Presseaussendung vom: 17.04.2020

Lernwochen im Sommer bieten Weg aus der Bildungskrise an Sommercamps für Kinder der Neuen Mittelschulen und Volksschulen, um Versäumtes aufzuholen

Bürgermeister Klaus Luger: „In unserer Stadt darf kein Kind übrigbleiben. Corona-Krise verschärft Ungleichheit, deshalb wollen wir mit engagierten LinzerInnen lernschwächeren Kindern im Sommer helfen!“

Pädagogin Anna Weghuber, Otto-Glöckel-Schule: „Wir müssen realistisch sein und handeln: derzeit verlieren manche Kinder in den Pflichtschulen den Anschluss. Sommercamps können Abhilfe schaffen!“

Durch die derzeitige Struktur des Home-Schooling werden manche Kinder überdurchschnittlich benachteiligt. Handy und Internet hat jeder, verschiedene Programme und Tools in der Praxis zu nutzen, ist dennoch für viele Kinder und Eltern extrem schwierig. Vor einigen Tagen kündigte daher Bildungsminister Heinz Faßmann an, für Schülerinnen und Schüler, die während des regulären Schuljahres und durch die Corona-bedingte Schulsituation den Anschluss verloren haben, im Sommer eigene Förderstrukturen zu schaffen.

„Aus meiner Sicht scheitert es weniger an schlechten oder zu wenigen Computern oder Notebooks, als vielmehr am gekonnten Umgang damit. Aus diesem Grund wird es wenig Sinn ergeben, Schülerinnen und Schüler einfach ein Notebook ohne Einschulung zur Verfügung zu stellen. Ich begrüße daher den Vorstoß von Bundesminister Faßmann, Strukturen zu schaffen, um im Sommer verlorene Lerninhalte nachzuholen und die Kinder für den Schulstart im September fit zu machen“, betont Bürgermeister Klaus Luger. Aus Sicht des Linzer Stadtoberhauptes geht es um die gezielte Förderung der Kinder aus den 3. und 4. Klassen der Volksschulen sowie aus den 1. und 2. Klassen der Neuen Mittelschulen (NMS). Eigens konzipierte Sommercamps für die 10-12-Jährigen sowie die gut ausgebaute Infrastruktur der städtischen Horte für die 8-10-jährigen Kinder könnten hierbei geeignete Ansätze darstellen. Die Linzer Pädagogin Anna Weghuber, die vorrangig an der NMS Otto-Glöckel-Schule unterrichtet, hat ein diesbezügliches Projekt entwickelt, das sie dem Linzer Bürgermeister vorgestellt hat.

„Corona hat die Schulwelt auf den Kopf gestellt. Lerninhalte online zu vermitteln, den Umgang mit modernen Medien sowie die Nutzung der dafür notwendigen Geräte sowie Programme und Tools überforderten zu Beginn der neuen Situation sowohl manche SchülerInnen, Eltern wie auch LehrerInnen. Mittlerweile hat sich das neue System des Home-Schooling etabliert, Anlaufschwierigkeiten wurden zum Großteil gemeistert. Dennoch ist es Fakt, dass vor allem schwächere SchülerInnen Schwierigkeiten bei der Erarbeitung der Lerninhalte haben,“ verweist Anna Weghuber auf eigene Erfahrungen der letzten Wochen.

Aufgrund der derzeitigen Schulsituation soll durch spezielle Lernwochen in den Sommerferien schwächeren Kindern, die im Home-Schooling strukturell und sozial benachteiligt waren und dadurch den Anschluss verloren haben, gezielte Förderung angeboten werden. Dabei soll für Kinder nicht die Angst vor Nachsitzen und schlechten Noten, sondern der positive Zugang zum Lernen im Vordergrund stehen.

Linzer Sommercamps für SchülerInnen der 1. und 2. Klassen der Neuen Mittelschulen

Deutsch und Mathematik als Pflichtfächer am Vormittag – Action am Nachmittag

Die Sommercamps sollen sich an Kinder zwischen 10 und 12 Jahren richten, die ihren Hauptwohnsitz in Linz haben und eine öffentliche Neue Mittelschule besuchen. Neben Lesen, Grammatik, Schreiben in Deutsch sowie Mathematik sollen auch kreative Fähigkeiten, Programmieren sowie Naturwissenschaften am Programm stehen. Die neu konzipierten Sommercamps sollen ab Ende Juli sowie während des gesamten August stattfinden. Jeweils eine Woche lang werden am Vormittag Deutsch und Mathematik als Kernkompetenz angeboten, am Nachmittag kann zwischen Kreativität, Programmieren und Naturwissenschaften ausgewählt werden.

Gemeinsam mit KooperationspartnerInnen sollen die Lernwochen an unterschiedlichen Orten in Linz stattfinden. Pro Woche können rund 100 SchülerInnen gefördert werden. Die Auswahl der Kinder soll anhand bestimmter, individuell festgelegter Kriterien erfolgen (Probleme aufgrund Home-Schooling; Kinder, die zum Abschluss des Wintersemesters eine Frühwarnung bekommen haben, …). Die Schulen sollten die betroffenen Kinder vorschlagen. Dadurch ist gewährleistet, dass jene Kinder, die diese gezielte Förderung benötigen, tatsächlich auch erreicht werden.

Die Organisation soll durch die Stadt Linz durch eine eigene Task-Force durch die Abteilung Schulen des Magistrates, der städtischen Kinder- und Jugendservice (KJSL), dem Geschäftsbereich Soziales, Jugend und Familie sowie Partnerorganisationen der traditionellen Sommer-Ferienaktion erfolgen. Sowohl ehrenamtliche HelferInnen als auch private KooperationspartnerInnen sollen für dieses Projekt gewonnen werden. „Damit wollen wir im heurigen Sommer unsere Schwerpunkte ändern. Spiel und Spaß treten in den Hintergrund, die Vorbereitung auf das kommende, neue Schuljahr hat Vorrang,“ bekennt sich Bürgermeister Luger zu den Herausforderungen. 

Linzer Sommercamps für SchülerInnen der 3. und 4. Klassen der Volksschulen

Infrastruktur der städtischen Horte für Förderbedarf nutzen

Für förderbedürftige Kinder der 3. und 4. Klassen der Volkschulen sieht Bürgermeister Klaus Luger die Betreuung in den städtischen Linzer Horten als geeignete Drehscheibe. Die dort zur Verfügung stehende Infrastruktur sowie die Nähe zu den Schulen bieten die perfekte Umgebung für eine gezielte Förderung im Sommer. Die Verschränkung von Lerninhalten mit Freizeitelementen wären in den Räumlichkeiten sowie Freiflächen der Horte optimal möglich. Auch hier gilt es, die exakten Maßnahmen des Bildungsministeriums abzuwarten. „Wir dürfen jedoch keinesfalls auf die VolksschülerInnen vergessen, denn mit dem Ende der Grundschule fallen leider noch immer die wichtigsten Weichenstellungen für den weiteren Bildungsweg“, ortet Luger hier besonderen Handlungsbedarf.

Eine besondere Herausforderung für den Bund dürfte wohl die Rekrutierung von LehrerInnen während der Sommerferien darstellen. Hier appelliert das Stadtoberhaupt an die PädagogInnen, einen Teil ihrer neunwöchigen Sommerferien aus Solidarität den förderungsbedürftigen Kindern zur Verfügung zu stellen. „Das wäre ein wunderbares Zeichen einer Berufsgruppe, die im Gegensatz zu aktuell 14.000 Arbeitslosen in unserer Stadt von keinen materiellen Existenzängsten bedroht ist“, hofft Luger.

Betreuung der Kinder im Sommer entlastet Eltern im doppelten Sinne

Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Situation waren oftmals Eltern gezwungen, Urlaube zu verbrauchen und Zeitguthaben abzubauen. Das erschwert die Urlaubssituation und die damit einhergehende Betreuung im Sommer. Trotz bedarfsgerechter Öffnung der Linzer Horte im August ist es für viele Eltern schwierig, neben dem beruflichen Alltag ihre Kinder gezielt zu fördern und den Lernstoff aufzuholen. Die Eltern würden durch das neu geschaffene Bildungsprogramm doppelt profitieren: optimale Betreuungssituation im Sommer sowie gezielte Förderung von Lerninhalten.

„Ziel der jetzt dringend notwendigen Bildungsprogramme muss es sein, das Auseinanderklaffen der Bildungsschere zu schließen sowie einen Beitrag gegen Ungerechtigkeit zu leisten. Es geht um die Erhöhung der Chancengleichheit. Die derzeitige Krisensituation darf keine nachhaltig negativen Auswirkungen auf den weiteren Bildungsweg mancher Kinder haben. Daher müssen wir diesen Sommer ansetzen und gezielt fördern. Die Vermittlung von grundlegenden Kompetenz wie Lesen, Schreiben und Rechnen soll die Kinder für den Schulstart im September fit machen“, so Luger abschließend.

Weitere Vorgangsweise: Planungsstart bereits nächste Woche

Um dieses Linzer Projekt in den Sommerferien umsetzen zu können, wird Bürgermeister Klaus Luger gemeinsam mit Anna Weghuber die Linzer Kinder- und Jugendreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing, Bildungsstadträtin Eva Schobesberger sowie die leitenden Führungskräfte der Stadtverwaltung kommende Woche zu einem ersten Planungstreffen einladen.

Anna Weghuber ist gebürtige Linzerin und seit acht Jahren Lehrerin. Bevor sie 2017 ihr Studium für Elementare Musikpädagogik an der Anton Bruckner Privatuniversität mit Auszeichnung abschloss, studierte sie Mathematik und Musik an der PH Wien. Neben der NMS 5 (Otto-Glöckel-Schule) unterrichtet sie auch an der AHS der Kreuzschwestern Linz, leitet Musikseminare und Migrationsprojekte. Gemeinsam mit ihrem Kollegen aus Deutschland, Sebastian Funk, hostet sie den digitalen Bildungspodcast „EduFunk“, ist im Team des Institutes Medienbildung an der PHDL und Apple Professional Learning Specialist. 

(Informationsunterlage zur virtuellen Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger und der Linzer Pädagogin Anna Weghuber zum Thema „Wege aus der Corona-bedingten Bildungskrise“)

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