Presseaussendung vom: 13.01.2020

HausbetreuerInnen der GWG KonfliktschlichterInnen und MediatorInnen

Beitrag für ein besseres Zusammenleben 

Das Zusammenleben ist gelegentlich auch von Konflikten geprägt. Maßnahmen sollten demnach primär bei einer besseren Kommunikation sowie bei der Ermöglichung von Verständigung ansetzen. 

„Vor allem der Aufbau von Kontakten und der Abbau von Konflikten hat an vorderster Stelle für ein besseres Gemeinschaftsleben in Wohnanlagen zu stehen“, stellt Bürgermeister Klaus Luger fest. „In der Lebensstadt Linz leisten sie einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu einem geordneten Zusammenleben“. 

„Die Mieterinnen und Mieter wollen einen Ansprechpartner vor Ort, der einen Bezug zu den Menschen in einer Wohnanlage hat. Dieses kommunikative Element kann von einer Reinigungsfirma mit häufig wechselndem Personal nicht angeboten werden. Nicht zuletzt sind die Mieterinnen und Mieter dort besonders zufrieden, wo die GWG HausbesorgerInnen und HausbetreuerInnen beschäftigt“, sagt GWG-Geschäftsführer Dir. Mag. Nikolaus Stadler. Dort, wo nach Pensionierungen die HausbesorgerInnen durch Reinigungsfirmen ersetzt wurden, wurde den Menschen in den Wohnungen schnell klar, dass damit auch die persönliche Betreuung vor Ort verloren gegangen ist. 

Nach der ersatzlosen Streichung des bis dahin geltenden Hausbesorgergesetzes im Jahr 2000 ist keine Neuanstellung von HausbesorgerInnen mehr möglich. Einige bis dahin von HausbesorgerInnen erledigte Aufgaben wurden bei den Wohnbauträgern, so auch bei der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz (GWG), an Reinigungsfirmen übertragen. 

„In den vergangenen mehr als zehn Jahren ist es uns als Betriebsratsteam gemeinsam mit der Hausverwaltung der GWG gelungen, mit dem Modell der HausbetreuerInnen den Abwärtstrend einzubremsen“, blickt Betriebsratsvorsitzende Sabrina Freudenthaler auf die Arbeit der vergangenen Jahre zurück. 

„Und auch wenn es mit diesem nicht gelungen ist, die Lücke vollständig zu schließen, so konnten wir doch die Pensionsabgänge der HausbesorgerInnen durch Neuaufnahmen von HausbetreuerInnen kompensieren“, zeigt sich Freudenthaler zufrieden. 

Reinigungsfirma vs. Hausbetreuerin

Der Einsatz von Reinigungsfirmen mag auf den ersten Blick für geringere Betriebskosten sorgen, doch bei einem genaueren Blick auf die Zahlen zeigt sich schnell, dass damit nur ein Teil betrachtet wird. 

Denn während Reinigungsfirmen überwiegend Reinigungsarbeiten erbringen, übernehmen HausbesorgerInnen oder HausbetreuerInnen auch Kleinreparaturen. Damit kann die kostenintensive Beauftragung für den Tausch von Leuchtmitteln entfallen und die Instandhaltungsreserven, die ebenfalls von den Mieten gespeist werden, können geschont werden. 

Die GWG betreut insgesamt 19.470 Wohnungen in 1.817 Gebäuden (oder  Stiegenhäusern mit einem eigenen Eingang), davon werden 8.663 Wohnungen (44,5 Prozent) durch HausbesorgerInnen oder HausbetreuerInnen serviciert. Die Stiegenhäuser und Allgemeinflächen von 9.318 Wohnungen (47,9 Prozent) werden von Reinigungsfirmen betreut und die BewohnerInnen von 1.489 Wohnungen (7,6 Prozent) haben sich für eine Eigenreinigung entschieden. 

„Eine gute Hausbetreuung ist durch nichts zu ersetzen“

Es gibt viele MieterInnen und auch WohnungseigentümerInnen in GWG-Wohnhäusern, die sich nach persönlicher Betreuung und nach einem Ansprechpartner vor Ort sehnen. Aussagen von MieterInnen wie „Eine gute Hausbesorgerin oder Hausbetreuerin ist durch nichts zu ersetzen – nicht durch Überwachungskameras und auch nicht durch Reinigungsfirmen. Vertrauen ist dabei das Wichtigste!" sind Symptom dafür, dass sich viele Mieterinnen und Mieter etwas Anderes wünschen, als häufig wechselndes Personal von Reinigungsfirmen, das weder einen Bezug zu den betreuten Objekten noch zu den darin wohnenden Menschen entwickeln kann.  

Aufgaben der HausbesorgerInnen und HausbetreuerInnen bei der GWG

Hausbetreuer und Hausbesorger sind Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die ein Arbeitsverhältnis zur Reinhaltung, Wartung und Beaufsichtigung von Häusern abgeschlossen haben. 

Wurde es bis 30. Juni 2000 abgeschlossen, spricht man von Hausbesorgern und Haubesorgerinnen. Für sie gilt das Hausbesorgergesetz. Bei Arbeitsverhältnissen, die erst nach dem 30. Juni 2000 eingegangen wurden, spricht man von Hausbetreuern und Hausbetreuerinnen. Für sie gilt allgemeines Arbeitsrecht. 

Die nach den bis 2000 geltenden Rechtsnormen angestellten HausbesorgerInnen kümmern sich um die Reinigung der Allgemeinflächen in Stiegenhäusern, der Kellergangflächen, Dachböden oder Trockenräume. Sie sind im Außenbereich für die Betreuung der Gehsteige während der Sommer- und Wintermonate verantwortlich.
Gerade beim Winterdienst, der zunehmend an Unternehmen vergeben wurde, ergaben sich in den vergangenen Jahren zunehmende Aufgabenverlagerungen.

Die GWG beschäftigt aktuell 91 HausbesorgerInnen mit Altverträgen und 39 HausbetreuerInnen. 

Ausgeprägter Wunsch nach direkter Hausbetreuung 

Vier von fünf MieterInnen der GWG wünschen sich HausbesorgerInnen oder HausbetreuerInnen als fixe Ansprechpersonen. 

Mehrere Umfragen der GWG zu diesem Thema haben immer wieder einen Trend gezeigt: Vier von fünf MieterInnen wünschen sich eine fixe Ansprechperson in Form eines Hausbesorgers oder eines Hausbetreuers für Anliegen rund ums Wohnen. Als ein Hauptkritikpunkt wird vielfach genannt, dass bei der Vergabe der Reinigungsleistungen an Firmen die Betreuung ungenügend ist. 

Höchste Zufriedenheitswerte bei Reinigung durch HausbesorgerInnen oder HausbetreuerInnen

HausbetreuerInnen als Ansprechpersonen für die GWG-MieterInnen 

Während die Nichtanwendbarkeit des Arbeitszeitgesetzes auf die bis zum Jahr 2000 gültigen Arbeitsverträge es ermöglichte, dass HausbesorgerInnen praktisch jederzeit im „Einsatz“ waren, sind die wesentlichsten Aufgabenbereiche bei HausbetreuerInnen getrennt. Dazu zählen die die Stiegenhaus-, die Außenflächen und die Gehsteigreinigung. Deshalb sind beim Einsatz von HausbetreuerInnen die Reinigungsleistungen für Gehsteige, Gehwege, Hauszugänge oder den Winterdienst an Reinigungsfirmen ausgelagert. 

Der wesentliche Vorteil des Einsatzes von HausbetreuerInnen liegt für die MieterInnen darin, dass diese - im Gegensatz zu beauftragten Firmen - unmittelbar als Ansprechpartner verfügbar sind, weil sie auch in den Wohnanlagen wohnhaft sind. 

Auf der anderen Seite entsteht dadurch für die Hausverwaltung der Vorteil, schneller über Mängel informiert zu sein und Reparaturaufträge rascher erteilen zu können. Und im Gegensatz zu einer Reinigungsfirma kann die Hausbetreuerin/der Hausbetreuer auch selbständig innerhalb eines fixierten Rahmens Firmen beauftragen. 
Damit sollen vor allem die KundInnen der GWG, die MieterInnen, profitieren. Dies führt auch zu einer höheren Kundenzufriedenheit. 

Hausbetreuer als „Erstversorger“

Dazu kommt, dass HausbesorgerInnen und HausbetreuerInnen vielfache Problemlösungskapazität mitbringen. Bei Kleinreparaturen beispielsweise erfolgt die Erledigung durch Personal vor Ort schneller als eine Erledigung durch Firmen, zudem fallen Kosten für Kleinreparaturen vielfach geringer aus. 

Versucht wird weiters, die HausbetreuerInnen bei Wohnungsübergaben an die MieterInnen einzubinden. Damit können die neuen BewohnerInnen schneller über die „Besonderheiten“ im Haus und der Wohnanlage informiert werden und spätere Konflikte vermieden werden. 

HausbetreuerInnen als soziale Anlaufstelle

HausbetreuerInnen übernehmen aber noch andere Funktionen. Bei Konflikten zwischen MieterInnen oder bei Unklarheiten zur Hausordnung sind sie als erste Ansprechpartner vor Ort und können einen wesentlichen Beitrag zur Bereinigung von Konflikten auf einem niedrigen Niveau beitragen. Und für viele Menschen sind sie die erste Ansprechperson, der Vertreter der Wohnungsgesellschaft in der Wohnanlage, wenn es darum geht, Antworten auf offene Fragen zu erhalten. 

HausbetreuerInnen können aber auch für alte oder kranke Menschen, die ihre Wohnung nur schwer verlassen können, zu einer ersten Kontakt- oder Ansprechperson werden. 

Verbessertes Sicherheitsgefühl  

Und sie können auch zu einem verbesserten Sicherheitsgefühl beitragen, da sie schneller in der Lage sind, eine defekte Außenbeleuchtung zu reparieren oder eine Reparatur zu beauftragen. Damit werden dunkle und schlecht beleuchtete Stellen vermieden und ein besseres Sicherheitsgefühl bei Frauen oder älteren Menschen erzeugt. 

Vorteile für das Zusammenleben in der Wohnanlage

Ein weiterer Vorteil der HausbetreuerInnen ist ihre Verfügbarkeit vor Ort im Falle von Konflikten zwischen MieterInnen. Zudem stehen die HausbetreuerInnen als „VertreterInnen“ der GWG den MieterInnen als „rechte Hand“ des Hausverwalters zur Verfügung.

Geschult in Deeskalation 

Im Vorfeld von entstehenden Konflikten können sie zudem bereits einschreiten, bevor noch ein Konflikt ausbricht und so deeskalierend wirken. Dafür bietet die GWG auch spezielle Schulungen und Seminare für die HausbesorgerInnen und HausbetreuerInnen an. 

In den vergangenen Jahren ist den HausbetreuerInnen eine zunehmen stärkere Rolle als Vermittler und Konfliktschlichter zugekommen. Vor allem in Wohnanlagen, wo so genannte „Alteingesessene“ Tür an Tür mit Migrantenfamilien wohnen. 

Und latentes Konfliktpotential gibt es auch zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen. Der typische Fall sind Kinder, die mit ihrem Spiel ältere BewohnerInnen stören. Den HausbetreuerInnen bzw. den HausbesorgerInnen kommt auch in diesen Bereichen eine wesentliche Rolle bei der Konfliktschlichtung und Mediatoren in Wohnanlagen zu.

Anlagenbetreuer als „Hausbetreuer light“

Die GWG beschäftigt auch eine geringe Anzahl an Anlagenbetreuern. Diese sind gleichsam „HausbetreuerInnnen light“ und stehen als Ansprechpersonen  für die GWG-MieterInnen zur Verfügung und geben Informationen an die MieterInnen weiter. Die Mängelbehebung beschränkt sich jedoch zumeist auf die Weitergabe von Reparaturaufträgen an die Hausverwaltung. Lediglich Kleinstreparaturen wie der Austausch von Leuchtkörpern werden auch vom Anlagenbetreuer ausgeführt. Weiters zählen auch die Kontrolle der Abfallsammelstellen, um illegale Müllablagerungen zu ver-meiden, zu ihren Aufgaben. Ebenfalls inkludiert ist die Überprüfung der Waschküchen, beispielsweise die Reinigung von Filtern. Der Umfang der wöchentlichen Beschäftigung liegt hier bei etwa 8,5 Stunden. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger zum Thema „HausbetreuerInnen der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz - Beitrag zum Zusammenleben“, GWG-Geschäftsführer Nikolaus Stadler und der Betriebsratsvorsitzenden der HausbesorgerInnen und HausbetreuerInnen, Sabrina Freudenthaler)

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