Presseaussendung vom: 26.06.2019

wir sind sichtbar! Feministische Interventionen zum Zweiten Linzer Frauenbericht

Am 28. Juni Treffpunkt Hauptplatz Neptunbrunnen

Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht erkämpft, vor 40 Jahren die Fristenlösung, 2019 hat Österreich erstmals eine Bundeskanzlerin, jedoch noch niemals eine Bundespräsidentin. Durchschnittlich bekommen Frauen in Österreich noch immer um 43 Prozent weniger Pension als Männer und im Jahr 2016 verdienten Linzer Frauen durchschnittlich nur etwa 61 Prozent vom durchschnittlichen Monatsbruttogehalt Linzer Männer.

Gesellschaftliche, politische und ökonomische Gleichberechtigung wird am kommenden Freitag, 28. Juni, ab 20 Uhr lautstark und sichtbar eingefordert. Der Hauptplatz wird zur Projektionsfläche für Gegenwart und Utopie. Frauen aus unterschiedlichen Lebensbereichen treten mit Passantinnen und Publikum in Interaktion. Privates und Politisches als theatrales Wechselspiel münden in ein visuelles Gewitter großflächiger Textinterventionen der Wiener Künstlerin starsky. Umgesetzt wird diese öffentliche Intervention von FIFTITU% – Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur in Oberösterreich.

„Es war mir wichtig, eine möglichst einprägsame Präsentationsform für unseren Frauenbericht zu finden. Ich freue mich daher sehr, dass wir FIFTITU% dazu gewinnen konnten, diese spektakuläre feministische Intervention im öffentlichen Raum zu entwickeln. Ich lade alle ein, gemeinsam mit uns ein Zeichen für die Linzerinnen zu setzen: Was wir wollen ist eine gerechtere Stadt und davon die Hälfte! Ich bedanke mich bei allen, die am Frauenbericht mitgewirkt haben und die die spektakuläre Präsentation am kommenden Freitag möglich machen“, sagt Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

„Wir sind sichtbar!“: Feministische Intervention am Hauptplatz am 28. Juni 2019

„Wir von FIFTITU% freuen uns sehr, die künstlerische Programmierung für die Präsentation des 2. Frauenberichts durchführen zu können. Ungleiche Machtverhältnisse, diskriminierende Strukturen und soziale Ungleichheiten machen auch vor dem Kunst- und Kulturbetrieb nicht halt. „Wir sind sichtbar!“ stellt dar, fordert ein, inszeniert sich und zeigt auf. Mitten im Zentrum wird so ein neuer Handlungsraum eröffnet“, so Oona Valarie Serbest, Geschäftsführerin von FIFTITU%.

Mit dabei ist die Projektionskünstlerin starsky. Die Pionierin der Projektionskunst in Österreich gestaltet gigantische Kunstprojektionen die ein Gesamtkunstwerk aus Sprache, Bild, Kommunikation und Raum darstellen. Sie inszeniert diese visuellen Gewitter in partizipativen Prozessen. Dafür wurde sie 2018 mit dem Marianne.von.Willemer-Preis für digitale Medien der Stadt Linz ausgezeichnet.

Begleitet wird sie von der Komponistin Elisabeth Schimana, eine der österreichischen Pionierinnen der elektronischen Musik die sich durch einen radikalen Ansatz und eine ebensolche Ästhetik auszeichnet. 2018 wurde sie dafür mit dem österreichischen Kunstpreis für Musik ausgezeichnet.

Davor werden Frauen und Männer aus Linz aus unterschiedlichsten Kontexten in einzelnen Interventionen aufzeigen, wie sich die wissenschaftlichen Thesen vom 2. Linzer Frauenbericht in ihrem Leben auswirken. 

Ein Walk der Sichtbarkeit rund um den Linzer Hauptplatz mit 12 verschiedenen Positionen: von Karriere zu Altersarmut; sichtbarer und unsichtbarer Gewalt; von politischer Repräsentanz und Partizipation; von Diskriminierung zu Selbstbestimmung; von Sexarbeit als Arbeit; von Rap bis Trompete geben die Frauen aus Linz Einblick in ihr vielfältiges Schaffen und ihre spezifischen Themenkomplexe.

Mit Beiträgen von der Rapperin Bella Diablo, der Autorin und Geschäftsführerin Wiltrud Hackl, mit Daniela Brodesser von der Plattform Un-Sichtbar – Armut eine Stimme geben, Alice Moe vom Team Dyke March, den Migrationsexpertinnen Abena Twumasi und Soraya Akbari, der Ärztin Elisabeth Murhammer, der Musikerin Fatima El Kosht, der Journalistin und Bloggerin Julia Pühringer sowie mit Vertreter*innen der Organisationen VIMÖ – Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich, des autonomen Frauenzentrum (AFZ) und von maiz, dem autonomen Zentrum von & für Migrantinnen Bereich Sex & Work. 

Timetable

20 bis 21.15 Uhr: Walk der Sichtbarkeit!

21.15 Uhr: wir sind sichtbar! Start der Textprojektion von starsky begleitet von der Komponistin Elisabeth Schimana. 

Seit mehr als 20 Jahren setzt sich FIFTITU% kontinuierlich für bessere Bedingungen von Frauen im Kunst- und Kulturbereich ein. FIFTITU% ist die einzige derartige Plattform, nicht nur in Linz und Oberösterreich sondern bundesweit. Die Aktivitäten umfassen neben kultur- und frauenpolitischer Arbeit, regionaler, nationaler und internationaler Vernetzung, sowie künstlerischer Produktion auch Beratungsleistung und Unterstützung zur Professionalisierung von Frauen in Kunst und Kultur. 2018 wurde FIFTITU% mit dem Staatspreis outstanding artist award für Kulturinitiativen ausgezeichnet.

Zweiter Frauenbericht der Stadt Linz

In der Realität bestehen nach wie vor Diskriminierungen und Benachteiligungen von Frauen gegenüber Männern. Deshalb ist Frauenberichterstattung wichtig. Geschlechtsspezifische Ungleichheiten innerhalb einer Gesellschaft werden damit aufgedeckt, sichtbar gemacht und Erklärungszusammenhänge können hergestellt werden. Bereits 2011 erfolgte auf Initiative von Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger die Erstellung des Ersten Linzer Frauenberichts, welcher im Auftrag des Instituts für Frauen- und Geschlechterforschung an der Johannes Kepler Universität verfasst wurde (Autorinnen: Dr.in Birgit Buchinger und Mag.a Renate Böhm). 

Die vorliegende Aktualisierung baut auf dem Ersten Frauenbericht auf und wurde erneut durch das Institut für Frauen- und Geschlechterforschung unter der Projektleitung von Univ.-Prof.in Dr.in Doris Weichselbaumer von den AutorInnen Mag.a Julia Schuster PhD, Theresa Fitz MSc, BA und Leonie Kapfer, MA gemeinsam mit Timo Kapelari BSc erstellt. Er dient als Grundlage für Entscheidungsträgerinnen und -träger, politische Schwerpunkte in der Frauenpolitik zu setzen. 

154 Seiten unterteilt in sieben Kapitel

Der zweite Frauenbericht basiert ausschließlich auf quantitativem Datenmaterial. Auf Interviews und Workshops mit Expertinnen und Experten wurde verzichtet, da sich geschlechtsspezifische gesellschaftliche Strukturen in den sieben Jahren nicht so gravierend geändert haben, dass neue inhaltliche Deutungen erforderlich wären. Auf 154 Seiten finden Interessierte folgende sieben Kapitel vor: Soziodemografie, Lebensformen, Bildung, Erwerbstätigkeit, Sozioökonomische Lage, Gesundheiten sowie Repräsentanz und Partizipation. Das Kapitel „Sexualität“, das im ersten Frauenbericht vorkam, wurde durch das Kapitel „Gesundheit“ ersetzt. Auch das Kapitel „Lebensphasen – Lebenslagen“ wurde aufgelöst und die Inhalte den anderen Kapiteln passend zugeteilt. 

Frauen noch immer im Nachteil

Durch die genaue Berichterstattung werden positive und negative Aspekte der Lebenssituationen von Frauen beziehungsweise auch von unterschiedlichen Gruppen von Frauen sichtbar. Die Daten belegen, wo Handlungsbedarf besteht. 

Vor allem die Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsmarkt bergen viele langfristige Risiken für Frauen. So sind Frauen in ihrer Erwerbsbeteiligung gegenüber Männern quantitativ vor allem aufgrund von Teilzeit-Arbeitsverhältnissen und qualitativ (beispielsweise aufgrund von Beschäftigungen in Niedriglohnbranchen, Positionen in niedrigeren Hierarchien) benachteiligt, was zu prekären finanziellen Lagen führen kann, vor allem dann, wenn Kinder vorhanden sind. 

  • Das mittlere monatliche Bruttoeinkommen der unselbstständig erwerbstätigen Linzerinnen betrug im Jahr 2016 1.724 Euro. Frauen verdienten damit durchschnittlich 60,6 Prozent der durchschnittlichen Einkommen von Männern in Linz. Das geschlechtsspezifische Verdienstgefälle beträgt somit 39,4 Prozent. 
  • Auch wenn nur die Einkommen von Vollzeiterwerbstätigen verglichen werden, verdienen Frauen in Oberösterreich durchschnittlich über ein Viertel weniger (26,1 Prozent) als Männer.
  • Trotz steigender Qualifikation sind Frauen in Führungspositionen stark unterrepräsentiert.
  • 90 Prozent aller unselbstständig erwerbstätigen Frauen arbeiten im Dienstleistungssektor (Männer: 69 Prozent)
  • 48 Prozent aller erwerbstätigen Frauen sind teilzeitbeschäftigt. 

Eine Umverteilung der unbezahlten Betreuungsarbeit zwischen den Geschlechtern bleibt die wichtigste politische Empfehlung. Dies ist eine Grundvoraussetzung für eine eigenständige Existenzsicherung von Frauen.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Frauenbeauftrager Mag.a Jutta Reisinger über die öffentliche Präsentation des Zweiten Linzer Frauenberichts.)

Weitere Gesprächspartnerinnen:
Mag.a Julia Schuster PhD / Institut für Frauen- und Geschlechterforschung an der JKU
Oona Valarie Serbest / FIFTITU% – Die Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur in Oberösterreich

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