Presseaussendung vom: 30.04.2019 |

Wenn es in der Familie nicht mehr geht 16,6 Mio. Euro für Unterbringung in sozialpädagogischen Einrichtungen und bei Pflegeeltern

Hörzing: „Pflegeeltern sind wichtige Stützen der Gesellschaft“ 

Fast 34.000 Kinder und Jugendliche leben im April 2019 in Linz. Der überwiegende Teil führt ein großteils sorgenfreies Leben. Bei manchen Familien kommt es jedoch auf Grund von Trennungen und Scheidungen, Schulproblemen der Kinder, Krankheit oder psychischen Problemen der Eltern zu Schwierigkeiten, die ohne fremde Hilfe nicht mehr gelöst werden können. Wenn Kinder und Jugendliche nicht in der eigenen Familie aufwachsen können – zum Beispiel aufgrund von familiären Krisen oder komplexen belastenden und gefährdenden Lebenssituationen – übernimmt die Kinder- und Jugendhilfe die Pflege und Erziehung („Volle Erziehung“). Im Jahr 2018 wurden 161 Kinder und Jugendliche von Pflegeeltern, weitere 255 Linzer Kinder in sozialpädagogischen Einrichtungen betreut. In Summe wendet die Landeshauptstadt dafür mehr als 16 Millionen Euro auf.   

„Das Ziel der Kinder- und Jugendhilfe ist, vor allem die Jüngsten in unserer Gesellschaft zu schützen. Geschehen kann das nur durch die Zusammenarbeit vieler helfender Hände. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt, wie auch die Beschäftigten in den sozialpädagogischen Einrichtungen üben ihre Aufgaben in diesem äußerst privaten Bereich mit großer Sensibilität aus. Darüber hinaus sind auch die zahlreichen Pflegeeltern, die sich dieser Kinder liebevoll annehmen, eine große Unterstützung und eine wichtige Stütze für die Kinder und für die Gesellschaft“, zeigt sich Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing von der geleisteten Arbeit überzeugt.

Die Entscheidung, ob Kinder und Jugendliche zu einer Pflegefamilie oder in eine Einrichtung kommen, hängt von vielen Faktoren ab und wird oftmals in Abstimmung mit den Eltern und den betroffenen Kindern und Jugendlichen getroffen. Für viele Kinder und Jugendliche ist die Betreuung in einer sozialpädagogischen Einrichtung gut geeignet und förderlich für deren weitere Entwicklung sowie den Erhalt der Beziehungen zur Familie. Es gibt aber auch Kinder und Jugendliche, die noch stärker ein familiäres Umfeld mit gleichbleibenden Bezugspersonen brauchen, um wieder Stabilität und Sicherheit zu erlangen, unabhängig von deren Alter und Erfahrungen oder der voraussichtlichen Dauer des Pflegeverhältnisses.

Unterbringung in sozialpädagogischen Einrichtungen

Minderjährige ab dem 6. Lebensjahr, die in der vollen Betreuung der Kinder- und Jugendhilfe stehen, werden vorrangig in sozialpädagogischen Wohngemeinschaften untergebracht. Die Stadt Linz ist für zwei dieser Einrichtungen verantwortlich, das Kinder- und Jugendwohnheim Johannesgasse und die Jugendwohngemeinschaft SISAL. Rund 33 Kinder und Jugendliche finden dort bei Bedarf einen Betreuungsplatz. Weitere sozialpädagogische Wohngruppen werden in Linz vom Zentrum Spattstraße der Diakonie, von der Sozialen Initiative und von SOS-Kinderdorf . geführt. 2018 konnten 89 Prozent der 255 betroffenen Kinder und Jugendlichen in Einrichtungen in Oberösterreich untergebracht werden. Alle anderen Kinder werden in geeignete Betreuungseinrichtungen in anderen Bundesländern betreut. 

Die in den Einrichtungen untergebrachten Kinder und Jugendlichen sind zu 44 Prozent weiblich beziehungsweise 56 Prozent männlich. Die größte Altersgruppe mit 58 Prozent aller Kinder in Einrichtungen sind die 14- bis 18-Jährigen. Gefolgt von den 34 Prozent der 6- bis 13-Jährigen. Lediglich acht Prozent befanden sich im Alter bis zu fünf Jahren. 

Jüngere Kinder werden vorrangig in Pflegefamilien untergebracht. Für Geschwisterpaare ist es jedoch schwierig, Pflegefamilien zu finden. Mit Stichtag 31. Dezember 2018 wurden insgesamt 161 Kinder und Jugendliche von Pflegeeltern betreut. 

Pflegeeltern – wichtige Stütze für betroffene Kinder

Oft können für Kinder Pflegeeltern in ihrem Lebensumfeld gefunden werden – Menschen, die das Kind und seine Familie bereits kennen, und die sich als Betreuungspersonen zur Verfügung stellen. Ist eine Betreuung im sozialen Umfeld nicht möglich, dann sucht die Kinder- und Jugendhilfe nach geeigneten Pflegeeltern, die das Kind zwar noch nicht kennen, ihm aber einen Platz in ihrer Familie anbieten.

Es gibt viele unterschiedliche Formen des Wirkens als Pflegefamilie. Ob zur Unterstützung und Entlastung der Primärfamilie, für einen begrenzten Zeitraum, für die Betreuung von minderjährigen Flüchtlingen oder für so lange, bis das Kind aus seiner Pflegefamilie „herauswächst“. 

Die Anforderungen an Pflegeeltern sind vielseitig und die „neuen“ Eltern müssen viel Verständnis, Zuneigung und Geduld aufbringen können. Niemand erwartet Perfektion, aber Voraussetzungen müssen vorliegen, die eine positive Bewältigung der Herausforderungen eines Pflegeverhältnisses erst möglich machen. Grundsätzlich können Paare (auch gleichgeschlechtliche) sowie alleinstehende Personen ein Pflegekind aufnehmen. Neben Grundvoraussetzungen wie der körperlichen, geistigen und psychischen Eignung sind folgende Kriterien von Bedeutung:

  • Harmonisches, warmherziges und tolerantes Familienklima
  • Akzeptanz eines Pflegekindes von allen Familienmitgliedern
  • Bereitschaft, den leiblichen Eltern positiv zu begegnen
  • Konstruktiver Umgang mit Konflikten
  • Abstimmung der Lebensweise auf Kinder
  • Erfahrung in der Erziehung und Betreuung von Kindern
  • Angemessener Altersunterschied zwischen Pflegeeltern und -kindern
  • Keine aktuelle Lebenskrise oder finanzielle Sorgen

Die Kinder- und Jugendhilfe prüft, ob die persönlichen, sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Bedingungen ein Pflege(Betreuungs-)verhältnis möglich machen. Wenn nach einem ersten Beratungsgespräch der Wunsch für die Aufnahme eines Kindes weiter besteht, werden Gespräche mit Sozialarbeiter/in und Psycholog/in vereinbart. Bei Paaren werden beide Partner in diese Eignungsüberprüfung einbezogen. Um als Pflegefamilie gut vorbereitet zu sein, ist die Teilnahme an einem Seminar Pflicht. Nach einem positiven Abschlussgespräch bei der Kinder- und Jugendhilfe wird man als Pflegeeltern in einer Datenbank vorgemerkt.

Bei der Anbahnung und Vermittlung achtet die Kinder- und Jugendhilfe darauf, dass das Kind und die Pflegefamilie zueinander passen. Ihre Bedürfnisse, die des Kindes sowie die Bedürfnisse der leiblichen Eltern werden im Vorfeld sorgfältig abgeklärt. Geachtet wird zum Beispiel darauf:

  • ob die Pflegefamilie die nötigen Ressourcen hat, um die Bedürfnisse des Pflegekindes zu erfüllen
  • ob Geschwisterreihe und Altersabstand der Geschwister passen 
  • ob Wohnort und Erreichbarkeit mit den vorgesehenen Besuchskontakten vereinbar sind

Die Kinder- und Jugendhilfe kümmert sich dann um die ersten Kontakte und Besuche, organisiert die Übersiedlung des Pflegekindes und schließt eine Betreuungsvereinbarung mit der neuen Familie ab. Dadurch wird das Pflegeverhältnis rechtlich begründet. Die Kinder- und Jugendhilfe begleitet ein Pflegeverhältnis von Anfang an und hält regelmäßig Kontakt mit den Eltern. Sie besucht das Pflegekind in seinem neuen Zuhause und bespricht gemeinsam die Entwicklungen im Alltag. 

Pflegefamilien erhalten im Laufe der Betreuung ihres Pflegekindes oft spezielle Unterstützungsleistungen durch die Kinder- und Jugendhilfe oder im Rahmen des Chancengleichheitsgesetzes. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die konkreten Kriterien für eine Hochbelastung entsprechen, kann es sein, dass Leistungen, die darüber hinausgehen, erforderlich sind. Für diese Situationen werden bei Bedarf besondere Unterstützungsmodule bereitgestellt.

Der Lebensunterhalt wird durch das Pflegekindergeld und die Bekleidungsbeihilfe gedeckt. Für andere Anschaffungen, die in jedem Kinderleben anfallen, gibt es durch die Kinder- und Jugendhilfe bestimmte zusätzliche Geldleistungen. Und in besonderen Einzelfällen kann auch um Sonderbedarf angesucht werden.

Wenn Pflegemütter/-väter eine sozialversicherungsrechtliche Absicherung brauchen, bietet ihnen die Kinder- und Jugendhilfe ein Anstellungsverhältnis an. Das Dienstverhältnis wird mit plan B, einer privaten Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe, abgeschlossen. Plan B bietet auch begleitende Angebote wie etwa Pflegeelterngruppen, Weiterbildung, Supervision, Begleitung von persönlichen Kontakten, Urlaubsangebote für Pflegekinder und Beratung durch Psycholog/innen.

Empfang für Pflegefamilien

Am Montag, 29. April, fand im Alten Rathaus ein Empfang für die 42 Linzer Pflegeelternfamilien statt. Sie betreuen aktuell 44 Kinder. Als Dankeschön für ihre geleistete Arbeit erhielten sie von Bürgermeister Klaus Luger und Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing Anerkennungsurkunden überreicht. 

„Ein fremdes Kind, zumeist mit Problemen aus der Ursprungsfamilie belastet, in der eigenen Familie aufzunehmen und zu versorgen, ist keine leichte Aufgabe und betrifft alle Mitglieder. Umso mehr muss die Gesellschaft diesen Personen danken, die sich dieser Aufgabe stellen und betroffenen Kindern einen neuen Halt geben. Ein Empfang ist hier nur eine kleine Anerkennung, die wir diesen Menschen geben können“, zeigt sich die Linzer Sozialreferentin dankbar. 

Ein Großteil der insgesamt 161 Kinder ist bei Pflegefamilien außerhalb von Linz untergebracht. „Der Bedarf ist da, für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass sich mehr Linzerinnen und Linzer als Pflegeeltern zur Verfügung stellen“, betont Hörzing. Interessierte können sich an die Stadt Linz wenden. Die Abteilung Sozialpädagogische Betreuung, Pflegekinder und Adoption steht für Auskünfte unter der Telefonnummer +43 732 7070 2850 zur Verfügung. 

Stadt Linz wendet 16,6 Millionen Euro auf

Insgesamt 13,8 Millionen Euro betrugen die Betreuungsausgaben für die 192 in Einrichtungen betreuten Kinder, für welche die Linzer Kinder- und Jugendhilfe finanziell zuständig ist. Eltern müssen für die Unterbringung ihres Kindes dazu einen finanziellen Beitrag leisten. Für die Betreuung von Kindern in Pflegefamilien wurden 2,8 Millionen Euro ausgegeben. In Summe hat die Stadt Linz für die Unterbringungen von Kindern in sozialpädagogischen Einrichtungen und bei Pflegefamilien 16,6 Millionen Euro aufgewendet.

Gesetzlicher Rahmen

Die Tätigkeit der städtischen Kinder- und Jugendhilfe basiert auf dem Kinder- und Jugendhilfegesetz des Landes Oberösterreich (Oö KJHG 2014), das als Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe (KJHT) gilt. Die Bezirkshauptmannschaften und Magistrate sind in diesem Zusammenhang die jeweiligen ausführenden Organisationseinheiten. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Unterbringung von Kindern und Jugendlichen bei Pflegeeltern und in sozialpädagogischen Einrichtungen“)

Zum Betrachten von PDF-Dokumenten benötigen Sie einen PDF-Reader:

Die Stadt Linz fördert im Rahmen der Open Commons Region Linz den Einsatz von freier, anbieterunabhängiger Software. Freie PDF-Reader für Ihr Betriebssystem finden Sie auf der Seite pdfreaders.org (neues Fenster), einem Angebot der Free Software Foundation Europe. Sie können auch den PDF-Reader von Adobe verwenden.

pdfreader.org - Freie PDF-Reader (neues Fenster)     PDF-Reader von Adobe (neues Fenster)

Frag ELLI!
Frag ELLI! – Chatbot der Stadt Linz

ELLI ist digital, hilfsbereit und immer zur Stelle, wenn Antworten auf Fragen zu ausgewählten Themen rund um die Stadt Linz benötigt werden. 

Mehr dazu