Presseaussendung vom: 13.11.2019

Sozialarbeit im Kindergarten wird gut angenommen Alle Beteiligten profitieren von innovativer städtischer Dienstleistung

Sozialarbeit vor Ort kann einen wichtigen Beitrag zur Integration von Kindern und deren Familien in die Gesellschaft und das Sozial- und Bildungssystem leisten. Linz bietet dieses familienunterstützende Angebot im Rahmen eines städtischen Pilotprojekts seit November 2017 an.

Konkret gibt es diese Dienstleistung in mehreren Kindergärten in den Stadtteilen Auwiesen, grüne Mitte, Franckviertel, Ebelsberg, Kleinmünchen sowie im Neustadtviertel. Derzeit sind vier Expertinnen und Experten im Einsatz. Die SozialarbeiterInnen sind zusätzlich in den Bereichen Psychotherapie, Pädagogik, Menschenrechte und Gesundheit qualifiziert und spezialisiert. 

Das Angebot wird sehr gut angenommen. In den betreuten Kindergärten erreichte die Kindergartensozialarbeit (KiSA) zirka 800 Kinder. Im Kindergartenjahr 2018/2019 wurden 144 Familien betreut.

„Eltern und Kinder haben durch den Einsatz von Sozialarbeit in ihren Kindergärten eine zusätzliche Ansprechperson. Die Erfahrungen aus der Schulsozialarbeit zeigen die Wichtigkeit dieses Angebotes. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass diese wichtige Unterstützung auch in den Linzer Kindergärten zur Verfügung steht. Schwierigkeiten und Probleme können frühzeitig erkannt und professionell bearbeitet werden. Die Kindergärten werden so zu einem Teil des sozialen Frühwarnsystems“, betont Familienreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

Zusätzliches Angebot für vertrauensvollen Kontakt

Seit dem aktuellen Kindergartenjahr 2019/20 werden im ersten Schritt 25 PädagogInnen aus verschiedenen Linzer Kindergärten von den SozialarbeiterInnen in einem „speziellen Gesprächsansatz“ geschult, der darauf abzielt auch mit schwer erreichbaren Eltern in einen vertrauensvollen Kontakt zu kommen.  

Ziel ist es, den PädagogInnen zusätzliche Kompetenzen zu vermitteln, die den täglichen Kontakt mit den Eltern erleichtern, den Aufbau einer gelingenden Erziehungspartnerschaft fördern sowie es in weiterer Folge ermöglichen, mithilfe kurzer Interventionen einen motivierenden Dialog über Erziehung anzustoßen.

Übergeordnetes Ziel ist es eine gelingende Erziehungspartnerschaft mit den Eltern zu fördern, um in weiterer Folge allen Kindern dieselben Chancen zu bieten. Dem Kindergarten kommt hinsichtlich der Entwicklung sozialer Kompetenzen, Selbstwert sowie im Umgang mit Stress und Frustration eine elementare Bedeutung zu. Die Kindergärten setzen auf diese Art und Weise frühzeitig und ganzheitlich an und begleiten die Kinder in einer so wichtigen und prägenden Phase ihres Lebens. 

Dieser Entwicklung trägt die Stadt Linz Rechnung und will ihrerseits einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder zu freien, selbstbewussten, und widerstandsfähigen Persönlichkeiten heranwachsen.

Ausgangssituation 

Die Gründe für den Einsatz von Sozialarbeit in Bildungseinrichtungen sind vielfältig, beispielsweise: 

  • Erziehungsfragen oder -überforderung  
  • Scheidung, Trennung oder Obsorgestreitigkeiten 
  • Ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse 
  • Verhaltensauffälligkeit 
  • Verweigerung des Kindergartenbesuches 
  • Unterstützung der Integration bei Familien mit Migrationshintergrund  
  • Vernachlässigung des Kindes 
  • Gewalt in der Familie 
  • Todesfall oder schwere Erkrankung in der Familie
  • Psychische Erkrankung einer Erziehungsperson 
  • Alkohol- oder Suchtmittelmissbrauch einer Erziehungsperson 

Vorteile für alle Beteiligten

Viele Faktoren sprechen für einen Einsatz von Sozialarbeit in Kindergärten. Kinder, Eltern und Erziehungsberechtigte erhalten eine kompetente Ansprechperson in sozialen Angelegenheiten vor Ort. Es kann eine Vermittlung an spezialisierte Beratungsstellen erfolgen. Außerdem erhalten Kindergartenpädagoginnen und –pädagogen Unterstützung bei der Vorbereitung schwieriger Elterngespräche und bei der Einschätzung sozialer Fragen. 

Die Kindergärten selbst werden Teil eines sozialen Frühwarnsystems. Die Kindergartensozialarbeit profitiert vom vorangegangenen Beziehungsaufbau zu den Kindern sowie den bestehenden Kontakten zu den Eltern und bildet damit eine wichtige Überleitung vom Kindergarten zur Schule.

Wertvolle Leistungen 

Die Kindergartensozialarbeit erbringt wertvolle Leistungen, beispielsweise: 

  • Anamnese 
  • Beobachtung des Kindes in der Gruppe, Verhaltensbeobachtung (Spielverhalten, Umgang mit anderen, Umgang mit Konfliktsituationen, Sprachentwicklung etc.) 
  • Elterngespräche 
  • Einsatz der neuen methodischen Erkenntnisse aus Gesprächsführung sowie Konfliktmanagement 
  • Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kindergartens  
  • Persönliche Kontakte zum Kind 
  • Entwicklung eines Betreuungsplans 
  • Erziehungsberatung 
  • Einhaltung der Standards der Kinder- und Jugendhilfe in Oberösterreich 
  • Fachlicher Austausch und Vernetzung mit anderen Fachkräften (Ärztin/Arzt, Sprachtrainerin/Sprachtrainer, Logopädin/Logopäde usw.)  
  • Vermittlung zu und Vernetzung mit externen Kooperationspartnerinnen und -partnern wie Familienberatungsstellen, sonstige spezialisierte Beratungsstellen, Krankenhäuser etc. 
  • Sicherung der Qualität durch regelmäßige Inter- und Supervision sowie Dokumentation und Evaluation 
  • Schulung des pädagogischen Personals in Gesprächsführung zur Förderung einer gelingenden Erziehungspartnerschaft mit den Eltern 

Ziele der Kindergartensozialarbeit 

Vorrangiges Ziel der Kindergartensozialarbeit ist die Förderung einer positiven Gestaltung der familiären Rahmenbedingungen zur Sicherung einer gedeihlichen Kindesentwicklung. Außerdem steht die vertrauensvolle Zusammenarbeit vor Ort, auch in der Form aufsuchender Sozialarbeit, im Fokus. Weiters wird der Aufbau von Vernetzungsangeboten mit den bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten im psychosozialen, pädagogischen und gesundheitlichen Bereich angestrebt. Auch die Förderung von sozialen Kontakten im Sinne einer am Gemeinwesen orientierten Sozialarbeit ist ein Ziel der Kindergartensozialarbeit. Die Entwicklung und Einführung neuer innovativer Ansätze zur Förderung der Kindesentwicklung sowie die Unterstützung des pädagogischen Alltags im Kindergarten sollen in diesem Zusammenhang ebenfalls angeführt werden. 

Kindergartensozialarbeit kommt 800 Kinder zu Gute 

In den betreuten Kindergärten kommt die Kindergartensozialarbeit zirka 800 Kindern zu Gute. Davon wurden im Kindergartenjahr 2018/2019 exakt 144 Familien durch die Kindergartensozialarbeiterinnen und Kindergartensozialarbeiter betreut. Konkret stellten sich im beschriebenen Zeitraum folgende Kontakte/Tätigkeiten dar: 

Die Elterngespräche werden nach wie vor überwiegend über die Pädagoginnen und Pädagogen angeregt. Vereinzelt nehmen auch die Erziehungsberechtigten selbst Kontakt zur Sozialarbeit vor Ort auf, da sich das Angebot auch bei den Eltern schon gut etabliert hat. Die Zahl der Beratung der Eltern hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Auch die Kontakte und Weitervermittlungen zu unterschiedlichen Kooperationspartnern aus dem psychosozialen und pädagogischen Bereich sind deutlich angestiegen.

Vielschichtige Themen

Die Themen der unterstützten Familien sind sehr vielschichtig. Nach Themenfeldern gegliedert zeigt sich für das Kindergartenjahr 2018/2019 folgende thematische Verteilung:

Zu den sonstigen Problemfeldern gehören zum Beispiel Essstörungen. Auch dieses Kindergartenjahr lag der Schwerpunkt auf Erziehungsberatung, familiäre Konflikte und belastende Lebensereignisse.

Betreuungsdauer

Zu beobachten war, dass sich Prozesse durch kurze Interventionen positiv entwickeln konnten, sodass ein weiterer Betreuungseinsatz nicht notwendig wurde. Somit erklärt sich auch, warum die kurze Betreuungsdauer mit 46 Prozent klar voran liegt.

Einige Praxisbeispiele

  • Einer Mutter fällt es schwer konsequent zu sein und nein zu sagen, besonders beim Thema Essen und Fernsehen. Das Kind hat bereits im Kindergarten deutliches Übergewicht und sitzt mehrere Stunden pro Tag vor dem Fernseher.
  • Ein Vater hat Schwierigkeiten in der „Bringsituation“ sein Kind loszulassen, die Verabschiedung dauert sehr lange. Das ist für Vater und Kind eine Belastung, die sich auch in der Gruppe bemerkbar macht. Dem Kind fällt es schwer, sich zu integrieren und es ist oft bis Mittag traurig.
  • Geschwisterkinder streiten häufig, die Eltern wissen nicht wie sie damit umgehen sollen. Die Mutter neigt dazu laut zu werden, merkt aber, dass dies die Situation nur verschlimmert.
  • Ein Kind kann sich im Kindergarten an keine Regeln halten, kann nicht ruhig sitzen und hat eine sehr niedrige Frustrationstoleranz.
  • Eltern sind erschöpft. Es gibt Belastungen im familiären Bereich, die sich auch auf das Verhalten des Kindes auswirken (Paarkonflikte, Trennung, angespannte finanzielle Situation)

In allen Fällen versucht die Kindergartensozialarbeit mit den Beteiligten zu sprechen, um sich ein umfassendes Bild zu machen. Kindergartensozialarbeit hört zu, ohne zu werten, die Sorgen werden benannt und ernstgenommen, um in weiterer Folge gemeinsam Handlungsalternativen zu finden. Dazu gehört es auch, Fehlentwicklungen zu erkennen und anzusprechen, passende Hilfsangebote zu empfehlen und im Einzelfall auch zu Einrichtungen zu begleiten.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Kindergartensozialarbeit“)

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