Medienservice vom: 02.03.2021 |Fotos zum Medienservice

Frauenpreis der Stadt Linz 2021 Gewaltschutzzentrum OÖ wird ausgezeichnet

Seit 2012 würdigt die Stadt Linz alljährlich herausragendes frauenpolitisches Engagement. Heuer geht der mit 3.600 Euro dotierte und von Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger initiierte Frauenpreis an das Gewaltschutzzentrum . Ausgezeichnet wird die Einrichtung für ihr bundesweites Pionierprojekt „PERSPEKTIVE:ARBEIT“ mit dem Ziel, betroffene Frauen persönlich und wirtschaftlich zu stärken.

„Mindestens jede fünfte Frau ist in Österreich von häuslicher Gewalt betroffen. Wir wissen, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist. Die aufgrund der Corona-Pandemie notwendigen Ausgangsbeschränkungen und die wirtschaftliche Krisensituation erhöhen gerade jetzt zudem langfristig die Gefahr für Frauen Opfer von Gewalt zu werden. Das dürfen wir als Gesellschaft nicht hinnehmen! Gerade gewaltbetroffene Frauen brauchen in ihrer schwierigen psychischen Situation häufig Unterstützung, um wieder Zutritt in die Arbeitswelt zu finden. Hier setzt das Projekt des Gewaltschutzzentrums an und bietet mit „PERSPEKTIVE:ARBEIT“ Hilfestellung für Frauen, um ihre wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit zu durchbrechen, welche oftmals den Nährboden für häusliche Gewalt darstellt. Der Frauenpreis 2021 geht damit an eine der wichtigsten Gewaltschutzeinrichtungen in unserer Stadt und ist eine Anerkennung für den täglichen Einsatz aller Mitarbeiterinnen für den Schutz und für die Rechte von Frauen“, so Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.  

Das Gewaltschutzzentrum wurde mit seinem Projekt aus insgesamt 28 Einreichungen von einer sechsköpfigen Jury einstimmig für den diesjährigen Frauenpreis ausgewählt. Unter dem Vorsitz von Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger gehörten der Jury weiters die Gemeinderätinnen Mag.a Gerlinde Grünn (KPÖ), Miriam Köck (SPÖ), Martina Krendl (FPÖ), Elisabeth Leitner-Rauchdobler (NEOS) und Maria Mayr (ÖVP) an. 

Sie begründeten ihre Entscheidung folgendermaßen: „Die vielfachen Auswirkungen der Coronapandemie erhöhen einmal mehr die Gefahr für Frauen, Opfer von Gewalt zu werden. Die aus der Krisensituation resultierende Arbeitslosigkeit trifft Frauen zudem in besonderem Maße und gefährdet ihre ökonomische Unabhängigkeit langfristig. Aus diesem Grund ist es den Jurorinnen ein großes Anliegen mit „PERSPEKTIVE:ARBEIT“ ein bundesweites Pionierprojekt des Gewaltschutzzentrums auszuzeichnen. „PERSPEKTIVE:ARBEIT“ ist das erste Projekt in Österreich, welches für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen Unterstützung beim (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt oder in schwierigen Arbeitssituationen anbietet. Ziel ist es, Frauen persönlich und wirtschaftlich zu stärken, so dass sie eine geeignete Beschäftigung erlangen, einen Ausbildungsplatz finden oder den bestehenden Arbeitsplatz, welcher durch die Gewaltsituation gefährdet ist, zu sichern. Für den umfassenden und weitreichenden Ansatz von „PERSPEKTIVE:ARBEIT“ wird das Gewaltschutzzentrum mit dem Frauenpreis der Stadt Linz 2021 ausgezeichnet.“

Zum Projekt

„PERSPEKTIVE:ARBEIT – Auf eigenen Beinen stehen“ ist das erste Projekt in Österreich, welches konkret für gewaltbetroffene Frauen Unterstützung beim (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt oder in schwierigen Arbeitssituationen anbietet. Ziel ist es, Frauen persönlich und wirtschaftlich zu stärken, dass sie eine geeignete Beschäftigung erlangen, einen adäquaten Ausbildungsplatz finden oder den bestehenden Arbeitsplatz, welcher durch die Gewaltsituation gefährdet ist, sichern.

Das Projekt trägt dazu bei

  • die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen,
  • wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen zu erlangen,
  • Armut von Frauen und Diskriminierung am Arbeitsplatz zu bekämpfen,
  • die Gleichstellung von Frauen und Männern in Entscheidungsprozessen sowie die Chancengleichheit für die Teilhabe von Frauen in von Männern dominierten Berufsgruppen zu fördern,
  • die Selbstwirksamkeit der Frauen zu stärken,
  • durch Vernetzung und Kooperationen die Problematiken von gewaltbetroffenen Frauen am Arbeitsmarkt sichtbar zu machen.

„PERSPEKTIVE:ARBEIT“ ist das erste Projekt Österreichs, das 2015 in Form eines Social Impact Bonds finanziert wurde. Seit Februar 2020 wird das Projekt nun als Beratungs- und Betreuungseinrichtung des AMS OÖ geführt.

Für gewaltbetroffene Frauen ab 15

PERSPEKTIVE:ARBEIT unterstützt gewaltbetroffene Frauen ab 15 Jahren, die Kontakt zum Gewaltschutzzentrum oder zu einem Frauenhaus in Oberösterreich hatten, in Österreich arbeits- und aufenthaltsberechtigt sind und ihren Hauptwohnsitz in Oberösterreich haben. Im Zuge einer Clearingphase wird mit ihnen durch individuelle Beratung und Begleitung der Weg zurück ins Berufsleben erarbeitet. In dieser Phase wird die Betroffene so lange psychosozial betreut, bis sie für die Arbeitssuche oder den Bewerbungsprozess stabil genug ist. Dies ist notwendig, da von Gewalt betroffene Frauen oft mit Multiproblemlagen zu kämpfen haben. Durch die erfahrene Gewalt bedingten gesundheitlichen Einschränkungen, wie körperliche Verletzungen und Schmerzen, sowie psychischen Folgen wie Schlafstörungen, Depressionen, erhöhte Ängste, Konzentrationsschwächen und Traumatisierungen, kommt es vermehrt zu Krankenständen und Abwesenheiten am Arbeitsplatz. Ebenso sind aufgrund eines bekannt gewordenen Gewaltvorfalls viele behördliche Termine wahr zu nehmen. Hinzu kommen unsichere Wohnsituation, Wegfall der Kinderbetreuung, eingeschränkte Mobilität, schwierige finanzielle Situation, und fehlendes soziales Netzwerk. Dies alles erhöht die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes und erschwert die Aufnahme einer neuen Arbeitsstelle. 

Um die Frauen beim intensiven Bewerbungsprozess zu unterstützen, können sie ein Jobcoaching im Einzelsetting durch den Verein IAB (Institut Für Ausbildungs- & Beschäftigungsberatung) in Anspruch nehmen. Nach erfolgreichem Arbeitsantritt wird die Betreuung fortgesetzt, um Austausch, Unterstützung und Beratung bei eventuell auftretenden Problemen am Arbeitsplatz zu gewährleisten. 

Video zum Projekt

Aufgrund der Coronapandemie kann die feierliche Preisverleihung „talk of fem“ leider dieses Jahr nicht stattfinden. Stattdessen wird Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger gemeinsam mit den Jurorinnen den Preis offiziell am 8. März in kleinem Rahmen unter Einhaltung der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen überreichen. Um das Projekt trotzdem einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, wurde im Auftrag des Frauenbüros der Stadt Linz ein Video erstellt. Dieses ist auf der Website abrufbar: https://www.linz.at/frauen/4927.php  

Gewaltschutzzentrum

Das Gewaltschutzzentrum berät Opfer von häuslicher Gewalt bzw. Gewalt im sozialen Nahraum sowie Stalkingopfer. Es bietet psychosoziale und rechtliche Beratung an, im Falle eines Betretungs- und Annäherungsverbot, welches durch die Polizei ausgesprochen wird, werden die Opfer aktiv vom Gewaltschutzzentrum kontaktiert. Das 1997 eingeführte Gewaltschutzgesetz ermächtigt die Polizei, bei Gewalt in der Privatsphäre einzuschreiten, Gewalttäter aus Wohnungen wegzuweisen, deren Betreten und die Annährung zur gefährdeten Person zu verbieten. Das Gewaltschutzzentrum ist in ganz Oberösterreich tätig und ist unter +43 732 607760 oder per Mail unter ooe@gewaltschutzzentrum.at erreichbar.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger anlässlich der diesjährigen Verleihung des Frauenpreises der Stadt Linz)

Weitere Gesprächspartnerinnen:
Mag.a Eva Schuh, Geschäftsführerin Gewaltschutzzentrum
Maria Gruber, BA, Projektleiterin von „PERSPEKTIVE:ARBEIT“
Anna Hochreiter, Mitarbeiterin bei „PERSPEKTIVE:ARBEIT“ 
Mag.a Jutta Reisinger, Frauenbeauftragte der Stadt Linz 
 

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