Presseaussendung vom: 13.06.2019

Untersuchung der Linzer Straßennamen 1.148 Straßen unter der Lupe

In der Vergangenheit gab es wiederholt Kritik an früheren Benennungen von Linzer Verkehrsflächen. Im Falle der Langothstraße, die nach dem ehemaligen großdeutschen Politiker und NS-Oberbürgermeister Franz Langoth benannt worden war, kam es nach großen Diskussionen im Gemeinderat und in der Öffentlichkeit 1986 zu einer Umbenennung.

Insgesamt erscheint es nicht sinnvoll, nur anlassbezogen über einzelne Straßenbenennungen zu diskutieren. Vielmehr sollte ein genereller Lösungsansatz für die Stadt Linz entwickelt werden.

„Es war und ist stets ein wesentliches Bestreben der Stadt Linz, die Ereignisse während der Zeit des Nationalsozialismus und seiner Vorgeschichte vor 1938 wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Die Ergebnisse liegen in mehreren Publikationen vor. Der nächste Schritt ist nun, sämtliche Linzer Straßen und deren Namensgeber auf ihren historischen Hintergrund zu untersuchen und ebenso zu erforschen, ob die Personen, nach denen in Linz Straßen benannt wurden, Anhänger von Antisemitismus oder Rassismus waren. Nach einem einstimmigen Votum im Ausschuss für Finanzen, Innovation und Verfassung soll nun in der kommenden Gemeinderatsitzung die Einsetzung einer Historikerkommission beschlossen werden, die sich der systematischen Aufarbeitung der Geschichte der jeweiligen NamensgeberInnen widmen wird“, informiert Bürgermeister Klaus Luger.

Mit diesen Forschungen wird Pionierarbeit für die Stadt Linz geleistet: „Es sollen alle Straßennamen unter die Lupe genommen werden, damit erstmals eine Übersicht vorliegt, wie viele historisch belastete Straßennamen existieren und worin eine Belastung der historischen NamensgeberInnen begründet ist“, so Bürgermeister Klaus Luger.

1.148 Verkehrsflächen werden untersucht

In Linz existieren derzeit 1.148 offiziell benannte Verkehrsflächen. Eine amtliche Benennung von Straßen und Plätzen ist seit 1869 üblich. Seit damals hat sich die Praxis herausgebildet, Verkehrsflächen besonders auch nach bedeutenden Persönlichkeiten zu benennen, weshalb heute beinahe die Hälfte der Linzer Straßennamen Personen gewidmet ist.

In Zeiten gewaltsamer politischer Umbrüche wie während des autoritären „Ständestaates“ 1934 – 1938 und während des NS-Regimes 1938 – 1945 erfolgten zahlreiche Neubenennungen und Umbenennungen. Während die politisch motivierten Bezeichnungen des „Ständestaates“ 1938 umbenannt wurden, mussten die Straßennamen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu einem großen Teil unmittelbar nach 1945 korrigiert werden. 

Ungeachtet dessen spiegeln die Namen gegenwärtiger Verkehrsflächen vielfach politische Einstellungen und Wertvorstellungen wider, die nach heutigen Maßstäben nicht mehr zeitgemäß sind. Auf der anderen Seite geben die Benennungen Auskunft über die historische(n) Identität(en) von Linz und zeugen von der wechselvollen Geschichte der Stadt und ihrer Bevölkerung im 19. und 20. Jahrhundert.

Expertenkommission wird eingerichtet

Eine Kommission aus internen und externen Expertinnen und Experten unter der Leitung des Direktors des Archivs der Stadt Linz, Dr. Walter Schuster, soll die Überprüfung aller Linzer Verkehrsflächen vornehmen. Es sollen etwaige Belastungen in Bezug auf Nationalsozialismus, Antisemitismus, Rassismus, autoritäres Gedankengut oder aus anderen Gründen ermittelt und dokumentiert werden. Auf Basis einer Kategorisierung soll zudem aufgezeigt werden, welche Verkehrsflächen aus welchen Gründen als besonders problematisch anzusehen sind. 

Die Festlegung der Anzahl sowie die Auswahl der Kommissionsmitglieder erfolgt auf Vorschlag des Direktors des Archivs durch den Bürgermeister als sachlich zuständiges Stadtsenatsmitglied. Die Bestellung der Kommissionsmitglieder erfolgt statutskonform durch den Bürgermeister.

Endbericht ermöglicht fundierte Beurteilung 

Es wird ein Endbericht erstellt, der die detaillierten Forschungsergebnisse zu allen untersuchten Straßennamen (inklusive der Biographien der betroffenen Personen) enthält. Als Termin für den Endbericht bzw. ist der 30. Juni 2021 vorgesehen. Der Forschungsbericht wird veröffentlicht werden.

Auf Basis dieses Endberichts und der Aufarbeitung der Geschichte der in Frage kommenden Personen wird über Konsequenzen im öffentlichen Raum der Stadt Linz entschieden werden.  

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger und Mag. Dr. Walter Schuster MAS, Leiter des Archivs der Stadt Linz, zum Thema „Untersuchung der Linzer Straßennamen“)

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