Presseaussendung vom: 15.07.2020 |

Städtebauliche Kommission erarbeitete Zukunftsperspektiven für Pichling Große Baulandreserven gezielt nutzen

Heliosallee und Traundorfer Straße als Achsen der Entwicklung

Der sehr dynamisch wachsende Stadtteil Pichling mit seinen großen Baulandreserven bietet einzigartige Möglichkeiten für die Stadtentwicklung von Linz. Auf Initiative von Infrastrukturreferent Vizebürgermeister Markus Hein hat die 2019 etablierte städtebauliche Kommission unter dem Vorsitz des Linzer Architekten DI Andreas Kleboth im Februar 2020 ein Konzept für die mittel- bis langfristige Entwicklung von Pichling ausgearbeitet. Die Stadtentwicklung soll nicht nur den Grundbesitzern sowie den Bauträgern überlassen werden und die Bewohnerinnen und Bewohner sollen eine klare Zukunftsperspektive erhalten. Das Gremium empfahl unter anderem, die Heliosallee als „lineare Mitte“ auszubauen.  Die Traundorfer Straße könnte zur Hauptachse von „Alt-Pichling“ werden. Großes Augenmerk widmete die städtebauliche Kommission auch der Einbeziehung des attraktiven Grünraumes (Traun- und Donauauen, Umfeld des Weikerl- und des Pichlinger Sees, Schiltenbergwald). Die Erdgeschoßzonen künftiger Neubauten sollten umweltfreundlichen Betrieben vorbehalten sein. Für die Verkehrserschließung hat der Ausbau des öffentlichen Verkehrs Vorrang (Straßenbahnverlängerung bis zum Pichlinger See, S-Bahn mit hoher Taktfrequenz). Infrastrukturreferent Vizebürgermeister Markus Hein unterstreicht den Stellenwert der städtebaulichen Kommission: „Mit diesem Instrument können wird rasch auf dynamische Änderungen in der Stadt reagieren. Das 2013 beschlossene örtliche Entwicklungskonzept (ÖEK) definiert zwar Baulandreserven, enthält jedoch allzu starre Vorgaben“.

„Für die Entwicklung von Pichling sollte man ausgehend von einem zukünftigen idealen Endzustand denken und davon die Entscheidungen und Maßnahmen von heute ableiten. Pichling braucht nicht nur einen Masterplan für die Hardware, also für die Gebäude, Straßen und Freiflächen, sondern auch eine maßgeschneiderte Software für eine verbesserte Vernetzung von Menschen und Angebote und für innovative Nutzungs- und Arbeitswelten.“, empfiehlt Architekt DI Andreas Kleboth.

Städtebauliche Rahmenbedingungen 

Das 12,9 Quadratkilometer große Stadtgebiet von Pichling ist beinahe rundum von großzügigen Grün- und Naturräumen und einem vielfältigen Freiraumangebot umgeben. Gleichzeitig isolieren diese Grünzüge Pichling weitgehend von angrenzenden Siedlungsräumen und bieten damit die Gelegenheit, einen Stadtraum mit eigenständiger Atmosphäre zu schaffen. Pichling hat gute Voraussetzungen, zu einem vitalen, vielfältigen und noch lebenswerteren Wohn- und Arbeitsort weiterentwickelt zu werden. 

Dass die Entwicklung von Pichling heute wenig strukturiert wirkt, ist angesichts der jüngeren Planungsgeschichte umso erstaunlicher.  In den 1990er-Jahren stellte die solarCity ein visionäres, auch international viel beachtetes städtebauliches Projekt dar, das Teile des Siedlungsraums von Pichling völlig neu definiert hat. Dabei wurden die Neubauten in deutlicher Entfernung zum bestehenden kleinteiligen Siedlungsraum weitgehend isoliert errichtet. Eine funktionale oder räumliche Verschränkung zwischen Bestand und Neubauten wurde bewusst vermieden. Aufgrund dieser räumlich-funktionalen Trennung profitierten die Bewohnerinnen von „Alt-Pichling“ im Alltag kaum von den neuen Angeboten der solarCity.  

Pichling setzt sich aus mehreren Siedlungsteilen zusammen: 

  • „Alt-Pichling“, mit älteren Einfamilienhäusern und neueren, verdichteten Wohnprojekten, erstreckt sich ohne erkennbares Zentrum entlang der Traundorfer Straße.  
  • „Neu-Pichling“, mit der Heliosallee als Rückgrat, besteht aus größer dimensionierten Bauten, wie sie etwa in der solarCity zu finden sind.     
  • Der „Südpark“ grenzt als 33 Hektar großes Betriebsansiedelungsgebiet nordöstlich der solarCity an die Traun-/Donauauen.

An der Traundorfer Straße (Straßenzug von links unten nach rechts oben) stehen vor allem Einfamilienhäuser. (Foto: PTU/P.H.)An der Traundorfer Straße (Straßenzug von links unten nach rechts oben) stehen vor allem Einfamilienhäuser. (Foto: PTU/P.H.)

Die Heliosallee schlängelt sich von der Westbahnstrecke (oberer Bildrand) zur solarCity.  (Foto: PTU/P.H.)Die Heliosallee schlängelt sich von der Westbahnstrecke (oberer Bildrand) zur solarCity.  (Foto: PTU/P.H.)

Das Betriebsbaugebiet Südpark kann noch Richtung Nord-Westen erweitert werden.  (Foto: PTU/P.H.)Das Betriebsbaugebiet Südpark kann noch Richtung Nord-Westen erweitert werden.  (Foto: PTU/P.H.)

Attraktive Grün- und Freiräume

Der Stadtteil verfügt über attraktive Freiräume an seinen Rändern, zahlreiche private Grünräume und einige charakteristische durchgehende Grünzüge, die meist alten Bachläufen folgen. Die nördlich liegenden Traun-Donauauen und Natura 2000-Gebiete übernehmen eine wichtige Naturschutzfunktion. Gemeinsam mit dem Pichlinger See und dem kleinen Weikerlsee besitzen sie einen hohen Freizeitwert und werden nicht nur von Bewohnern des Stadtteils gerne genutzt.  

Innerhalb der kleinteiligen Siedlungsstruktur von „Alt-Pichling“ ist das Angebot an attraktiven öffentlichen Räumen und Plätzen gering. Wichtige öffentliche Einrichtungen liegen in größeren räumlichen Abständen. Damit fehlt auch ein hochfrequentiertes Zentrum, das als Treffpunkt dienen könnte. 

Empfehlung: Ausbau der Heliosallee

Die im Masterplan von Roland Rainer aus dem Jahr 1994 verankerte städtebauliche Leitidee, den Stadtteil entlang der halbkreisförmigen Heliosallee perlenförmig zu verdichten, ist nach wie vor aktuell.

Der Ausbau der Heliosallee zu einem repräsentativen Stadtraum soll als „lineare Mitte“ das funktionale Rückgrat von Pichling bilden. Dafür sollte die Heliosallee in ihrer Qualität und ihrem Querschnitt prinzipiell den Standard im Bereich der solarCity aufweisen. Die an der Heliosallee gelegenen Baufelder müssen bewusst zur Straße orientiert werden. Die Gliederung und Höhe der Baumassen sollte auf die jeweilige Umgebung Rücksicht nehmen. So ist im Westen der solarCity ein städtischer Maßstab gut vorstellbar. Im Osten sollte eine niedrigere Bebauung einen harmonischen Übergang zum bestehenden kleinteiligen, zwei- und dreigeschoßigen Siedlungsraum sicherstellen. Die Erdgeschoßzonen sind für Geschäfte, Büros und Gewerbebetriebe prädestiniert. Die Verkehrserschließung soll direkt über die Heliosallee erfolgen. Nebenfahrbahnen oder Zufahrten von der Rückseite der Gebäude gilt es so weit wie möglich zu vermeiden. Um das Zu-Fuß-gehen und Radfahren zu fördern, muss auf eine hohe Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum geachtet werden. Dazu könnten etwa Alleebäume sowie einladend gestaltete Zonen mit Sitzmöbeln beitragen.

Die Heliosallee führt vom Bahnhof Ebelsberg zur solarCity. (Foto: PTU/P.H.)Die Heliosallee führt vom Bahnhof Ebelsberg zur solarCity. (Foto: PTU/P.H.)

Empfehlung: Aufwertung der Achse Traundorfer Straße zur Hauptachse von „Alt Pichling“

Der bestehende Siedlungsraum von ‚Alt-Pichling‘ mit seinen zahlreichen privaten Grünflächen und kleinteiligen Nachbarschaften soll unter dem Motto „Städtisches Dorfleben“ behutsam weiterentwickelt werden. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die „Traundorfer Straße“ als Hauptachse von „Alt Pichling“. Der Straßenzug besteht aus: Traundorfer Straße – Falterweg – Klettfischerweg – Oidener Straße – Drosselweg – Pichlinger Straße. Entlang des Straßenverlaufs sollte darauf geachtet werden, vielfältige städtische Angebote zu konzentrieren. Im Zuge von Straßenerneuerungen könnten zusätzliche Alleebäume auf Kosten von Parkplätzen gepflanzt werden. Die optische und räumliche Dominanz des ruhenden Verkehrs sollte durch die Reduktion der oberirdischen Stellplätze schrittweise reduziert werden.

Am Drosselweg sind in den vergangenen Jahren eine Reihe von Wohnbau-ten entstanden. Die anschließende Pichlinger Straße führt zur Wiener Straße am oberen Bildrand (Foto: PTU/P.H.)Am Drosselweg sind in den vergangenen Jahren eine Reihe von Wohnbauten entstanden. Die anschließende Pichlinger Straße führt zur Wiener Straße am oberen Bildrand (Foto: PTU/P.H.)

Empfehlung: Grün- und Freiraumangebote vernetzen

Die Freiraumbezüge zu den Traunauen, zum Donauufer, zu den Weikerlseen- sowie zum Pichlinger See und zum Schiltenberg sollten bestmöglich ausgebaut werden. Ziel ist es, der Pichlinger Bevölkerung ein einzigartiges Freiraumangebot zu bieten, das zu einem unverwechselbaren Lebensgefühl beiträgt. Der breite Grünkorridor, der östlich der solarCity dem Mühlbach folgend nach Westen zieht, ist als wesentlicher Teil des grünen Netzes auf jeden Fall zu schützen. Ein zweiter schmaler Grünkorridor soll vom Norden kommend dem Klettfischweg und dem Drosselweg in die Pichlinger Straße folgen.  

Die vorhandenen Spielplätze sind mit technisch hochwertigen, zeitgemäßen Spielgeräten auszustatten.  

Empfehlung: Vorrang für den öffentlichen Verkehr

Das Verkehrskonzept gibt dem öffentlichen Verkehr sowie dem Zu-Fuß-Gehen und dem Radverkehr Vorrang. Dazu sollen eine Reihe von Maßnahmen beitragen:

  • Ausbau der Westbahn (viergleisiger Lückenschluss im Innenstadtbereich) 
  • S-Bahn mit entsprechend hoher Taktfrequenz 
  • Verlängerung der Straßenbahnlinie bis zur Haltestelle Pichlinger See 
  • schnellstmögliche Implementierung von zusätzlichen Buslinien 
  • weitere Prüfung alternativer Mobilitätsformen (z.B. Seilbahn) 
  • zeitgemäße, attraktive, gut erreichbare Haltestellen 
  • sicheres, kleinteiliges und komfortables Fuß- und Radwegenetz 
  • weiterer zügiger Ausbau der geplanten Geh- und Radhauptrouten 
  • attraktive intermodale Knoten mit Sammelgaragen bzw. Park & Ride-Anlagen 
  • zusätzliche Mobilitätsangebote wie Car-Sharing 

Empfehlungen für die „Pichlinger Arbeitswelten“

Für einen attraktiven Stadtteil und für die entsprechende Atmosphäre stellen das passende Arbeitsplatzangebot und eine hohe lokale Wertschöpfung wesentliche Voraussetzungen dar. Damit soll es mehr Bewohnerinnen und Bewohnern möglich sein, ihren privaten, beruflichen und schulischen Alltag weitgehend im Stadtteil selbst zu gestalten. Dafür bieten sich vor allem drei Möglichkeiten: 

Betriebsbaugebiet: Der Südpark und dessen Erweiterung stellt das „klassische“ Betriebsbaugebiet dar, mit individuellen, großflächigen, freistehenden Betriebsbauten und sehr guter Erreichbarkeit für LKWs. Eine wichtige Detailverbesserung könnten Geh- und Radwege neben Grünzügen bringen.

Gewerbehof des 21. Jahrhunderts: An der Heliosallee, insbesondere östlich der solarCity, sollten gemischt genutzte Immobilien mit einem städtischen Anspruch (ähnlich dem Keba-Gebäude in Urfahr) kleinen und mittleren Produktions-, Gewerbe-, Dienstleistungsbetrieben einen zeitgemäßen Raum zur Entfaltung ihrer Geschäftsidee bieten. Dabei muss dem Prinzip des Flächensparens durch Stapeln der Funktionen Rechnung getragen werden. In Kombination mit sehr guter Erreichbarkeit auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln und 
einem vielfältigen Angebot an Gastronomie, Betreuungs- und Versorgungseinrichtungen sollte Pichling eine starke Konkurrenz für scheinbar billige Gewerbestandorte in der Peripherie darstellen. 

Raum für lokale Humanpotenziale: Die Idee dieses Konzepts ist, Menschen, die in Pichling leben, zu ermutigen, direkt in Pichling beruflich aktiv zu werden. Durch die (zeitweilige) Tätigkeit am Wohnort kann das ständige Pendeln wenigstens an manchen Wochentagen unterbleiben. Verbesserte Angebote wie Arztpraxen und Dienstleistungsbetriebe kommen auch den Bewohnerinnen und Bewohnern zugute.  

Weitere Schritte

Als nächste Schritte zur Umsetzung der Empfehlungen schlägt die städtebauliche Kommission vor: 

  • Strukturiert geplante, themenorientierte und professionell moderierte Bürgerbeteiligungen 
  • Festhalten der Ergebnisse in einem Handbuch, das als Umsetzungsleitfaden der Erkenntnisse eingesetzt werden soll 
  • Ein interaktives Mobilitätsangebot wie einen TIM-Standort in der solarCity 
  • Einrichtung einer Last-Mile-Logistik (z.B. Lastenräder; Paketstationen) 
  • Einrichtung einer „Pichling-App“ zur sozialen Vernetzung, Identitätsstiftung und zur Erhöhung der Akzeptanz jeglicher Angebote

Weiterer Gesprächspartner:
Architekt DI Andreas Kleboth, Vorsitzender der städtebaulichen Kommission Pichling

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Infrastrukturreferent Vizebürgermeister Markus Hein zum Thema „Leitlinien der städtebaulichen Kommission für die Entwicklung des dynamisch wachsenden Stadtteils Pichling“)

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