Medienservice vom: 07.04.2021 |Downloads zum Medienservice

Lebensqualität für die Zukunft sichern Klimawandelanpassungskonzept für Linz

Die Auswirkungen des menschengemachten und weiter befeuerten Klimawandels sind, besonders in den letzten Jahren, in Linz deutlich spürbar geworden. Hitzetage (Tagesmaximaltemperatur über 30 °C) und Tropennächte (Mindesttemperatur in der Nacht fällt nicht unter 20 °C) werden mehr, die Dauer und Häufigkeit von Hitzewellen nimmt zu, genauso wie Wetterextreme insgesamt. Werden weiter Treibhausgase uneingeschränkt in die Atmosphäre ausgestoßen, so wird in Oberösterreich bis zum Ende des Jahrhunderts die mittlere Temperatur um etwa 4 °C ansteigen. Linz ist von diesem Anstieg durch die Beckenlage und den städtischen Hitzeinseleffekt noch stärker betroffen. Deshalb muss auf allen Ebenen gegengesteuert werden. Es braucht aktive Klimaschutzmaßnahmen, um die Pariser Klimaziele zu erreichen und um die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Dennoch sind wir bereits jetzt mit nicht mehr abwendbaren Auswirkungen konfrontiert. Ein Klimawandelanpassungskonzept soll den Umgang mit diesen Auswirkungen als integrierten und strategischen Bestandteil in der Stadtverwaltung verankern und nachteilige Auswirkungen des Klimawandels auf uns Menschen, die Umwelt und Wirtschaft so gering als möglich zu halten. 

„Die Stadt Linz muss zum einen in den lokalen Klimaschutz investieren, um so einen Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise zu leisten. Die Klimakrise darf nicht zur Klimakatastrophe werden! Dazu müssen wir es perspektivisch schaffen, die Treibhausgasemissionen auf Netto-Null zu reduzieren. Zum anderen müssen wir die Stadt und unser Leben in der Stadt an die bereits jetzt nicht mehr abwendbaren Folgen der Klimakrise – wie zum Beispiel die steigende Hitzebelastung – anpassen.  Es geht um nichts anderes, als um die Frage, wie unsere Stadt angesichts der Erhitzung unseres Planeten auch in Zukunft lebenswert bleibt“, betont Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger. 

Veränderung des Stadtklimas 

Bereits in den letzten sechs Jahren lagen die Jahresmitteltemperaturen für Linz viermal mehr als 2 °C über dem langjährigen Mittel von 1970-2000. Seit 1997 war jedes Jahr wärmer als das langjährige Mittel, insbesondere 2018 nimmt dabei einen Spitzenplatz ein. Die neunzehn wärmsten der letzten 200 Jahre liegen alle in der näheren Vergangenheit und fallen in die Zeit nach 1990. Die vier heißesten Jahre erfuhr die Stadt in den letzten sieben Jahren.

Die Erhitzung des Linzer Klimas in Streifen – je intensiver die rote Färbung, desto wärmer war ein Jahr, je dunkler der Blauton, desto kühler war es. Unten: Abweichung der mittleren Temperatur eines Jahres von der langjährigen mittleren Jahrestemperatur von 1971-2000.Die Erhitzung des Linzer Klimas in Streifen – je intensiver die rote Färbung, desto wärmer war ein Jahr, je dunkler der Blauton, desto kühler war es. Unten: Abweichung der mittleren Temperatur eines Jahres von der langjährigen mittleren Jahrestemperatur von 1971-2000.

Konkret zeigen Modellrechnungen – abhängig vom zugrundeliegenden Szenario für den Treibhausgasausstoß – jedenfalls einen Anstieg der Temperaturen und unter anderem eine damit einhergehende Zunahme von Hitzetagen und Tropennächten. Deren Anzahl variiert über das Stadtgebiet von Linz hinweg, wird aber von acht (Mittel 1971-2000) entsprechend der Prognosen für das Business as Usual Treibhausgasszenario (der Pfad auf dem sich die Menscheit gerade befindet) auf 30 bis Ende des Jahrhunderts zunehmen, wobei für stärker hitzebelastete Gebiete in Linz bis zu 60 Hitzetage im Jahr erwartbar sind. Ein ähnliches Bild zeigt sich für die Tropennächte – hier ist ein Anstieg von ca. drei (Mittel 1971-2000) auf 25 bis 2100 zu erwarten, mit einem Maximum von 40 in Teilen der Stadt. Über die zukünftige Entwicklung der Stadt wurde in den Prognosen jedoch keine Annahme getroffen und der aktuelle Stand als Basis verwendet. Eine nicht anpassungsorientierte Stadtentwicklung kann die Situation also verschärfen.

Klimawandelanpassungskonzept 

Es bedarf daher entsprechender Maßnahmen, um einem Verlust der Lebensqualität in Linz entgegenzutreten. Aspekte wie Hitze-Inseln, die Gewährleistung einer guten Durchlüftung der Stadt, Starkregenereignisse, Gesundheit und der thermische Komfort im Sommer müssen daher durch enge Zusammenarbeit vieler Bereiche der Stadt, wie Stadtplanung, Verwaltung, Daseinsvorsorge und in Form von Kommunikation mit BürgerInnen in Zukunft viel stärker berücksichtigt werden. Im Dezember hat der Gemeinderat deshalb die Entwicklung eines Klimawandelanpassungskonzeptes beschlossen. 

Die Zutaten welche die Stadt und ihre Bevölkerung in Hitzephasen entlasten oder Starkregenereignissen abfedern sind nicht neu: Bäume entfalten eine kühlende Wirkung und spenden Schatten; begrünte Fassaden und Dächer leisten einen Beitrag zur Kühlung und reduzieren die Aufheizung von Gebäuden; unversiegelte Flächen erlauben das Versickern von Regenwasser und entlasten so städtische Abwassersysteme um Überflutungen vorzubeugen; Grünflächen, Parks, Wälder, Flüsse und Seen dienen der Bevölkerung im Sommer als Rückzugsräume und bewaldete Hänge produzieren in der Nacht Kaltluft die kühlend auf die Stadt einwirkt.

Ein Klimawandelanpassungskonzept soll den Umgang mit dem Klimawandel als integrierten und strategischen Bestandteil in der Stadtverwaltung und -entwicklung verankern und nachteilige Auswirkungen des Klimawandels auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft vermeiden. Es soll die bekannten Zutaten nicht als Einzelmaßnahmen begreifen, sondern im Hinblick auf die Linderung der Auswirkungen des Klimawandels effizient und gezielt einsetzen. Zusätzlich soll aber auch aufgezeigt werden, wie sich ergebende Chancen genutzt werden können. Ein Anpassungskonzept dient damit als Entscheidungshilfe und Planungsgrundlage und gibt dazu einen Überblick über die erwarteten Auswirkungen von Klimafolgen im Stadtgebiet von Linz auf Grundlage von wissenschaftlichen Prognosen. 

Vulnerabilitätsanalysen für Stadtteile notwendig 

Auf Basis der finalen Ergebnisse der Stadtklimaanalysen werden in einem nächsten Schritt Vulnerabilitätsanalysen für die Stadtteile erfolgen. Durch die Identifikation von besonders von den Klimawandelfolgen betroffenen und verwundbaren Gebieten im Stadtgebiet ermöglicht das Anpassungskonzept schließlich die zielgerichtete Erarbeitung von konkreten Anpassungsprojekten und erlaubt eine Priorisierung derselben auf Basis verschiedener Kriterien. Kriterien sind zum Beispiel die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Klimafolge, das Ausmaß der Betroffenheit von der Auswirkung, oder die Effizienz mit der eine Anpassungsmaßnahme die Klimafolgen lindert und die damit verbundenen Kosten. Auch die Zusammenführung der Ergebnisse der Stadtklimaanalyse Linz mit Bevölkerungsdaten (z.B. Alter, Bevölkerungsdichte) wird eine wichtige Grundlage für Priorisierungen sein. Aus einer umfassenden Zusammenschau sollen zusätzlich Synergien zu bestehenden städtischen Maßnahmen oder Strategien genützt werden und Zielkonflikte frühzeitig identifiziert werden.

Beispiel: Entwurf für eine Priorisierung bei der Begrünung und Beschattung von Haltestellen 
In der Klima-Sondersitzung des Stadtsenats im März 2020 wurde unter anderem beschlossen, die Begrünung und Beschattung der Haltstellen für den öffentlichen Nahverkehr in die Wege zu leiten. Um hier zielgerichtet vorzugehen, muss eine Priorisierung anhand verschiedener Parameter stattfinden. Beispielsweise könnten Haltestellen, die in städtischen Hitzeinseln liegen, im Sommer einen Großteil des Tages der Sonne ausgesetzt sind und nahe an oder in Stadtteilen mit hoher Bevölkerungsdichte liegen, eine prioritäre Behandlung erfahren. Aber auch wie stark eine Haltestelle frequentiert wird oder ob in der Umgebung besonders große Anteile an vulnerablen Bevölkerungsgruppen (unter 6 Jahre oder über 64 Jahre) leben können Kriterien für eine Priorisierung sein.

Aufbau eines meteorologischen Messnetzes

Um auch kleinräumige Situationsanalysen vornehmen zu können, wird die Verfügbarkeit von lokalen Daten bei der Bekämpfung der Klimakrise eine immer wichtigere Rolle spielen. Deshalb wird der Aufbau eines städtischen Messnetzes, das die bestehenden Messstationen der ZAMG und des Landes ergänzt, eine wichtige Maßnahme im Zuge der Klimawandelanpassung sein.

Fahrplan Klimawandelanpassungskonzept

Die Erarbeitung des Klimawandelanpassungskonzepts soll in Etappen und in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit allen Geschäftsbereichen, der UGL, verschiedenen Stakeholdern und den LinzerInnen erfolgen. Aus heutiger Sicht wird folgender Fahrplan angestrebt: 

  • Dezember 2020: Grundsatzbeschluss des Gemeinderats zur Entwicklung eines Klimawandelanpassungskonzeptes
  • Frühjahr 2021: Zusammenschau der derzeit verfügbaren Daten und Review verschiedener Anpassungsstrategien von Städten weltweit  
  • Mai 2021: Ergebnisse der Stadtklimaanalyse liegen vor 
  • Juli 2021: Dem Gemeinderat wird über erste Ergebnisse, Maßnahmen und über den weiteren Fahrplan zum Klimawandelanpassungskonzept berichtet  
  • Mitte 2022: Beschluss des Klimawandelanpassungskonzeptes durch den Gemeinderat 

Klimaschutz und Klimawandelanpassung 

Klimaschutz hat das Ziel die menschliche Emission von Treibhausgasen letztlich auf Netto-Null zu reduzieren, um den dadurch bedingten Klimawandel zu stoppen. Dennoch gibt es bereits Folgen des Klimawandels, die nicht mehr abwendbar sind, wie zum Beispiel längere Trockenperioden, mehr Tropennächte oder steigende Hitze in Städten. Klimawandelanpassung verfolgt das Ziel, die bereits realisierten und zukünftig erwartbaren Auswirkungen des Klimawandels zu lindern, damit speziell unsere Städte auch künftig lebenswert bleiben. Anpassungsmaßnahmen dürfen hierbei nicht im Widerspruch zum Klimaschutz stehen.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger zum Thema „Klimawandelanpassungskonzept für Linz“)

Weiterer Gesprächspartner
Mag. Johannes Horak, Stadtklimatologe 

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