Presseaussendung vom: 22.06.2020 ||

Stadtklimaanalyse 2020 Erste Zwischenergebnisse

Seit Anfang des Jahres laufen die Arbeiten zur Linzer Stadtklimaanalyse. Der gesamte Prozess zur Erarbeitung dauert ungefähr ein Jahr und ist trotz Corona auf Schiene. Im ersten Halbjahr wurden zahlreiche klimatologische Auswertungen für Linz vorgenommen und die ersten Entwürfe zu den wichtigen Themenkarten „Gebäudevolumen“ und „Kaltluftabfluss“ liegen nun vor. Da die Stadt Linz einige klimatische Besonderheiten (z.B. Haselgrabenwind, Donaudurchbruch, Linzer Becken) aufweist, werden in den nächsten Wochen zur Qualitätssicherung Kontrollmessungen durchgeführt. Für das intensive Messprogramm ist eine austauscharme Hochdruckwetterlage (nahe der 30-°C-Marke) notwendig. Demnächst werden den Linzerinnen und Linzern also möglicherweise verschiedenste Messgeräte im Stadtgebiet ins Auge fallen. 

„Die nicht mehr abwendbaren Auswirkungen der Klimakrise müssen noch stärker und vor allem systematisch berücksichtigt werden. Die Stadtklimaanalyse soll sicherstellen, dass alle EntscheidungsträgerInnen – angefangen von ArchitektInnen, den städtischen MitarbeiterInnen bis zu den GemeinderätInnen – über die konkreten Linzer stadtklimatischen Zusammenhänge Bescheid wissen. Ich freue mich, dass wir heute die ersten Ergebnisse dieses für Linz so wichtigen Projekts präsentieren dürfen“, informiert Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

„Klimafragen müssen bei Bebauungsentscheidungen in den Fokus rücken, damit unser Land und unsere Städte auch in Zukunft lebenswert bleiben. Denn in den Städten ist es jetzt im Hochsommer oft schon unerträglich heiß. Und da ist nichts wertvoller als ein alter Baum, der Schatten spendet, oder eine begrünte Fassade, die die Hitze absorbiert und nicht reflektiert. Die Linzer Stadtklimaanalyse setzt hier neue Maßstäbe für den Zentralraum insgesamt. Es wird ersichtlich, wie wichtig überregional geschützte Grünzonen für die Lebensqualität sind. Der hohe Bodenverbrauch und die Zersiedelung in unserem Land muss dringend gestoppt werden. Gerade jetzt gilt es, nach der Corona-Krise mit einem gemeinsamen Kraftakt auch die Klimakrise zu bekämpfen. Daher muss der Klimaschutz bei entsprechenden Planungen und Investitionen eine zentrale Rolle spielen“, so Klimalandesrat Stefan Kaineder.

Die Stadtklimaanalyse 

Nach einer Richtlinie des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) sind die Ziele einer planungsbezogenen Stadtklimatologie u.a.:

  • Abbau von Hitzeinseln
  • Optimierung der städtischen Belüftung
  • Stadtplanung für die Lufthygiene und den thermischen Komfort 
  • sowie Erhaltung und Förderung von Frischluft- oder Kaltluftentstehungsgebieten

Während des Projektprozesses wird eng mit dem Umweltressort des Landes zusammengearbeitet, das die Erstellung der Stadtklimaanalyse zu 25 Prozent mitfinanziert. Die Linzer Stadtklimaanalyse umfasst folgende we-sentliche Schritte: 

  • Klimaanalysekarte

Zunächst wird eine sogenannte Klimaanalysekarte erstellt, inklusive Klimatope und Klimafunktionen. Dies erfolgt anhand von Geo-Informationen. Dabei werden unter anderem das Geländemodell, Gebäude und die Landnutzung berücksichtigt. Es wird eine flächendeckende Analyse der Klimafunktionen im Untersuchungsraum durchgeführt. Die Klimafunktionskarte weist Gebiete mit ähnlichen Klimacharakteristika (so genannte Klimatope) aus. Zusätzlich gibt sie eine räumliche Verteilung von maßgeblichen Mechanismen (Klimafunktionen) des Linzer Stadtklimas auf einer Karte wieder, wie etwa Kaltluftsysteme und den Hitzeinseleffekt.

Ergebnis dieses Schrittes wird eine GIS-basierte Klimaanalysekarte sein, die Informationen über Klimatope und Klimafunktionen beinhaltet. 

Vorläufige Themenkarten zu Gebäudevolumen und Kaltluftabfluss 

Die vorläufigen Themenkarten zu den Gebäudevolumina und zum Kaltluftabfluss liegen nun vor. Durch die Bebauung und Versiegelung entsteht der städtische Hitzeinseleffekt, da es zu einer verstärkten Erhitzung und damit einhergehenden Speicherung von Energie in der bebauten Substanz, gefolgt von einer zeitlich verzögerten Abgabe (in der Nacht) kommen kann. Dadurch vermindert sich die nächtliche Abkühlung des städtischen Raumes. Um sowohl die Wärmespeicherkapazität der Gebäude (die Energieaufnahme erfolgt durch die auftreffende Sonnen- und Wärmestrahlung) als auch die Barrierewirkung der Bauwerke berücksichtigen zu können, wurde die Themenkarte „Gebäudevolumen“ berechnet.

Die nächtliche Kaltluft hingegen hat das Potenzial, überhitzte Stadtquartiere abzukühlen. Für die Modellierung wurde das Simulationsmodell KLAM_21 des Deutschen Wetterdienstes verwendet. Für die Stadtklimaanalyse Linz wurde eine sehr feine horizontale Auflösung von 15 Metern je Gitterzelle gewählt, um möglichst genaue Aussagen zu den teilweise sehr kleinräumigen klimatischen Wechselwirkungen der kaltluftproduzierenden Flächen treffen zu können.

  • Kontrollmesskampagne 

Da die Stadt Linz einige klimatische Besonderheiten (z.B. Haselgrabenwind, Donaudurchbruch, Linzer Becken) aufweist, werden demnächst zur Qualitätssicherung Kontrollmessungen durchgeführt. Dabei werden zeitlich und räumlich mit unterschiedlichsten Geräten hochaufgelöste Messungen durchgeführt, die zur Validierung und Kalibrierung der Analyseergebnisse dienen. Für das intensive Messprogramm ist eine austauscharme Hochdruckwetterlage (nahe der 30 -°C-Marke) notwendig. 

  • Erstellen einer Planungshinweiskarte (PHK)

Basierend auf der Klimaanalysekarte folgt das Ausarbeiten einer Planungshinweiskarte (PHK). Hier werden die teilweise komplexen stadtklimatischen Funktionen bewertet. Somit kann die klimatische Sensibilität unterschiedlicher Areale bestimmt und deren Wertigkeit räumlich zugeordnet werden. Die daraus resultierenden Empfehlungen und Hinweise zielen darauf ab,

  • die klimatischen Verhältnisse im Bestand zu verbessern;
  • die zukünftigen urbanen Entwicklungen zu koordinieren;
  • die Auswirkungen des prognostizierten Klimawandels möglichst abzumildern.

Die PHK kann sowohl in der Flächenwidmung, als auch in der Entwurfs- und Einreichplanung eingesetzt werden.

Ergebnis dieses Schrittes wird eine GIS-basierte Planungshinweiskarte sein.

  • Darstellen von Szenarien zur Stadtentwicklung und zum Klimawandel. 

Dabei sollen zukünftige Entwicklungen in Linz beleuchtet werden: Ein Szenario der zukünftigen Stadtentwicklung (zum Beispiel eine Simulation von Linz 2050) wird als Eingangsdatensatz genutzt, um klimatische Veränderungen durch die zukünftigen Eingriffe aufzuzeigen und zu bilanzieren. Neben der zukünftigen Bebauung werden auch die stadtklimatischen Auswirkungen aufgrund der allgemeinen klimatischen Entwicklung (also ein Klimaszenario) abgebildet. 

Basierend auf einem Regionalmodell, das die klimatischen Verhältnisse in den nächsten Jahrzehnten darstellt, wird über das für die Planungshinweiskarte entwickelte Modell ein Ausblick auf die klimatischen Veränderungen im Stadtraum Linz gegeben.

Ergebnis dieses Schrittes sollen zwei GIS-basierte Klimafunktionskarten sein, die Stadtentwicklungsszenarien und Klimawandelszenarien berücksichtigen.

  • Input für Überarbeitung der Hochhausrichtlinie

Hochhäuser haben besonders große klimatische Auswirkungen. Auf Basis der Ergebnisse soll deshalb z.B. bezüglich der Windwirkung die Hochhausrichtlinie der Stadt Linz überarbeitet werden. Denn Fragen zum städtischen Mikroklima sowie zur städtischen Überhitzung (Hitzeinsel, Hitze untertags, Sommerkomfort, Kaltluftabfluss) müssen zu einem möglichst frühen Projektzeitpunkt mitberücksichtigt werden.

  • Vertiefende Untersuchung

Gemeinsam mit der Stadt Linz wird ein konkreter Anwendungsfall ausgesucht, um in kleinerem Maßstab (städtebauliche Ebene bis Objektebene) eine vertiefte Detailuntersuchung durchzuführen. 

Damit sollen einerseits konkrete stadtklimatische Empfehlungen für ein aktuelles Planungs- oder Umsetzungsprojekt erarbeitet und andererseits allgemein demonstriert werden, wie die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse vertieft werden können. 

Ergebnis dieses Schrittes wird zum Beispiel die Simulation eines Neubauprojektes zu den Themen Windauswirkung, Hitzeauswirkungen im Sommer und/oder Kaltluftabfluss sein. 

Hintergrund: Linz im Klimawandel

Auch Linz wird immer öfter von Hitzewellen erfasst. Durch den „Hitzeinseleffekt“ leiden Menschen in Städten besonders an den steigenden Temperaturen. Untertags bewirken die Gebäude und versiegelten Flächen – bei gleichen Lufttemperaturen – eine höhere Hitzebelastung als im Umland oder in einem Wald, abends verhindern die Tropennächte einen erholsamen Schlaf. Beide Effekte akkumulieren sich und bewirken, dass es zu gesundheitlichen Belastungen kommt.

Zudem wächst die Bevölkerungszahl bei begrenztem städtischem Raum stetig. Dies bedeutet aber einen höheren Druck, Linz weiter zu verdichten. Weitere Versiegelung und Hochhausbauten können die Folge sein. Neben der Tatsache, dass durch die Klimakrise das Temperaturniveau insgesamt ansteigt, verstärken diese Entscheidungen und Gebäude die Hitzebelastung. Die Berücksichtigung der Auswirkungen auf das Stadtklima wird daher zunehmend wichtiger.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger, Klimalandesrat Stefan Kaineder und Mag. Simon Tschannett von Weatherpark zum Thema „Stadtklimaanalyse für Linz“)


Weitere Gesprächspartner:
DI Wilfried Hager, Abteilungsleiter Umweltmanagement 

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