Presseaussendung vom: 27.11.2019 |

Linzer Luft: Wie verlässlich sind Staubsensoren aus dem Internet? Ergebnisse des Staubniederschlag-Messprogramms

Immer mehr Menschen interessieren sich erfreulicher Weise für den Umweltschutz und für die Luftqualität. Das Messen von Feinstaubwerten mit im Internet erhältlichen Sensoren ist daher zunehmend gefragt. Diese Geräte kosten oft nur etwa 30 Euro. Sie kommunizieren mit einem Internet-Portal, von dem die ermittelten Daten heruntergeladen werden können. Grund genug für die Fachleute der Umwelt-Messtechnik, diese Sensoren ein Jahr lang einem fundierten Praxistest zu unterziehen. Als Referenzgeräte dienten dabei Messanlagen der Profis. Jeweils zwei Staubsensor-Einheiten wurden bei der Immissions-Mess-Station Römerberg sowie auf dem Neuen Rathaus installiert. 

„Es freut uns, dass sich immer mehr Menschen für eine intakte Umwelt und für eine hohe Luftqualität einsetzen und interessieren. Deshalb wurden im Internet erhältliche Sensoren jetzt umfangreich von unserer Umwelttechnik-Abteilung getestet“, betont Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger. 

Der gesamte Testbericht ist unter www.linz.at abrufbar (Umwelt – Publikationen). Da auf dem Gebiet der Feinstaubsensorik intensiv geforscht wird, ist es durchaus möglich, dass in absehbarer Zeit tauglichere Sensoren verfügbar sind. Die derzeit erhältlichen und getesteten Produkte können allerdings nicht überzeugen:

  • Die getesteten Staubsensoren können derzeit keine befriedigende Datenqualität liefern und ermitteln „grobe Schätzwerte“.
  • Die angezeigten Werte lassen keine seriösen Aussagen über die Luftqualität zu.
  • Aus den aktuellen Sensoranzeigen berechnete Halbstunden- und Tagesmittelwerte zeigen einen unbrauchbaren Zusammenhang mit Referenz-Messverfahren.

„Dennoch sehe ich es als äußert positiv, dass sich immer mehr Menschen so intensiv mit der Qualität unserer Luft auseinandersetzen“, sagt Mag.a Eva Schobesberger.

Entwicklung PM10-Feinstaub seit 2006

Gerade in den Wintermonaten kommt es zu erhöhten Feinstaubwerten in der Luft. Die Stadt Linz kann in Bezug auf die Feinstaubbelastung in den vergangenen Jahren jedoch auf eine sehr positive Entwicklung zurückblicken. Diese wird rund um die Uhr an derzeit drei Messpunkten bewertet. Die vierte Mess-Station beim 24er-Turm in Urfahr ist inmitten der Bypass-Brücken-Baustelle situiert und darf deshalb laut Vorgaben derzeit nicht mitgewertet werden. Der Standort Römerberg weist eine hohe Verkehrsbelastung auf. Die Mess-Station Stadtpark repräsentiert eine Innenstadt-Lage (städtischer Hintergrund) und durch die Station „Neuen Welt“ soll der Einfluss der Großindustrie bewertet werden.

Bei den gemessen PM10-Partikeln handelt es sich um Schwebstaub, dessen Partikel etwa 10 Mikrometer (ein hundertstel Millimeter) klein sind. Der von der EU eingeführte Grenzwert beträgt 5 hundertstel Gramm pro Kubikmeter im Tagesdurchschnitt (50 µg/). Er darf nach der österreichischen Norm (Immissionsschutzgesetz Luft) an nicht mehr als 25 Tagen überschritten werden. Die EU-Luftqualitätsrichtlinie erlaubt 35 Tage. In Linz wurden diese Grenzwerte in den vergangenen Jahren eingehalten: 

Staub-Niederschlagsmessprogramm

Was im abgelagerten nassen und trockenen Staub steckt, hat die Stadt Linz mit einer groß angelegten Studie untersucht, deren Ergebnisse nun vorliegen. Der Gesamtbericht ist ebenfalls unter www.linz.at (Umwelt – Publikationen) abrufbar. An zirka 100 über das Stadtgebiet verteilten Messpunkten sammelten die Umweltexpertinnen und -experten Proben, die auf den Gehalt von 23 Inhaltsstoffen (Elementen) untersucht wurden.

Im Vergleich zu den Messprogrammen der Jahre 1990/91 und 1998/99 zeigte sich vor allem bei den Schwermetallen ein deutlicher Rückgang der Stoffeinträge. So wurden etwa die Luft-Grenzwerte von Blei und Cadmium deutlich unterschritten. Bei Blei erreichte der höchste Messwert etwa 20 Prozent, bei Cadmium zirka 30 Prozent des zulässigen Niveaus. Deutlich unter den Richtwerten für die Luft- und Bodenbelastung blieben die gemessenen Mengen der ökologisch besonders relevanten Stoffe Quecksilber und Thallium. Über 90 Prozent der Messwerte bei der Staubdeposition lagen unter dem Grenzwert. Jedoch überstieg der gesamte Staubniederschlag im Bereich des Franckviertels, in der Nähe des Industriegebietes sowie in Teilen von Ebelsberg den Grenzwert. Korrelationen zwischen den Elementeinträgen und der Gesamtstaubdeposition lassen aber derzeit noch keine Rückschlüsse auf Verursacher zu. Die städtischen ExpertInnen werden aber auch in den nächsten Jahren intensiv an diesen Themen arbeiten. So soll es 2020 erstmals orientierende Messungen zu Ultrafeinstäuben und Nanopartikel in Linz geben. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Umwelt-Referentin Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger zum Thema „Linzer Luft: Wie verlässlich sind Staubsensoren aus dem Internet?“. Weiterer Gesprächspartner: Ing. Gerald Binder, Leiter der Umweltmesstechnik des Geschäftsbereiches Planung, Technik und Umwelt)

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