Presseaussendung vom: 16.01.2020

Start der Stadtklimaanalyse 2020 Klimafragen gehören in den Mittelpunkt

Mit Jahresbeginn starteten auch die Arbeiten zur Linzer Stadtklimaanalyse. Wesentliche Empfehlungen aus dem 2019 vorgestellten Bericht „Grundlagenstudie zum Status von Stadtklimainformationen in der Stadt Linz“ werden damit nun umgesetzt. So wurde im Rahmen des Klimapaketes im November unter anderem beschlossen, eine Stadtklimatologin/einen Stadtklimatologen anzustellen und einen Klimabeirat zu installieren. Zudem beschloss der Stadtsenat Ende Dezember Weatherpark mit der Durchführung der Stadtklimaanalyse 2020 zu beauftragen. Eine Stadtklimaanalyse ist eine systematische Erfassung des Klimas einer Stadt und soll als Basis für viele weitere Schritte dienen. Die Erstellung dauert ca. ein Jahr. 

„Die nicht mehr abwendbaren Auswirkungen der Klimakrise müssen noch stärker und vor allem systematisch berücksichtigt werden. Die nun startende Stadtklimaanalyse soll sicherstellen, dass alle EntscheidungsträgerInnen - angefangen von ArchitektInnen, den städtischen MitarbeiterInnen bis zu den GemeinderätInnen -  über die konkreten Linzer stadtklimatischen Zusammenhänge Bescheid wissen.

Klimafragen müssen bei Bebauungsentscheidungen eine zentrale Rolle einnehmen, damit unsere Stadt auch in Zukunft lebenswert bleibt“, informiert Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Nach einer Richtlinie des VDI (Verein Deutscher IngenieurInnen) sind die Ziele einer planungsbezogenen Stadtklimatologie u.a.

  • Abbau von Wärmeinseln 
  • Optimierung der städtischen Belüftung 
  • Stadtplanung für die Lufthygiene und den thermischen Komfort 
  • sowie Erhaltung und Förderung von Frischluft- oder Kaltluftentstehungsgebieten.

Während des Projektprozesses wird eng mit dem Umweltressort des Landes zusammengearbeitet, das die Erstellung der Stadtklimaanalyse zu 25 Prozent mitfinanziert.  

Die Stadtklimaanalyse umfasst sechs wesentliche Schritte: 

1.    Klimaanalysekarte

Zunächst wird eine sogenannte Klimaanalysekarte erstellt, inklusive Klimatope und Klimafunktionen. Dies erfolgt anhand von Geo-Informationen. Dabei werden unter anderem das Geländemodell, Gebäude und die Landnutzung berücksichtigt. Es wird eine flächendeckende Analyse der Klimafunktionen im Untersuchungsraum durchgeführt. 

Die Klimafunktionskarte weist Gebiete mit ähnlichen Klimacharakteristika (sogenannte Klimatope) aus. Zusätzlich gibt sie eine räumliche Verteilung von maßgeblichen Mechanismen (Klimafunktionen) des Linzer Stadtklimas auf einer Karte wieder, wie etwa Kaltluftsysteme und den Wärmeinseleffekt.

Ergebnis dieses Schrittes wird eine GIS-basierte Klimaanalysekarte sein, die Informationen über Klimatope und Klimafunktionen beinhaltet. 

2.    Erstellen einer Planungshinweiskarte (PHK)

Basierend auf der Klimaanalysekarte folgt das Ausarbeiten einer Planungshinweiskarte (PHK). Hier werden die teilweise komplexen stadtklimatischen Funktionen bewertet. Somit kann die klimatische Sensibilität unterschiedlicher Areale bestimmt und deren Wertigkeit räumlich zugeordnet werden. Die daraus resultierenden Empfehlungen und Hinweise zielen darauf ab,

  • die klimatischen Verhältnisse im Bestand zu verbessern;
  • die zukünftigen urbanen Entwicklungen zu koordinieren;
  • die Auswirkungen des prognostizierten Klimawandels möglichst abzumildern.

Die PHK kann sowohl in der Flächenwidmung, als auch in der Entwurfs- und Einreichplanung eingesetzt werden.
Ergebnis dieses Schrittes wird eine GIS-basierte Planungshinweiskarte sein.

3.    Darstellen von Szenarien zur Stadtentwicklung und zum Klimawandel 

Dabei sollen zukünftige Entwicklungen in Linz beleuchtet werden: Ein Szenario der zukünftigen Stadtentwicklung (zum Beispiel eine Simulation von Linz 2050) wird als Eingangsdatensatz genutzt, um klimatische Veränderungen durch die zukünftigen Eingriffe aufzuzeigen und zu bilanzieren. Neben der zukünftigen Bebauung werden auch die stadtklimatischen Auswirkungen aufgrund der allgemeinen klimatischen Entwicklung (also ein Klimaszenario) abgebildet. 

Basierend auf einem Regionalmodell, das die klimatischen Verhältnisse in den nächsten Jahrzehnten in den unteren Atmosphärenschichten darstellt, wird über das für die Planungshinweiskarte entwickelte Modell ein Ausblick auf die klimatischen Veränderungen im Stadtraum Linz gegeben.

Ergebnis dieses Schrittes sollen zwei GIS-basierte Klimafunktionskarten sein, die Stadtentwicklungsszenarien und Klimawandelszenarien berücksichtigen.

4.    Grundlegender Einfluss Basis für Hochhausrichtlinie

 Aus den Ergebnissen aus Punkt 1 bis 3 wird bezüglich der Windwirkung die Hochhausrichtlinie der Stadt Linz adaptiert.

5.    Vertiefende Untersuchung

Auf Basis der Ergebnisse aus den Punkten 1, 2 und 3 wird gemeinsam mit der Stadt Linz ein konkreter Anwendungsfall ausgesucht, um auf kleinerem Maßstab (städtebauliche Ebene bis Objektebene) eine vertiefte Detailuntersuchung durchzuführen. 

Damit sollen einerseits konkrete stadtklimatische Empfehlungen für ein aktuelles Planungs- oder Umsetzungsprojekt erarbeitet und andererseits allgemein demonstriert werden, wie die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse vertieft werden können. 

Ergebnis dieses Schrittes wird zum Beispiel die Simulation eines Neubauprojektes zu den Themen Windauswirkung, Hitzeauswirkungen im Sommer und/oder Kaltluftabfluss sein. 

6.    Kontrollmesskampagne

Die Stadt Linz weist einige klimatische Besonderheiten (zum Beispiel Haselgrabenwind, Donaudurchbruch, Linzer Becken) auf, wodurch lokale Wechselwirkungen zu erwarten sind. 

Zur Qualitätssicherung wird eine Kontrollmesskampagne durchgeführt, die zur Bestätigung und Festigung der Analyseergebnisse dient. Die Messkampagne besteht aus kontinuierlichen stationären Messungen (Temperatur und Wind), die vor allem die Belüftungssituation der Stadt über einen längeren Zeitraum beobachten. 

Hintergrund: Linz im Klimawandel 

Auch Linz wird immer öfter von Hitzewellen erfasst, wie die von der ZAMG zur Verfügung gestellte Auswertung der Kysely-Hitzewellentage (1931-2018) für Linz zeigt.

Ein Kysely-Tag bedeutet, dass die Temperatur über 30 °C an diesem Tag gestiegen ist, dass und an mindestens 3 Tagen hintereinander dieses Kriterium erfüllt wird sowie während der Periode nur jeweils ein Tag vorkommt, an dem die Maximaltemperatur bis minimal 25 °C fällt. Wenn anschließend wieder ein Tag mit über 30 °C vorkommt, kann in Folge ein weiterer Tag dabei sein, an dem die Höchsttemperatur auf minimal 25 °C fällt. War eine Hitzewelle in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts noch ein extrem seltenes Ereignis, kommt diese im letzten Jahrzehnt fast jedes Jahr vor.  

Durch den „Hitzeinseleffekt“ leiden Menschen in Städten besonders an den steigenden Temperaturen. Untertags bewirken die Gebäude und versiegelten Flächen – bei gleichen Lufttemperaturen – eine höhere Hitzebelastung als im Umland oder in einem Wald, abends verhindern die Tropennächte einen erholsamen Schlaf. Beide Effekte akkumulieren sich und bewirken, dass es zu gesundheitlichen Belastungen kommt. 

Zudem wächst die Bevölkerungszahl bei begrenztem städtischem Raum stetig. Dies bedeutet aber einen höheren Druck, Linz weiter zu verdichten. Weitere Versiegelung und Hochhausbauten können die Folge sein. Neben der Tatsache, dass durch die Klimakrise das Temperaturniveau insgesamt ansteigt, verstärken diese Entscheidungen und Gebäude die Hitzebelastung. Die Berücksichtigung der Auswirkungen auf das Stadtklima wird daher zunehmend wichtiger. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Mag. Simon Tschannett von Weatherpark zum Thema „Stadtklimaanalyse für Linz“)

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