn notwendig, eine Versorgung durch eine praktische Ärztin werden ebenso angeboten. OBST ermöglicht wohnungslosen Personen auch das Erhalten einer Meldeadresse. Dazu müssen sich diese Menschen jedoch regelmäßig bei den B37 MitarbeiterInnen melden. 

Zum Aufgabengebiet der OBST-MitarbeiterInnen gehört auch das gesellschaftliche Konfliktmanagement. Dabei wird der Kontakt zu verschiedenen Sicherheitsdiensten, wie etwa am Bahnhof, gesucht. Aktuell eingebunden sind die SozialarbeiterInnen des Sozialvereins B37 auch in die Betreuung der Personen in den städtischen Parks, wie etwa Hessenplatz oder am Süd-bahnhofmarkt. In weiterer Folge auch in der neuen Ersatzfläche für Alkohol- und Suchtkranke am Areal des Bergschlössl-Parks. Da viele der Personen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, bereits Klientel des Vereins und in B37-Einrichtungen wohnversorgt sind, ist hier eine durchgehende Betreuung sinnvoll. Outreachwork ist in der Wohnungslosenhilfe eingebettet in Folgeangebote wie Notschlafstelle, Wohnheime, Wohngemeinschaften, Wärmestuben und Beratungsstellen, welche ein vernetztes Handeln und die Umsetzung von Hilfeplänen ermöglichen.

Inhaltlich arbeiten die Streetworker besonders auch an der Wiederherstellung ehemaliger familiärer Netzwerke. Wenn dies gelingt, steht auch einer Rückkehr in die Heimatgemeinde zumeist nichts mehr im Wege. Insgesamt erfolgten im vergangenen Jahr mehr als 7.000 Kontakte mit Betroffenen, 2.890 im Büro und 4.233 auf offener Straße.

ABS – Alkoholberatungsstelle Linz

Das Angebot der Alkoholberatungsstelle richtet sich an Betroffene sowie Angehörige, bei denen der Alkohol bereits zu sozialen, familiären oder wirtschaftlichen Problemen geführt hat. Außerdem sollen Vorgesetzte und KollegInnen in Betrieben angesprochen werden, die suchtkranken MitarbeiterInnen Hilfe anbieten wollen. Beim ABS stehen Einzel- und Paarberatungen, Psychotherapie und moderierte Selbsthilfegruppen im Vordergrund. 766 Beratungsgespräche wurden 2018 durchgeführt und dabei 208 Personen betreut.

ALOA – Wohnheim

15 Wohnplätze in Einzelzimmern ermöglichen dort Menschen nach einer Entwöhnungsbehandlung wieder Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Der Aufenthalt im Haus wird als Sprungbrett zur Lebensbewältigung ohne Alkohol gesehen. Durch therapeutische Begleitung und spezielle Freizeitangebote sollen die BewohnerInnen ein selbständiges Leben erreichen.  

TAGO – Tagesstruktur Goethestraße

Im Zuge der räumlichen Neugestaltung des ALOA im Jahr 2002 in der Goethestraße erfolgte gleichzeitig die Errichtung einer Werkstatt für Holz- und Metallarbeiten. Dort haben die KlientInnen die Möglichkeit, bei Auftragsarbeiten mitzuarbeiten oder Gegenstände für den Eigengebrauch herzustellen. Ziel ist es, einen strukturierten Tagesablauf für Männer und Frauen zu schaffen. 12 KlientInnen haben 2018 mehr als 8.200 Stunden in der TAGO geleistet.

SCHU – Übergangswohnheim

Das Übergangswohnheim Schumannstraße, eine Liegenschaft der Stadt Linz, gilt für Männer, Frauen, Paare und auch Familien als Sprungbrett zu einer eigenen Wohnung. 50 Betten stehen hier für an den Rand der Gesellschaft geratene Menschen bereit. Ein erfahrenes, multidisziplinäres Team hilft den BewohnerInnen, die Grundlagen für eine neue Existenz zu schaffen. 

MOWO – Mobile Wohnbetreuung

Nach der Betreuung durch den Sozialverein können viele Menschen wieder im normalen Leben Fuß fassen und in eine eigene Wohnung entlassen werden. Damit diese Personen nicht wieder in ihr altes Leben zurückfallen, unterstützt sie die Mobile Wohnbetreuung auch im neuen Heim noch für eine bestimmte Zeit. Dabei wird versucht, Altlasten wie Schulden, Beziehungskrisen und Suchtprobleme in den Griff zu bekommen. Zusätzlich werden Ziele formuliert und Lösungswege erarbeitet. 

Langjähriger Geschäftsführer Ernst Achleitner geht in Pension

1992 übernahm Ernst Achleitner die Geschäftsführung des B37 und mit ihm erfolgte eine Neuorientierung an den seit der Gründung geänderten Anforderungen im Wohnungslosenbereich. Die Zielgruppe der „Wohnungs- und Obdachlosen“ wurde immer breiter und musste daher differenzierter betrachtet werden. Sein Engagement für „Außenseiter“, Menschen in schwierigen Lebenssituationen und jene am Rande der Gesellschaft, begleitet den Feldkirchner Ernst Achleitner bereits seit seiner frühen Jugend. 

Sein Berufseinstieg war im Bereich von innovativen Arbeitsprojekten als Fachbereichsleiter angesiedelt. Seit 27 Jahren ist der ausgebildete Psychotherapeut nun Geschäftsführer des Sozialvereins B37 in Linz, der Wohnungslosen und Bedürftigen Unterkunft und Betreuung bietet. Zur Gründungszeit des Vereins – der 1988 aus nur einer Einrichtung bestand – war Achleitner Mitarbeiter Nummer 12. Heute, 30 Jahre später, können rund 120 Mitarbeiter und neun Einrichtungen gezählt werden.

Achleitners innovativer Tatendrang und Mut neue Wege zu gehen trug maßgeblich zu dieser Entwicklung bei. Unter seiner Leitung wurde der Verein zu dem, was er heute ist: der größte seiner Art im Bereich Wohnungslosenhilfe in Linz und auch in Oberösterreich. Durch die vielfältigen und an die Bedürfnisse und Wirklichkeiten der KlientInnen angepassten maßgeschneiderten Angebote ist der Verein unvergleichbar und einzigartig in seiner heutigen Form. Daher kann Ernst Achleitner sicherlich zu Recht als einer der vorantreibenden Mitstreiter der Soziallandschaft in Oberösterreich genannt werden. Das Engagement von Achleitner geht dabei aber weit über die reine Bereitstellung bzw. Vermittlung von Wohnraum oder Sicherung der jeweiligen Lebenssituation hinaus. 

Vor mehr als 10 Jahren startete er die Initiative „Einmal das Meer sehen ...“. Eine Initiative, die KlientInnen ihren Traum „zumindest einmal im Leben ans Meer fahren zu können“, ermöglicht. Da sich die Mehrheit der Betreuten des Sozialvereins in äußerst schwierigen persönlichen sowie finanziellen Lebensumständen befindet, viele sind mehr oder minder mittellos und/oder schwer krank, schien dieser Traum in unerreichbarer Ferne. Unter seinem Einsatz kam es dann zu dieser einmaligen Initiative. Seither gibt es die jährlich stattfindenden KlientInnenurlaube. Verreist wird nach Kroatien, Italien oder auch Griechenland. 

Im Mai 2019 geht Ernst Achleitner in den wohlverdienten Ruhestand und ein neuer Abschnitt im B37 beginnt. Christian Gaiseder übernimmt die Rolle als neuer Geschäftsführer des Sozialvereins B37.

„Die Stadt Linz kann Ernst Achleitner gar nicht genug für seinen unermüdlichen Einsatz zum Wohle der wohnungslosen und hilfsbedürftigen Menschen in unserer Stadt danken. Obwohl uns sein Engagement fehlen wird, wünschen wir dir ihm für seine wohlverdiente Pension alles Gute“, sagt die Linzer Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. 

Jubiläumsfest am 12. April 2019 

Anlässlich des 30 Jahre Jubiläums und der Pensionierung von Ernst Achleitner findet am Freitag, 12. April, ein Fest im Volkshaus Dornach statt, zudem alle MitarbeiterInnen, Freunde und UnterstützerInnen des B37 geladen sind. Nach den Festansprachen von Bürgermeister Klaus Luger, Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing, Obfrau Mag.a Brigitta Schmidsberger und Geschäftsführer Ernst Achleitner präsentiert der Verein seinen neuen Imagefilm. Nach einer Fotoschau stehen noch eine Podiumsdiskussion und ein gemütliches, gemeinsames Ausklingen am Programm.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing und B37-Geschäftsführer Christian Gaiseder zum Thema „30 Jahre B37“)

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