Presseaussendung vom: 10.09.2019

Städtische Schulsozialarbeit setzt auf Früherkennung Mehr als 750 Schülerinnen und Schüler in Betreuung

Soziale Probleme haben sowohl auf die Lernbereitschaft als auch die weiteren Berufs- und Lebenschancen jedes Einzelnen massive Auswirkungen. Um diese zu bewältigen und die Kinder und Jugendlichen in ihrem Heranwachsen zu unterstützen, wurde Sozialarbeit an Schulen als präventiver sozialer Dienst etabliert. 
An Linzer Pflichtschulen mit gesamt etwa 11.300 Schülerinnen und Schüler wird Schulsozialarbeit im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe angeboten. Die SozialarbeiterInnen der Abteilung Jugendgesundheit und Schulsozialarbeit aus dem Geschäftsbereich Soziales, Jugend und Familie stehen als AnsprechpartnerInnen für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen vor Ort bereit. 

„Unser erklärtes Ziel städtischer Schulsozialarbeit ist es, Problemsituationen möglichst früh zu erkennen und individuelle Lösungen zu finden. Gemeinsam mit den KooperationspartnerInnen in den Schulen gelingt es, Mädchen und Buben bestmöglich in ihrer Entwicklung zu begleiten“, betont Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. 

Aktuell wird in zwei Drittel der öffentlichen Pflichtschulen in Linz Schulsozialarbeit auch direkt vor Ort angeboten. Konkret profitierten im Schuljahr 2018/2019 exakt 754 SchülerInnen und deren Umfeld vom niederschwelligen Angebot. Auch nicht direkt betreute öffentliche Pflichtschulen in Linz haben die Möglichkeit, sich an die Schulsozialarbeit zu wenden. 

Ziel der Schulsozialarbeit (SuSA) ist es, durch die regelmäßige Präsenz in den Schulen psychosoziale Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen zur individuellen Förderung der sozialen Integration der Kinder und Jugendlichen in ihrem Umfeld zu setzen. Das passiert derzeit an zwei Drittel der 56 öffentlichen Pflichtschulen (37 Volksschulen, 14 Neue Mittelschulen, zwei Polytechnische Schulen, drei Sonderschulen) in Linz. 

Schuljahr 2018/2019: 754 Schülerinnen und Schüler in Betreuung 

Derzeit zählt der Bereich der städtischen Schulsozialarbeit 13 MitarbeiterInnen, die zum Großteil teilzeitbeschäftigt sind. Im vergangenen Schuljahr 2018/2019 haben sie 754 der Linzer PflichtschülerInnen begleitet und betreut. Davon besuchten 362 eine Volksschule, 298 eine Neue Mittelschule, 14 gingen in ein Polytechnikum und 80 in eine Sonderschule. Vor allem Buben – es waren 488 – nahmen das Schulsozialarbeit-Angebot in Anspruch. 

Bei 293 Fällen dauerte die Betreuung weniger als zwei Monate. Um 298 Mädchen und Jungen nahmen sich die SozialarbeiterInnen länger an. 163 Kinder und Jugendliche wurden über sechs Monate hinaus betreut. Bei 49 SchülerInnen reichte das Schulsozialarbeit-Angebot nicht aus. Für sie wurden unterstützende Erziehungshilfen in die Wege geleitet. 

Problemfelder der Schulsozialarbeit 

Die Problemstellungen sind vielfältig. Sie reichen von Erziehungsüberforderung, Verhaltensauffälligkeiten der SchülerInnen, ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen, kulturellen und sprachlichen Integrationsproblemen, gesundheitlichen Problemen, familiären Konflikten und Krisen über Lernschwierigkeiten und Schulverweigerung bis hin zu Gewalt, Suchtmittelmissbrauch und Straffälligkeit. 

Erziehungsüberforderung (51 Prozent), Lernschwierigkeiten (39 Prozent) und Verhaltensauffälligkeiten (31 Prozent) der SchülerInnen sind nach wie vor die Hauptproblemfelder. Gefolgt von ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der betreuten Familien (22 Prozent) sowie Fällen, in denen die SchulsozialarbeiterInnen mit der Beratung von Kindern und deren Eltern in herausfordernden Trennungs- bzw. Scheidungssituationen (14 Prozent) befasst sind (Mehrfachnennungen). 

Es erfordert viel Zeit und Einfühlungsvermögen, das Vertrauen der Eltern, der SchülerInnen und der LehrerInnen zu gewinnen. Für eine erfolgreiche Betreuung sind SchulsozialarbeiterInnen im Einsatz, die einerseits gut ausgebildet sind, andererseits mit viel Empathie, Geduld, Zuversicht und Freude ihre Aufgabe wahrnehmen. 

SuSA berät, begleitet, zeigt bestehende Ressourcen auf, nutzt diese und unterstützt damit effizient. Im Falle einer Gefährdung des Kindeswohls wird mit den zuständigen MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendhilfe kooperiert. 

Für alle das passende Angebot 

Zielgruppe für die Schulsozialarbeit sind SchülerInnen mit einem zusätzlichen Betreuungsbedarf, der im Rahmen der schulischen Förderung nicht abgedeckt werden kann. Weiters SchülerInnen, die von ihrer Familie bei der Bewältigung der täglichen Anforderungen nicht ausreichend unterstützt werden. Auch Erziehungspersonen, die Beratung und Hilfe in der Pflege und Erziehung ihrer Kinder benötigen und PädagogInnen, die sich Sorgen um das Wohl einer/s SchülerIn machen, können Schulsozialarbeit in Anspruch nehmen. 

Am häufigsten wird SuSA durch LehrerInnen beziehungsweise SchulleiterInnen beauftragt. Im Schuljahr 2018/2019 war dies 504 Mal der Fall. Be-treuungslehrerInnen meldeten insgesamt 96 Mal Betreuungsbedarf. 63 Mal wandten sich Eltern(teile) und 32 Mal SchülerInnen direkt an die SozialarbeiterInnen. Bei 59 SchülerInnen meldeten die SchulärztInnen und sonstige HelferInnen einen Betreuungsbedarf. 

Das Tätigkeitsfeld umfasst präventive, begleitende und aufsuchende Sozialarbeit sowie Krisenintervention. Gleichzeitig sind die SuSA-MitarbeiterInnen gut mit internen und externen Hilfsangeboten vernetzt. 

„Die Schule ist nicht mehr nur ein Ort des Wissenserwerbes, sondern übernimmt auch vermehrt erzieherische und persönlichkeitsbildende Aufgaben. Deshalb ist die Schule für Kinder und Jugendliche ein enorm wichtiger Lebensbereich“, erklärt Sozialreferentin Karin Hörzing. 

Kürzung bei Schulsozialarbeit des Bundes  

Da die Schulsozialarbeit in Linz bereits eine lange Geschichte hat, ist das stadteigene Angebot von der aktuell durchgeführten Kürzung durch den Bund nicht betroffen. „Die Einsparung dieser wichtigen Ressourcen ist dennoch äußert bedauerlich. Schulsozialarbeit ist einer der wichtigsten Hebel, um Problemstellungen und Schwierigkeiten im schulischen Umfeld rechtzeitig zu bearbeiten. Jede Stuide, die hier eingespart wird, ist eine zu viel“, betont die Linzer Sozialreferentin. 

Die Schulsozialarbeit des Bundes, die 2017 eingeführt wurde, war auch in der Landeshauptstadt im Einsatz. Durch die Eingliederung beim Landesschulrat entstand jedoch eine unnötige Doppelstruktur. „Ich appelliere daher an die künftige Bundesregierung, die Mittel, die bisher für den Raum Linz eingesetzt wurden, in Zukunft der Stadt Linz zur Verfügung zu stellen. Die präventive Arbeit könnte so flächendeckend durchgeführt werden“, so Hörzing weiter. Aufwändige Parallelstrukturen, wie sie mit dem aktuellen System verbunden waren, würden dadurch verhindert und die Ressourcen könnten effizient eingesetzt werden. 

Linz in der Vorreiterrolle

In der Landeshauptstadt wird die Schulsozialarbeit bereits seit den 90er Jahren eingesetzt. Sie hat sich mit dem schulärztlichen Dienst entwickelt und bietet in Kooperation mit dem System Schule sehr gute soziale und auch gesundheitliche Beratungsangebote im präventiven Bereich. Hervorzuheben ist die fachliche Qualität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch die Jahrzehnte dauernde Praxis und kontinuierliche Fortbildung und Supervision erreicht wurde. Hinzu kommt, dass die Schulsozialarbeit und der schulärztliche Dienst in einer Abteilung tätig sind. Durch die damit mögliche enge Kooperation wird nicht nur eine hohe fachliche Kompetenz, sondern ein vernetztes Zusammenarbeiten zur bestmöglichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ermöglicht. 

„Schulsozialarbeit wird von Eltern, PädagogInnen und SchülerInnen gerne in Anspruch genommen. Ich bedanke mich bei den MitarbeiterInnen für ihre Tätigkeit und ihr herausragendes Engagement für die Linzer Kinder und Familien“, so Vizebürgermeisterin Hörzing abschließend. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Städtische Schulsozialarbeit“)

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