Presseaussendung vom: 28.11.2019

Linzer Suchtstrategie Menschen vor der Abhängigkeit bewahren

Start mit der Analyse der Ist-Situation unter Jugendlichen

Warum Menschen in den Drogenkonsum flüchten oder reinschlittern hat immer einen Grund — sei es Stress in der Schule oder im Berufsleben, Probleme und Spannungen im Privatleben, Versagensängste und vieles mehr. Ist die Abhängigkeit von Drogen und Alkohol gegeben, ist der Weg zurück nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Besonders drogenabhängige Jugendliche werden zu einer Randgruppe in der Gesellschaft, sie können keine Ausbildung bewältigen und gehen meist keinem Beruf nach. Die Abwärtsspirale ist vorprogrammiert. Die Stadt Linz ist sich dieser Problematik bewusst und wird künftig noch intensiver entgegensteuern. Als Experte konnte dafür der Leiter des Institutes für Suchtprävention, Christoph Lagemann, gewonnen werden. 

Suchtkrankheiten beginnen nicht immer im jungen Alter, weshalb in der Linzer Suchtstrategie alle Alters- und Gesellschaftsschichten und ihre Bedürfnisse entsprechend berücksichtigt werden. Das Maßnahmenpaket wird fundiert auf die unterschiedlichen Zielgruppen und deren Bedürfnisse eingehen. Ein erster Schwerpunkt der Analyse und Ausarbeitung wird auf junge Menschen gelegt. 

Der „Oö. Suchtplan“ wartet mittlerweile seit neun Jahren auf seine Fertigstellung. Dieser wäre eine wichtige Grundlage für ein gebündeltes und effizientes Maßnahmenpaket. Die Stadt Linz nimmt sich nun selbst aktiv dem Thema Sucht und Suchtprävention an und geht mit der Linzer Suchtstrategie voran.

„Jeder einzelne Jugendliche, der Drogen konsumiert, ist einer zu viel. Damit betreiben sie Raubbau mit ihrem Körper und sind nicht mehr fähig, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Wir versuchen bei den Ursachen anzusetzen und durch die Linzer Suchtstrategie präventiv einzuwirken. Natürlich muss das komplexe Thema von vielen Seiten betrachtet werden, eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei und der Medizin macht Sinn“, erklärt Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. 

„Vorsorge ist immer besser als Nachsorge! Daher fokussiert sich die Stadt Linz auf noch stärkere Aufklärung über die Gefahren von Suchtmittel jeglicher Art. Gleichzeitig ist Hilfe zur Selbsthilfe wichtig. In unserer Stadt gibt es bereits jetzt ein breites Angebot, das aber leider oftmals unbekannt ist oder ungenutzt bleibt. Das muss sich ändern! Gleichzeitig werden auch repressive Maßnahmen durch Polizei und Justiz notwendig sein, um Drogenmissbrauch hintanzuhalten“, betont Gesundheits- und Sicherheitsstadtrat Michael Raml. 

„Erst wenn man weiß, wo den Jugendlichen der sprichwörtliche Schuh drückt, kann mit gezielten Maßnahmen entgegengesteuert werden. Durch eine fachlich fundierte Erhebung des Ist-Zustandes kann festgestellt werden, welche Themen Jugendliche vor Ort bewegen, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert sind, welche Anliegen sie haben. Auf diese Weise können Maßnahmen gesetzt werden, die dazu beitragen können, die Lebensbedingungen und das individuelle Verhalten in Familie, Schule und dem nachbarschaftlichen Umfeld positiv und gesundheitsbewusst zu gestalten“, führt Christoph Lagemann aus.

Institut für Suchtprävention erarbeitet Maßnahmenplan

Im Bereich Suchtvorbeugung und problematisches Konsumverhalten ist das Institut Suchtprävention der pro mente OÖ führend tätig. Seit Jahren besteht eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Stadt Linz. Hauptaufgabe des Institutes ist es, die Probleme und Schäden im Vorfeld durch präventive Aktivitäten zu minimieren, die im Zusammenhang mit dem Phänomen Sucht auftreten. Durch personenorientierte Maßnahmen sollen einzelne Menschen und auch Gruppen erneut besser handeln und kommunizieren können. 

Basierend auf einer Ist-Analyse wird das Institut einen Maßnahmenplan erarbeiten. Dabei werden auch die isländischen Präventionsstrategien herangezogen. In der Stadt Reykjavik ist es gelungen, die Drogenprobleme deutlich und nachhaltig zu senken. Zum Beispiel wurde festgestellt, dass viele Jugendliche abends draußen „herumhängen“ und nicht wirklich was mit sich anzufangen wissen. Man brachte etwa durch Präsenz vor Ort Jugendliche von der Straße zum Sport. Statt Drogen-Kick war Auspowern in einer Sporthalle angesagt und dieser Ansatz hat funktioniert. Dies sind beispielhafte Mosaiksteine für best-practice Maßnahmen, von denen man lernen kann und die auf ihre regionale Übertragbarkeit geprüft werden sollen. Im Zuge der Analyse und Planung werden aber auch Modelle aus anderen Städten – etwa Wien oder Frankfurt – hinsichtlich der damit erzielten Erfolge und Umsetzbarkeit miteinbezogen.

Umsetzung in vier Phasen

Die Linzer Suchtstrategie soll in vier aufeinander aufbauenden Phasen umgesetzt werden.

1. Phase: Diagnosephase

Die Diagnosephase zu Beginn der Umsetzung der Suchtstrategie dient der Analyse des Ist-Zustandes sowie der Erhebung und Bewertung der nötigen Daten. Dazu sollen beispielsweise die Daten des Drogenmonitorings analysiert werden. Gleichzeitig sollen auch empirische Erhebungen mit dem Hauptaugenmerk auf Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren durchgeführt werden, um die nötigen Ansatzpunkte zielgerichtet definieren zu können. Auch handelnde AkteurInnen, wie zum Beispiel SuchtexpertInnen, die Polizei oder SozialarbeiterInnen, sollen miteinbezogen werden und ihre Erfahrungen und Informationen in die Ausarbeitung einer wirksamen Strategie einfließen. Während der Diagnosephase werden auch die Modelle anderer Städte genau analysiert, speziell im Hinblick auf ihre präventive Wirksamkeit auf Jugendliche, und auf eine mögliche, sinnvolle Umsetzung für Linz geprüft. Für diese umfangreiche Diagnosephase ist ein Zeitraum bis etwa Ende Sommer 2020 anberaumt. Zum Abschluss der ersten Phase werden die gesammelten Ergebnisse analysiert und dienen als Grundlage für die weitere Vorgangsweise.

2. Phase: Planungsphase

In der Planungsphase wird aufbauend auf den vorliegenden Ergebnissen eine detaillierte Planung vorgenommen. 

  • Die konkreten Ziele der Linzer Suchtstrategie werden ausgearbeitet und detailliert festgelegt. 
  • Eine Steuerungsgruppe wird eingesetzt, in welcher die wichtigsten handelnden AkteurInnen vernetzt sind und gemeinsam agieren können.  
  • Für die verschiedenen Zielgruppen werden mögliche adäquate Maßnahmen ausgewählt bzw. erarbeitet. Diese Maßnahmen werden in weiterer Folge auch konkret geplant. Welche Ressourcen und Strukturen werden benötigt, welche Schwierigkeiten können auftreten, wie können sie wirksam und sinnvoll durchgeführt werden? Ein besonderer Wert soll dabei auf ein thematisch breitgefächertes Maßnahmenpaket gelegt werden, um wirklich alle betroffenen Zielgruppen möglichst gut zu erreichen. Auch ein Zeitplan wird festgelegt.
  • Ein Evaluationskonzept wird erstellt, damit in der vierten und letzten Phase (der Evaluierung) genau überprüft werden kann, ob und wie sehr die gesetzten Maßnahmen Wirkung zeigten.

3. Phase: Umsetzung

In der dritten Phase, die ab 2021 beginnen soll, werden die erarbeiteten Maßnahmen umgesetzt. Durch das möglichst breite Maßnahmenpaket soll die Stadt Linz auf eine Vielzahl ihrer Einflussbereiche zurückgreifen können, um dadurch möglichst viele Menschen auf möglichst vielen Feldern zu erreichen. Neben den in den ersten beiden Phasen federführend agierenden Ressorts Soziales und Gesundheit, wird somit auch versucht, weitere Ressorts miteinzubeziehen, um flächendeckend handeln zu können.

4. Phase: Evaluierung

In der vierten Phase werden die gesetzten Maßnahmen evaluiert und die Schlüsse für die weitere Vorgangsweise gezogen.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing, Gesundheitsreferent Michael Raml und Christoph Lagemann (Institut für Suchtprävention) zum Thema „Linzer Suchtstrategie“)

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