Medienservice vom: 01.03.2021

Online-Kampagne des Frauenbüros Ursachen für die ökonomische Benachteiligung von Frauen

In unserer Gesellschaft werden Frauen nach wie vor am Arbeitsmarkt (strukturell) diskriminiert. So sind Männer überall dort überpräsentiert, wo es um Macht und Geld geht, Frauen dort, wo es um unbezahlte und oft nicht wertgeschätzte Sorgearbeit geht. Dieses Faktum thematisiert das Frauenbüro der Stadt Linz in einer Online-Kampagne, die von der Vernetzungsstelle für Frauen* in Kunst und Kultur in OÖ FIFTITU% konzipiert wurde. Die Social-Media-Kampagne beleuchtet die Ungleichbehandlung und Diskriminierung von Frauen am Arbeitsmarkt. Ziel ist es, über Ursachen und Auswirkungen der Geschlechterdiskriminierung zu informieren. Denn nur, wenn ein Bewusstsein über die herrschenden Mechanismen vorhanden ist, können Änderungen herbeigeführt werden. Die Sensibilisierung für die Folgen der Geschlechterdiskriminierung ist umso notwendiger, da die Auswirkungen der Pandemie Frauen besonders hart treffen und damit die Gefahr einer erneuten „Retraditionalisierung“ der Geschlechterrollen einhergeht.  

„Wir leben noch immer in einer patriarchal geprägten Gesellschaft. Die strukturelle Diskriminierung von Frauen am Arbeitsmarkt hat weitreichende Konsequenzen und kann mitunter existenzbedrohend sein. So erhalten Frauen in Österreich um zirka 42 Prozent weniger Pension als Männer. Die Ursachen sind in den Einkommensunterschieden zu finden: geringfügige Anstellung beziehungsweise Teilzeitarbeit und daraus resultierend ein geringes Stundenausmaß, unterbrochene Erwerbsbiographien durch Karenzzeiten für Kindererziehung und Pflege, damit einhergehend teilweise verpasste Karrierechancen, Erwerbstätigkeit in schlechter bezahlten Branchen, Diskriminierung bei Beförderungen und anderes mehr. Viele Frauen verzichten für ihre Familien auch ganz auf eine eigene Erwerbstätigkeit oder arbeiten nur Teilzeit. Unser Auftrag ist, die bestehenden Diskriminierungen und die damit einhergehenden Folgen zu thematisieren und aktiv auf allen Ebenen dagegen anzuarbeiten. Die Online-Kampagne soll ein Beitrag dazu sein“ so Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger. 

Kampagne „Kein Witz. Ist so. #CloseTheGap“ 

Die Kampagne „Kein Witz. Ist so. #CloseTheGap“ rückt anhand von vier Clips exemplarisch folgende Hauptursachen in den Fokus:

  • Niedrige Löhne in „typischen Frauenberufen“
  • Teilzeitarbeit und Care Arbeit 
  • Gender Pay Gap 
  • Karenz und Care Arbeit 

Datengrundlage ist der „Zweite Frauenbericht der Stadt Linz“, der Ende 2018 vorgestellt wurde. Dieser gibt anhand statistischer Daten und Analysen einen umfassenden und vertiefenden Überblick über die diversen Lebensbedingungen und Lebensformen der Linzerinnen. Dabei werden horizontale soziale Ungleichheitsfaktoren wie Geschlecht, Alter, ethnische Zugehörigkeit oder Beeinträchtigungen, verknüpft mit vertikalen sozialen Ungleichheitsfaktoren wie etwa Bildungsstand, beruflicher Status oder Einkommen analysiert. 

Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit!

Sorge- und Pflegearbeit werden nach wie vor als „typisch weibliche, naturgegebene“ Charaktereigenschaften an Frauen zugeordnet und damit auch nicht im Gehalt berücksichtigt. Um dem gegenzusteuern, bedarf es einer generellen Neubewertung von Arbeit und insbesondere einer Aufwertung sogenannter „typischer Frauenarbeit“. Die finanzielle Aufwertung dieser Berufe ist eine dringende Notwendigkeit, um die Einkommenssituation von Frauen in Österreich zu verbessern. Darüber hinaus muss sich das Muster der Bildungs- und Berufswahl ändern, welches nach wie vor stereotypen Rollenbildern folgt. 

Teilzeitarbeit – Das muss sich ändern!

Studien zufolge geben Frauen in ganz Österreich als häufigsten Grund für Teilzeitarbeit die „Betreuung pflegebedürftiger Kinder und Erwachsener an“. Bei Männern geht es dagegen häufig um karrierefördernde Fort- und Weiterbildungen. Zwei Drittel der Hausarbeit, Pflege- und Sorgearbeit in Österreich wird von Frauen geleistet. Teilzeitarbeit führt auch dazu, dass Frauen nicht nur weniger verdienen und schlechtere Aufstiegschancen haben, sondern auch später in der Pension häufig mit Altersarmut zu kämpfen haben. Ein Blick auf die Verteilung der Vollzeitarbeitsplätze zeigt, dass in Oberösterreich 95 Prozent der Männer in Vollzeitjobs arbeiten – dem gegenüber stehen aber nur knapp mehr als 50 Prozent Frauen in Vollzeit.

Karenz für alle!

Obwohl Müttern durch die Väterkarenz eine Erwerbstätigkeit ermöglicht werden könnte – und zwar jenseits von Kinderbildungseinrichtungen – hat die Väterkarenz in Österreich noch immer eine geringe Bedeutung. In Oberösterreich waren etwa im Jahr 2016 nur 0,3 Prozent der erwerbstätigen Männer mit Kindern unter 15 Jahren in Väterkarenz. Die herrschenden gesamtgesellschaftlichen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen führen dazu, dass Frauen nach wie vor geringer entlohnt werden. Für Familien ist es daher oft eine finanzielle Notwendigkeit, dass der schlechter verdienende Elternteil die Karenzzeit übernimmt. Eine Frage, die sich gar nicht stellen würde, wenn Frauen und Männer gleich viel verdienen würden.

Gleiche Chancen für alle!

Der Gender Pay Gap beschreibt den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern. In Österreich ist der Gender Pay Gap besonders stark ausgeprägt und liegt im EU-28-Ranking an fünftletzter Stelle. In Linz beträgt der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied (Gender Pay Gap) ohne Beachtung des Arbeitsausmaßes 39,4 Prozent; bei Angestellten ist er größer als bei ArbeiterInnen. Die Gründe für die Existenz dieser Lohnunterschiede sind nur teilweise erklärbar. Unter Berücksichtigung von Merkmalen wie Branche, Beruf, Ausbildungsniveau, Alter, Vollzeit/Teilzeit, Art des Arbeitsvertrags, Region oder Unternehmensgröße lässt sich ein Drittel des Gender Pay Gaps eruieren. Übrig bleiben aber zwei Drittel, die nach wie vor durch keinen sachlichen Faktor erklärt werden können. Um diese diskriminierende Lohnschere zu schließen, braucht es eine engagierte Politik, die gleiche Chancen für Frauen und Männer bei der Ausbildung, am Arbeitsmarkt und bei den Einkommen sicherstellt.

Umsetzung der Kampagne durch FIFTITU%

Die beiden Geschäftsführerinnen von FIFTITU% Oona Valarie Serbest und Rebekka Hochreiter haben im Auftrag des Frauenbüros die Kampagne konzipiert. Bei der Umsetzung wurden sie von bekannten Frauen aus der Linzer Kunst- und Kulturszene unterstützt. Illustriert wurden die Sujets von Silke Müller, zu hören sind Ines Schiller, Elisa Andessner und Sigrid Ecker. 

Es wird in der Kampagne bewusst auf Fachvokabular verzichtet, um möglichst viele Frauen anzusprechen. Der Claim „Kein Witz. Ist so.“ bezieht sich direkt auf die Headlines. Das Lachen bleibt einem kurz im Hals stecken, weil die beschriebenen Realitäten einfach nicht lustig sind. Ihren Abschluss findet die Kampagne mit dem Hashtag #CloseTheGap als Handlungsaufruf. Damit sollen Ungerechtigkeiten aufgezeigt werden, aber nicht mit dem Ansatz des „Fingerzeigens“ oder Zurechtweisens, sondern indem dazu anregt wird, sich über Ursachen und Auswirkungen zu informieren. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger zur Kampagne „Kein Witz. Ist so. #CloseTheGap“)

Weitere Gesprächspartnerinnen:
Oona Valarie Serbest, Geschäftsführerin von FIFTITU%
Rebekka Hochreiter, Stv. Geschäftsführerin von FIFTITU%
Mag.a Jutta Reisinger, Frauenbeauftragte der Stadt Linz

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