Presseaussendung vom: 23.02.2021

Forcierter Wohnbau als Ausweg aus der Krise Aktuelle Stadtentwicklung: Schwerpunkte im Süden und in Urfahr

In den vergangenen 10 Jahren wurden in Linz 10.000 Wohnungen neu errichtet, davon mehr als 80 Prozent in gänzlich neu errichteten Gebäuden. Die Hälfte der neuen Wohnungen ist dabei wohnbaugefördert. Knapp 2.000 neue Wohnungen wurden in bestehenden Gebäuden durch Um- oder Ausbau geschaffen. Die Zahl der Wohnungen ist von 117.700 vor einem Jahr auf den historischen Höchststand von 118.500 gestiegen. 

Trotz der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie boomt der Wohnbau in der Landeshauptstadt Linz. Dies zeigt ein Blick auf die aktuelle Statistik: beinahe 3.000 Wohnungen sind derzeit in Bau, weitere 3.400 Wohneinheiten sind bereits eingereicht oder projektiert. In diesen Zahlen ist die Planung für die Stadterweiterung in Ebelsberg noch nicht enthalten.  

Bürgermeister Klaus Luger sieht darin einen Faktor für eine Entwicklung, die einerseits dazu beiträgt, dass die Preise für Wohnraum in Linz weiterhin leistbar bleiben und zum anderen einen wichtigen Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung in der Corona-Krise darstellt. 

„Die rege Bautätigkeit hilft im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Jede neu gebaute Wohnung sichert statistisch zwei Arbeitsplätze pro Jahr. Heuer werden so 2.000 Jobs gesichert. Ohne dieses Investment wäre die Arbeitslosigkeit noch einmal um 20 Prozent höher. Zudem profitieren davon primär regionale Betriebe. Der ungebrochene Wohnbauboom ist ein Krisenanker in wirtschaftlich unruhigen Zeiten wie diesen“, betont Luger.

„Es ist die große Herausforderung meines Zuständigkeitsbereichs, den wachsenden Wohnungsbedarf zu decken und zugleich eine faire Preisentwicklung auf dem Wohnungssektor sicherzustellen. Trotz COVID19 ist es uns auch im Jahr 2020 wieder nahtlos gelungen, an die sehr positive Entwicklung der vergangenen Jahre anzuschließen“, ergänzt Infrastrukturreferent Vizebürgermeister Markus Hein.  

Die rege Wohnbautätigkeit deckt nicht nur den Bedarf, sie bietet auch für den Erhalt von Arbeitsplätzen eine wichtige Handhabe. „Wir hoffen, damit zusammen mit unserem 65 Millionen-Konjunkturpaket, dem Pakt für Linz, dem Abwärtstrend vor allem in der Bauwirtschaft begegnen zu können“, sagt Bürgermeister Luger. 

„Investitionen am Bau sind ein sehr gutes Mittel zur Arbeitsbeschaffung, da sie unmittelbar und sichtbar wirken. Unsere neuen Donaubrücken sind ebenso wie der kontinuierliche Wohnbauboom äußere Zeichen dafür“, ergänzt Vizebürgermeister Hein.   

Trotz der intensiven Neubautätigkeit ist die Nachfrage am Wohnungsmarkt nach wie vor groß, denn mehr als die Hälfte der 50.000 Wohnungssuchenden in Oberösterreich möchten nach Linz ziehen, davon etwa 10.000 aus Dringlichkeitsgründen. Das sind Menschen, die einen Hausstand gründen, eine Scheidung hinter sich haben oder Kinder bekommen. Wesentliche Gründe für den nach wie vor hohen Bedarf sind das Arbeitsangebot im oberösterreichischen Zentralraum und die damit verbundene Sogwirkung. 

3.000 Wohnungen in Vorbereitung 

Derzeit sind insgesamt 2.970 Wohnungen in Bau, weitere 2.000 stehen kurz vor Baubeginn und ca. 1.500 Wohnungen sind projektiert. Der Schwerpunkt bei diesen Projekten wird durch gemeinnützige Wohnbauträger realisiert. Gerade für Menschen, die sich womöglich nach der Familiengründung verändern und in größere Wohnungen umziehen möchten, sind geförderte Mietwohnungen die ideale Wohnform. Auch Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser sind wertvoll und sollen im Rahmen der Möglichkeiten weiter gefördert werden. Besonders für Wohnungseigentümer entsteht somit eine langfristige Bindung an Linz. 

Etwa drei Viertel aller Linzer Gebäude dienen Wohnbauzwecken. Wie intensiv die Bindung in Linz an das Eigentum ist, zeigt ein Blick auf die Besitzverhältnisse der Gebäude. Der weitaus größte Teil der Linzer Objekte befindet sich im Eigentum von Privatpersonen, wobei rund 7.600 Gebäude einer Eigentümergemeinschaft gehören und rund 6.600 Gebäude einer Einzelperson. Im Eigentum von Genossenschaften stehen dagegen etwa 5.900 Gebäude. Ca. 3.000 Gebäude gehören sonstigen juristischen Personen.

Mehrfamilienwohnhausbau Wohnungen
Wohnungen in Bau 2.971
Bewilligte Wohnungen 868
Eingereichte Projekte 1.048
Einreichfähige Projekte 557
(noch) nicht einreichfähige Projekte 932
Gesamt 6.376

Aktuelle Hotspots der Wohnbautätigkeit in Linz bilden Urfahr, das Franckviertel, Oed und Pichling, wie ein Blick auf die Top Ten der in Bau befindlichen Wohnbauvorhaben zeigt:

Top-10 der aktuellen Projekte Bauträger Wohnungen
Bruckner-Tower (Urfahr) Bruckner Immobilien 354
Europastraße (Bindermichl) WAG 147
Seiderstraße / Traundorfer Straße (Pichling) GIWOG 145
Turmstraße (Industriegebiet) GSA 129
Derfflingerstraße (Franckviertel) GWG 127
Sombartstraße (Urfahr) Realtreuhand 125
Seiderstraße / Traundorfer Straße "Wohnen beim See Pichling" Neue Heimat 108
Moosfelderstraße (Pichling) LAWOG 108
Theodor-Grill-Straße / Heliosallee (Pichling) GWG 92
Neufelder Straße / Traundorfer Straße (Pichling) Neue Heimat 87

 Bruckner Tower, Foto: PTU/H.P.Bruckner Tower, Foto: PTU/H.P.

Wohnbauten der Neuen Heimat an der Traundorfer Straße (Pichling)  Foto: PTU/H.P.

Wohnbauten der Neuen Heimat an der Traundorfer Straße (Pichling) Foto: PTU/H.P.

Großbauvorhaben Auhirschgasse, GWG, Luftbild: PTU/H.P.Großbauvorhaben Auhirschgasse, GWG, Luftbild: PTU/H.P.

Wohnbauten der Neuen Heimat, Neufelderstraße / Traundorfer Straße  

„Wohnen beim See“ mit zusammen 700 Wohnungen (Giwog, Neue Heimat, WAG), Pichling„Wohnen beim See“ mit zusammen 700 Wohnungen (Giwog, Neue Heimat, WAG), Pichling

WAG-Projekt Europastraße-Bindermichl, Luftbilder: PTU/H.P.WAG-Projekt Europastraße-Bindermichl, Luftbilder: PTU/H.P.

Bei den bereits bewilligten Projekten, deren Baubeginn für heuer zu erwarten ist, liegen die Schwerpunkte im Linzer Süden, und zwar in Pichling und Kleinmünchen. Dazu kommen kleinere Bauvorhaben im gesamten Linzer Stadtgebiet. 

Top-5 der bewilligten Projekte Bauträger Wohnungen
Leblweg (Pichling) Giwog 82
Unionstraße (Waldegg) Giwog 70
Schumannstraße (Kleinmünchen) Brunner Bau 33
Biberweg (Pichling) Mei Dahoam Errichtungs GmbH 30
Bäckermühlweg (Kleinmünchen) LPC GmbH 28

Perspektiven der Stadtentwicklung im Süden, im Franckviertel und im Kaplanhofgebiet 

Das größte Zukunftsprojekt im Linzer Wohnbau, das in der Aufstellung aktueller Wohnbauvorhaben nicht enthalten ist, ist zweifellos das Areal der Kaserne Ebelsberg mit einem Potenzial von 3.000 Wohnungen. Dazu kommen das große Um- und Neubauprojekt Wimhölzel Hinterland im Franckviertel, bei dem ab heuer in vier Etappen mehr als 400 Wohnungen realisiert werden und mittelfristig die neue Post City beim Hauptbahnhof, die an Stelle des Postverteilerzentrums entsteht. 

Das „Wimhölzel Hinterland“ wird von der GWG schrittweise erneuert. Foto: Stadt Linz Das „Wimhölzel Hinterland“ wird von der GWG schrittweise erneuert. Foto: Stadt Linz 

Für Wohnbauten in Frage kommen laut den Empfehlungen der Städtebau-lichen Kommission auch das Schlachthofareal im Kaplanhofviertel sowie das Areal der Tabakfabrik. Es handelt sich um Projekte, die Wohnen, Arbeit und Freizeit verbinden, um hochattraktive Stadtteile zu schaffen. Sie sollen bestens an Öffis und auch an den Individualverkehr angebunden werden, wobei die neuen Stadtbahnen sowie drei neue Buslinien für die Erschließung sorgen.

Möglicher Entwurf für das SchlachthofarealMöglicher Entwurf für das Schlachthofareal

Es handelt sich um Stadtumnutzungsprojekte, bei deren Entwürfen ebenso wie in Ebelsberg und beim Wimhölzel Hinterland im Franckviertel so genannte Kooperative Verfahren unter Miteinbeziehung aller Beteiligten, sowohl der Planer als auch der künftigen Nutzerinnen und Nutzer angewendet werden sollen. 

Trend zu höheren Gebäuden 

In Zukunft wird man mangels Flächen höher bauen müssen. Nicht nur die Planung für Post City, wo künftig fast 6.000 Menschen leben, einkaufen und arbeiten werden, ist ein Musterbeispiel dafür, wie in zentralen städtischen Lagen verdichtet und zugleich ein großzügiger, vielschichtiger öffentlicher Raum geschaffen werden kann. 

Post City, Rendering: Nussmüller ArchitektenPost City, Rendering: Nussmüller Architekten

Auch beim Qadrill-Tower bei der Tabakfabrik mit fast 9.000 Quadratmetern an geplanter Wohnfläche und Flächen für Handel, Gastronomie und Gewerbe, wird man in die Höhe gehen. 

Ehemals versiegelte Flächen können dadurch wieder begrünt werden. Hochhäuser werfen auch Schatten. Voraussetzung ist, dass sie nicht zu massiv, sondern eher schlank ausgeführt sind und eine entsprechende kühle Durchlüftung ermöglichen. Zudem können die Bauten selbst begrünt werden und somit zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen.  

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger und Infrastrukturreferent Vizebürgermeister Markus Hein zum Thema „Aktuelle Bautätigkeit und Perspektiven am Wohnbausektor in Linz“)