Presseaussendung vom: 27.05.2019 |

Herausforderung Demenz: Linzer SeniorInnenzentren gut gerüstet Spezielle Betreuungsmodelle und Angebote in Tageszentren

Etwa 130.000 Menschen in Österreich leiden heute an Demenz. Die Stufen reichen in mehr oder minder schweren Formen von Orientierungsschwierigkeiten bis zur Alzheimererkrankung im fortgeschrittenen Stadium. Bis zum Jahr 2050 ist sogar mit einer Verdopplung der Erkrankungen zu rechnen. In der Altersgruppe „60 Plus“ ist zirka 1 Prozent der Bevölkerung betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit rasch an. Bei den über 90-Jährigen leiden fast 30 Prozent an einer demenziellen Erkrankung. Die Alzheimer-Demenz ist dabei mit 60 Prozent die am häufigsten auftretende Form. 

„Bis 2025 sagen die Bevölkerungsprognosen auch in Linz eine Steigerung von Menschen über 60 Jahren um 17 Prozent voraus. Die Zahl der 80-jährigen und älteren Personen erhöht sich im selben Zeitraum um 24 Prozent. Die Linzer SeniorInnenzentren sind für diese Herausforderung gut gerüstet. Wir bieten spezielle Betreuungsmodelle im stationären Bereich an. Dazu kommen Angebote im Tageszentrum Liebigstraße, die die pflegenden Angehörigen entlasten“, erklärt die Linzer Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. 

Ein Großteil der Erkrankten (bis zu 90 Prozent) wird von Mobilen Diensten in der Familie oder im Rahmen der 24-Stunden-Pflege zu Hause betreut. In vielen Fällen ist jedoch mit zunehmender Pflegebedürftigkeit die Unterbringung im SeniorInnenzentrum unumgänglich. 

Die Stadt Linz hat es sich zum Ziel gesetzt, Demenzerkrankten besondere Zuwendung zukommen zu lassen. In den zehn städtischen SeniorInnenzentren wird speziell auf die Bedürfnisse dieser Patientinnen und Patienten eingegangen. Die Pflegeansätze der Mäeutik und Biografiearbeit sowie verbesserte Angehörigenarbeit bewirken eine hohe Qualität der Pflege. Davon wiederum profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Familien, sowie das Pflegepersonal durch ein entsprechendes Pflegeverständnis.

Schwerpunkt im SeniorInnenzentrum Liebigstraße 

Der Umgang mit Demenz ist heute in allen Linzer SeniorInnenzentren ein Schwerpunkt. Eine eindeutige Spezialisierung erfolgte jedoch im 2016 fertig gestellten SeniorInnenzentrum Liebigstraße.

SeniorInnenzentrum Liebigstraße

Sämtliche der dort geschaffenen 120 Pflegeplätze sind für an Demenz erkrankte Personen vorgesehen. Etwa 100 Bewohnerinnen und Bewohner sind von diagnostizierter Demenz betroffen, die übrigen leiden an ähnlich gelagerten Erscheinungsformen. Das Betreuungsangebot variiert von mittelschwer erkrankten Personen bis hin zu schwer an Demenz leidenden. Alle der etwa 70 im Pflegedienst tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Umgang mit Demenz speziell geschult. Im Vordergrund steht dabei die Biografiearbeit, also die Befassung mit der Lebensgeschichte und den Lebensumständen der Betroffenen, die einen persönlichen Zugang zu den Bedürfnissen des/der Patienten/Patientin ermöglichen.

Erlebnisorientierte Pflege

Im Jahr 2012 hielt eine spezielle Pflegemethode Einzug in das Betreuungswesen der Linzer SeniorInnenzentren: Die „Mäeutik“, die Kunst der erlebensorientierten Pflege. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit all seinen Beziehungen, wobei sich ein Großteil dieser Methode um die Gefühlswelt der zu pflegenden Personen dreht. In der Praxis werden Fähigkeiten und Fertigkeiten von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Betreuungspersonen bewusst gemacht und gefördert.

Die Pflegepersonen lernen, sich mit ihrer Erfahrung und mit Hilfe der Instrumente der Mäeutik immer besser in die Lebenswelt der Bewohnerinnen und Bewohner einzufühlen, ihre wesentlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und sie in die individuelle Pflege einzubeziehen. Die Bezugspflege und wie erwähnt die Biografiearbeit (Geschichte der Betreuten) sind ein unerlässlicher Bestandteil des mäeutischen Pflegemodells. Damit wird dem Pflegepersonal der Umgang mit schwierigen Situationen erleichtert.

Bestmögliche fachliche Unterstützung 

Bei der Schulung des Pflegepersonals arbeiten die Linzer SeniorInnenzentren auch mit spezialisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MAS Alzheimerakademie zusammen, zum Beispiel bei schwierigen Einzelfallbesprechungen.

Ein Team von drei ErgotherapeutInnen und ein Konsiliararzt für Neurologie sowie ein Physiotherapeut und eine Logopädin stehen ebenfalls für spezielle Untersuchungen und Therapien zur Verfügung.  

In Bezug auf die Ernährung gibt es im SeniorInnenzentrum Liebigstraße keine wesentlichen Unterschiede zu anderen stationären Einrichtungen, es wird aber mit einem so genannten Breikostbrot Schluckstörungen vorgebeugt. Gerade diese Schluckstörungen sind bei Demenzerkrankungen nicht selten.

Musik und Tanz 

Beim Musizieren, Singen und Tanzen werden Fähigkeiten wie das Tastempfinden, Raumempfinden und Wissen bzw. die entsprechenden Gehirnregionen aktiviert. Deshalb werden im SeniorInnenzentrum Liebigstraße regelmäßige Musiknachmittage mit Live-Musikanten abgehalten. Für das leibliche Wohl sorgen Kaffee und Kuchen. Auch Tanzen gehört dazu.

Spezielle Station im SeniorInnenzentrum Neue Heimat 

Im SeniorInnenzentrum Neue Heimat gibt es ebenfalls eine eigene, jedoch kleinere Abteilung für demente Personen. Etwa 30 betroffene Personen werden in einer auf Demenz spezialisierten Station versorgt. 

Demenz-Betreuung in privaten Heimen 

Neben dem umfassenden städtischen Angebot stellen auch private Heime und Organisationen in Linz spezielle stationäre Betreuungsangebote zur Verfügung. So bietet die Caritas im SeniorInnenwohnhaus Karl Borromäus spezielle Pflege für an Demenzerkrankte an. Das Pflegeheim St. Anna, das Haus der Diakonie und die Franziskusschwestern, verfügen ebenfalls über Möglichkeiten zur Versorgung dementer Personen.

Städtisches Tageszentrum Liebigstraße 

Mit Jänner 2016 ist neben dem SeniorInnenzentrum auch das Tageszentrum Liebigstraße mit bis zu 40 Plätzen in Betrieb gegangen. Der Schwerpunkt liegt hier ebenfalls bei der Betreuung von demenzerkrankten SeniorInnen. Der Ablauf im Tageszentrum Liebigstraße unterscheidet sich von den anderen städtischen Tageszentren in Linz dadurch, dass vor allem in Kleingruppen auf die speziellen Bedürfnisse der Menschen eingegangen wird. Aktivgruppen mit Singen, Basteln, Bewegungstherapie, Werkgruppen und Gesprächsgruppen gehören zu einem „typischen“ abwechslungsreichen Wochenplan.

„Mit dieser Einrichtung sprechen wir ältere Menschen an, die weiterhin zu Hause wohnen, aber aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, ihr Leben in der gewohnten Umgebung ohne Unterstützung zu meistern. Zudem werden pflegende Angehörige entlastet, die entweder im Beruf stehen oder eine Atempause im Pflegealltag benötigen“, informiert die Linzer Sozialreferentin Karin Hörzing.

Tageszentrum Regenbogen

Ein Pendant zum Tageszentrum Liebigstraße ist das Tageszentrum Regenbogen der Volkshilfe Linz, wo durch die Kostenübernahme der Stadt Linz für die Linzerinnen und Linzer 20 spezielle Betreuungsplätze gesichert werden konnten. Die Volkshilfe Linz betreibt das Tageszentrum Regenbogen für Menschen mit demenziellen Erkrankungen bereits seit 13 Jahren und verfügt daher über fundiertes Know-How. Geöffnet ist es von Montag bis Freitag von 7:30 bis 16 Uhr. Der Besuch ist ganztägig möglich.

Tageszentrum Regenbogen
Tageszentrum Regenbogen, Maderspergerstraße 11

Tageszentrum Elisabeth Stub‘n 

Ebenfalls eine Tagesbetreuung für Menschen mit Demenzerkrankungen bietet die Elisabeth Stub’n im Seniorenwohnhaus Karl Borromäus an der Linzer Harrachstraße. Die SeniorInnen können ab 8 Uhr in die Elisabeth Stub’n gebracht und bis 16 Uhr abgeholt werden. Die Tagesbetreuung kann regelmäßig an einem Tag oder auch an mehreren Tagen pro Woche in Anspruch genommen werden. Mit abwechslungsreichen Beschäftigungsangeboten für Körper, Geist und Seele wird der Tag gestaltet. Je nach Wunsch gibt es auch ein gutes Frühstück, Mittagessen und eine Nachmittagsjause. 

Herausforderung Demenzbetreuung

Für den künftigen Umgang mit der Herausforderung Demenzbetreuung ist die Stadt Linz im Austausch mit dem Land Oberösterreich. Das Landesprojekt Sozialressort 2021+ sieht die Förderung von Innovationen im Bereich der Altenpflege vor. Demenzspezifische Angebote sollen bis 2025 sukzessive ausgerollt werden, mehr Flexibilität geschaffen, neue (wissenschaftliche) Ansätze strukturiert aufgenommen und gefördert werden. Ebenfalls ist die Errichtung individueller alternativer Wohnformen angedacht. 

Auf Landesebene läuft zudem das Projekt „Integrierte Versorgung Demenz in “, welches die Optimierung des Umgangs mit demenziellen Erkrankungen zum Ziel hat. Teil der „Integrierten Versorgung Demenz in “ ist ein Pilotprojekt in den Alten- und Pflegeheimen in Kalham, Mauerkirchen und Ternberg. Dieses soll die Versorgung und Lebensqualität von an Demenz erkrankten Heimbewohnern und -bewohnerinnen verbessen. Im Mittelpunkt steht die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen, z. B. niedergelassene bzw. Fachärzte und -ärztinnen, Pflege- und Betreuungspersonal, Psychologen und Psychologinnen. „Für weitere Planungen der Stadt Linz ist es wesentlich, die Erkenntnisse und Ergebnisse der Aktivitäten des Landes für die Zukunft heranzuziehen. Vor allem im Bereich der Alternativen Wohnformen gilt es zu berücksichtigen, wie es dem Land Oberösterreich gelingt, die Demenzbetreuung abzudecken und welche Wohnbauförderungsmittel dafür künftig zur Verfügung stehen werden“, betont Vizebürgermeisterin Hörzing. 

Aus Sicht der Stadt Linz kann auch der Bau neuer SeniorInnenzentren nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Der gleichzeitig notwendige Ausbau der Mobilen Dienste ist dabei unbestritten. Seit 2012 kann in Linz von einer Vollversorgung durch die Mobile Betreuung und Hilfe gesprochen werden. „Unser Ziel ist es, diesen Status zu erhalten, denn natürlich soll allen Linzerinnen und Linzern der Wunsch erfüllt werden, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können“, betont Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Angebote für Menschen mit Demenzerkrankungen in Linz“)

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