Presseaussendung vom: 19.11.2019

Franckviertel – Ein Stadtteil im Zeichen des Generationenwechsels Seit 1990 100 Millionen Euro in Verbesserung der Wohnqualität investiert

Vitaler Mix aus Tradition und Moderne  

Entwicklungschancen beim Wohnbau und in der Wirtschaft 

Das Franckviertel liegt südöstlich der Innenstadt, zwischen Westbahn und Stadtautobahn. Er wird im Norden von der Goethestraße und der Prinz-Eugen-Straße begrenzt.

Das Franckviertel zählt zu jenen Linzer Stadtteilen, die sich bereits vor der Einrichtung der heutigen Großindustrien zu einem typischen Arbeiterbezirk entwickelten. Sehr viele Gebäude wurden unter Stadtbaumeister Kurt Kühne in den 1930-er Jahren errichtet, weitere kamen in den Kriegsjahren hinzu. 

Vor allem in den 1980-er Jahren erlebte das „Arbeiterviertel“ eine massive Aufwertung mit verbesserter Lebensqualität. Mit städtischer Förderung wurde ein großangelegtes Luftsanierungsprogramm initiiert, der Schadstoffausstoß der Industrie wurde um bis zu 80 Prozent gesenkt, mehr als 4.000 Wohnungen wurden von Kohle- und Ölheizungen auf umweltfreundliche Fernwärme umgestellt, nachträglich Bäder und Lifte eingebaut. Seit 1990 wurden von der stadteigenen GWG etwa 100 Millionen Euro in die Verbesserung der Wohnqualität im Franckviertel investiert.

Durch den Bau der Anschlussstelle Industriezeile mit Beteiligung der Stadt konnten 1996 die angrenzenden Wohngebiete vom Verkehr entlastet werden.

Der Bau des Design Centers und des Europaplatz-Büro-Centers bewirkte zusammen mit der Schaffung des Europaplatzes eine bedeutende städtebauliche Aufwertung. 

Das Franckviertel ist ein Stadtteil im Wandel: In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich die einstige Arbeiter-Wohngegend zu einer Stadtregion, die in vielen Bereichen beispielhaft ist: Neben 300 Wohnungen, die hier derzeit gebaut werden oder projektiert sind, entsteht auf dem früheren Nestlé-Areal ein innovatives Betriebsansiedelungs-Projekt. Die Planung des Gebäudes erfolgt – ebenso wie der Neubau der Wohnanlage im Wimhölzel-Hinterland – in einem kooperativen Planungsverfahren.

Mit sozialen Einrichtungen wie dem vor mehr als zwei Jahrzehnten gebauten Seniorenzentrum Franckviertel und dem neuen Seniorenzentrum Liebigstraße, einem Mutter-Kind-Haus sowie sieben Kinderbetreuungseinrichtungen ist der Stadtteil bestens versorgt.

„Im Franckviertel vermischen sich Tradition und Moderne. Trotz der vielen Wohnbauten bietet das Franckviertel eine hohe Lebensqualität. In Gesprächen mit den BewohnerInnen stelle ich immer wieder fest, dass sich die Menschen hier sehr wohlfühlen. Darüber hinaus bestehen gute Chancen auf eine weitere dynamische Entwicklung in den kommenden Jahren. Aktuelle Beispiele dafür sind das ,Wimhölzel-Hinterland‘ oder die neue Nutzung der Nestle-Gründe“, betont Bürgermeister Klaus Luger.  

Franckfabrik als Namensgeber

Seinen Namen erhielt das Franckviertel durch die Kaffeefabrik Franck und Söhne. Für fast ein Jahrhundert, von 1879 bis 1973, prägte dieses Unternehmen das Linzer Wirtschaftsleben und war lange Zeit hinter der Tabakfabrik der zweitgrößte Industriebetrieb. Wie kein anderer Linzer Betrieb glänzte die Franckfabrik mit Sozialleistungen. „Franckarbeiter" zu sein war einst Statussymbol. Bis zum Frühjahr 2018 wurden auf dem Areal des Nestle-Konzerns Nahrungsmittel produziert. 

Fast 7.000 EinwohnerInnen

Mit 120 Hektar nimmt der Bezirk 1,3 Prozent des Stadtgebiets ein und hat aktuell etwa 6.900 EinwohnerInnen, etwas weniger als vor zehn Jahren (mit damals 7.400 EinwohnerInnen).

Der Stadtteil verfügt im Vergleich zu Gesamtlinz über eine etwas ältere Bevölkerung. Nur etwa 28 Prozent fallen in die Gruppe der 20- bis 39-jährigen (Linz gesamt: 31 Prozent). Im Gegenzug sind etwa 27 Prozent der FranckviertlerInnen 60 Jahre oder älter (Linz gesamt: 24 Prozent). Das Durchschnittsalter der BewohnerInnen liegt bei 42,7 Jahren (Linz 41,8). 

Wohnbau

Nach einem vorübergehenden Stillstand der Bautätigkeit 2010 bis 2015 wurden ab 2016 etwa 80 Wohnungen neu errichtet. An der Liebigstraße werden, basierend auf einer Planung der pora architekten, bis Oktober 2019 aktuell 35 Wohneinheiten gebaut.

Überwiegend Mietwohnungen

87 Prozent aller Wohnungen im Franckviertel sind Mietwohnungen, also weit mehr als in „Gesamt Linz“. 

Durch den großen Anteil an Mietwohnungen ist das Franckviertel eine attraktive Wohngegend für junge Menschen und Jungfamilien. Es dominieren Ein- und Zweiraumwohnungen mit bis zu 60 Quadratmetern. Die durchschnittliche Wohnungsgröße beträgt 55 Quadratmeter.

Im Franckviertel gibt es vergleichsweise wenige Einfamilienhausbauten, es dominieren Mehrwohnungsgebäude. 43 Prozent der Häuser weisen zwischen fünf und zehn Wohnungen auf. 

Revitalisierung von 1.000 Wohneinheiten 

60 Prozent aller Gebäude im Franckviertel sind älter als 75 Jahre. Großteils handelt es sich um Gemeindebauten, die in den 1930er und 1940er Jahren als Arbeiterwohnstätten im Zuge der zunehmenden Industrialisierung errichtet wurden Diese werden heute großteils von der stadteigenen GWG verwaltet. 

In den Erhalt und die Sanierung dieser Wohnanlagen investiert die GWG pro Jahr bis zu fünf Millionen Euro. In der jüngsten Vergangenheit konnten so bereits mehr als 1.000 Wohneinheiten „in Schuss gebracht“ werden. Die Maßnahmen der GWG sind äußerst vielfältig. Das breite Spektrum der Arbeiten reicht von thermischen Sanierungen bis zum nachträglichen Loggienbau. Weiters wurden die Außenanlagen teilweise neugestaltet, Einhausungen für die Müll- und Fahrradanlagen errichtet und Gehwege erneuert. Diese Maßnahmen dienen zur Hebung der allgemeinen Wohnumfeldqualität und gleichzeitig der Sicherheit. Darüber hinaus werden Vollwärmeschutzelemente zur Energieeinsparung installiert sowie, falls erforderlich, die Fenster ausgetauscht.  
Auch im so genannten „Wimhölzel-Hinterland“ hat die GWG bisher bei etwa 400 Wohneinheiten durch Generalinstandsetzungen und Loggiennachrüstungen die Wohnqualität verbessert. Die Gesamtinvestitionen der GWG in Wohnungsverbesserungen und Standardanhebungsmaßnahmen seit 1990 belaufen sich auf etwa 100 Millionen Euro.

Kooperatives Verfahren für das „Wimhölzel-Hinterland“

Während ein großer Teil des Wimhölzel-Hinterlands auf diese Weise instandgesetzt werden konnte, existiert nördlich der bereits sanierten Wohnanlagen, begrenzt von der Ing.-Stern-Straße im Osten und der Ebenhochstraße im Westen, ein Areal, wo auf Grund der Gebäudebeschaffenheit eine derartige Revitalisierung wirtschaftlich und für die Mieterinnen und Mieter sozial verträglich nicht durchführbar ist. Es handelt sich um Wohnungen, die 1930/31 nach Plänen der Architekten Hans Arndt, Paul Theer und Armin Sturmberger als Erweiterung des so genannten Wimhölzelbogens errichtet wurden. 

Eine Neubebauung ist für diesen Bereich die einzige sozial und wirtschaftlich vertretbare Lösung. Dafür wurde ein Kooperatives Planungsverfahren durchgeführt, in dem unter Einbeziehung unterschiedlichster Akteure die beste Lösung entwickelt wurde. Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Expertinnen und Experten der GWG als Auftraggeberin, der Stadt Linz und die Planungsteams waren daran beteiligt. Sieger in diesem Verfahren sind die Büros Frötscher Lichtenwagner, Werner Neuwirth und transparadiso, wobei von dem Letztgenannten das städtebauliche Leitprojekt stammt.

Areal nördlich des „Wimhölzelbogens“; Luftbild Stadt Linz, Heimo Pertlwieser 

Dieses Leitprojekt bildet die Grundlage für alle künftigen Arbeitsschritte. Es greift gewohnte und geschätzte Versatzstücke der heutigen Siedlung auf und entwickelt diese mit zwei neuen Gebäudetypen weiter. Es entstehen unterschiedliche Raumqualitäten und vielfältige Freiraumangebote. 

Die Baukörper sind zwischen vier und acht Geschoßen hoch, die Dichte wird maßvoll erhöht, dabei bleibt die Anzahl der Wohnungen etwa gleich groß, allerdings finden auch größere Familienwohnungen Berücksichtigung in den Plänen. 

Das Projekt soll ab 2020 in vier Etappen realisiert werden und bietet damit auch für die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung die Möglichkeit, im Quartier zu bleiben und in ein neues Haus umzusiedeln. Erklärtes Ziel des Projekts ist eine Stärkung der Begegnung im Quartier und eine Weiterentwicklung der heutigen Qualitäten: leistbarer Wohnraum mit hohem Grünanteil und eine in Zukunft durch die geplante Straßenbahn noch zentralere Lage in Linz – als neues Herz des Franckviertels. 

Die Mieterinnen und Mieter der Altbauwohnungen werden bestmöglich bei der Übersiedlung unterstützt. Die GWG sichert den Betroffenen die bevorzugte Behandlung bei Wohnungswünschen, einen Vormerkkautionsverzicht oder auch ein Übersiedlungsservice für Küche und Möblierung zu. Menschen, die sozial bedürftig und damit von der Absiedlung besonders stark betroffen sind, wird soziale Hilfestellung angeboten. Sie erhalten finanziellen Ausgleich von der Stadt Linz und der GWG. Konkret gelangen 250 besonders betroffene Mieterinnen und Mieter (von 430) in den Genuss von Ausgleichszahlungen, deren Höhe sich nach der aktuellen Mietbelastung pro Quadratmeter und Monat staffelt. In Summe werden dafür von der GWG Teilen 1,2 Millionen Euro bereitgestellt. 

Rendering: transparadiso

Gute soziale Versorgung 

In sozialer Hinsicht ist das Franckviertel bestens versorgt. Vier Kindergärten (davon drei städtische), zwei Krabbelstuben und ein Hort stehen für die Kinderbetreuung zur Verfügung. Derzeit werden hier 470 Kinder betreut. Entsprechend der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung sind die Adaptierung sowie ein Zubau an die Dorfhalleschule vorgesehen, womit bis zu 5 klassen- bzw. hortgruppenwertige Räume geschaffen werden können. 

SeniorInnenbetreuung 

Auch bei der Seniorenbetreuung kann das Franckviertel punkten: Hier öffnete bereits 1995 das Seniorenzentrum Franckviertel an der Ing.-Stern-Straße seine Pforten. Nach dem Neubau in Kleinmünchen 1994 war es das zweite städtische Seniorenzentrum der „neuen Generation“. 

Das Seniorenzentrum Franckviertel bietet 120 SeniorInnen Platz. In den Bau des von Architekt Dipl.-Ing. Helmut Schimek geplanten Hauses wurden 210 Millionen Schilling (umgerechnet 15,3 Millionen Euro) investiert. Mit dem Neubau wurde ein weiterer Meilenstein zur Vollversorgung mit Heimplätzen gesetzt. Ein Club Aktiv rundet das soziale Angebot ab.

Das mit Kosten von 16 Millionen Euro errichtete Seniorenzentrum Liebigstraße wurde am 14. Jänner 2016 eröffnet. Das Haus ist modernst ausgestattet und verfügt über komfortable Einbettzimmer für 120 BewohnerInnen mit eigenem Bad und WC.

Neun Wohnbereiche sind auf drei Stockwerke aufgeteilt. Diese verfügen in den Aufenthaltsbereichen über Balkone, die allen Bewohnerinnen und Bewohnern einen barrierefreien Zugang zu Sonne und frischer Luft ermöglichen.

Das Tageszentrum bietet für 40 Besucherinnen und Besucher Platz. Es verfügt über einen eigenen Ausgang in den Gartenbereich.

Weiters befinden sich in der Nähe des städtischen Seniorenzentrums Liebigstraße auf einem von der SIVBEG (Strategische Immobilien Verwertungs-, Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft) erworbenen Areal eine Mutter-Kind-Wohnanlage mit 17 Wohneinheiten sowie 50 altersgerechte Wohnungen der GWG.

Stadtteilzentrum Franckviertel 

Seit Mai 2015 steht den BewohnerInnen des Franckviertels als Servicestelle des Geschäftsbereichs Soziales, Jugend und Familie der Stadt Linz ein so genanntes Stadtteilzentrum zur Verfügung. 

Dieses dient als erste Anlaufstelle für die Anliegen im Stadtteil. Die Beratungsstelle ist im Seniorenzentrum Franckviertel an der Ing.-Stern-Straße 15 bis 17 untergebracht. 

Die Bürgerinnen und Bürger können zahlreiche städtische Leistungen vor Ort erledigen. Über die Sozialplattform Franckviertel werden zudem Vereine „vernetzt“ und engagierte Einzelpersonen angeregt, sich einzubringen. Einmal monatlich wird zudem eine MieterInnenberatung durch die GWG angeboten.

Entwicklungschancen für die Wirtschaft:

Wohnen und Arbeiten im Franckviertel  

Nicht nur in sozialer Hinsicht gilt das Franckviertel als vorbildlich versorgt. Auch in Bezug auf Arbeitsplätze in unmittelbarer Nähe des Wohnorts ist der Bezirk nach wie vor Top. Niemand wohnt näher bei den größten Linzer Arbeitgebern als die „Franckviertler“. 

Nestle-Areal und Franck-Kontor 

Auch in das stillgelegte Betriebsareal der ehemaligen Franckfabrik soll bald wieder Leben einkehren.

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé verabschiedete sich 2018 in Österreich aus der Produktion. 

Übrig blieb ein 17.000 Quadratmeter großes Areal im Franckviertel. Derzeit ist die Fläche als Betriebsbaugebiet gewidmet und soll daher weiterhin für gewerbliche Zwecke genützt werden. Eine Mischung aus Betriebsbau- und Wohngebiet ist nicht möglich, da Wohnbauten eine 100 Meter breite Schutzzone zu Betriebsbauten benötigen würden. 

Die Detailplanung für die Nestle-Gründe soll mittels eines so genannten Kooperativen Verfahrens festgelegt werden. Im Unterschied zu den früher üblichen Architektenwettbewerben entwickeln Planerinnen und Planer mit den künftigen Nutzerinnen und Nutzern gleichsam am runden Tisch ein gemeinsames Konzept. Schwerpunkt beim Nestle-Areal wird die Außen- und Grünflächengestaltung sein, um auch für die Bewohnerinnen und Bewohner des Franckviertels die Lebensqualität zu steigern. 

Neben den „Nestle-Gründen“, an der Kreuzung Franck-/Lastenstraße, plant die Real Treuhand (Immobilientochter der Raiffeisen Landesbank) ein Büro- und Geschäftsgebäude mit insgesamt 29.300 Quadratmetern Nutzfläche. Der Bau trägt den Namen "Franck Kontor".

Neubau der Raiffeisenlandesbank

Im Juni dieses Jahres präsentierte die Raiffeisenlandesbank zudem das Ergebnis des Architekturwettbewerbs für den Neubau der Konzernzentrale. Derzeit steht auf dem Grundstück noch ein XXXLutz-Möbelhaus, das abwandern soll. Das neue Gebäude nach Plänen von Arch. DI Kneidinger soll acht Stockwerke und eine Nutzfläche von 24.000 Quadratmetern haben und 1.000 Mitarbeitern Platz bieten.

Hotel statt Tankstelle 

An der Prinz-Eugen-Straße ist seit November 2019 ein neues Hotel in Betrieb. Die offizielle Eröffnung ist für das Frühjahr 2020 geplant. Das Amedia Hotel wurde am Standort einer ehemaligen Tankstelle errichtet und beherbergt insgesamt 97 Hotelzimmer sowie eine „Steel Bar“ mit nationalem und internationalem Getränkeangebot. Auch eine hoteleigene Tiefgarage mit 45 Abstellplätzen wurde geschaffen. Amedia ist eine internationale Hotelkette mit Betrieben in Österreich, Deutschland und Italien. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger zum Thema „Entwicklung des Franckviertels“)

Frag ELLI!
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