Presseaussendung vom: 14.10.2019 |

Verschwundene Vogelart wieder da Ornithologischer Sensationsfund bezeugt die Wichtigkeit des Linzer Grüngürtels für den Artenschutz

Der Sommer 2019 hat uns einmal mehr die Wichtigkeit von innerstädtischen Grünräumen und des Linzer Grüngürtels für die Kühlung unserer Stadt vor Augen geführt. Der Grüngürtel ist aber nicht nur für unser Stadtklima von entscheidender Bedeutung, sondern auch für den Natur- und Artenschutz, was ein ornithologischer Sensationsfund der Naturkundlichen Station einmal mehr belegt: Im Zuge der Vogelbestandsaufnahmen konnte an mehreren Bereichen der Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um einen Wiederfund einer sehr seltenen, schilfbewohnenden Vogelart, die bisher nur ein einziges Mal festgestellt werden konnte.

„In Zeiten der Klimakrise und des dramatischen Artensterbens macht uns dieser Sensationsfund Hoffnung. Wir müssen alles daran setzen, den Linzer Grüngürtel zu schützen und nicht weiter zu verbauen, wie es derzeit angedacht ist. Gerade Vögel, die auf Feldern und Wiesen leben, sind wie auch Amphibien und Insekten auf unverbaute zusammenhängende Flächen angewiesen. Das Verschwinden ganzer Arten wird auch für uns Menschen gravierende Folgen nach sich ziehen, weshalb wir als Stadt dringend wieder zu dem Grundsatz, dass Umwidmungen im Grünzug tabu sind, zurückkehren müssen“ sagt Naturschutzreferentin Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Der Drosselrohrsänger

Dieser größte europäische Rohrsänger hat eine rötlichbraune, ungestreifte Oberseite, deutlichen rahmfarbenen Überaugenstreif und eine bräunlich-weiße Unterseite.

Zeichnung Drosselrohrsänger

Drosselrohrsänger (Zeichnung: Rudolf Schauberger)

Junge ähneln den Eltern. Der stargroße Vogel mit einer Länge von 19 cm ist ein ausgesprochener Rohrbewohner. Im Norden seines Verbreitungsgebietes ist er auf ausgedehntere Schilfbestände angewiesen und infolge der Zerstörung zahlreicher Feuchtgebiete vielfach auf dem Rückzug begriffen. Im Süden Europas genügen ihm überraschend kleine Rohrbestände. Sein typischer Gesang ertönt dort selbst aus schilfgesäumten Gräben. Ziehende Drosselrohrsänger sind oft weitab von Schilf und Wasser zu beobachten. Im Rohrwald kletternd, lesen die Vögel Insekten aller Art und Amphibienlarven auf. Obwohl sie mit dem Teichrohrsänger konkurrieren und ihn zu den ufernahen Regionen abdrängen, können beide im gleichen Gebiet existieren. Der Gesang, von der Spitze der Schilfhalme vorgetragen, wirkt trotz seiner Einfachheit nicht eintönig. Das tiefnapfige Nest in Pfahlbauweise wird vom Weibchen aus dürren, nassen Schilfblättern, Rispen und Pflanzenwolle erbaut und steht zum offenen Wasser hin in einer Höhe von etwa 1 – 1,5 Metern. Das brütende Weibchen wird vom Männchen gefüttert. Die Brutdauer beträgt 14 Tage, die Nestlingsdauer 12 Tage. Beide Elternteile umsorgen die Jungen. Drosselrohrsänger müssen als Insektenfresser vor dem Winter nach Afrika ausweichen. Wanderung: Ende April, Mai und Mitte September.

Vorkommen im Linzer Stadtgebiet

Beim Drosselrohrsänger handelt es sich grundsätzlich österreichweit um eine seltene Vogelart. Im Linzer Brutvogelatlas (Nk. Jb. Bd. 46/47, 2000/2001) wird ein historischer Beleg aus dem Jahr 1914 aus Ebelsberg erwähnt. Beständige Vorkommen in Österreich existieren in Österreich nur am Neusiedler See und der Hagenauer Bucht am Inn.

Foto Drosselrohrsänger

Am 25. April 1998 konnte ein singendes Männchen am Tagerbach/Schwaigau festgestellt werden (Quelle: Olga Baldinger/Archiv OÖLM).

Im Zuge der Wasservogelkartierung konnten im April 2019 erstmals rufende Männchen in einzelnen Uferabschnitten am Pichlinger See festgestellt werden. Daraufhin wurde eine systematische Kartierung durchgeführt, um den Gesamtbestand im Linzer Raum zu erfassen. Methodisch wurden am 5./6. Juni und 24./25. Juni mittels Lockruf sämtliche Schilfrohrbestände im Linzer Raum kontrolliert.

Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass im Linzer Raum insgesamt 17 Drosselrohrreviere festgestellt werden konnten. Diese verteilen sich räumlich in folgenden Bereichen: 

  • 7 Reviere am Pichlingersee
  • 2 Reviere am Mitterwasser
  • 6 Reviere am Tagerbach
  • 2 Reviere im Steyregger Graben

Karte 1: Verbreitung Drosselrohrsänger am Pichlingersee

Karte: Verbreitung Drosselrohrsänger am Pichlingersee

Karte 2: Verbreitung Drosselrohrsänger im Steyregger Graben

 Karte: Verbreitung Drosselrohrsänger im Steyregger Graben

Karte 3: Verbreitung Drosselrohrsänger am Mitterwasser und Tagerbach

Karte: Verbreitung Drosselrohrsänger am Mitterwasser und Tagerbach

Geplante Erweiterung des Betriebsbaugebietes in Pichling bringt weitere Bodenversiegelung und gefährdet das Europaschutzgebiet Traun-Donau-Auen

Im September 2018 wurde das Örtliche Entwicklungskonzept Nr. 2 geändert, um zukünftig eine Erweiterung des Südparks Pichling nach Westen um ca. 16 ha zu ermöglichen. Nun soll jedoch noch ein weiteres Grundstück südlich des Gewerbeparks aus dem Grünzug herausgeschnitten werden, um eine zusätzliche Erweiterung des Gewerbeparks vorzunehmen. Derzeit laufen Voruntersuchungen um 180.000 m2 Grünland in Bauland umzuwidmen. Damit werden jedoch auch alle Anstrengungen im Natur- und Artenschutz unterlaufen. Beschlossen wurde konkret bereits die Beauftragung einer wasserbautechnischen Untersuchung, weil das betroffene Gebiet auch noch fast zur Gänze im 30- und 100-jährlichen Hochwasserrückstaubereich liegt. Aus Natur- und Artenschutzgründen ist dieses Vorhaben abzulehnen, denn:

Eine Umwidmung in Betriebsbaugebiet widerspricht den Zielen des Örtlichen Entwicklungskonzeptes.

Die Ausweitung des Betriebsbaugebietes bis unmittelbar an die Grenze des Natura 2000-Gebietes würde die Qualität des unmittelbar angrenzenden Europaschutzgebietes Traun-Donau-Auen nachhaltig verschlechtern - insbesondere hinsichtlich der Schutzgüter Amphibien/Reptilien und Vögel. Diese Tiergruppen sind auch auf ein unverbautes Umland, das sich im Nahbereich zu den Brut- und Laichbiotopen befindet, angewiesen. Da laut den geltenden EU-Richtlinien für die Schutzgüter ein ,Verschlechterungsverbot‘ gilt, ist durchaus zu erwarten, dass eine notwendige Naturverträglichkeitsprüfung für die Umwidmungsplane ein negatives Ergebnis bringen könnte.

Die Umwidmung wird auch eine bedeutende Störung des Landschaftsbildes ergeben und stellt einen irreversiblen Eingriff in die noch intakte, bäuerlich geprägte Kulturlandschaft zwischen Pichling und Asten dar.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Naturschutzreferentin Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Dr. Friedrich Schwarz (Naturkundliche Station) zum Thema „Ornithologischer Sensationsfund bezeugt die
Bedeutung des Linzer Grüngürtels für den Artenschutz“
)

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