Presseaussendung vom: 29.11.2019 |

Zwei Sonderausstellungen im Botanischen Garten Geschichte des Räucherns – Tropische Schmetterlinge

Gleich zwei Sonderausstellungen wurden am 30. November im Botanischen Garten eröffnet. Passend zur Jahreszeit und der kommenden Raunächte widmet sich eine Schau der langen Tradition des Räucherns. Die Kräuter- und Waldpädagogin Susanne Pust verschafft Einblicke in die Geschichte und Hintergründe dieses alten Brauchtums. „Rauchzeichen – Pflanzen und Kulturgeschichte des Räucherns“ ist der Titel dieser Schau. Gleichzeitig haben im Tropenhaus die Schmetterlinge Einzug gehalten. „Die Ausstellung ist eine gute Gelegenheit, um den grauen Herbsttagen für kurze Zeit zu entfliehen und das tropisches Flair mitten in der Stadt zu genießen. Wer Geduld und eine Portion Glück mitbringt, kann vielleicht sogar beim Schlüpfen eines Schmetterlings live dabei sein. Mit der Sonderausstellung über das seit Jahrhunderten betriebene Räuchern erhalten die Besucherinnen und Besucher interessante Details zu diesem reinigenden Ritual“, sagt der für Lebensqualität und Stadtgrün zuständige Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier.

Flatterhaft und bunt – Tropische Schmetterlinge

In den Wintermonaten bevölkern etwa 20 verschiedene Arten asiatischer und südamerikanischer Schmetterlinge das Tropenhaus im Botanischen Garten. Schon die Vielfalt der Puppen erstaunt: Manche sehen aus wie Goldtropfen, andere wie Rindenstücke, eingerollte Blätter oder winzige, glänzend grüne Perlen. Auf Schautafeln finden die Besucherinnen und Besucher Informationen zu den faszinierenden Schönheiten: wie das Leben des Schmetterlings als Ei beginnt, über das Raupenstadium zum fertigen Falter führt, oder Wissenswertes über die gezeigten Arten. 

Puppen stammen aus Schmetterlingsfarmen

Die Puppen sind selbstverständlich keine Wildfänge, sondern stammen aus Schmetterlingsfarmen aus den jeweiligen Ländern. Bei passenden Bedingungen schlüpfen sie innerhalb weniger Tage. Als Nahrung erhalten die tropischen Tiere eine Zucker-Honig-Lösung, die ihnen an Futterstellen angeboten wird. Eine gute Gelegenheit zum Beobachten und Fotografieren. Die fliegenden Schönheiten haben eine Lebensdauer von fünf bis 25 Tage. Vierzehntägig kommt freitags eine Lieferung mit 150 neuen Puppen, die vorsichtig auf Korkrinde befestigt werden. Aus 80 bis 90 Prozent schlüpfen die Falter. Die meisten kommen bis spätestens Montag raus.

Ruhe für das Schlüpfen

Der Schlüpfvorgang bedeutet für die Insekten einen enormen Kraftakt. Sie brauchen viel Ruhe und dürfen nicht berührt beziehungsweise gestört werden. Denn durch die Erschütterung verfällt der Falter aus Angst vor Fraßfeinden in eine stundenlange Starre. Beim zweiten Schlüpfversuch reichen häufig die Kräfte nicht aus, um sich aus der Puppe zu befreien und die Flügel aufzupumpen. Also den Falter nicht beunruhigen, langsam nähern, auch fotografieren ist möglich. Die Schmetterlinge brauchen zwei bis drei Stunden, bis die Flügel entfaltet und erhärtet sind. Noch zwei Tipps: Wer beim Schlüpfen zusehen möchte, hat vor allem morgens gute Chancen. An sonnigen Tagen sind die Schmetterlinge am aktivsten und fliegen gerne herum.

Rauchzeichen – Pflanzen und Kulturgeschichte des Räucherns

Seit Jahrhunderten wird Räuchern in vielen Volkskulturen und spirituellen Traditionen als Element der Reinigung und Meditation eingesetzt. Das Ritual des Räucherns hat sich auf allen Kontinenten unabhängig voneinander entwickelt und stand in engem Zusammenhang mit der „Zähmung“ des Feuers. Der Feuerplatz war in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte ein bedeutsamer, magischer Ort. Im Kreis des Feuers war man vor wilden Tieren und bösen Geistern geschützt. Man glaubte auch, dass sich die Ahnen um das Feuer versammeln. Er bot Wärme, Gemeinschaft und man erzählte sich Geschichten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Kultur, bestimmte Pflanzenteile (Holz, Blätter, Wurzeln, …) dem Feuer zu übergeben, um besondere Stimmungen und Wirkungen zu erzeugen. 

Menschen, die sich mit der Wirkung von Pflanzen, Feuer und Rauch beschäftigten, erwarben sich wichtige Funktionen in der Gesellschaft – vielfach waren es Frauen: sie wurden zu SchamanInnen, PriesterInnen und HeilerInnen. Die Erkenntnisse und Techniken wurden mündlich überliefert. Es handelt sich also um uraltes Wissen, das tief in den verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt verankert ist.

Der Ursprung des Räucherns lässt sich nicht exakt bestimmen, aber es gibt Hinweise, dass sogar schon Neandertaler Räucherpflanzen, wie z.B. den Beifuß, verwendet haben. In Hallstatt wurden Räucherpfannen aus der Zeit von 800 bis 1000 vor Chr. ausgegraben. Der bisher älteste Fund von Räucherwerk wurde in Dänemark gemacht und ist auf 7200 vor Chr. datiert.

Räuchern – was dahintersteckt

Zunächst erfüllte Räuchern im Hausgebrauch praktische Zwecke. So verwendete man Rauch, um Räume zu desinfizieren, Schädlinge zu vertreiben (aus Korn- und Speisekammern) und Nahrungsmittel haltbar zu machen (z.B. Speck und Fisch). Räuchern wurde aber auch als spirituelle Handlung verstanden, mit der die sichtbare Welt mit der unsichtbaren verbunden wird. Der aufsteigende Rauch ist eine Botschaft, die in den Himmel getragen werden soll als Nahrung und Nektar für die Götter.

Jede Pflanze hat eine bestimmte Heilwirkung und eine bestimmte Energie. Durch das Feuer werden chemische Inhaltsstoffe freigesetzt, die wir über unsere Sinne aufnehmen. Die Aromastoffe beeinflussen physiologische Lebensprozesse im Körper (Stoffwechsel, Atmung, Verdauung, Herzfunktion, Immunabwehr). Ebenso wird das Bewusstsein verändert: man kann einen klaren Kopf bekommen, tief in ein Gefühl eintauchen oder dazu verhelfen, in Trance zu fallen. In jedem Fall wirkt das Räuchern ganzheitlich, die Energie der Pflanze wirkt auf Körper, Geist und Seele.

Räuchern wirkt wie Homöopathie

Rauch wirkt belebend und harmonisierend sowohl im seelisch-geistigen Bereich als auch auf emotionaler Ebene. Geräuchert wird zur Steigerung des Wohlbefindens, zur Entspannung, zu Heilzwecken, zur Desinfektion und Hebung der Stimmung. 

Im Volksglauben sollen einige Räucherstoffe der Beeinflussung des Wetters oder dem Schutz vor Blitzschlag und Feuersbrunst dienen (Arnika, Holunder, Eberwurz, Johanniskraut, Mistel, Bilsenkraut) und nicht zuletzt schrieb man ihnen aphrodisierende und hellsichtig machende Wirkung zu.

Die winterliche Ausstellung „Rauchzeichen – Pflanzen und Kulturgeschichte des Räucherns“, die in Kooperation mit der Kräuterpädagogin Susanne Pust gestaltet wurde, gibt einen Einblick in die Geschichte und Hintergründe dieses alten Brauchs. Neben Themen, wie Räuchern weltweit, Räuchern in der heimischen Volkskultur und im Brauchtum, Räucherutensilien und typische heimische und exotische Räucherpflanzen, werden auch diverse Gegenstände und Produkte gezeigt, die in verschiedenen Ländern und bei uns verwendet werden.

Öffnungszeiten

Die tropischen Schmetterlinge können im Tropenhaus bis 23. Februar 2020 beobachtet werden. Die Sonderschau über das Räuchern dauert bis 2. Februar. Die Anlage ist täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet, außer am 24. und 25. Dezember sowie am 1. Jänner geschlossen.

(Informationsunterlage zur Presseführung mit Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier und dem Leiter des Botanischen Gartens, Dr. Friedrich Schwarz zum Thema „Sonderausstellungen Schmetterlinge und Räuchern im Botanischen Garten“)

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