Presseaussendung vom: 17.09.2019

Gandhi-Symposium zur aktiven Gewaltfreiheit Von 27. bis 29. September in Linz

Etwas tun! Aber wie?

Vor zwei Jahren wurde am Internationalen Tag der Gewaltfreiheit zu Mohandas Karamchand (genannt Mahatma) Gandhis Geburtstag das europaweit erste Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit in der Friedensstadt Linz eröffnet. Dieses Mahnmal soll die Vergangenheit dieser Stadt reflektieren und zukunftsweisend auf ein friedliches Zusammenleben sowie eine konstruktive, gewaltfreie Konfliktkultur wirken. Nun, zwei Jahre später, laden die Friedensstadt und die Volkshochschule anlässlich Gandhis 150. Geburtstag zu einem Symposium ein. 

ETWAS TUN! ABER WIE? – so lautet der Titel der Veranstaltung, die von 27. bis 29. September als Beitrag zur Entpolarisierung stattfinden wird. Mehr als 25 KooperationspartnerInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sorgen für ein hochkarätiges Programm. Internationale ReferentInnen kommen dazu aus Hamburg, Essen, Berlin, Frankfurt/Main, Marseille, Florenz, Amsterdam oder Leeds angereist. 

„Die Stadt Linz hat sich im Oktober 1986 im Gemeinderat einstimmig zur Friedensstadt erklärt und damit die Verpflichtung übernommen, das Friedensengagement der hier lebenden Menschen verstärkt zu einem Grundprinzip kommunalpolitischen Handelns zu machen. In diesem Sinne ist das Symposium ein weiterer wichtiger Beitrag in diese Richtung“, betont Bürgermeister Klaus Luger.

„Das Symposium hält für alle Interessierten, wichtige Themen zur aktiven Gewaltfreiheit bereit. Die Bedeutung der Veranstaltung unterstreichen die mehr als 25 KooperationspartnerInnen und international renommierten ReferentInnen, die hochspannende Inhalte dazu vorbringen werden“, ist Bildungsreferentin Stadträtin Eva Schobesberger überzeugt.

Veranstaltungspartner ist unter anderem auch Karikaturist Gerhard Haderer mit seiner „Schule des Ungehorsams“. Die Künstlerin Waltraut Cooper präsentiert anlässlich des Symposions das Kunstwerk PEACE, das künftig auf den Platz vor dem Wissensturm aufmerksam machen wird.

Aktive Gewaltfreiheit

Gandhis Haltung und sein Denken in Richtung aktiver, kollektiver Gewaltfreiheit sind heute wieder hoch aktuell und zukunftsweisend. Gewaltfrei aktiv werden heißt, standhaft und öffentlich gegen Unrecht einzutreten, dabei auch im gefährlichen, übermächtig erscheinenden Gegner den Menschen zu sehen und anzusprechen, hartnäckig am Dialog festzuhalten, selbst wenn er unmöglich erscheint, und niemand anderem Leiden zuzufügen, sondern, wenn es denn sein muss, Leiden auf sich zu nehmen. Aktive Gewaltfreiheit ist damit eine politische und gesellschaftliche Kraft, die zur friedlichen Konfliktlösung beitragen kann.

Vier Programmteile 

1.    Eröffnung des Symposiums 

Am Freitag, 27. September, findet um 13.30 Uhr die Eröffnung durch Bürgermeister Klaus Luger und Stadträtin Eva Schobesberger mit der Präsentation der Kunstinstallation PEACE von Waltraut Cooper beim Vorplatz des Wissensturms und im Festsaal im Erdgeschoss statt. 

Danach folgen um 14.30 Uhr die Eröffnungsvorträge „Was können wir von Gandhi heute lernen“ von den beiden Linzer Experten Reiner Steinweg und Severin Renoldner. Der Eintritt dazu ist frei.

2.    Vorträge und Trainings 

Das Symposium findet am Freitag, 27. September, von 14.30 Uhr bis 21.30 Uhr und am Samstag, 28. September, von 10.15 Uhr bis 16.30 Uhr statt. Die drei parallel in einem anderen Stockwerk des Wissensturms stattfindenden Trainings für gewaltfreie Aktionen unter Leitung von zwei hochqualifizierten TrainerInnen aus Deutschland sind auch einzeln buchbar. Insgesamt wird es zwölf Vorträge geben. 

Das Symposium versucht zum einen, einen Überblick über die Entfaltung und Wirksamkeit der nichtmilitärischen, gewaltfreien Konfliktbearbeitung in der Menschheitsgeschichte zu geben (Martin Arnold). Dazu gehört ein zusammenfassender Bericht über die Forschung der vergangenen 15 Jahre zur Wirksamkeit von gewaltfreien Bewegungen und Aufständen im Vergleich zu militärischen Vorgehensweisen. Dabei zeigt sich, dass Gewaltfreiheit nicht nur der moralisch bessere Weg ist, sondern statistisch gesehen auch der erfolgreichere (Christine Schweitzer). Zugleich wird gefragt, ob und in welcher Weise Gewalt Bestandteil auch unserer wissenschaftlichen Kultur ist (Claudia Brunner) und wie die zivile Friedenswahrung (Civil Peacekeeping) ohne Waffen in Nachkriegsgesellschaften funktioniert (Rachel Julian).

Zum anderen steht das Wirken von zwei Persönlichkeiten im Mittelpunkt, die auf herausragende Weise mit gewaltfreien Mitteln entscheidende politische Veränderungen bewirkt haben: Mohandas K. Gandhi, von seinen indischen Zeitgenossen zu seinem Leidwesen als "große Seele" ("Mahatma") bezeichnet, und die noch lebende, 1930 geborene Österreicherin Hildegard Goss-Mayr, die zusammen mit ihrem Mann Jean Goss erheblich zur friedlichen Befreiung von Diktatur und Gewaltherrschaft in Lateinamerika, Afrika und auf den Philippinen beigetragen hat.

Da heuer Gandhis 150. Geburtstag begangen wird, liegt der Schwerpunkt auf seinen Anschauungen, Haltungen und Methoden, die auch Hildegard Goss-Mayr mit geprägt haben, und auf der Frage, was davon uns jetzt und in den auf uns zukommenden vermutlich schweren Zeiten von Nutzen sein kann (Severin Renoldner und Reiner Steinweg). Neben einer kritischen Würdigung aus politikwissenschaftlicher Sicht (Egbert Jahn) und einem aufschlussreichen Vergleich zwischen dem fast zeitgleichen Umgang von Gandhi und Otto Bauer mit einem von der jeweiligen Regierung angerichteten Massaker (Wolfgang Weilharter) steht die Auseinandersetzung mit der in den letzten Jahren zunehmend geäußerten Kritik an Gandhi sowohl in Indien als auch in Afrika im Mittelpunkt (Lou Marin, Sruti Bala). So behauptet z.B. die international geschätzte indische Schriftstellerin Arundhati Roy, Gandhi sei Rassist gewesen und habe zum Fortbestehen des Kastenwesens mit der unmenschlichen Ausgrenzung der sog. Unberührbaren in Indien beigetragen. 

Alle ReferentInnen haben sich seit Jahren intensiv mit politischer Gewaltfreiheit auseinandergesetzt und ein Großteil der deutschsprachigen ExpertInnen trifft sich bei diesem Symposium in Linz.

3.    Abschluss mit Filmpräsentation und Podiumsdiskussion

Eine Filmpräsentation „Ahimsa – Gandhis Kampf ohne Waffen“ (um 18.30 Uhr) sowie „Haderer im Gespräch“ (ab 20.15 Uhr) in der Schule des Ungehorsams in der Tabakfabrik stehen am Samstag, 28. September, am Programm. Der Eintritt ist frei und ist gleichzeitig auch der Abschluss der „Tage des Ungehorsams“, die bereits am 20. September in der Schule des Ungehorsams in der Tabakfabrik starten.

Der Dokumentarfilm stammt von Christian Rathner. Er beleuchtet wichtige Stationen auf Gandhis Lebensweg und lässt Menschen zu Wort kommen, die sich auch heute seinem Vorbild verpflichtet wissen. Zudem thematisiert der Film den Einfluss Gandhis auf die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA. Neben ExpertInnen ist es gelungen, drei Enkel Gandhis zu interviewen: Ela, Rajmohan und Arun Gandhi. Anschließend ist ein Gespräch mit dem Filmemacher, dem früheren Sendungsverantwortlichen des ORF-Religionsmagazins „Orientierung“.

Im Anschluss spricht Haderer über zivilen Ungehorsam mit Ulrike Laubenthal, Peter Steudtner, Sruti Bala und Reiner Steinweg.

Gerhard Haderer, der weit über Österreich hinaus bekannte Linzer Karikaturist, hat die „Schule des Ungehorsams“ in Linz gegründet, weil ziviler Ungehorsam ein wichtiger Bestandteil gewaltfreier Aktionen gegen Unrecht, Ungerechtigkeit, militärische Bedrohungen und den Klimawandel ist. Er muss gelernt werden: Ungehorsam wann und wie und wo nicht. Die GesprächspartnerInnen geben Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Instrument des zivilen Ungehorsams. 

4.    Besuch des Mahnmals und Fachkolloquium 

Nach dem Treffen beim „Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit“ am Sonntag, 29. September, beim Vorplatz des Neuen Rathauses (um 9.15 Uhr) folgt ein Fachkolloquium zu „Aktuellen Problemen bei gewaltfreien Kampagnen und Aktionen“ (ab 10.15 Uhr) im Alten Rathaus im Pressezentrum. An beiden Angeboten kann kostenlos teilgenommen werden.

Das Kolloquium mit einem Einleitungsstatement von Christoph Besemer ist vorrangig ein wissenschaftliches Gespräch der Vortragenden untereinander. ZuhörerInnen sind willkommen. Dabei wird es unter anderem um den Einfluss der modernen Lebensweise und der Digitalisierung auf Vorbereitung und Durchführung gewaltfreier Aktionen und Kampagnen gehen.

Zur Installation PEACE von Waltraut Cooper und Gandhi-Ausstellung

„PEACE in der Computersprache, in der Sprache der Zukunft, in der universellen Sprache. Derselben in Ost und West, Nord und Süd, gestern, heute und morgen. Eine Transformation vom Wort zur Zahl und zum ästhetischen Objekt“. Waltraut Coopers Kunstschaffen spricht die zwei großen Herausforderungen unserer Zeit an: den Weltfrieden und die Digitalisierung. 

PEACE ist eine logische Konsequenz von Coopers „Rainbow Trilogy for Peace 1999-2015“ und nachdem es 2017auf der LED-Fassade des AEC und im vergangenen Jahr bei der Architekturbiennale wird das Wort PEACE am Vorplatz des Wissensturms im Binär-Code in zwei Grautönen auf 5x5 quadratischen Flächen aufgetragen.

Ab 17. September ist darüber hinaus im Foyer des Wissensturms die Ausstellung des Gandhi-Informations-Zentrums Berlin und des Anti-Kriegs-Museums Berlin „Gandhis Weg zur Gewaltlosigkeit“ zu sehen (bis 5. Oktober).

Anmeldung, Kosten, Kontakt

Anmeldungen zum Symposium sind bis 20. September auf www.vhs.linz.at, telefonisch unter +43 732 7070 0, per E-Mail: wissensturm@mag.linz.at oder persönlich im Wissensturm-Center (Montag bis Freitag von 10 Uhr bis 18 Uhr) erforderlich. 

Die Teilnahme-Gebühr inklusive Verpflegung beträgt 50 Euro, ermäßigt 25 Euro. Für ein Training sind pro Einheit 25 Euro, ermäßigt 12,50 Euro zu bezahlen.

Anmeldung zu den kostenfreien Angeboten bitte an Friedensstadt@linz.at.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger und Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger anlässlich des bevorstehenden Gandhi-Symposiums)

Weitere GesprächspartnerInnen:
Dr. Reiner Steinweg / Friedensforscher und Initiator 
Mag.a Waltraut Cooper / Künstlerin 
Dr. Julius Stieber / Direktor Kultur und Bildung

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