Presseaussendung vom: 12.11.2019

Klimahauptstadt Linz Ediktalverfahren ermöglicht Entbürokratisierung und effektive Umsetzung

Zusätzliche Begrünungsmaßnahmen für den Klimaschutz

1.000 Bebauungspläne werden „nachgerüstet“

Mit dem 1. Linzer Klimaprogramm, das am 7. November 2019 im Linzer Gemeinderat beschlossen worden ist, wurde der Fahrplan für die künftigen Maßnahmen der Stadt für einen umfassenden Klimaschutz festgelegt.

Ein wesentliches Mittel zur Verbesserung des Stadtklimas ist die Reduzierung so genannter Hitzeinseln im Stadtgebiet und der sommerlichen Hitzeentwicklung in der Innenstadt durch vermehrte Begrünung.

„Maßnahmen wie beispielsweise Dachbegrünungen, Begrünung der Fassaden und Baumpflanzungen sind die wirksamsten und vernünftigsten Mittel gegen städtische Hitze-Inseln“, informiert der Linzer Infrastrukturreferent Vizebürgermeister Markus Hein. „Der von mir initiierte Einleitungsbeschluss für ein modifiziertes Ediktalverfahren soll dies ermöglichen“.

„In den Bebauungsplänen können Begrünungsmaßnahmen durch das so genannte Ediktalverfahren nachgeschärft und im Fall von Neu-, Zu- oder Umbauten verbindlich eingefordert werden. Es wurde deshalb von der Stadt Linz das Verfahren für diese neue Verordnung gestartet. Damit setzen wir ein klares Zeichen für Entbürokratisierung und Umweltschutz. Im Kontakt mit den Planungsträgern bzw. mit dem Land Oberösterreich werden derzeit die Voraussetzungen für die folgende öffentliche Planauflage geschaffen“, berichtet Bürgermeister Klaus Luger. 

Mit dem bereits verordneten Ediktalverfahren Nr. 1 wurde eine Vereinheitlichung der unterschiedlichsten Festlegungen zur Erlangung von Planungszielen erzielt. Auch die Ergänzung veralteter Bebauungspläne und Verbalfestlegungen mit aktuellen Planungsinhalten wird damit erreicht.

Mit der Ediktalverordnung Nr. 2 werden nun insbesondere zusätzliche Verbalfestlegungen im Bereich Begrünung geregelt, um dem Ansteigen der Durchschnittstemperaturen insbesondere in der Linzer Innenstadt entgegenzuwirken. Reagiert wird mit einer verbindlichen Begrünung von Dachflächen von Hauptgebäuden und ober wie unterirdischen Garagen sowie verbindlichen Baumpflanzungen. 

Grüne Dächer produzieren Sauerstoff und kühlen die Umgebung

Nachfolgend die wesentlichen Neuregelungen: 

Dachbegrünung

Aufgrund des hohen Anteils von versiegelten Flächen bzw. der weiter zunehmenden Flächenversiegelung in der Stadt kommt der Begrünung von Dachflächen von Hauptgebäuden, aber auch von größeren Dachflächen oberirdischer Garagen, eine immer größere Bedeutung zu. 

Begrünte Dächer haben einen essentiellen Einfluss auf Temperatur, Luftqualität und Klima, schaffen wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen und bieten Erholungsraum für Menschen auch mitten im dicht verbauten Stadtgebiet. Sie speichern das Regenwasser, die Pflanzen kühlen die Umgebung.

Bei Neu- und/oder Zubauten von Hauptgebäuden, deren verbaute Fläche 100 m² übersteigt sowie bei oberirdischen Garagen mit einer verbauten Fläche über 100 m² sollen Dachflächen bei einer Neigung bis 20 Grad, ausgenommen Schutzdächer, begrünt werden.

Von der Möglichkeit, Dachbegrünungen vorzuschreiben, wurde bereits in der Vergangenheit bei der Erstellung von Bebauungsplänen häufig Gebrauch gemacht. Bei Neu- und Zubauten von Hauptgebäuden in der Widmung Gemischtes Baugebiet, Eingeschränktes gemischtes Baugebiet und Betriebsbaugebiet wurde die Dachbegrünung fast immer verbindlich festge-legt. In den anderen bedeutenden Widmungskategorien Wohngebiet und Kerngebiet erfolgte dies hingegen bisher nicht in allen Fällen.

Künftig soll es in Linz zudem auch keine Flachdächer über 100 m², deren Vegetationsschicht unter 15 cm Mindeststärke aufweist, mehr geben. Aber nicht nur bei der Dachbegrünung soll es zu Nachschärfungen kommen. Bei Tiefgaragen soll zukünftig die Vegetationsschicht eine Mindeststärke von 50 cm aufweisen. 

Dachgarten an der Fabrikstraße, Foto: PTU/Maurer

Dachbegrünung im Gewerbegebiet, Foto: PTU/Pertlwieser

Dachbegrünung im Gewerbegebiet, Foto: PTU/Pertlwieser

Baumpflanzungen

Auf Bauplätzen sind Bäume, die im ausgewachsenen Zustand eine Krone von mindestens 8 m aufweisen, zu pflanzen. Im Detail ist pro 750 m² vollendeter Bauplatzfläche zumindest ein Laubbaum zu pflanzen bzw. zu erhalten, es sei denn der nicht bebaubare Teil des Bauplatzes ist kleiner als 100 m².

Laubbäume sorgen für Schatten und erhöhen die Wohnqualität

Laubbäume sorgen für Schatten und erhöhen die Wohnqualität

Die Begrünung von Lärmschutzwänden soll verbindlich sein, Shutterstock

Für den ruhenden Verkehr ist vorgesehen, dass nach jedem 5. ten oberirdischen Kfz-Abstellplatz ebenfalls Laubbäume mit einem Kronendurchmesser von mindestens 8 Metern gepflanzt werden müssen. Zudem muss den Bäumen genügend Grünraum geboten werden.

Auch Lärmschutzwälle (Dämme) sind beidseitig mit Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen. Zudem soll die Begrünung von Lärmschutzwänden und Stützmauern verbindlich sein.

1.000 Bebauungspläne werden „nachgerüstet“

Diese Maßnahmen sollen für alle der etwa 1.000 Linzer Bebauungspläne mittels des Ediktalverfahrens durchgesetzt werden, damit für alle die gleichen Regeln gelten und zeitnah in Rechtswirksamkeit erwachsen“, resümieren Bürgermeister Klaus Luger und Vizebürgermeister Markus Hein.

Denn: „Würden wir diese Maßnahmen nur bei neuen oder bei zu überarbeitenden Bebauungspläne einarbeiten, würde es Jahrzehnte dauern, bis diese Maßnahmen flächendeckend verbindlich werden. Die Ediktalverordnung Nr. 2 ist das ideale Instrument dafür, die Bebauungspläne gleichsam nachzurüsten.“

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger, und Vizebürgermeister Markus Hein zum Thema „Ediktalverfahren Nr. 2 – Flächendeckende Begrünungsmaßnahmen für den Klimaschutz“)

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