Presseaussendung vom: 16.01.2020

Kinder, Jugendliche und Familien nutzen städtische Präventiv-Angebote intensiv Umfassendes Portfolio der Kinder- und Jugendhilfe: Von Schulsozialarbeit über Eltern- und Mutterberatung bis zur mobilen Erziehungshilfe

Die Stadt Linz bietet professionelle Betreuungsangebote und Dienstleistungen an, um Familien und ihre Kinder in Linz bei Bedarf bestmöglich präventiv zu unterstützen. Die Kinder- und Jugendhilfe wickeln diese ab. Zusätzlich wird mit diversen Einrichtungen und Organisationen zusammengearbeitet. 

Zum Portfolio der Kinder- und Jugendhilfe zählen die Schulsozialarbeit sowie die Sozialarbeit in den Kindergärten. Mit Hilfe dieser werden psychosoziale Fehlentwicklungen von Kindern früh erkannt und rechtzeitig Maßnahmen zur individuellen Förderung ergriffen. Als niederschwelliges Angebot bietet die Eltern- und Mutterberatung für Eltern einen unbelasteten und frühestmöglichen Kontakt zur Kinder- und Jugendhilfe. 

Auch der schulärztliche Dienst zählt zum städtischen Repertoire. Dieser widmet sich vorrangig der Prävention von Krankheiten sowie der Erziehung von Schülerinnen und Schülern zu einem gesunden Lebensstil. 
Angebote wie die mobile und ambulante Erziehungshilfe, das Besuchscafé oder die Eltern-Kind-Zentren ergänzen das umfassende Dienstleistungsangebot. Darüber hinaus gilt die vorbildliche Kinderbetreuung als eine wesentliche Maßnahme im Bereich der Prävention. 

„Die Kinder von heute sind die Zukunft von morgen. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, bei Problemen oder Notsituationen schnell, professionell und unbürokratisch zu helfen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Linz leisten hier hervorragende Arbeit“, sagt Vizebürgermeisterin und Sozialreferentin Karin Hörzing.

Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit ist ein sozialer Dienst, der in ausgewählten Pflichtschulen der Stadt Linz (Volksschulen, Neue Mittelschulen, Sonder- und Polytechnische Schulen) für Kinder und Jugendliche, Eltern und Lehrpersonen angeboten wird. Derzeit werden zwei Drittel der Linzer Pflichtschulen von SchulsozialarbeiterInnen betreut. Durch die hohen Präsenzzeiten vor Ort ist eine niederschwellige Erreichbarkeit gewährleistet. 

Ziel der Schulsozialarbeit ist es, durch die regelmäßige Anwesenheit psychosoziale Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen zur individuellen Förderung der sozialen Integration der Kinder und Jugendlichen in ihrem Umfeld zu setzen, sowie die Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten professionell zu unterstützen.

Zielgruppen der Schulsozialarbeit sind Schülerinnen und Schüler mit einem auffälligen Sozialverhalten oder jene, die in der Familie in schulischen Angelegenheiten nicht ausreichend gefördert werden (können). Auch für Konfliktsituationen, die in der Schule nicht gelöst werden können, steht die Schulsozialarbeit als Partnerin zur Verfügung. Darüber hinaus sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ansprechpersonen für Pädagoginnen und Pädagogen, die sich Sorgen um das Wohl eines Schülers/einer Schülerin machen, wie auch für Erziehungspersonen, die Beratung und Hilfe in der Erziehung ihrer Kinder benötigen.  

Im Schuljahr 2018/2019 konnten 754 SchülerInnen und deren Einrichtungen von den Angeboten der Schulsozialarbeit profitieren.  

Sozialarbeit im Kindergarten

Als neue Dienstleistung wurde die Kindergartensozialarbeit 2017 in sechs städtischen Kindergärten geschaffen. Sie gilt als unterstützendes Angebot vor Ort mit freiwilligem Zugang für alle Betroffenen und wendet sich primär an Eltern und MitarbeiterInnen in den Kindergärten. Durch den Einsatz von Sozialarbeit in den Kindergärten werden die Betreuungseinrichtungen selbst Teil eines sozialen Frühwarnsystems. 

Die Kindergartensozialarbeit orientiert sich an der Schulsozialarbeit. Durch die frühzeitige Begleitung/Betreuung von Familien im Kindergarten kann der Einstieg in die Schule gut vorbereitet werden.

Sozialarbeit im Kindergarten unterstützt Erziehungspersonen, die Beratung und Hilfe in der Pflege und Erziehung ihrer Kinder benötigen und bietet rechtzeitige Hilfe und Unterstützung für Familien und ihre Kinder in belasteten Familiensituationen. Sie ermöglicht eine frühzeitige sowie positive Einflussnahme bei auffälligen Entwicklungen und/oder aktuellen Belastungssituationen und leistet einen Beitrag zur Stabilisierung von sozial belasteten Kindern und deren Familien und trägt damit wesentlich zu einer frühzeitigen Vermeidung von Kindeswohlgefährdungen bei. 

In den betreuten Kindergärten erreicht die Kindergartensozialarbeit zirka 800 Kinder. Davon wurden im Kindergartenjahr 2018/2019 exakt 144 Familien durch die Kindergartensozialarbeiterinnen und Kindergartensozialarbeiter betreut. 

Eltern- und Mutterberatung und IGLU

Die Eltern- und Mutterberatung (EMB) ist ein Familiendienst im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe. Die zwölf über das Stadtgebiet verteilten Einrichtungen sind Anlaufstellen für alle Eltern, unabhängig von Bildung, Einkommen, Sprache und Familienstand. Der ungezwungene Zugang, wie beispielsweise keine Notwendigkeit zur Terminvereinbarung oder die freie Wahl der Einrichtung, reduziert die Hemmschwelle, Beratung und Unterstützung anzunehmen. Die Familien erleben dadurch die Kinder- und Jugendhilfe als positives Unterstützungsangebot.

Derzeit hat die Stadt Linz zwölf Einrichtungen mit 16 Beratungstagen in der Woche. Die erweiterte Eltern- und Mutterberatungsstelle IGLU in der grünen Mitte verfügt als Leitstelle über ein erweitertes Leistungsangebot. SozialarbeiterInnen und Kinderkrankenschwestern beraten in Fragen zu Ernährung, Entwicklung und Förderung des Kindes, Erziehungsfragen sowie in allgemeinen familiären und rechtlichen Fragen. Darüber hinaus gibt es eine ärztliche Beratung, ebenso eine Impfberatung. Eine Still- und Laktationsberatung, das Angebot einer Stillhotline sowie eine Beratung bei Schlafproblemen und Schreibabys sind ebenfalls im Angebot enthalten. Die erweiterte Eltern-, Mutterberatung IGLU bietet zudem Einzelberatungen durch eine Psychologin oder Sozialarbeiterin, Ernährungsrunden, Trageberatung, Stillberatung und Stillrunden, sowie verschiedene Elternrunden und Fachvorträge. Durch regelmäßige Fort- und Weiterbildung sind die BeraterInnen fachlich immer auf dem neuesten Stand. 

Im Jahr 2019 konnten die Eltern- Mutterberatungsstellen mehr als 10.900 Beratungen verzeichnen. 

Ärztlicher Dienst in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen

Die Schulärztinnen und -ärzte nehmen im Rahmen des gesetzlichen Auftrags eine präventivmedizinische Aufgabe wahr. Sie widmen sich vorrangig der Prävention von Krankheiten und der Erziehung der Schülerinnen und Schüler zu einem gesunden Lebensstil. Zu ihren Hauptaufgaben zählen die Untersuchungen der Schülerinnen und Schüler, Beratung der Pädagoginnen und Pädagogen in Fragen der Schulgesundheitspflege, eine ärztliche Begleitung in Krisen, aber auch Mitwirkung bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten. 
Einen immer stärker werdenden Stellenwert nimmt die Erziehung zu einem gesunden Lebensstil ein. Im Vordergrund stehen dabei die Themen Ernährung, Bewegung und Freizeitgestaltung. 

„Die Gesundheitserziehung in den Linzer Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen ist von sehr großer Bedeutung. Dank diesem Instrument können Kindern und Jugendlichen die Grundlagen für einen gesunden Lebensstil vermittelt werden“, erklärt Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing die Wichtigkeit dieses Angebots. 

Im vergangenen Jahr wurden in Summe mehr als 12.600 Untersuchungen und 7.900 Gespräche mit Eltern, PädagogInnen und SchülerInnen in den Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt Linz geführt. 

Sicherung des Unterhalts 

Die Kinder- und Jugendhilfe (KJH) in Linz sichert den Unterhalt für etwa 5.000 Kinder und leistet damit einen erheblichen Beitrag zur Prävention der Armuts- und Existenzgefährdung. 

Kinder haben, solange sie nicht selbsterhaltungsfähig sind, Anspruch auf Unterhalt. Lebt ein Elternteil getrennt von seinem Kind, muss dieser seinen Anteil am Unterhalt des Kindes in Form eines Geldbetrages leisten („Alimente"). Wenn aus unterschiedlichen Gründen der Unterhalt nicht regelmäßig oder nicht in der vereinbarten Höhe bezahlt wird, bietet die Kinder- und Jugendhilfe Unterstützung an. Insgesamt betrifft das derzeit etwa 5.000 Kinder und Jugendliche in Linz. Die Unterstützung in Unterhaltsangelegenheiten ist jene Dienstleistung der KJH, die am häufigsten nachgefragt wird.

Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfe

Die Kinder- und Jugendhilfe kann mit dem unterhaltspflichtigen Elternteil eine Vereinbarung über die Höhe des laufenden monatlichen Unterhalts sowie eine Ratenvereinbarung über die Begleichung von Rückständen abschließen. Dazu kann die Kinder- und Jugendhilfe beim Dienstgeber auch eine Lohnerhebung durchführen.     Kommt keine Zahlungsvereinbarung zustande oder zahlt der Unterhaltsschuldner trotz einer bestehenden Vereinbarung nicht, kann die Kinder- und Jugendhilfe entsprechende Gerichtsanträge stellen. Wenn auch nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss kein Geld einlangt, wird Antrag auf Exekution gestellt. 

Kann auch auf diesem Weg der Unterhalt des Kindes nicht zur Gänze eingebracht werden (z.B. bei häufiger Arbeitslosigkeit des Kindesvaters), kümmert sich die Kinder- und Jugendhilfe um einen Unterhaltsvorschuss. Unterhaltsvorschuss wird dann gewährt, wenn der Unterhaltsbetrag nicht oder nicht zur Gänze eingebracht werden kann, obwohl der zur Zahlung verpflichtete Elternteil zwar leistungsfähig, aber leistungsunwillig ist. Beispielsweise, wenn durch den sehr häufigen Wechsel des Arbeitsplatzes Lohnpfändungen kaum Erfolg bringen.

Im Vorjahr wurde in mehr als 2.800 Fällen Unterhaltsvorschuss geleistet. Im Rahmen der Unterhaltsvertretung und Obsorge wurden insgesamt zirka 4,6   Millionen Euro eingenommen und an die Unterhaltsberechtigten ausbezahlt.

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Unterhaltsleistungen oft nur in sehr geringer Höhe möglich sind.

Lücken im Unterhaltsbereich

Die Höhe des Unterhalts richtet sich nach der Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen. Bei sehr geringem Einkommen ist daher auch der Unterhaltsbetrag sehr gering. Ist ein Unterhaltspflichtiger gar nicht leistungsfähig, weil das Einkommen unter dem Existenzminimum liegt oder wegen Krankheit oder Behinderung gar kein Einkommen erzielt wird, dann kann es vorkommen, dass gar kein Unterhalt gezahlt werden muss.

Besondere Härtefälle entstehen, wenn der Elternteil, bei dem das Kind lebt, bestimmte Einkommensgrenzen geringfügig überschreitet, sodass Sozialleistungen wie beispielsweise die Bedarfsorientierte Mindestsicherung nicht greifen. Besteht keine Leistungsfähigkeit des unterhaltspflichtigen Elternteils, gibt es darüber hinaus auch keinen Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Diese Personengruppe hat weder Ansprüche nach dem Unterhaltsvorschussgesetz noch auf Sozialleistungen. „Im Sinne der Prävention von Armutsgefährdung appelliere ich an die Bundesregierung, sich um diese rechtlich nicht erfassten Fälle zu bemühen und dahingehend eine Gesetzesänderung zu erarbeiten“, betont Vizebürgermeisterin Hörzing. 

Besuchscafé

Im Besuchscafé besteht die Möglichkeit, begleitete Besuchskontakte zwischen getrennt lebenden Elternteilen und ihren Kindern durchzuführen. Das Besuchscafé ist jeweils am 1. und 3. Samstag im Monat und am Freitag geöffnet. Insgesamt fanden 158 Familienbesuche (teilweise Familien mit mehreren Kindern und anderen Familienmitgliedern, insgesamt 533 Personen) im Besuchscafé statt. Bei den betroffenen Kindern waren im Jahr 2019 exakt 91 männlich und 125 weiblich.

Mobile familienergänzende Erziehungshilfe

Im Rahmen von Hilfe in belasteten Familiensituationen oder der Unterstützung der Erziehung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz werden Familien in ihrer Erziehungsverantwortung gefördert. Dazu wird gemeinsam mit der Familie ein Hilfeplan erarbeitet und in Teilschritten unter Beiziehung externer Dienstleister umgesetzt. 
Die sozialarbeiterische Begleitung und Betreuung erfolgt bei familiären Fragen und Problematiken und zielt darauf ab, die Klientel zu befähigen eine individuelle, ressourcenorientierte Problemlösung zu erarbeiten und umzusetzen. In den Einzelfällen sind mehrere NetzwerkpartnerInnen (Institutionen, soziale Vereine) für Teilbereiche einzubeziehen. 

Eine längere Betreuung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe erfolgt bei gravierenden familiären Problemen, die sich auf die Betreuung und Förderung der Kinder negativ auswirken. In den meisten Fällen gelingt es durch die Hilfe in belasteten Familiensituationen oder die Unterstützung der Erziehung die Familien zu entlasten und zu stabilisieren.

Im Jahr 2019 wurden laufend zirka 660 Kinder und Jugendliche in den Familien durch mobile Angebote der Kinder- und Jugendhilfe unterstützt. Dafür wurden insgesamt etwa vier Millionen Euro aufgewendet. Die durchschnittliche Dauer der Maßnahmen im Bereich der Unterstützung der Erziehung beträgt 20 Monate. 

Insgesamt wurden 2019 etwa 4.800 Kinder und Jugendliche und deren Familien unmittelbar durch die SozialarbeiterInnen der Abteilung Erziehungshilfe (Erstabklärung und Sprengelsozialarbeit) beraten oder unterstützt. 

„Die Summe aller Leistungen der Stadt Linz bildet ein dichtes Netz an Präventionsmaßnahmen und Angeboten. Linzer Familien können sich sicher sein, dass sie bei all ihren Bedürfnissen und Notlagen rechtzeitig Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen können und ihnen kompetente Ansprechpersonen zur Seite stehen“, betont Vizebürgermeisterin Hörzing. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Präventive Angebote der Kinder- und Jugendhilfe“)

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