Medienservice vom: 05.03.2021 |Downloads zum Medienservice

Zwölf Monate Corona-Pandemie in Linz – Eine Bilanz Cluster, Massentests, Impfungen: Herkules-Aufgaben im Wandel eines Jahres

  • Exzellente Zusammenarbeit mit Land, Rotem Kreuz, Arbeiter-Samariterbund, Polizei und Bundesheer
  • 10.000 Linzerinnen und Linzer im vergangenen Jahr mit Covid-19 infiziert
  • 101 Sitzungen des Krisenstabs, 25.000 Rechtsverfahren, 24.000 Tests für die Weihnachtsfeiertage
  • Bürgermeister Klaus Luger und Gesundheitsstadtrat Michael Raml ziehen Bilanz: „Faktenbasiertes Krisenmanagement der Stadt funktioniert sehr gut“

Der 26. Februar 2020 war jener Tag, an dem sehr vieles anders wurde: mit dem erstmaligen Auftreten von Covid-19 in einer Linzer Arztpraxis stellte die weltweite Pandemie die Weichen für das Zusammenleben auch in der Landeshauptstadt neu. Was heute – ein Jahr später – im Rahmen der „neuen Normalität“ alltäglich erscheint, war damals bestenfalls Zukunftsmusik: kostenlose und jederzeit verfügbare Antigen-Schnelltests, Impfstoffe, professionelles Contact Tracing oder etwa FFP2-Maskenpflicht und Abstandsregeln.

Rückblickend auf die vergangenen Monate lässt sich sagen, dass die Stadt Linz als Bezirksverwaltungsbehörde schnell und professionell auf Covid-19 reagiert hat. Während es in den ersten Monaten der Pandemiebekämpfung und im ersten Lockdown in erster Linie darum ging, das Leben in der Stadt weitestgehend am Laufen zu halten, brachte der Sommer des vergangenen Jahres eine relative Konsolidierung, allerdings auch erste, große Cluster. Ab Herbst 2020 stellten das massive Ansteigen der Fallzahlen und weitere (teilweise) Lockdown-Maßnahmen die Verwaltungsbehörden vor die Herausforderung, die Ressourcen des Gesundheitssystems durch Umsetzung praktikabler und wirkungsvoller Maßnahmen vor einer Überlastung zu bewahren. Die vergangenen Monate waren gekennzeichnet von organisatorischen Herkules-Aufgaben von Ländern und Gemeinden, wie etwa die von der Bundesregierung angeordneten Massentests, das Anlaufen der Impfaktivitäten oder den Ausbau flexibler und mobiler Testmöglichkeiten. Ohne der reibungslosen Kooperation mit Land Oberösterreich, Rotem Kreuz, Arbeiter-Samariterbund, Polizei und Bundesheer wäre das professionelle Krisenmanagement nicht umsetzbar gewesen.

Seit Ausbruch der Corona-Krise durchleben die Linzerinnen und Linzer darüber hinaus die schwerste Wirtschafts- und Arbeitsmarkt-Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs: Mit einer Arbeitslosenquote von elf Prozent sind heute um 60 Prozent mehr Menschen im Arbeitsmarktbezirk Linz ohne Job als noch vor einem Jahr. Mehr als 22.000 BürgerInnen befinden sich zudem in Kurzarbeit. Die Stadt Linz stellt mit dem „Pakt für Linz“ ein Investitionspaket im Umfang von 65 Millionen Euro entgegen, um die Auswirkungen der Krise durch gezielte Investitions-, Unterstützungs- und Fördermaßnahmen abzufedern.

Die Stadt und ihre Unternehmungen gewährleisteten zudem während aller Pandemie-Phasen alle wichtigen BürgerInnen- und Verwaltungs-Services, um der Bevölkerung und der Wirtschaft durchgehend als verlässliche Partnerin zur Verfügung zu stehen. Eine besondere Rolle kam hier der städtischen Kinderbetreuung zu, die durchgehend für alle Eltern, die auf eine Betreuung angewiesen sind, ein verlässliches und pädagogisch adäquates Angebot ermöglichte und somit wichtige Arbeitskräfte für die Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens während der Lockdowns freispielte.

„In den vergangenen Monaten sind etwa 10.300 Personen in Linz positiv auf Covid-19 getestet worden, was etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung von 208.000 Menschen entspricht. Die wichtigsten Indikatoren liegen trotz der Tatsache, dass Linz der größte Ballungsraum des Bundeslandes ist, über viele Monate hinweg unter dem Oberösterreich-Schnitt. Diese Werte bestätigen uns im Linzer Weg der Pandemiebekämpfung, nämlich anhand von faktenbasierten Entscheidungen Schritte zu setzen, welche dann konsequent und effektiv, aber gleichzeitig mit Augenmaß von den städtischen Behörden umgesetzt werden“, resümiert Bürgermeister und Bezirkshauptmann Klaus Luger.

„Natürlich haben wir als Stadt Linz und als Gesundheitsbehörde die Vorgaben der Bundesregierung eingehalten. Nur so ist gewährleistet, dass nicht alles im Chaos versinkt und das Leben der Menschen nicht noch weiter Schaden nimmt. Wir haben in unserem Entscheidungsbereich aber keine weiteren Beschränkungen, wie eine Maskenpflicht im Freien, verordnet. Als verantwortungsvoller Gesundheitsstadtrat der Landeshauptstadt habe ich aber auch kritisch aufgezeigt, wenn die Sinnhaftigkeit oder die Rechtmäßigkeit einzelner Maßnahmen massiv in Zweifel gezogen werden musste. Ich stehe in meiner Funktion weiter auf der Seite derer, die sich nicht nur um die beträchtlichen gesundheitlichen Auswirkungen von Corona Sorgen machen, sondern denen auch die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit und die Verhinderung eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs wichtig sind“, erklärt Gesundheitsstadtrat Michael Raml.

„Der Magistrat Linz hat in den Monaten der Krise unter Beweis gestellt, was alles möglich ist. So setzte die Stadtverwaltung nicht nur durch die rasche Einführung neuer Arbeits- und Organisationsformen wie Homeoffice oder remote abgehaltenen Meetings zu einem großen Digitalisierungssprung an. Es gelang darüber hinaus, diese Prozesse auch nachhaltig zu institutionalisieren und somit den Magistrat in seiner Rolle als modernste Stadtverwaltung Österreichs weiter zu entwickeln. Besonders stolz macht mich die große Flexibilität und Einsatzbereitschaft der städtischen Bediensteten. Diese wurde vor allem bei den kurzfristig zu organisierenden Massentestungen rund um Weihnachten sichtbar, als sich etwa 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über ihre eigentlichen Arbeitsaufgaben hinaus vorbildlich engagiert haben“, berichtet Magistratsdirektorin Mag.a Ulrike Huemer.

„Die vergangenen zwölf Monate stellten für die städtische Gesundheitsbehörde eine der größten Herausforderungen in ihrer Geschichte dar. Bei Auftreten des ersten Covid-Falls in Linz war lediglich eine halbe Vollzeit-Kollegin für epidemiologische Belange zuständig. Heute arbeiten in der eigens geschaffenen Abteilung ‚Epidemiologisches Prozess- und Datenmanagement‘ 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese Professionalisierung ermöglichte es auch, dass sogar in den Zeiten mit dem größten Infektionsgeschehen mehr als 60 Prozent der Linzer Covid-Fälle durch Kontaktpersonenmanagement rückverfolgt werden konnten“, erklärt Dr. Dietmar Nemeth, Direktor des Geschäftsbereiches Gesundheit und Sport.

Ein Jahr Corona in Linz – Zahlen, Daten, Fakten im Überblick:

Die Corona-Pandemie beeinflusst das Leben in der Landeshauptstatt nunmehr seit einem Jahr entscheidend. Aktuell sind in Linz 260 Personen mit Covid-19 infiziert, 351 Menschen sind als Kotaktperson der Kategorie 1 in behördlicher Absonderung. Insgesamt sind somit mit heutigem Tag (10 Uhr) 611 Linzerinnen und Linzer direkt oder indirekt vom Corona-Virus betroffen.

Seit Auftreten des ersten Falles von Covid-19 sind exakt 10.362 Linzerinnen und Linzer positiv auf das Coronavirus getestet worden, was fünf Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Etwa 30.000 Personen (14 Prozent) waren das Jahr über einmal in Quarantäne. 

Leider sind bislang auch 214 Menschen, die mit Covid-19 infiziert waren, gestorben. Zwar hat sich die Kurve der Todesfälle trotz grundsätzlich ansteigender Infektions-Tendenz seit Anfang Februar abgeflacht, was in erster Linie auf den hohen Durchimpfungsgrad von 80 Prozent in den Linzer Seniorenzentren (820 BewohnerInnen geimpft) sowie auf das Anlaufen der Impfungen für Über-80-Jährige, die außerhalb von Pflegeheimen leben, zurückzuführen ist. Bislang konnten etwa 6.000 Linzerinnen und Linzer dieser Gruppe im Neuen Rathaus mit einer Schutzimpfung versorgt werden. 

Die in den vergangenen Monaten praktizierte, faktenorientierte Strategie der Stadt Linz lässt sich mit den Schlagworten Testen – Tracen – Impfen beschreiben: 

  • Testen: Österreich testet weitaus mehr als die meisten anderen Staaten. Allein in Linz finden derzeit pro Tag etwa 5.000 Antigen-Tests (ohne so genannte „Nasenbohrer-Tests“ in Schulen) statt. Angesichts des hohen Testaufkommens waren die vergangenen Wochen stark von einer überraschend niedrigen Inzidenz von 0,03 Prozent geprägt. Die Erfahrung zeigt, dass vor allem Massentestungen, betriebliche Screenings sowie das so genannte „Freitesten“ durch „falsche positive Tests“ auch eine höhere Anzahl an Verdachtsfällen verursachen.
  • Tracen: Das 45 MitarbeiterInnen umfassende Contact-Tracing-Team im Geschäftsbereich Gesundheit und Sport verfolgt berufliche, soziale und familiäre Kontakte von Verdachtsfällen in detektivischer Arbeit zurück und rekonstruiert somit mögliche Ansteckungen. Die hohe Aufklärungsquote von etwa 80 Prozent der Verdachtsfälle liegt unter anderem darin begründet, dass das städtische Kontaktpersonenmanagement in sieben Sprachen tätig ist sowie an sieben Tagen pro Woche Dienst versieht. In dieser Abteilung wird auch die Corona-Hotline, die unter der Telefonnummer +43 732 7070 2630 erreichbar ist, betreut, Bescheide für Absonderungen in Auftrag gegeben und PCR-Tests angefordert. Darüber hinaus fällt auch die Cluster-Analyse in Betrieben, sozialen Einrichtungen und Schulen in diesen Verantwortungsbereich.
  • Impfen: Derzeit stellt der Geschäftsbereich Gesundheit und Sport die größte Covid-Impfstelle im Bundesland dar und ist aktiv in die Planungen des Landes Oberösterreich sowie des Roten Kreuzes für die Massenimpfungen ab März eingebunden. Um eine Durchimpfungsquote von 60 Prozent erreichen zu können, sind ab April in Linz noch mehr als 200.000 Impfungen (jeweils zwei Teilimpfungen) zu realisieren. 

Bezogen auf 100.000 EinwohnerInnen sind in Linz derzeit rund 126 Personen Covid-19-positiv. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Oberösterreich-Durchschnitt von 189,4. Generell lässt sich feststellen, dass der politische Bezirk Linz-Stadt im Vergleich mit den anderen oberösterreichischen Bezirken seit Monaten konstant im hinteren Feld liegt.

Krisenstab der Stadt Linz: 101 Lagebesprechungen und 25.500 Verfahren 

Seit Beginn der Covid-19-Krise trat der Krisenstab zu 101 Lagebesprechungen zusammen, wobei die einzelnen Funktionen von Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Geschäftsbereiche sowie von Einsatzorganisationen besetzt werden. Geleitet wird der Krisenstab von Bürgermeister und Bezirkshauptmann Klaus Luger, Gesundheitsstadtrat Michael Raml und Magistratsdirektorin Mag.a Ulrike Huemer. Ziel ist ein geschäftsbereichsübergreifendes, rasches Zusammenarbeiten ohne lange Dienstwege und Schnittstellen und eine adäquate Einschätzung der aktuellen Lage. In den Lagebesprechungen werden Entscheidungen getroffen, die daraufhin von den zuständigen Behörden und Organisationen umgesetzt werden. Darüber hinaus wurden Ende des Jahres eigene, so genannte „Planungszellen“ aus den Leitungsfunktionen verschiedener Geschäftsbereiche zusammen gesetzt. Sie treten zur Organisation von Massentests und Impfungen regelmäßig sowie auch bei Bedarf zusammen.

Allein die behördliche Einsatzleitung, welche durch hochrangige Expertinnen und Experten aus der Bau- und Bezirksverwaltung besetzt wird, arbeitete seit Beginn der Krise 519 komplexe Aufträge ab, die es zu klären galt. Dabei handelt es sich um Themen übergeordneter Bedeutung, wie rechtliche Prüfungen, Einholung von Rechtsauskünften oder die Veranlassung von Entscheidungen von Verwaltungsspitze oder Politik.

Hinzu kommen noch etwa 13.300 so genannte „Kurzerledigungen“ des Krisenstabs, etwa die Weiterleitung von relevanten Informationen bzw. Aufträgen an Politik, Verwaltung und zuständige Fachbereiche (beispielsweise Entschädigungsansprüche, Beschwerden zu Absonderungsbescheiden etc.).

Mit aktuellem Stand wurden insgesamt 25.500 Absonderungs-Verfahren („Quarantäne“) durchgeführt. Das umfasst etwa Absonderungsbescheide für Covid-Infizierte bzw. Kontaktpersonen der Kategorie 1 sowie Aufhebungen und Adaptierungen der Bescheide bei Gesundung oder nach Ablauf der Quarantänezeit.

Drei Phasen – viele Herausforderungen

Rückblickend kann festgestellt werden, dass das abgelaufene Jahr durch drei Phasen charakterisiert ist. Diese waren jeweils von unterschiedlichen Herausforderungen geprägt.
„Derzeit verzeichnen wir in Linz durchschnittlich etwa 30 neue Fälle täglich. Aktuell wären breiter angelegte Öffnungsschritte möglich, die durch breit angelegte Testungen sowie fortschreitende Impfungen abgesichert werden“, erklärt Bürgermeister Klaus Luger.

Phase 1: Februar bis Juni 2020

Mit dem erstmaligen Auftreten des Corona-Virus in Linz am 26. Februar 2020 betrat die städtische Gesundheitsbehörde absolutes Neuland. Zu diesem Zeitpunkt war die Epidemiologie in der Stadt Linz mit einer 20-Wochenstunden-Arbeitskraft ausgestattet gewesen. ReiserückkehrerInnen, vor allem aus den Skigebieten Tirols, aus Südtirol und Venedig sorgten in den ersten Wochen der Pandemie in Linz für den Anstieg der Fallzahlen. Mit der Verhängung des „Ersten Lockdowns“ durch die Bundesregierung von 16. März bis 1. Mai und schrittweise Lockerungen ab Ostern konnte das Infektionsgeschehen weitgehend unter Kontrolle gebracht werden.

Ende Juni sorgte der so genannte „Pfingstkirchen-Cluster“ für ein rapides Ansteigen der Infektionszahlen, was Linz kurzzeitig in das nationale Spitzenfeld katapultierte. In den ersten Juli-Tagen waren allein 45 von 71 aktiven Corona-Fällen auf diesen Cluster zurückzuführen, der insgesamt etwa 200 infizierte Personen umfasste.

„Bereits in dieser ersten Phase kristallisierte sich heraus, dass die Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich sowie mit dessen Krisenstab eine wichtige Achse in der städtischen Pandemiearbeit darstellt. So erfuhren die für die Umsetzung verantwortlichen Behörden die Ankündigungen zu geplanten Maßnahmen der Bundesregierung meist nur aus den Live-Übertragungen von Pressekonferenzen. Details zur Umsetzung und die dazugehörigen Erlässe ließen jedoch stets lange auf sich warten. So wussten wir als Bezirksverwaltungsbehörde in dieser Phase lange nicht, wie einzelne Abstandsregeln oder etwa gemeinsame Fahrten mehrerer Personen in Autos zu bewerten sind“, erinnert sich Bürgermeister Klaus Luger.

Phase 2: Juli bis November 2020

Wie in obenstehender Grafik ersichtlich, folgte über die Sommermonate eine merkliche Entspannung mit kontinuierlich rückläufigen Infektionszahlen. Im August verzeichnete die Landeshauptstadt sogar einstellige Werte. Wie von Virologen prognostiziert, kam es nach dem Sommerurlaub und in Verbindung mit dem Schulbeginn zu einem neuerlichen Anstieg der Infektionszahlen. Besonders kritisch stellte sich das Hereinbrechen der vielzitierten „zweiten Welle“ für die Ressourcen der Krankenhäuser dar. 

Bereits während der Sommer- und Herbstmonate bereitete sich die Stadt Linz im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf den von Experten prognostizierten Anstieg der Infektionen vor. So wurde rechtzeitig ein Personalpool, befüllt auch durch zahlreiche freiwillige Meldungen, geschaffen, über den je nach Epidemielage in der Gesundheits- und Bezirksverwaltungsbehörde verfügt werden konnte.

„Selbst in den kritischsten Monaten konnte dadurch gewährleistet werden, dass Betroffene ihre Absonderungsbescheide innerhalb von 24 Stunden ab dem Zeitpunkt ihrer Testung zugestellt bekommen haben und die Rückverfolgungsquote noch immer über 60 Prozent lag“, bilanziert Magistratsdirektorin Mag.a Ulrike Huemer.

„Diese rasche Professionalisierung war unter anderem dadurch möglich, weil Stadtregierung und Magistratsführung binnen kurzer Zeit 45 zusätzliche Contact-Tracerinnen und -Tracer zur Verfügung gestellt haben. Im November verzeichnete Österreich die höchsten Neuinfektionszahlen weltweit. In der Landeshauptstadt stieg die Anzahl der Erkrankten auf bis zu 1.600 Personen an. So mussten wir in Linz niemals auf Personal vom Bundesheer zum Contact Tracing zurückgreifen, sondern konnten stets bestens geschultes, erfahrenes Verwaltungspersonal einsetzen“, erklärt Dietmar Nemeth, Direktor des Geschäftsbereiches Gesundheit und Sport.

Phase 3: Dezember 2020 bis heute

Zwischen 17. November und 6. Dezember verfügte die Bundesregierung einen weiteren Lockdown („zweiter Lockdown“), der neben einer Ausgangssperre auch ein weitgehendes Verbot von Gastronomie und Veranstaltungen mit sich brachte. Ein „dritter Lockdown“ wurde zwischen 26. Dezember 2020 und 7. Februar 2021 ausgerufen. Neben diesen Maßnahmen folgte eine Reihe an freiwilligen Massentestungen der Bevölkerung in großen Teststraßen, die durch den Einsatz von bis zu diesem Zeitpunkt schwer verfügbaren Antigen-Schnelltests möglich geworden waren. So stellte die Stadt Linz bereits für die erste Massentestung zwischen 11. und 14. Dezember 75 Teststraßen zur Verfügung, wofür an die allein mehr als 620 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Magistrats zum Einsatz kamen. Aufgrund der Kurzzeitigkeit der Ankündigungen adaptierte der Magistrat Linz für die Anmeldungen und Abwicklung der Massentests ihr bestehendes IT-System, welches reibungslos funktionierte.

„Bundesländer und Gemeinden zählten zu den Leidtragenden der bundespolitischen Schnellschüsse. Bei den Massentestungen mussten wir als Stadt unter Aufbietung aller unserer Kräfte und quasi über Nacht versuchen, irgendwie das umzusetzen, was Bundeskanzler Kurz spontan in einem Fernsehinterview angekündigt hat“, betont Gesundheitsstadtrat Michael Raml.

In weiterer Folge stellte und betrieb die Stadt Linz auch vor und über die Weihnachtsfeiertage hinweg das Design Center als großen Teststandort. Mehr als 23.500 Antigen-Tests wurden zwischen 21. und 26. Dezember durchgeführt, wofür 210 Magistratsbedienstete eingesetzt worden sind. Bei diesen Tests konnten 84 positive Fälle erkannt und die entsprechenden Absonderungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Seit Ende Jänner stehen in Linz mehrere Dauer-Teststandorte zur Verfügung, die vom Land Oberösterreich betrieben werden. Anmeldungen sind unter www.oesterreich-testet.at möglich.

In diese dritte Phase fällt auch der Beginn der Corona-Schutzimpfungen, welche Anfang des Jahres in den städtischen Seniorenzentren erstmals durchgeführt wurden (siehe folgender Abschnitt „Meilensteine und Herausforderungen für die Stadt Linz“). Besonders die Impfungen der älteren Bevölkerungsgruppe zeigen großen Erfolg: derzeit gibt es keine Cluster und keinen einzigen Covid-19-Fall unter den BewohnerInnen der städtischen Seniorenzentren. In der laufenden und der kommenden Woche werden wiederum 2.000 Über-80-Jährige geimpft, bis Ende des Monats sollen insgesamt 6.000 Personen mit beiden Teilimpfungen versehen sein.

„Trotz eines gleichmäßigen Ansteigens der Infektionszahlen, das sich unter anderem in einem Cluster in der Volksschule Karlhofschule mit neun erkrankten Schülerinnen und Schülern sowie drei Pädagoginnen und Pädagogen niederschlägt, ist die Situation in Linz derzeit unter Kontrolle. Die Bundesinstitutionen beobachten die Ausbreitung der Virusmutationen, welche in unserem Nachbarland Tschechien bereits jede zweite Infektion ausmachen. In Linz sind derzeit etwas mehr als 20 Fälle dieser Mutation bekannt“, resümiert Bürgermeister Klaus Luger.

Raml fordert ein Ende des Dauer-Lockdowns, von dessen Einhaltung und Wirkung selbst der Bundeskanzler nicht mehr überzeugt zu sein scheint: „Ich bin eindeutig für die Öffnung aller Lebensbereiche mit erfüllbaren Hygienekonzepten und Hausverstand. Das ständige Schielen auf Infiziertenzahlen kann nicht die Lösung sein. Ich bin davon überzeugt, dass auch die Bundesregierung am Ende des Tages einsehen wird müssen, dass es, so wie bei anderen Viruserkrankungen, auch bei Corona die Fallzahl ‚Null‘ nicht geben wird. Zahlreiche Linzer Hausärzte haben mir in den letzten Monaten massiv steigende andere Krankheiten – etwa schwere Depressionen oder schwere Verläufe bei Herzinfarkten – geschildert. Die menschliche Gesundheit muss gesamtheitlich gesehen werden und darf sich über einen so langen Zeitraum nicht auf eine einzige Krankheit konzentrieren.“

Ein Jahr im Bann der Pandemie – Meilensteine und Herausforderungen für die Stadt Linz

Nunmehr ein Jahr arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Linz bereits im Krisenmodus. Der Magistrat hält dabei stets die Services aller Geschäftsbereiche aufrecht. Der städtische Krisenstab blickt auf zahlreiche Meilensteine, Hürden und sehr professionelles Krisenmanagement zurück:

„Musterschüler“ Contact Tracing

Sehr früh setzte die Stadt auf ein eigenes Contact-Tracing-System, das mit einer hohen Trefferquote acht von zehn Fällen zu 100 Prozent aufklärt. Erfolgreiches Contact Tracing ist bis heute mit ausschlaggebend für die in Relation gute Situation in Linz. Das Infektionsgeschehen kann damit stets professionell und rasch nachverfolgt werden. Die Contact TracerInnen arbeiten im Schichtdienst, auch an Feiertagen und Wochenenden. Zu Spitzenzeiten der zweiten Welle im Herbst wurde darüber hinaus – ergänzend zum städtischen Teleservice-Center – eine eigene Corona-Hotline eingerichtet, um BürgerInnen-Angelegenheiten direkt und rascher bearbeiten zu können und das Team des Contact Tracings proaktiv zu entlasten.

Sinnlose Corona-Ampel

Für ein bundesweites Medienecho sorgte im September die gemeinsame Entscheidung von Bürgermeister Klaus Luger und Gesundheitsreferent Michael Raml in Abstimmung mit dem städtischen Krisenstab und dem Land Oberösterreich, die unverbindlichen Empfehlungen der Bundesregierung betreffend der Corona-Ampel nicht umzusetzen. Trotz rückläufiger Zahlen und professionellen Contact Tracings stufte die Corona-Kommission des Bundes kurz nach der Einführung der Corona-Ampel neben Wien, Graz und dem Bezirk Kufstein auch die Landeshauptstadt als „gelb“ ein. „Die österreichische Bundesregierung handelt hier bis heute nicht faktenbezogen, sondern rein willkürlich“, kritisierte das Linzer Stadtoberhaupt und verzichtete auf weitere regionale Verschärfungen.

Umgang mit Demonstrationen

Mit Ausbruch der Pandemie demonstrierten im ganzen Land Maßnahmenkritiker und Corona-Leugner gegen die Verordnungen der Bundesregierung, so auch in der Landeshauptstadt. Die Stadt Linz setzte dabei auf konsequente Arbeit und eine intensive Kooperation mit allen beteiligten Behörden. Besonders hebt Bürgermeister Klaus Luger die hervorragende Zusammenarbeit des Magistrats mit dem Linzer Stadtpolizeikommando hervor. Wegen mehrfacher Verstöße gegen die geltenden Abstandsregeln sowie die Nicht-Einhaltung der MNS-Pflicht bei größeren Menschenansammlungen hat die Gesundheitsbehörde der Stadt Linz bisher drei Demonstrationen untersagt. Kurzfristig angemeldete Demonstrationen werden jeweils im Einzelfall und unter Berücksichtigung der epidemiologischen Lage von Polizei und Gesundheitsbehörde individuell beurteilt. 

Betretungsverbote von Lokalen

Behördliche Aufgaben wickelt die städtische Bezirksverwaltungsbehörde ab, dazu zählen auch Betretungsverbote von Lokalen. Die lückenlose Kontrolltätigkeit zur Einhaltung der Covid-Verordnungen von Polizei und dem städtischen Erhebungsdienst in der Gastronomie hat bisher zu vier Lokalschließungen geführt, wobei über ein Lokal gleich zwei Mal ein behördliches Betretungsverbot verhängt wurde. „Die Stadt Linz hat großes Verständnis für die wirtschaftlichen Sorgen von Gastronomen, die ebenso wie der Handel und viele andere Dienstleister von der Pandemie schwer getroffen sind. Es gibt jedoch keine Toleranz gegenüber einzelnen Betreiberinnen und Betreibern, die sich über geltende Gesetze hinwegsetzen und somit das gemeinsame Ziel einer Eindämmung der Covid-19-Pandemie gefährden“, begründete Bürgermeister und Bezirkshauptmann Luger das konsequente Vorgehen. Aufgrund des Pfingstkirchen-Clusters kam es im Sommer auch zur behördlichen Schließung des betroffenen Gebäudes.

Herkules-Aufgabe „Massentests“

Als die Bundesregierung im Dezember flächendeckende Massentests ausrief, organisierte die Stadt kurzerhand in Kooperation mit dem Land Oberösterreich, den Einsatzorganisationen, dem Bundesheer und freiwilligen HelferInnen Teststraßen im gesamten Stadtgebiet sowie ein eigenes IT-Anmeldesystem und stellte so einen geordneten Ablauf der Massentests sicher. Die Stadt Linz selbst hatte etwa 620 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz, um den organisatorischen Ablauf zu gewährleisten. Alleine bei den freiwilligen „Weihnachts-Testungen“ zwischen 21. und 26. Dezember wurden mehr als 23.000 Tests an 15 Teststraßen im gesamten Stadtgebiet abgenommen und ermöglichten sichere und sorgenfreie Feiertage ohne erneute Cluster-Bildungen.

Corona-Testbus der Stadt Linz

Seit 23. Februar steht den LinzerInnen neben fixen Teststraßen ein mobiler Corona-Testbus zur Verfügung, der kostenlose Antigen-Schnelltests im gesamten Stadtgebiet ermöglicht. Der eigens umgebaute Bus der LINZ AG wird von einem Team des Arbeiter-Samariterbundes und des Magistrats betrieben. Pro Tag steuert dieser drei Haltestellen im gesamten Stadtgebiet an, die jeweils etwas weiter von stationären Testeinrichtungen entfernt liegen. Damit wird besonders Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit eines unkomplizierten und planbaren Covid-19-Tests gegeben, wie er etwa für Friseurbesuche erforderlich ist. Erst diese Woche wurde, wie berichtet, der Haltestellenplan um die Haltestelle am oberen Froschberg erweitert. Bis einschließlich Mittwoch dieser Woche nahmen 1.856 Personen dieses Angebot in Anspruch.

Impfungen

Im Zuge der Impfstrategie des Bundes wurden bisher in der Landeshauptstadt schwerpunktmäßig in Alten- und Pflegeheimen lebende und arbeitende Menschen, Über-80-Jährige außerhalb einer Heimstruktur und Personal im Gesundheitswesen immunisiert. Knapp 5.000 Über-80-Jährige LinzerInnen sind bereits geimpft, etwa 45 Prozent der Covid-19-Schutzimpfungen wurden in der städtischen Gesundheitsbehörde im Neuen Rathaus abgewickelt. Ein erster Erfolg ist bereits messbar: Alle Seniorenzentren der Stadt Linz weisen derzeit keine Corona-Fälle unter den BewohnerInnen und in weiterer Folge auch keine Cluster-Bildungen auf.

Digitale Angebote der Stadt Linz erweitert

Auf Verwaltungsebene stellte die Stadt Linz auch während der gesamten Krise alle wichtigen Services für die Bürgerinnen und Bürger sicher. In kürzester Zeit wurden die Online-Angebote der städtischen Services erweitert, dabei ist die Stadt Linz neue und richtungsweisende Wege bei der Digitalisierung ihrer Aufgaben gegangen. So wurde unter anderem ein eigener Corona-Bot installiert, der BürgerInnen Auskunft zu wichtigen Fragen in der ersten Pandemie-Phase gab. Auch das städtische Anmeldesystem wurde auf die Bedürfnisse der Massentestungen hin adaptiert, was einen reibungslosen Ablauf gewährleistete. Während der Lockdowns wurden sämtliche wichtige Leistungen für die Linzer Bürgerinnen und Bürger durchgehend angeboten. Die Personalplanung in der Linzer Stadtverwaltung erfolgte nach der Devise „Homeoffice first“ für alle Dienststellen, wo dies möglich war, mit dem Ziel, Kontaktmöglichkeiten und eine Weitergabe des Virus größtmöglich einzuschränken.

„Die dafür notwendige technische Infrastruktur haben wir im Frühjahr 2020 relativ zeitig geschaffen und seither laufend adaptiert. Somit konnten stets sämtliche Verwaltungsleistungen weitestgehend ohne Qualitätsverlust angeboten werden. In Bereichen, wo Anwesenheit unbedingt erforderlich war, wurde zudem auf strikte Wechseldienste gesetzt, um die Möglichkeit von Ansteckungen am Arbeitsplatz durch physische Kontakte bestmöglich einzuschränken“, blickt Magistratsdirektorin Mag.a Ulrike Huemer auf die Vorkehrungen der Stadt Linz zurück.

Gesicherte Kinderbetreuung entlastet Familien

Die Aufrechterhaltung der Kinderbetreuung in den städtischen Krabbelstuben, Kindergärten und Horten wurde von der Stadt Linz als eines der obersten Anliegen im Krisenmanagement stets forciert. Trotz Lockdown und Corona-Beschränkungen hielten die Betreuungseinrichtungen durchgehend offen, um die Eltern in schwierigen Zeiten zu unterstützen. Hohe Besuchszahlen haben gezeigt, dass die Eltern dieses Angebot entsprechend benötigt haben. 

Soforthilfen in Krisenzeiten

Die Stadt Linz unterstützt die Bürgerinnen und Bürger auch über klassische Verwaltungsdienstleistungen hinaus, so kann die Bevölkerung auch während der Corona-Krise auf das dichte soziale Netz der Stadt Linz vertrauen. Das verdeutlichen die Maßnahmen, die von der Stadt Linz getroffen wurden, etwa dem Solidaritätsfonds, dem Härtefonds oder dem Aufbau der Nachbarschaftshilfe, für Menschen die in Zeiten des Lockdowns nicht mobil sind und Hilfe benötigen (www.innvationshauptplatz.linz.at).

„Die Parteien in der Stadtregierung haben dabei von Beginn an kooperiert. Gemeinsam wurde der 65 Millionen Euro umfassende „Pakt für Linz“ ins Leben gerufen. So konnte bereits am ersten Tag des ersten Lockdowns im März der Verzicht auf Miet- und Pachteinnahmen verkündet werden – eine wichtige Soforthilfe für Wirtschaftstreibende in Linz“, betont Bürgermeister Klaus Luger.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Bürgermeister Klaus Luger und Stadtrat Michael Raml zum Thema „Zwölf Monate Corona-Pandemie in Linz – Eine Bilanz“)

Weitere GesprächspartnerInnen:
Mag.a Ulrike Huemer, Magistratsdirektorin
Dr. Dietmar Nemeth, Direktor Geschäftsbereich Gesundheit und Sport
 

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