Presseaussendung vom: 05.06.2019

Niemand wird in Krisensituationen alleingelassen Hilfe für mehr als 5.000 Linzer Kinder und Jugendliche

16,6 Mio. Euro für Unterbringung in sozialpädagogischen Einrichtungen und bei Pflegeeltern 

Fast 34.000 Kinder und Jugendliche leben in Linz. Der überwiegende Teil führt ein großteils sorgenfreies Leben. Bei manchen Familien kommt es jedoch auf Grund von Trennungen und Scheidungen, Schulproblemen der Kinder, Krankheit oder psychischen Problemen der Eltern zu Schwierigkeiten, die ohne fremde Hilfe nicht mehr gelöst werden können. Die Stadt Linz unterstützt diese Familien umfangreich durch die städtische Kinder- und Jugendhilfe. SozialarbeiterInnen identifizieren die Problemlagen und helfen den Erziehungsberechtigten bei der Lösung der Probleme. 2018 wurden dabei von der städtischen Kinder- und Jugendhilfe (KJH) mehr als 5.000 Kinder und Jugendliche betreut, Eltern beraten oder Gefährdungsabklärungen durchgeführt.

„Durch die Erziehungshilfe der Stadt werden alle Familienmitglieder gleichermaßen unterstützt. Eltern erhalten dabei die Möglichkeit, die Probleme in der Familie durch professionelle Unterstützung wieder zu lösen. Für Kinder gilt die Gewissheit, dass auch ihre Interessen vertreten werden und für sie gesorgt wird, wenn ihre Eltern dazu alleine nicht in der Lage sind. Vorrangig aber kommt es uns darauf an, das Gespräch zu suchen und darauf, dass die Kinder bei ihren Eltern bleiben können. Kindesabnahmen sind immer der letzte Weg bei den Entscheidungen der SozialarbeiterInnen“, betont die Linzer Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. 

Breites Aufgabengebiet der Erziehungshilfe:

Stadt Linz hilft Eltern und Kindern in Problemfällen

Fast 34.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre leben aktuell in Linz. Neben den reinen Informations- und Auskunftsleistungen der Erziehungshilfe, umfasst der größte Aufgabenbereich die längerfristige Betreuung und Begleitung. Besonders bei schwerwiegenden Familien- und Erziehungsproblemen unterstützen die regional zuständigen SozialarbeiterInnen die Eltern über einen längeren Zeitraum. Gemeinsam mit der Familie und ihrem sozialen Umfeld werden die vorhandenen und die fehlenden Ressourcen bei Einzel-, Gruppen-, und Familiengesprächen erhoben. Der Betreuungsbedarf wird gemeinsam festgelegt und in Einzelfällen auch ein Hilfeplan erstellt. Darüber hinaus vermitteln die SozialarbeiterInnen ergänzende Unterstützungsangebote anderer sozialer Einrichtungen und Institutionen und arbeiten thematisch oder fallbezogen mit ihnen zusammen. 

Sorgfältig abgewogene Entscheidungen 

Im Bereich des Kinderschutzes erhält die Kinder- und Jugendhilfe häufig Meldungen von Seiten Dritter. Das heißt, Verwandte, Nachbarn, LehrerInnen, ÄrztInnen, KindergartenpädagogInnen und andere Personen aus dem näheren Umfeld informieren die Kinder- und Jugendhilfe über beobachtete Gefährdungsmomente, wie die Vernachlässigung oder die Misshandlung von Kindern und Jugendlichen. 

Dies ist ein besonders sensibler und verantwortungsvoller Bereich, da einerseits eine tragfähige Kooperationsbasis mit den Eltern geschaffen werden muss, andererseits die Informationen wie Puzzleteile zusammengesetzt und auf Wahrheitsgehalt überprüft werden müssen. Sämtliche Entscheidungen werden im Vorfeld sorgfältig abgewogen. 

3,4 Millionen Euro gab die Kinder- und Jugendhilfe für Unterstützung und Hilfen von Linzer Familien im vergangenen Jahr aus. Am häufigsten wurden dabei die Kosten für die Unterstützung bei der Erziehung und die sozialpädagogische Familienhilfe übernommen. 

Kindesabnahme als letzter Weg

Wenn Hilfen für Kinder notwendig sind und die Eltern diesen auch nach längerer Motivationsarbeit nicht zustimmen oder wenn Eltern auch nach Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe nicht in der Lage sind, die Entwicklung ihrer Kinder ausreichend zu gewährleisten, müssen Anträge bei Gericht auf (teilweisen) Obsorgeentzug gestellt werden. Im Rahmen des Gerichtsverfahrens verfassen die SozialarbeiterInnen nach ausgiebigen Gesprächen mit Familien und deren Umfeld Berichte und Stellungnahmen an die Pflegschaftsgerichte über die familiäre Situation beziehungsweise die Entwicklung von Minderjährigen. Diese bilden für die RichterInnen eine von mehreren Entscheidungsgrundlagen. 2018 erfolgten mit freiwilligen Vereinbarungen der Eltern insgesamt 106 krisenhafte Unterbringungen. In 29 Fällen musste beim Pflegschaftsgericht ein Obsorgeentzug beantragt werden.

Die verantwortungsvollen Aufgaben der DiplomsozialarbeiterInnen in der Kinder- und Jugendhilfe erfordern Einfühlungsvermögen, sorgfältiges Einschätzen der Informationen, Abwägen von möglichen Gefährdungsmomenten und die konstruktive Auseinandersetzung mit allen Familienmitgliedern. Bruchstückhafte Informationen mit subjektiven Färbungen müssen im Regelfall gemeinsam mit den Betroffenen verarbeitet werden und letztlich, bei akuten Gefährdungen, auch Schritte gegen den Widerstand der Familie und deren Umfeld gesetzt werden. Dies bildet sozusagen das Ende der Skala an Handlungsmöglichkeiten. 

In jedem Abschnitt der Betreuung nehmen die SozialarbeiterInnen eine Haltung ein, die sich an den vorhandenen Ressourcen der Familienmitglieder und an den sozialen Verhältnissen orientiert. Als Hilfen für die Eltern werden ambulante und stationäre Angebote zur Verfügung gestellt.
Auch bei voller Erziehung, das heißt Fremdunterbringung der Kinder, sind Besuche und Kontakte des Kindes zu den Eltern, Therapien und Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung zu organisieren. Das Kind bleibt Kind der Eltern und möchte in der Regel Kontakt zu diesen halten wie auch umgekehrt. Erfahrungsgemäß wird es nach Beendigung der Hilfen in sein soziales Umfeld zurückkehren. 

5.037 Kinder betreut

Im gesamten Jahr 2018 erhielten insgesamt 5.037 Kinder und Jugendliche und ihre Eltern Betreuung und Hilfen oder waren im Rahmen einer Gefährdungsabklärung betroffen. Anfang 2018 befanden sich davon noch 1.185 Minderjährige in aufrechter Betreuung. 

Meldungen Dritter an die Kinder- und Jugendhilfe 

2018 gingen 1.223 Meldungen bei der städtischen Kinder- und Jugendhilfe (KJH) ein, die eine Überprüfung der Lebensverhältnisse von Kindern nötig machten. 

Die Gefährdungsabklärung ist dabei eine der Kernaufgaben der Kinder- und Jugendhilfe. Im Falle einer gravierenden Gefährdung des Kindeswohls hat die KJH die Pflicht, das Kind zu schützen und aus dem Familienverbund zu nehmen, falls mit Information, Beratung und ambulanten Hilfen die Gefährdung nicht abgewendet werden kann. 

Bei 785 Meldungen wurde jedoch keine oder keine gravierende Gefährdung festgestellt, in einem Großteil dieser Fälle war nach einer Beratungsphase das Problem in der Familie gelöst. 

Bei 126 Kindern war eine direkte Unterstützung der Erziehung, wie Einzelbetreuung oder eine sozialpädagogische Familienhilfe notwendig. Hilfe in belasteten Familiensituationen durch unterschiedliche Hilfen wurde in 232 Fällen gewährt. 

Bei 80 Meldungen Dritter waren die negativen Auswirkungen des Familienlebens so stark, dass die Übernahme in volle Erziehung durch die Kinder- und Jugendhilfe notwendig wurde. Dies bedeutet die zumindest vorübergehende Entfernung des Kindes aus der Herkunftsfamilie. 

Unterbringung in sozialpädagogischen Einrichtungen

Für Minderjährige ab dem 6. Lebensjahr, die von der Kinder- und Jugendhilfe voll betreut werden, stehen vorrangig sozialpädagogische Wohngemeinschaften zur Verfügung. Die Stadt Linz trägt zwei dieser Einrichtungen, das Kinder- und Jugendwohnheim Johannesgasse und die Jugendwohngemeinschaft SISAL. 

33 Kinder und Jugendliche werden bei Bedarf betreut. Weitere sozialpädagogische Wohngruppen werden in Linz vom Zentrum Spattstraße der Diakonie, von der Sozialen Initiative und vom SOS-Kinderdorf OÖ. geführt. 

Im Vorjahr konnten 89 Prozent der 255 betroffenen Kinder und Jugendlichen in Einrichtungen in Oberösterreich betreut werden. Die übrigen Kinder wurden in geeigneten Betreuungseinrichtungen in anderen Bundesländern untergebracht. 

Die involvierten Kinder und Jugendlichen sind zu 44 Prozent weiblich bzw. 56 Prozent männlich. Die größte Altersgruppe stellen die 14-18-Jährigen mit 58 Prozent aller Kinder. Es folgen 34 Prozent in der Gruppe der 6-13-Jährigen. Nur 8 Prozent waren im Alter bis zu fünf Jahren, zumeist handelte es sich  um Geschwister, denen ein Beisammenbleiben ermöglicht wurde. 

Jüngere Kinder kamen vorrangig in Pflegefamilien. Für Geschwisterpaare ist es jedoch schwierig, Pflegefamilien zu finden. Mit Stichtag 31.12.2018 wurden in Summe 161 Kinder und Jugendliche von Pflegeeltern betreut. 

Fast 17 Millionen Euro an sozialen Aufwendungen

Die Ausgaben für die 192 in Einrichtungen betreuten Kinder, für die die Linzer Kinder- und Jugendhilfe finanziell zuständig ist, betrugen 13,8 Millionen. Euro. Die Eltern müssen für die Unterbringung ihres Kindes in Pflegefamilien einen finanziellen Beitrag leisten. Dafür wurden 2,8 Millionen Euro ausgegeben. In Summe hat die Stadt Linz für die Unterbringungen von Kindern in sozialpädagogischen Einrichtungen und bei Pflegefamilien 16,6 Millionen Euro aufgewendet.

Beratungsstellen

Wie bei vielen anderen Serviceleistungen und Angeboten, will die Stadt Linz auch bei der Erziehungshilfe den BürgerInnen im Sinne des Wortes „entgegenkommen“. Neben der „Zentrale“ im Neuen Rathaus betreibt die Stadt Linz deshalb noch drei Außenstellen in den Stadtteilen, die zu den jeweiligen Sprechstunden aufgesucht werden können. Zusätzlich werden Sprechstunden in zwei Stadtteilzentren abgehalten. Jeden Vormittag steht für Auskünfte und allgemeine Beratungen die Erstabklärung der Abteilung Erziehungshilfe im Neuen Rathaus zur Verfügung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit telefonischer Terminvereinbarungen unter folgenden Kontaktadressen:

Gesetzlicher Rahmen

Die Tätigkeit der städtischen Kinder- und Jugendhilfe basiert auf dem Kinder- und Jugendhilfegesetz des Landes Oberösterreich (Oö KJHG 2014), das als Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe (KJHT) gilt. Die Bezirkshauptmannschaften und Magistrate sind in diesem Zusammenhang die jeweiligen ausführenden Organisationseinheiten.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Niemand wird in Krisensituationen alleingelassen – Hilfe für Linzer Kinder, Jugendliche und ihre Eltern“)

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