Presseaussendung vom: 18.07.2019 |

Das neue Linzer Abfallwirtschaftsprogramm 2019 Ambitionierte Ziele für Mensch und Umwelt

Abfallvermeidung geht vor

Anfang Juli wurde das „Regionale Abfallwirtschaftsprogramm 2019“ vom Linzer Gemeinderat beschlossen. „Das Programm ist eine Handlungsanleitung für alle künftigen Maßnahmen im Abfallwirtschaftsbereich. Linz soll auch weiterhin eine Stadt bleiben, bei der trotz niedriger Abfallentgelte die Top-Infrastruktur im Bereich der Abfallentsorgung angeboten wird“, betont Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier. 

Linz verfügt über eine sehr gut ausgebaute Abfallwirtschaft. Sammelsysteme, wie die Bio-Tonne oder die Leichtverpackungs-Tonne existieren seit Anfang der 90er Jahre. Glas- und Papiersammelsysteme sind noch länger im Stadtbild verankert. Die Stadt betreibt einen Anlagenpark zur Behandlung der wesentlichen anfallenden Abfallströme und erreicht einen hohen Grad an Entsorgungsautarkie. Damit ist eine langfristige und umweltgerechte Entsorgung der Linzer Abfälle garantiert. 

„Trotz der vielfältigen Systeme können wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen. Die Stadt wächst und wir stehen vor großen Herausforderungen. Vor allem bei jungen Menschen ist es wichtig, ein Bewusstsein für das Thema Abfalltrennung und Abfallvermeidung zu entwickeln. Der umweltfreundlichste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht. Daher setzt die Stadt Linz bereits seit einigen Jahren Maßnahmen zur Abfallvermeidung“, umreißt Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier die Herausforderungen. 

Wichtige Leitlinie für die Zukunft

Das oberösterreichische Abfallwirtschaftsgesetz verpflichtet die 15 Bezirksabfallverbände und die drei Statutarstädte zur Erstellung bzw. zur Aktualisierung von regionalen Abfallwirtschaftsprogrammen. Das regionale Abfallwirtschaftsprogramm stellt die Grundlage für die Abfallwirtschaft in Linz für die kommenden sechs Jahre dar.

„Dabei muss sich die Stadt vielfältigen Herausforderungen stellen“, wie DI Erich Ehrentraut, Leiter des Bereiches Abfall der Linz Service GmbH, erläutert.

  • Die Linzer Bevölkerung wächst stetig: Die Stadt Linz wird als Wohnort sehr geschätzt. Die Bevölkerungszahlen wachsen stetig an. Laut Prognosen sollen bis 2027 in Linz 222.000 Menschen leben. Die neuen BewohnerInnen von Linz brauchen Wohnraum und unverbaute Flächen für Abfallsammelbehälter oder Sammelstellen werden rar. Dies erschwert die Abfallsammlung, während gleichzeitig von mehr Bürgern mehr Abfall produziert wird. 
  • Die Linzer Bevölkerung ist multikulturell: Linz ist eine lebendige Stadt mit BürgerInnen, die unterschiedliche Erfahrungen und Zugänge zur Abfalltrennung oder -entsorgung haben. Hier sind die richtigen Informationskanäle zu finden, um sie ins Boot zu holen. 
  • Die fleißigen Mülltrenner kommen in die Jahre: Für junge Menschen ist Abfall oft ein Randthema. Hier stellt sich die Frage, wie man sie erreichen und motivieren kann. 
  • Die EU gibt hohe Recyclingziele vor, die nur durch getrennte Sammlung im städtischen Bereich schwer erreicht werden können. 
  • Unsere Gesellschaft produziert Abfälle, für die es derzeit keine Verwertungsmöglichkeiten gibt (z. B. Künstliche Mineralfasern). 
  • Die vorhandenen Rohstoffe für liebgewonnene Alltagsprodukte wie Handys (z. B. seltene Erden) sind in Europa endlich. Wir müssen sie hier getrennt sammeln und aufbereiten, um sie als Sekundärrohstoffe nützen zu können. 
  • Linz verfügt im Sinne der Daseinsvorsorge über eigene Behandlungsanlagen. Damit ist eine langfristige und umweltgerechte Entsorgung der Linzer Abfälle garantiert. Dies bedarf allerdings auch einer langfristigen Finanzierung und einer Rechtssicherheit, was die zu behandelnden Abfallströme betrifft. 

Wieviel Abfall produziert jede/r LinzerIn?

Die Gesamtabfallmenge je EinwohnerIn ist in Linz der zweitniedrigste Wert in Oberösterreich: Fallen in Linz 464 Kilogramm pro EinwohnerIn pro Jahr an, so beträgt die Durchschnittsmenge in Oberösterreich 513 Kilogramm pro EinwohnerIn pro Jahr. Die Restabfallmenge je EinwohnerIn ist von 2010 (206 kg/EW.a) bis 2017 (197,5 kg/EW.a) leicht gesunken. Die weitere Reduktion der Restabfallmenge ist ein erklärtes Ziel für die nächsten Jahre.

Reduzierung des Restabfalls – Die Hilfe aller ist gefragt

Die nachhaltigste Reduzierung des Restabfalls erfolgt durch Maßnahmen zur Abfallvermeidung bzw. Maßnahmen, die die Wiederverwendung fördern. 

Maßnahmenkatalog Abfallvermeidung und Wiederverwendung

Viele sinnvolle Projekte werden bereits seit Jahren umgesetzt, und es gilt darauf zu achten, dass diese Projekte weiter mit Leben erfüllt werden. Darüber hinaus sollen natürlich neue Akzente gesetzt werden, die vor allem den Bereich der Wiederverwendung betreffen.

Beispielhaft sind folgende Projekte anzuführen:

  • Abfallvermeidung bei Festen, Veranstaltungen und Märkten 
    Bewilligungen für Veranstaltungen auf öffentlichen Grundstücken werden unter der Auflage erteilt, Speisen und Getränke in Mehrweggebinden oder zumindest in kompostierbaren Gebinden auszugeben. Für kleinere Veranstaltungen können ein Geschirrmobil bzw. auch nur Geschirr ausgeliehen werden. 
  • Umweltfreundliche Beschaffung in der Unternehmensgruppe Linz 
  • Umweltpreis der Stadt Linz („IRIS“)
  • Coffee to go – Cup to keep
    Das Linzer Umweltressort des Magistrats startete 2017 die Initiative Coffee to go – Cup to keep. Wer seinen Kaffee im eigenen Kaffee-Mehrwegbecher mitnimmt, bekommt ihn bei teilnehmenden Betrieben um 20 Cent billiger. 
  • Recyclinghof im Altstoffsammelzentrum Melissenweg
    Linz verfügt über vier Altstoffsammelzentren. Eines dieser Altstoff-sammelzentren (Standort Melissenweg) wird als Recyclinghof geführt.
    Dort abgegebene noch brauchbare Gegenstände („Flohmarktware“) werden von den MitarbeiterInnen aussortiert und in einem eigenen Verkaufsbereich des Altstoffsammelzentrums zu einem geringen Entgelt abgegeben.
  • Übernahme von Elektrogroßgeräten für die Wiederverwendung und ReVital-Sammlung in den Altstoffsammelzentren Nebingerknoten, Wiener Straße und Mostnystraße
    Dahinter verbirgt sich die Idee, dass in den Linzer Altstoffsammelzentren übernommene Gegenstände, die zwar für den Einzelnen keinen Nutzen mehr haben, jedoch zu schade für den Müll sind, für die weitere Nutzung an Sozialbetriebe übergeben werden. Durch diese erfolgt eine Aufbereitung unter Einhaltung von bestimmten Qualitätskriterien und ein Wiederverkauf zu leistbaren Preisen. Diese Initiativen dürfen zu Recht als Leuchtturmprojekte bezeichnet werden, weil eine absolute Win-Win-Situation entsteht: die Müllberge werden verringert, es werden Arbeitsplätze geschaffen und noch brauchbare Güter können günstig erworben werden.

Was passiert mit Abfällen, die nicht vermieden oder wiederverwendet werden können? 

Abfälle sollen, auch wenn es nach dem Kreislaufwirtschaftspaket der EU geht, verstärkt dem Recycling zugeführt werden. Dieses Paket gibt den Mitgliedsstaaten neue Recyclingquoten für Abfälle vor: bis 2025 eine Quote von 55 Prozent, bis 2030 schon 60 Prozent. Das bedeutet, dass auch mehr getrennte Abfälle für das Recycling zur Verfügung stehen müssen. 

2017 betrug die getrennte recyclingfähige Sammelmenge in Linz 56 Prozent. Um diese Menge zu steigern, ist eine Doppelstrategie erforderlich: Einerseits ist die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger durch eine noch intensivere Abfalltrennung erforderlich und andererseits der Einsatz technischer Verfahren, die recycelbare Stoffe aus dem Restabfall abscheiden können. 

Was befindet sich im Linzer Restabfall?

Im Herbst 2018 wurde eine Restabfall-Analyse im Linzer Stadtgebiet durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Bioabfälle (Organik Garten und Haushalt und die Gruppe der vermeidbaren Lebensmittelabfälle), die Kunststoffe (vor allem Verpackungen) und Altpapierabfälle die enthaltenen Hauptfraktionen sind.

Die Linzer Strategien fürs Abfallrecycling

-    Leichtverpackungen 

Kunststoffe, hier vor allem Kunststoffverpackungen, finden sich nicht nur im Restabfall, sondern verstärkt auch am Straßenrand und in heimischen Gewässern. Die ordnungsgemäße Abfalltrennung ist deshalb besonders wichtig. Die Stadt Linz möchte ein möglichst bequemes und einfaches Sammelsystem anbieten: Beginnend mit dem heurigen Jahr wird bis Ende 2020 jede Liegenschaft im Ein- und Mehrfamilienbereich mit einem Sammelbehälter oder dem gelben Sack ausgestattet. Durch die kurzen Entsorgungswege sollen in Zukunft weniger Kunststoffe im Restmüll oder unserer Umgebung landen. 

-    Altpapier

Die Trennmoral beim Altpapier ist bei den Linzerinnen und Linzern grundsätzlich hoch. Allerdings besteht immer noch 11 Prozent des Restabfalls aus Altpapier. Hier ist Luft nach oben und deshalb werden ab 2021 auch Altpapierbehälter bei jeder Liegenschaft im Stadtgebiet zu finden sein. 

-    Bioabfall und Grünschnitt 

Die Sammlung biogener Abfälle und die anschließende Kompostierung ist eine der sinnvollsten Recyclingmaßnahmen. Die Stadt Linz hat daher bereits von 1990 bis 1994 die Biotonne flächendeckend im Stadtgebiet eingeführt. 

Knapp 60 Prozent der anfallenden Bioabfälle und des Grünschnitts werden getrennt gesammelt. Um die Sammelmengen noch zu verstärken, wird versucht, die Wohnungsgenossenschaften ins Boot zu holen und den BürgerInnen gemeinsam die Wichtigkeit des Trennens von biogenen Abfällen ins Bewusstsein zu rufen.  

-    Elektroaltgeräte, Batterien und Problemstoffe – bitte in die Linzer Altstoffsammelzentren 

Der Anteil im Restabfall ist zwar mengenmäßig gering, aufgrund der enthaltenen gefährlichen Inhaltsstoffe bzw. der wertvollen Sekundärrohstoffe (wie z. B. Gold in alten Mobiltelefonen) ist die ordnungsgemäße Entsorgung in den Linzer Altstoffsammelzentren sehr wichtig. Hier soll regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit die LinzerInnen in die Altstoffsammelzentren locken. Die Altstoffsammelzentren sollen moderne Serviceeinrichtungen sein, daher wird ihnen mit Revitalisierungsmaßnahmen ein neues Gesicht verliehen.

LINZ – eine saubere Stadt

Die Abfallwirtschaft rückt meist nur dann ins Bewusstsein, wenn sie nicht funktioniert. Dass sie in Linz gut funktioniert, fällt einem erst so richtig in Urlaubsländern auf, wo die Strände vermüllt sind und scheinbar unberührte Flächen als wilde Mülldeponien missbraucht werden.

Österreich hat als stark entwickeltes Industrieland eine Wegwerfgesellschaft und die Abfallflut wird tendenziell mehr. Die daraus entstehenden Probleme werden sichtbarer. “Die Stadt Linz hat in den nächsten Jahren viele Maßnahmen im Visier, die dieser Entwicklung entgegenarbeiten sollen. Mit Hilfe unserer Bürgerinnen und Bürger wollen wir, dass Linz auch in Zukunft eine lebenswerte, saubere Stadt bleibt”, betont Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier. 

Erst vor kurzem wurde ein neues städtisches Reinigungskonzept für Umweltschutz und höhere urbane Lebensqualität präsentiert, das zur Verbesserung der Sauberkeit in der Stadt beitragen soll. Weiters würde Baier den Einsatz von Waste Watcher nach Wiener Vorbild zum nachhaltigen Schutz unserer urbanen Lebensumgebung begrüßen.

Informationsunterlage zur Pressekonferenz über das „Regionale Abfallwirtschaftsprogramm 2019“ von Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier und DI Erich Ehrentraut, Bereichsleiter Abfall der Linz Service GmbH)

Creative Commons-Lizenz
Dieser Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Die Veröffentlichung der Bilder ist für Medien honorarfrei, jedoch nur mit Fotonachweis. Falls nicht anders angegeben ist anzuführen: "Foto: Stadt Linz". Bei gewerblicher Nutzung bitten wir um Kontaktaufnahme.