Medienservice vom: 18.02.2021

Schwierige Situation für Linzer Familien knapp ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie Vielfältige und notwendige Unterstützung durch städtische Familien- und Jugendberatung

Seit Mitte März 2020 ist für viele Familien die Welt eine andere. Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben ordentlich durcheinandergewirbelt. In den Beratungseinrichtungen der Stadt Linz zeigen sich die psychischen und sozialen Auswirkungen sehr deutlich. Im Institut für Familien- und Jugendberatung (3.348 Beratungskontakte), dem Eltern-Kind-Zentrum Ebelsberg (598 Beratungen) sowie dem Familienzentrum Pichling (1.312 Beratungen) stieg die Anzahl von Beratungskontakten 2020 im Vergleich zum Vorjahr an. Eine weitere deutliche Zunahme an Hilfesuchenden wird von Beraterinnen und Beratern im Laufe dieses Jahres noch erwartet. Denn eines steht fest: Corona ist an niemandem spurlos vorübergegangen. Wie ein roter Faden ziehen sich die Themen psychische Auffälligkeiten (vor allem Ängste), Homeschooling und Medienkonsum durch die zahlreichen Beratungsgespräche der PsychologInnen. 

„Nach knapp einem Jahr Corona-Pandemie brauchen die Linzer Familien mehr denn je unsere Unterstützung. Wir versuchen, mit unserem Beratungsangebot im Institut für Familien- und Jugendberatung, im Familienzentrum Pichling und im Eltern-Kindzentrum Ebelsberg, so gut wie möglich für die Familien da zu sein. Die Rückmeldungen zeigen uns, dass das Angebot gut angenommen wird und die passgenaue und fachlich kompetente Unterstützung geschätzt wird“, zeigt sich die zuständige Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger von der Wichtigkeit des Angebots überzeugt.   

Institut für Familien- und Jugendberatung

Im Institut für Familien- und Jugendberatung stehen acht Psychologinnen und Psychologen sowie eine Therapeutin Linzer Familien bei den vielfältigsten Fragestellungen zu Seite. Von klinisch-psychologischer Diagnostik für Kinder und Jugendliche über Erziehungsberatung, Einzel- und Paartherapie für Erwachsene sowie Einzel- und Gruppentherapie für Kinder und Jugendliche bis hin zu Familientherapie wird für fast alle psychosozialen, pädagogischen und psychologischen Problemstellungen eine Lösung und Unterstützung angeboten. 

Besonders für Familien mit Migrationshintergrund und ökonomisch benachteiligte Familien ist Homeschooling eine riesige Herausforderung: Wohnen auf oftmals kleinstem Raum, das Fehlen von Computern und mangelnde Unterstützung machen Homeschooling für diese Kinder zu einem sehr schwierigen Unterfangen. Durch das lange Aussetzen des Präsenzunterrichtes fehlen zudem die sozialen Kontakte, außerdem steigt die Sorge der Jugendlichen über ihre weitere berufliche Zukunft. Essstörungen, Depressionen und selbstverletzendes Verhalten sind im Steigen begriffen. Auch hier können die Psychologinnen und Psychologen des Institutes helfend eingreifen.

Medienkonsum und die kindliche Psyche

In zahlreichen Familien, die von der Kinder- und Jugendhilfe oder den SchulsozialarbeiterInnen an das Institut für Familien- und Jugendberatung überwiesen werden, ist der Medienkonsum enorm. Viele Kinder besitzen ein Smartphone, mit dem sie die Möglichkeit haben, Spiele zu spielen oder Internetseiten zu besuchen, die nicht altersadäquat sind und die sie psychisch überfordern. Während der Lockdowns werden von Kindern und Jugendlichen, aber auch von deren Eltern, vermehrt Medien konsumiert. Nicht wenige Eltern berichteten, dass ihre Kinder sich oft stundenlang jeden Tag mit Spielkonsolen oder mit dem Handy beschäftigt haben. Durch den fehlenden körperlichen Ausgleich zeigte sich oft aggressives Verhalten, da der Stress, den virtuelle Spiele verursachen können, nicht abgebaut werden konnte. 

Fallsituation 

Eine Beraterin des Instituts berichtete von einer alleinerziehenden Mutter, deren 8-jähriges Kind nicht in die Schulbetreuung gehen „darf“, da sie von ihrem Dienstgeber in Kurzarbeit geschickt wurde und zu Hause ist. Die Mutter kann aber aufgrund einer Depression ihr Kind nur unzureichend versorgen und im schulischen Bereich unterstützen. Außerdem droht die Delogie-rung, da die Mutter durch das verminderte Einkommen die Miete nicht mehr bezahlen kann. Mutter und Kind sind beide in einer schlechten psychischen Verfassung und erhalten im Institut für Familien- und Jugendberatung therapeutische Unterstützung.

Eltern-Kind-Zentrum Ebelsberg

Im Eltern-Kind-Zentrum Ebelsberg unterstützen zwei Sozialarbeiterinnen, ein Sozialarbeiter und eine Psychologin Familien. Die BeraterInnen beobachten eine gewisse „Coronamüdigkeit“ der Familien. Speziell den Müttern geht schön langsam die Luft aus zwischen Homeoffice, Homeschooling und den fehlenden Sozialkontakten. Es häufen sich die Anfragen nach einer Öffnung des „Offenen Treffs“, bei dem Familien in kindgerechter und gemütlicher Atmosphäre zusammenkommen können. Leider wird dieser aufgrund der Coronasituation noch länger geschlossen bleiben müssen. So versuchen die BeraterInnen über Telefon, Mail, aber auch durch persönliche Beratungsgespräche die Familien durch diese herausfordernde Zeit zu begleiten.
Einige Veranstaltungen werden aufgrund des coronabedingten Veranstaltungsverbotes online angeboten. So laden die beiden Sozialarbeiterinnen jeden Mittwoch Eltern online zum Erfahrungsaustausch und Diskutieren ein. Auch die Babyrunde, die Stillrunde sowie die Elternrunde mit der Psychologin finden regelmäßig virtuell statt.

Familienzentrum Pichling

Im Familienzentrum Pichling sorgen zwei Sozialarbeiterinnen, zwei Sozialarbeiter und eine Psychologin dafür, dass Familien gut über die Runden kommen.

Hier werden unter anderem auch getrenntlebende Väter durch diese krisenhafte Zeit begleitet. Coronabedingt mussten die Vater-Kind-Treffen oft unter erschwerten Bedingungen stattfinden oder fielen ganz aus. Durch regelmäßigen Zoom-Treffen ermöglichen die Berater des Familienzentrums Pichling einen Erfahrungsaustausch unter den Vätern und unterstützen sie dabei, diese schwierige Situation zu meistern.

Die SozialarbeiterInnen, die am Gewaltpräventionsprojekt des Familienzentrums mitarbeiten, das 2020 ins Leben gerufen wurde, verzeichnen einen Anstieg auch an jugendlichen Gewalttätern. Beengte Wohnverhältnisse und das Gefühl, vom Leben abgehängt worden zu sein, begünstigen aggressives Verhalten bei manchen Jugendlichen. Hier treten ausgebildete GewaltberaterInnen auf den Plan und erarbeiten Strategien mit den Jugendlichen, wie sie aus dieser Gewaltspirale ausbrechen können.

Auch im Familienzentrum Pichling werden zahlreiche Veranstaltungen coronabedingt online abgehalten. So hält die Psychologin die Elternrunden via Zoom ab und beantwortet Fragen wie „Wie setze ich meinem Kind Grenzen? Wie reagiere ich bei einem Trotzanfall? Was tun gegen Schlafschwierigkeiten?“ Die Sozialarbeiterin bietet, ebenfalls online, regelmäßige Austauschrunden für frischgebackene Eltern zu Themen an, die von der körperlichen und sozialen Entwicklung im ersten Lebensjahr bis hin zu den Nächten mit dem Baby, reichen.

Kontakt 

Die Beratungsstellen der Abteilung Familien- und Jugendberatung sind per Mail oder telefonisch erreichbar. Unter Einhaltung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen sind, wenn es geboten ist, auch persönliche Gespräche möglich.  

Das Institut für Familien- und Jugendberatung ist von Montag bis Donnerstag von 8  bis 18 Uhr sowie Freitag von 8 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer +43 732 7070 2700 und per mail inst.fjb@mag.linz.at erreichbar.

Das Eltern-Kind-Zentrum Ebelsberg erreichen Sie Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 8.30 bis 12 Uhr sowie Mittwoch von 14 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer +43 732 301056 und per mail ekiz@mag.linz.at 

Das Familienzentrum Pichling ist am Montag, Dienstag und Donnerstag von 8 bis 12 Uhr, sowie Dienstag von 14 bis 17.30 Uhr telefonisch unter +43 732 320071 und per mail familienzentrum.pichling@mag.linz.at erreichbar.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bildungsreferentin Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger zum Thema „Situation für Linzer Familien knapp ein Jahr nach Beginn Corona-Pandemie“)