Presseaussendung vom: 20.02.2020 |

Linzer Sozialprogramm 2020 Breite Befragung sozialer Einrichtungen

Soziale Innovationen als zentraler Schwerpunkt 

Der anhaltende Babyboom sowie ein stetiger Zuzug führen dazu, dass Linz weiter wächst und die Bevölkerungszahl bereits bei 208.000 Einwohnerinnen und Einwohner liegt. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter. Außerdem hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zuwanderung in die . Landeshauptstadt verändert.

Linz hat sich darüber hinaus zum Ziel gesetzt, die innovativste Stadt Österreichs zu werden. Dies bedeutet, dass auch soziale Innovationen genügend Raum und Ressourcen bekommen sollen. All das soll im neuen Sozialprogramm 2020 der Stadt Linz berücksichtigt werden. 

„Das Linzer Sozialprogramm 2020 stellt diese neuen gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen in den Mittelpunkt. Wesentliche Ziele des Programms sind die Bewältigung demografischer Entwicklungen, Maßnahmen für ein gutes Zusammenleben aller, Digitalisierung im Sozialbereich, sowie die Ermöglichung sozialer Innovationen“, betont Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

Ein wichtiger Schritt für das neue Sozialprogramm ist es, die Erfahrungen und Sichtweisen von ExpertInnen und Verantwortlichen von sozialen Einrichtungen einfließen zu lassen. Deshalb wurde die Fakultät für Medizintechnik und angewandte Sozialwissenschaften der FH mit der Durchführung einer empirischen Erhebung beauftragt. 

Befragt wurden Vertreterinnen und Vertreter von beinahe 160 sozialen Einrichtungen in Linz sowie Expertinnen und Experten zum Thema „Soziale Innovationen“. Die Ergebnisse liegen nun vor.

Ausgangslage

Seit der Erstellung des aktuell gültigen Sozialprogramms der Stadt Linz im Jahr 2011 haben sich die Stadt und ihre Bevölkerung stark verändert. Zum einen führten ein anhaltender Babyboom, stetiger Zuzug und die steigende Lebenserwartung dazu, dass die Stadt kontinuierlich gewachsen ist. Seit 2011 zählt die Stadt Linz etwa 17.000 Einwohner/innen mehr, wobei vor allem die Anzahl der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren, der 20- bis 44-Jährigen sowie der älteren Menschen zwischen 75 und 84 Jahren zugenommen hat. Zum anderen änderten sich gesetzliche Grundlagen. Beispielsweise die Abschaffung des Pflegeregresses, die Wohnbeihilfe, die Elternbeiträge im Kindergarten sowie die Bedarfsorientierte Mindestsicherung. All diese Veränderungen bringen Herausforderungen mit sich.

Dementsprechend möchte die Stadt Linz mit dem neuen Sozialprogramm 2020 im Sinne einer modernen Stadtentwicklung eine Grundlage schaffen, um diese Herausforderungen zu meistern. Dazu soll das neue Sozialprogramm auf der aktuellen und zukünftigen sozialen Lage der Stadt Linz aufbauen. 

Ausgehend davon wurde die Fachhochschule von der Stadt Linz mit einem empirischen Forschungsprojekt beauftragt. Untersucht wurden die Erfahrungen, Einschätzungen und Sichtweisen von ExpertInnen mit Blick auf soziale Innovationen und von Verantwortlichen sozialer Einrichtungen mit Fokus auf deren Zielgruppen, Aufgaben und Potenziale, sowie deren Erwartungen an das Linzer Sozialprogramm 2020.

Breite Befragung sozialer Einrichtungen: Rund 160 Teilnahmen 

Ausgehend von insgesamt 364 sozialer Einrichtungen in Linz (= Grundgesamtheit) konnten 157 Einrichtungen zur Teilnahme erfolgreich eingeladen werden (43 Prozent).

Etwas mehr als die Hälfte (52,2 Prozent) der befragten Einrichtungen adressiert als Zielgruppe Kinder und Familien. Ein knappes Fünftel (18,5 Prozent) definiert als Zielgruppe Menschen in besonderen sozialen Lagen, rund ein Sechstel (15,9 Prozent) ältere Menschen und Betagte. Jugendliche und junge Erwachsene bilden die Zielgruppe von 7,6 Prozent der befragten Einrichtungen, Menschen mit Beeinträchtigung sind das Klientel von 5,7 Prozent der befragten Einrichtungen.

Die häufigsten sozialen Probleme, mit denen soziale Einrichtungen in Linz konfrontiert sind, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Einrichtungen für Kinder und Familien: Erziehungsprobleme, sprachliche Defizite
  • Einrichtungen für Jugendliche und junge Erwachsene: Krisensituationen, fehlender familiärer Rückhalt, Schulprobleme, fehlende berufliche Qualifizierung
  • Einrichtungen für Ältere und Betagte: Körperliche Einschränkungen, dementielle Erkrankungen, psychische Belastungen bzw. Erkrankungen 
  • Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung: Körperliche Einschränkungen, Konzentrations- bzw. Lernschwächen, sprachliche Defizite 
  • Einrichtungen für Menschen in besonderen sozialen Lagen: finanzielle Probleme und Schulden, Arbeitslosigkeit, fehlende berufliche Qualifizierung, Wohnungslosigkeit, Gewalterfahrung und Traumata, Suchterkrankungen

Das Linzer Sozialprogramm: Bedeutung, Anregungen und Wünsche

Ein Fokus der Befragung lag beim aktuellen Linzer Sozialprogramm und dessen Bedeutung für den Alltag, wie auch beim künftigen Sozialprogramm und die Anregungen und Wünsche der Einrichtungen für dieses. Zunächst wurden die befragten Verantwortlichen der Einrichtungen aufgefordert folgende Frage spontan mit eigenen Worten zu beantworten: „Wenn Sie nun an das Sozialprogramm der Stadt Linz denken: Welche Rolle spielt dieses in Ihrem Arbeitsalltag?“ Die Antworten wurden codiert und in Kategorien zusammengefasst, wobei jene fünf mit den am häufigsten genannten in der untenstehenden Tabelle aufgelistet sind.

Die Befragten gaben am häufigsten an, dass das Linzer Sozialprogramm in ihrem Arbeitsalltag tatsächlich eine große Rolle spielt bzw. einen hohen Stellenwert einnimmt. Gleich häufig wurden in den getätigten Kommentaren einzelne Leistungen, Angebote oder Aktivitäten positiv hervorgehoben. Im Gegenzug beinhalten weitere Antworten jene Aspekte, die auf eine eher unbedeutende Rolle des Sozialprogramms im Arbeitsalltag hinweisen. Die Befragten gaben dahingehend beispielsweise an, dass es keine Berührungspunkte mit der täglichen Arbeit gibt oder es zu keinen Überschneidungen kommt. 

Weitere TeilnehmerInnen der Umfrage sehen das Linzer Sozialprogramm auch als Grundlage und Rahmen für ihre tägliche Arbeit an, das ihnen beispielsweise Richtungen und Strukturen vorgibt oder ihre Tätigkeit und ihr soziales Engagement legitimiert. Auch positive Auswirkungen auf die jeweiligen Zielgruppen werden von den befragten Verantwortlichen der Einrichtungen beobachtet, indem beispielsweise einzelne Angebote gut genützt und deren Zugänge erleichtert werden. 

Rolle des Sozialprogramms im Arbeitsalltag – Darstellung der fünf am häufigsten genannten Aspekte mit mindestens sieben Nennungen (n=77)

In einem zweiten Schritt hatten die Befragten die Möglichkeit ihre Ideen und Wünsche für das neue Sozialprogramm einzubringen, indem sie diese selbst formulierten. Die erste Kategorie bezieht sich einerseits auf den Erarbeitungsprozess des Sozialprogramms, der sich durch die Involvierung von ExpertInnen aus Praxis (Fachkräfte und Zielgruppe) und Wissenschaft auszeichnen sollte und andererseits auf die inhaltliche Ausgestaltung, welche durch Qualität und Aussagekraft, unter Rückgriff auf Bewährtes bei gleichzeitiger Offenheit für Neues und Innovatives, gekennzeichnet sein sollte. Die zweite Kategorie beinhaltet Wünsche an die soziale Landschaft in Linz, welche vielfältig, flächendeckend und qualitativ hochwertig sein sollte.

Eine weitere Kategorie fasst unterschiedliche Anregungen und Wünsche im Kontext der Kinderbetreuung – z.B. Verkleinerung der Gruppen und Vergrößerung des Angebots. Weitere Nennungen wie Wünsche an die Führungskultur, Weiterbildungsmaßnahmen, Schritte gegen Fluktuation etc. ließen sich dem Themenbereich „Personal“ zuordnen. Auch dem Bereich „Wohnen“ (z.B. Förderung und Ausbau des sozialen Wohnbaus) sollte im neuen Sozialprogramm ausreichend Beachtung geschenkt werden.

Anregungen und Wünsche für das Sozialprogramm – Darstellung der fünf am häufigsten genannten Aspekte (n=67)

Zusammenarbeit mit der Stadt Linz 

Rund 93 Prozent der befragten sozialen Einrichtungen (n=151) arbeiten mit der Stadt Linz zusammen. 48,9 Prozent der Einrichtungen bezeichnen die Zusammenarbeit mit der Stadt Linz als sehr intensiv.

Abbildung 2: Intensität der Zusammenarbeit (n=131, in %)

Die wahrgenommene Intensität der Zusammenarbeit mit der Stadt Linz unterscheidet sich je nach primärer Zielgruppe der Einrichtung. Während knapp zwei Drittel (65,7 Prozent) der Einrichtungen für Kinder und Familien die Zusammenarbeit mit der Stadt Linz als sehr intensiv bewerten, ist dies nur in etwa einem Drittel der Einrichtungen für Ältere und Betagte (31,8 Prozent), für Jugendliche und junge Erwachsene (33,3 Prozent) und für Menschen mit Beeinträchtigungen (33,3 Prozent) der Fall. In vergleichsweise geringerem Ausmaß wird eine intensive Zusammenarbeit von den befragten Verantwortlichen der Einrichtungen für Menschen in besonderen sozialen Lagen angegeben – diese wird von nur einem Viertel (25 Prozent) als sehr intensiv bezeichnet.

Die befragten Verantwortlichen der sozialen Einrichtungen konnten neben der Intensität der Zusammenarbeit auch konkrete Herausforderungen in Form einer offenen Fragestellung benennen: „Welche Herausforderungen stellen sich in der Zusammenarbeit mit der Stadt Linz?“ Gefragt nach den Herausforderungen geben die Befragten am häufigsten an, dass sie derzeit keine Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit der Stadt Linz sehen bzw. diese positiv bewerten. Am zweithäufigsten beinhalteten die Kommentare der Befragten Herausforderungen im Bereich der Bürokratie, wobei u.a. aufwendige Vorgehensweisen und lange Wartezeiten kritisiert wurden. Herausforderungen in der Finanzierung beziehen sich laut Verantwortliche der sozialen Einrichtungen beispielsweise auf knappe finanzielle Ressourcen, vorhandenen Spardruck oder getätigte Einsparungen auf öffentlicher Seite.

Die Befragten sehen zudem Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen und der Stadt Linz, welche in den unterschiedlichen Vorstellungen und Prioritäten bezüglich des Sozialbereichs und einzelner Leistungen und Angebote begründet sind. Neben den teilweise zu geringen finanziellen Mitteln, gaben die Befragten auch fehlende zeitliche und personelle Ressourcen an, welche in der Zusammenarbeit mit der Stadt Linz herausfordernd sind.

Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit der Stadt Linz – Darstellung der fünf am häufigsten genannten Aspekte mit mindestens sieben Nennungen (n=65)

Soziale Innovationen in Linz – Befragung von ExpertInnen 

Neben der breiten Online-Befragung der Sozialeinrichtungen wurden fünf Personen aus Wissenschaft und Praxis für qualitative ExpertInnen-Interviews ausgewählt. Die Befragung diente dazu, die Möglichkeiten und Grenzen von „sozialen Innovationen“ – also „neuen sozialen Praktiken“ – aus Sicht der ExpertInnen mit dem Fokus auf soziale Einrichtungen zu erheben.

Ein zentrales Thema der Interviews stellten die Voraussetzungen und Herausforderungen sozialer Innovationen in Linz dar. Somit wurden Bedingungen, die das Zustandekommen sozialer Innovationen begünstigen bzw. Voraussetzungen, die es braucht, um soziale Innovationen in sozialen Einrichtungen zu implementieren, ebenso thematisiert wie beobachtete Herausforderungen und Probleme und somit Grenzen sozialer Innovationen.

Nächste Schritte 

Die Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Befragungen fließen ebenso in das Linzer Sozialprogramm 2020 ein, wie die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen mit ExpertInnen aus Politik und Verwaltung. Im nächsten Schritt werden die bereits gesammelten Maßnahmen in zwei Workshops mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Forschung und Praxis diskutiert und hinsichtlich Machbarkeit und Umsetzbarkeit bewertet.

Gleichzeitig startete mit Mitte Februar ein Bürgerbeteiligungsprozess auf der Plattform innovationshauptplatz.linz.at, auf der interessierte Linzerinnen und Linzer ihre Ideen für das Linzer Sozialprogramm 2020 einbringen können. Gesucht werden soziale Innovationen, die neu bzw. neuartig sind, die das Zusammenleben der Linzerinnen und Linzer positiv verändern, eine Antwort auf neue Herausforderungen der kommunalen Sozialpolitik bieten und Probleme anders lösen als frühere Herangehensweisen. Die Einreichfrist endet am 15. März.

„Umsetzbare und konstruktive Handlungsansätze werden schließlich auch in das Linzer Sozialprogramm 2020 aufgenommen“, erklärt Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. „Gemeinsam mit dem Innovationsbüro der Stadt Linz wollen wir hier einen neuen Weg beschreiten und interessierte Linzerinnen und Linzer einladen, sich aktiv einzubringen.“ 

Den Abschluss bildet eine Veranstaltung mit VertreterInnen aus sozialen Einrichtungen. Danach werden die Ergebnisse zusammengefasst. „Im Herbst 2020 soll das Linzer Sozialprogramm im Gemeinderat beschlossen werden“, so Hörzing abschließend. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing und Mag.a Dr.in Daniela Wetzelhütter, FH zum Thema „Linzer Sozialprogramm 2020 – Breite Befragung sozialer Einrichtungen“)

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