Presseaussendung vom: 14.09.2020 |

Entdecken wir gemeinsam das tierische Linz Mitmachprojekt zum Schutz der Artenvielfalt

Natur- und Umweltschutz spielen in Linz eine zentrale Rolle, damit auch künftige Generationen in einer gesunden Stadtnatur eine hohe Lebensqualität genießen können. Ein wichtiger Aspekt ist dabei der Natur- und Artenschutz. Bereits seit 2004 erklärte die Stadt Linz sämtliche stadteigenen Auwälder zum Naturschutzgebiet. Schon seit 30 Jahren laufen intensive Forschungen in den Linzer Traun-Donau-Auen. Die Wälder besitzen ein hervorragendes Artenpotenzial, weshalb die 664 Hektar große Fläche 2011 auch als Europaschutzgebiet ausgewiesen worden ist. 

„Die Bedrohung der Artenvielfalt durch die Klimakrise ist ein Thema, das wir im städtischen Umwelt- und Naturschutzressort sehr ernst nehmen. Deshalb haben wir ein ,Mitmachprojekt’ der besonderen Art gestartet. Mit Hilfe der LinzerInnen will die Naturkundliche Station der Stadt Linz gemeinsam mit dem Naturschutzbund herausfinden, wie es um die Artenvielfalt in Linz steht”, informiert die für Umwelt und Naturschutz zuständige Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger. Die Linzer Fauna soll unter reger Mithilfe naturinteressierter BürgerInnen neu erhoben werden.

Viele Augen sehen mehr – werden Sie zu Tierdetektiven

Ob Biber, Vögel oder Insekten – bereits in den 1990er Jahren und Anfang der 2000er Jahre führte die Naturkundliche Station der Stadt Linz umfangreiche Kartierungen zu den verschiedensten in Linz vorkommenden Tiergruppen durch. Die Naturkundliche Station als Einrichtung der Stadt Linz, die sich speziell mit Fragen des Natur- und Artenschutzes im Stadtgebiet beschäftigt, startete im Frühjahr ein Citizen Science Projekt. Im Zuge von „Linz tierisch“ werden Daten zur Linzer Tierwelt gesammelt, verarbeitet und ausgewertet. Alle Linzerinnen und Linzer können so mithelfen die Linzer Tierwelt neu zu entdecken.

Naturinteressierte BürgerInnen gefragt!

Ein Großteil der Datenerhebung soll im neu aufgerollten Citizen Science Projekt „Linz tierisch“ erfolgen, das als Kooperationsprojekt zwischen Naturkundlicher Station der Stadt Linz und dem Online-Portal http://www.naturbeobachtung.at des Naturschutzbundes OÖ angelegt ist. Auf dieser Meldeplattform können naturinteressierte BürgerInnen via PC oder mobiler Handy-App ganz einfach ihre Tiersichtungen, am besten mit Foto, einreichen. Die Meldungen werden im Anschluss von ExpertInnen bestimmt und validiert. Die so gewonnenen, wissenschaftlich qualifizierten Daten können dann in vielfältiger Weise ausgewertet und verwertet werden.

„Die gesammelten Daten dienen vor allem dem Zweck, um Vergleiche mit den Daten der letzten Kartierungen anstellen zu können. Diese Vergleiche sollen Aufschluss über Veränderungen der Artenzusammensetzung, Bestandsänderungen von Arten, Artenverlust und den Zuzug neuer Arten geben. Die sich daraus ergebenden Zusammenhänge mit den Faktoren Klimawandel, Lebensraumverlust, intensiver Land- und Forstwirtschaft sollen ebenfalls untersucht werden“, erläutert Friedrich Schwarz, Leiter der Naturkundlichen Station. 

Nachdem die von den Linzerinnen und Linzern getätigten Beobachtungen auf der digitalen Meldeplattform eingegangen sind, werden die Daten ausgewertet. Die für Linz und den Botanischen Garten relevanten Angaben befinden sich zunächst in einem Gesamtdatenpool, aus dem sie dann zur Weiterverwendung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Naturkundlichen Station herausgefiltert werden. „Die Datenaufbereitung unserer Expertinnen und Experten ist zwar aufwändig, hat im Gegenzug aber den großen Vorteil, dass das Projekt ohne finanzielle Mittel, einfach und sofort gestartet werden kann“, betont Schwarz.

Erste Ergebnisse des Jahres 2020 

Bis Anfang September 2020 sind auf naturbeobachtung.at 291 Meldungen für das Stadtgebiet von Linz eingegangen, wobei 194 Meldungen auf die sehr große Gruppe der Insekten entfallen. 

Bei den Käfern wurde erfreulich häufig der Hirschkäfer (Lucanus cervus) gemeldet. Diese imposante Art, dessen Männchen durch ihre stark vergrößerten Mundwerkzeuge (Mandibeln) auffallen, hat in und rund um die Landeshauptstadt einen Verbreitungsschwerpunkt in Oberösterreich, da sie hier noch lichte Eichen- und Eichen-Hainbuchenwälder in wärmebegünstigten Lagen vorfinden. Durch die Abnahme dieser Lebensräume ist die nach Europa-Recht geschützte Art auch bei uns schon potentiell gefährdet.

Hirschkäfer (Lucanus cervus) – schwoaze/pixabay

Großer Feuerfalter (Lycaena dispar) – Gudrun Fuß

Zu den am häufigsten gemeldeten Insekten zählen die Schmetterlinge. Hier konnten mehrere nach der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie europaweit geschützte Arten wie der Große Feuerfalter (Lycaena dispar), der Russische Bär (Euplagia quadripunctaria) und sogar der seltene Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius) auf extensiven Wiesenstandorten im Gebiet von Sankt Magdalena nachgewiesen werden.

Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius) – Gudrun Fuß

Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria) – Gudrun Fuß

Von den 15 in Linz vorkommenden Amphibienarten konnten von unseren Melderinnen und Meldern fünf verschiedene beobachtet werden, genauso viele wie bei den Reptilien, wobei hier nur zehn Arten für Linz bekannt sind. Besonders erfreulich ist die Meldung der sehr seltenen Würfelnatter (Natrix tessellata), die in Oberösterreich als vom Aussterben bedroht gilt und am Dießenleitenbach nachgewiesen werden konnte. Die Würfelnatter ist stark an Wasserlebensräume gebunden und daher eine gute Zeigerart für den ökologischen Zustand der Fließgewässer und ihres Umlandes. Auf Grund der fortschreitenden Zerstörung ihrer Lebensräume ist ihr Bestand stark rückläufig.

Würfelnatter (Natrix tesselata) – Fabian Krenn/naturbeobachtung.at

Bei den Vögeln wurden 34 verschiedene Arten gemeldet. Dies entspricht etwa einem guten Viertel, aller in Linz vorkommenden Vogelarten. Auch der Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus ), von dem 2019 von einem Mitarbeiter der Naturkundlichen Station erstmals erstaunliche 17 Brutreviere nachgewiesen werden konnten, wurde von einem Melder fotografiert. 

Viele Meldungen kommen hier aus dem Europaschutzgebiet Traun-Donau-Auen, das auch die Weikerlseen und das Mitterwasser miteinschließt. Aufgrund der noch relativ intakten Lebensräume ist dieser Teil von Linz ein Hotspot für Vogelbeobachtungen und so konnten hier unter anderem Eisvogel (Alcedo athis) und Schellente (Bucephala clangula) gesichtet werden. Manchmal trifft man jedoch auch mitten im Stadtgebiet in Auwiesen auf Schönheiten wie den Schwarzspecht (Dryocopus martius). 

Schellente (Bucephala clangula) – Gerhard F./naturbeobachutung.at             

Schwarzspecht (Dryocopus martius) –  RomanGanglmair/naturbeobachtung.at

Acht verschiedene Säugetierarten wurden bis jetzt gemeldet, wobei die Sichtung eines Rotfuchses (Vulpes vulpes) beim Abendspaziergang in der solarCity sicher eine Besonderheit darstellt, obwohl Füchse zunehmend die Stadtränder als Lebensraum erobern. Als Nahrungsopportunisten sind sie sehr anpassungsfähig und können sich sogar an uns Menschen als Nachbarn gewöhnen. 

Rotfuchs (Vulpes vulpes) – Manfred Schininger./naturbeobachutung.at 

Die erste Auswertung der Meldungen lässt auf ein spannendes Jahr 2021 schließen, bei dem sicher noch mehr Naturinteressierte zum Fotoapparat greifen und ihre spannenden tierischen Sichtungen aus dem Stadtgebiet von Linz bei „Linz tierisch“ melden.

Naturkundliche Station für Natur- und Artenschutz

Die Naturkundliche Station – seit 2005 mit dem Botanischen Garten vereinigt und dem Geschäftsbereich Stadtgrün und Straßenbetreuung (SGS) angeschlossen – ist die im Rahmen der Stadtverwaltung zuständige Abteilung für Anliegen des Naturschutzes und der Stadtökologie. Sie setzt sich für die Bewahrung und Entwicklung der Naturreichtümer sowie die zukunftsbeständige Flächennutzung in der Stadt ein. Neben umfangreicher Grundlagenforschung sind es vor allem viele große und kleine Projekte, die für gelebte Naturschutzpraxis in Linz stehen. 

Artenparadies Traun-Donau-Auen

Seit etwa 40 Jahren laufen intensive Forschungen in den Linzer Traun-Donau-Auen, ein Gebiet, das hervorragendes Artenpotenzial besitzt. Sämtliche stadteigene Auwälder stehen unter Naturschutz. Im Natura 2000-Gebiet Traun-Donau-Auen werden zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Flora und Fauna durchgeführt. 
So wurde beispielsweise eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme seltener Libellenarten im Augebiet durchgeführt. Letztes Jahr gelang der Sensationsfund des Drosselrohrsängers. Beim Drosselrohrsänger handelt es sich grundsätzlich österreichweit um eine seltene Vogelart. Im Linzer Brutvogelatlas (Nk. Jb. Bd. 46/47, 2000/2001) wird ein historischer Beleg aus dem Jahr 1914 aus Ebelsberg erwähnt. Beständige Vorkommen in Österreich existieren in Österreich nur am Neusiedler See und der Hagenauer Bucht am Inn. Am 25. April 1998 konnte ein singendes Männchen am Tagerbach/Schwaigau festgestellt werden

Im Zuge der Wasservogelkartierung konnten im April 2019 erstmals rufende Männchen in einzelnen Uferabschnitten am Pichlinger See festgestellt werden. Daraufhin wurde eine systematische Kartierung durchgeführt, um den Gesamtbestand im Linzer Raum zu erfassen. 

Erst vor Kurzem entdeckte ein Mitarbeiter der Naturkundlichen Station, dass Graugänse hier brüten. Sie halten sich hier schon seit mindestens zehn Jahre auf, jedoch wurde erstmals gesichtet, dass die zur Entengattung gehörigen Tiere hier brüten.

Bruterfolg bei den Graugänsen. Foto: Lederer

Geplante Erweiterung des Betriebsbaugebietes in Pichling bringt weitere Bodenversiegelung und gefährdet das Europaschutzgebiet Traun-Donau-Auen

Im September 2018 wurde das Örtliche Entwicklungskonzept Nr. 2 geändert, um zukünftig eine Erweiterung des Südparks Pichling nach Westen um ca. 16 Hektar zu ermöglichen. Nun soll jedoch noch ein weiteres Grundstück südlich des Gewerbeparks aus dem Grünzug herausgeschnitten werden, um eine zusätzliche Erweiterung des Gewerbeparks vorzunehmen. Derzeit laufen Voruntersuchungen um 180.000 Quadratmeter Grünland in Bauland umzuwidmen. Damit werden jedoch auch alle Anstrengungen im Natur- und Artenschutz unterlaufen.

eschlossen wurde konkret bereits die Beauftragung einer wasserbautechnischen Untersuchung, weil das betroffene Gebiet auch noch fast zur Gänze im 30- und 100-jährlichen Hochwasserrückstaubereich liegt. Aus Natur- und Artenschutzgründen ist dieses Vorhaben abzulehnen, denn:

Eine Umwidmung in Betriebsbaugebiet widerspricht den Zielen des Örtlichen Entwicklungskonzeptes.

Die Ausweitung des Betriebsbaugebietes bis unmittelbar an die Grenze des Natura 2000-Gebietes würde die Qualität des unmittelbar angrenzenden Europaschutzgebietes Traun-Donau-Auen nachhaltig verschlechtern - insbesondere hinsichtlich der Schutzgüter Amphibien/Reptilien und Vögel. Diese Tiergruppen sind auch auf ein unverbautes Umland, das sich im Nahbereich zu den Brut- und Laichbiotopen befindet, angewiesen. Da laut den geltenden EU-Richtlinien für die Schutzgüter ein ,Verschlechterungsverbot‘ gilt, ist durchaus zu erwarten, dass eine notwendige Naturverträglichkeitsprüfung für die Umwidmungsplane ein negatives Ergebnis bringen könnte.

Die Umwidmung wird auch eine bedeutende Störung des Landschaftsbildes ergeben und stellt einen irreversiblen Eingriff in die noch intakte, bäuerlich geprägte Kulturlandschaft zwischen Pichling und Asten dar.

Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Natur- und Umwelt-Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger zum Projekt „Linz tierisch“ der Naturkundlichen Station)

Weiterer Gesprächspartner:
Dr. Friedrich Schwarz, Leiter der Naturkundlichen Station der Stadt Linz 

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