Presseaussendung vom: 28.01.2020

Kompass-Sozialberatungen sehr gefragt 2019: Kostenlose Unterstützung für 6.343 Klientinnen und Klienten

Pflege und Betreuung weiterhin im Vordergrund

Die städtischen Sozialberatungsstellen Kompass bieten hilfesuchenden erwachsenen Personen eine Anlaufstelle für ihre Problemlagen. So können sich Linzerinnen und Linzer mit Beratungs-, Unterstützungs-, Versorgungs- und Pflegebedarf in der Landeshauptstadt vertrauensvoll an die fünf, über das Stadtgebiet verteilte, Kompass-Sozialberatungsstellen wenden. Hier erhalten sie kostenlose Beratung und Unterstützung – und das auf Wunsch auch anonym.  

Im vergangenen Jahr 2019 sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstellen mehr als 6.343 Ratsuchenden mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die größte Nachfrage besteht im Bereich der Pflege und Betreuung. Dazu zählt das Organisieren von mobilen Diensten sowie die Beratung und Bedarfserhebung für einen Heimplatz in einem Linzer Seniorenzentrum. 

„Mit den vier städtischen Kompass-Beratungsstellen erhalten erwachsene Linzerinnen und Linzern einen sehr einfachen und kostenlosen Zugang zu den sozialen Serviceangeboten der Landeshauptstadt. Auf Wunsch auch anonym. Ob in den eigenen Einrichtungen oder im Rahmen eines Hausbesuches vor Ort, stets nehmen sich die Kompass-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fürsorglich und vertrauensvoll um die Anliegen der Betroffenen an“, zeigt sich Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing über das Leistungsangebot erfreut.

Die Kompass-Sozialberatungsstellen sind erste Anlaufstellen für hilfesuchende Menschen mit Beratungs-, Unterstützungs-, Versorgungs- und Pflegebedarf. Zielgruppe sind alle Linzerinnen und Linzer ab 18 Jahren mit dem Hauptwohnsitz in Linz sowie deren Angehörige beziehungsweise ihr Lebensumfeld. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Das Beratungsangebot ist auf vier Stadtbereiche aufgeteilt.

Standorte sind das Neue Rathaus – hier ist zusätzlich eine eigene Kompass-Beratung für Delogierungsprävention und unmittelbar existenzbedrohende Schulden eingerichtet –, das Seniorenzentrum Franckviertel, das Seniorenzentrum Neue Heimat sowie das Stadtteilzentrum Auwiesen. 

22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (18 Vollzeitäquivalente) kümmern sich in den Sozialberatungsstellen um die verschiedensten Anliegen. Die Professionen umfassen Fachkräfte aus den Bereichen Sozialarbeit und Soziologie sowie Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter. 

6.343 Klientinnen und Klienten im Jahr 2019

Im vergangenen Jahr suchten 6.343 Klientinnen und Klienten Unterstützung in einer städtischen Kompass-Sozialberatungsstelle. 61 Prozent davon waren Frauen, 39 Prozent Männer. 

Sozialberatung 2015 2016 2017 2018 2019
Anzahl Sozialberatungsstellen 5 5 5 5 5
Anzahl Ratsuchender 6.931 6.653 6.900 6.703 6.343
davon weiblich 61,5 % 61,85 % 59,5 % 61 % 61 %
davon männlich  38,2 % 38,04 % 40,5 % 39,1 % 39 %
davon Institutionen 0,3 % 0,1 % 0,1 % 0,1 % ---

Pflege und Betreuung erneut am stärksten nachgefragt

Die am meisten nachgefragten Bedarfsfelder waren wie schon in den Jahren zuvor auch 2019 der Bereich Pflege und Betreuung (64,2 Prozent), finanzielle Angelegenheiten (24,9 Prozent) und der Bereich Wohnen/Delogierungsprävention (8,2 Prozent). 

Wichtigste Bedarfsfelder 2019
Pflege und Betreuung 64,2 %
Finanzielle Angelegenheiten 23,9 %
Wohnen / Delogierungsprävention 8,2 %
Arbeit 0,2 %
Sucht 0,2 %
Gewalt 0,05 %
sonstiger Beratungsbedarf 3,3 %

Umfangreiches Leistungsangebot für die ältere Generation

Ältere Linzerinnen und Linzer, die einen Pflegeplatz in einem Seniorenzentrum benötigen, sind in den Kompass-Sozialberatungsstellen an der richtigen Adresse. Diese sind für die gesamte Heimobjektivierung in Linz zuständig. Dazu zählen die Erhebung/Abklärung des Pflege- und Betreuungsbedarfes, die Erarbeitung der Heimbewerbung sowie die Organisation der Pflege bis zur Heimaufnahme. Eine Beratung über mögliche Alternativen wird hier ebenfalls geboten. 2019 wurden insgesamt 1.102 Heimobjektivierungen (Anträge auf Aufnahme in ein Alten- und Pflegeheim) durchgeführt – ein Anstieg von sechs Prozent.

Ablauf Heimobjektivierung

Die Sozialarbeiterinnen und -arbeiter führen Objektivierungsverfahren für die Aufnahme in privaten und städtischen Pflegeheimen durch. Dadurch wird eine bedarfsorientierte – vom sozialen Status unabhängige – Aufnahme in ein Alten- und Pflegeheimen ermöglicht.

Das Heimobjektivierungsverfahren (seit 2003) wurde eingerichtet, um sicherzustellen, dass diese sehr kostenintensive Sozialhilfeleistung erst dann erbracht wird, wenn die Angebote der Mobilen Dienste und sämtlicher privater Ressourcen den notwendigen Pflege- und Betreuungsbedarf nicht mehr abdecken können. 

Zuerst erfolgt eine genaue Abklärung, ob eine stationäre Versorgung tatsächlich erforderlich ist. Gegebenenfalls wird über alternative Betreuungsformen beraten. Neben der Erhebung des Pflege- und Betreuungsbedarfes findet eine Einschätzung der gesamten Lebenssituation der Betroffenen statt, wobei folgende Aspekte besonders berücksichtigt werden: 

  • die Ist-Situation
  • die bisherige Betreuung und das bestehende soziale Netz 
  • die Biographie und 
  • die Motivation der Klient/Innen zur Heimaufnahme

Die Reihung für eine Heimaufnahme erfolgt nach Dringlichkeit.

Eine laufende Evaluierung der Dringlichkeit erfolgt durch die zuständige DSA in Zusammenarbeit mit den Klientinnen und Klienten sowie Angehörigen und KooperationspartnerInnen. Im Bereich der Heimobjektivierung wendet sich die pflegebedürftige Person, deren Angehörige und auch oftmals das Krankenhaus an die MitarbeiterInnen der Sozialberatungsstelle KOMPASS. Es erfolgt eine Vorabklärung (außer beim Krankenhaus), ob nur eine Vormerkung erfolgen soll oder dringender Bedarf besteht.

Da viele Heimanträge von Krankenhausaufenthalten aus gestellt werden, gibt es bereits eine enge Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten und Überleitungspflegen der Krankenhäuser. Weiteres wird eine Überprüfung der formellen Voraussetzungen (Wohnsitz, Pflegegeld, etc.) vorgenommen. 

Meist erfolgt ein Hausbesuch, bei dem der Pflegebedarf erhoben wird. Diese Daten - ergänzt durch einen ärztlichen Fragebogen - gibt die/der zuständige SozialarbeiterIn in ein extra für diesen Bereich entwickeltes EDV-System ein (MOVOKO), welches aufgrund eines hinterlegten Punktebewertungssystem eine Reihung festlegt. Nachdem dieser Prozess abgeschlossen ist, überprüft die Verrechnungsabteilung der Alten und Pflegheime noch die Kostensituation, im Anschluss wird der Bescheid ausgestellt.

Beratung in der eigenen Wohnung

Die Koordination der Mobilen Dienste läuft ebenfalls über Kompass. Die Diplom-SozialarbeiterInnen klären den Pflegebedarf, die Wünsche und Bedürfnisse der Ratsuchenden und deren Angehörigen und vermitteln unter Berücksichtigung der häuslichen, sozialen und familiären Situation entsprechend Mobile Dienste. Die Beratungen erfolgen häufig vor Ort durch einen Hausbesuch. 

Diese werden sehr oft zur (ersten) Kontaktaufnahme genutzt, die zuständigen SozialarbeiterInnen können die Klientinnen und Klienten in ihrem persönlichen Lebensumfeld kennen lernen. Zudem ist es für die zu betreuenden Personen meist – aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen – sehr beschwerlich die Beratungsstelle aufzusuchen. Oftmals wird der Hausbesuch auch als präventives Mittel eingesetzt, um diesen Menschen eine weitere Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen. 

Die SozialarbeiterInnen machen eine umfassende Analyse der Problemlage, klären den Pflegebedarf, die Wünsche und Bedürfnisse der Klientinnen und Klienten und deren Angehörige und vermitteln unter Berücksichtigung der häuslichen, sozialen und familiären Situation entsprechende Dienstleitungen im Bereich der Pflege- und Betreuung. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 2.684 Hausbesuche absolviert.

Hausbesuche  
2015 2.490
2016 2.495
2017 2.963
2018 2.684
2019 2.693

Finanzielle Angelegenheiten 

Alle Linzerinnen und Linzer können sich mit Problemen in finanziellen Be-langen vertraulich an das Kompass-Beratungsteam wenden und erhalten individuelle Beratung und ausführliche Informationen. Mit der Erarbeitung von persönlichen Lösungsansätzen wird den Betroffenen stets nachhaltig geholfen. 2019 entfiel mit 23,9 Prozent fast ein Viertel der Sozialberatungen auf diesen Bereich. 

Finanzierung

Durch den Betrieb der Sozialberatungsstellen entstehen der Stadt Linz Kosten aus Sach- sowie Personalaufwendungen. Gemäß Oö. Sozialhilfegesetz ersetzt das Land den regionalen Trägerinstitutionen einen Teil dieser Kos-ten. 2019 belief sich diese Transferzahlung auf knapp 435.000 Euro. Somit finanzierte die Stadt Linz 75 Prozent der Gesamtkosten von 1,7 Millionen Euro selbst.

Kompass-Beratungszeiten

  • Kompass Existenzsicherung
    Dienstag 9 – 12:30 Uhr
    Neues Rathaus, Hauptstraße 1-5, 4041 Linz
    Tel: +43 732 7070 2781, 2782, 2783, 2787, 2788, 2790
  • Kompass Nord 
    Neues Rathaus, Hauptstraße 1-5, 4041 Linz
    Dienstag 9 – 12:30 Uhr
    Donnerstag 14 – 16:30 Uhr
    Tel: +43 732 7070 2766, 2767, 2768, 2769, 2770
  • Kompass Ost
    Ing.-Stern-Straße 15-17, 4020 Linz
    Dienstag 9 – 12:30 Uhr
    Donnerstag 14 – 16:30 Uhr
    Tel: +43 732 666 272 20, 21, 22, 23, 24
  • Kompass Süd
    Flötzerweg 95-97, 4030 Linz
    Dienstag 9 – 12:30 Uhr
    im Stadtteilzentrum Auwiesen abgehalten:
    Donnerstag 14 – 18 Uhr
    Tel: +43 732 370 170 12, 15, 16
  • Kompass Auwiesen
    Wüstenrotplatz 3, 4030 Linz
    Dienstag 9 – 12:30 Uhr
    Donnerstag 14 – 18 Uhr
    Tel: +43 732 302 73119, 20

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Bilanz Kompass-Sozialberatung“)

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