Medienservice vom: 28.04.2021 |Downloads zum Medienservice

Sozialarbeit im Kindergarten bewährt sich im Praxistest 125 Kinder und deren Familien wurden von der innovativen städtischen Dienstleistung unterstützt

Sozialarbeit vor Ort kann einen wichtigen Beitrag zur sozialen und ganzheitlichen Entwicklung der Kinder leisten und bietet Unterstützung und Hilfe für KindergartenpädagogInnen, Eltern und Kinder an. In Linz gibt es dieses familienunterstützende Angebot seit dem Jahr 2017.

Konkret sind derzeit vier Expertinnen und Experten in sechs Kindergärten in den Stadtteilen Auwiesen, grüne Mitte, Franckviertel, Ebelsberg, Kleinmünchen sowie im Neustadtviertel im Einsatz. Die SozialarbeiterInnen sind zusätzlich in den Bereichen Psychotherapie, Pädagogik, Menschenrechte und Gesundheit qualifiziert und spezialisiert.

Das Angebot wird sehr gut angenommen. Im Kindergartenjahr 2019/2020 betreute die Kindergartensozialarbeit (KiSA) 125 Kinder und deren Familien. Um die positiven Aspekte herauszuarbeiten als auch mögliche Problemfelder zu erkennen, wurde die städtische Kindergartensozialarbeit vor kurzem evaluiert.

„Eltern und Kinder haben durch den Einsatz von Sozialarbeit in ihren Kindergärten eine zusätzliche Ansprechperson. Die Erfahrungen aus der Schulsozialarbeit zeigen die Wichtigkeit dieses Angebotes. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass diese Unterstützung auch in den Linzer Kindergärten zur Verfügung steht. Schwierigkeiten und Probleme können frühzeitig erkannt und professionell bearbeitet werden. Die Kindergärten werden so zu einem Teil des sozialen Frühwarnsystems“, betont Familienreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

Ausgangssituation

Die Gründe für den Einsatz von Sozialarbeit in Bildungseinrichtungen sind vielfältig, beispielsweise:

  • Erziehungsfragen oder -überforderung  
  • Scheidung, Trennung oder Obsorgestreitigkeiten 
  • Ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse 
  • Verhaltensauffälligkeit 
  • Verweigerung des Kindergartenbesuches 
  • Unterstützung der Integration bei Familien mit Migrationshintergrund  
  • Vernachlässigung des Kindes 
  • Gewalt in der Familie 
  • Todesfall oder schwere Erkrankung in der Familie
  • Psychische Erkrankung einer Erziehungsperson 
  • Alkohol- oder Suchtmittelmissbrauch einer Erziehungsperson

Vorteile für alle Beteiligten

Viele Faktoren sprechen für einen Einsatz von Sozialarbeit in Kindergärten. Kinder, Eltern und Erziehungsberechtigte erhalten eine kompetente Ansprechperson in sozialen Angelegenheiten vor Ort. Es kann eine Vermittlung an spezialisierte Beratungsstellen erfolgen. Außerdem erhalten Kindergartenpädagoginnen und –pädagogen Unterstützung bei der Vorbereitung schwieriger Elterngespräche und bei der Einschätzung sozialer Fragen.

Die Kindergärten selbst werden Teil eines sozialen Frühwarnsystems. Die Kindergartensozialarbeit profitiert vom vorangegangenen Beziehungsaufbau zu den Kindern sowie den bestehenden Kontakten zu den Eltern und bildet damit eine wichtige Überleitung vom Kindergarten zur Schule.

Wertvolle Leistungen

Die Kindergartensozialarbeit erbringt wertvolle Leistungen, beispielsweise:

  • Anamnese 
  • Beobachtung des Kindes in der Gruppe, Verhaltensbeobachtung (Spielverhalten, Umgang mit anderen, Umgang mit Konfliktsituationen, Sprachentwicklung etc.
  • Elterngespräche 
  • Einsatz der neuen methodischen Erkenntnisse aus Gesprächsführung sowie Konfliktmanagement 
  • Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kindergartens  
  • Persönliche Kontakte zum Kind 
  • Entwicklung eines Betreuungsplans  
  • Erziehungsberatung 
  • Einhaltung der Standards der Kinder- und Jugendhilfe in Oberösterreich 
  • Fachlicher Austausch und Vernetzung mit anderen Fachkräften (Ärztin/Arzt, Sprachtrainerin/Sprachtrainer, Logopädin/Logopäde usw.)  
  • Vermittlung zu und Vernetzung mit externen Kooperationspartnerinnen und -partnern wie Familienberatungsstellen, sonstige spezialisierte Beratungsstellen, Krankenhäuser etc. 
  • Sicherung der Qualität durch regelmäßige Inter- und Supervision sowie Dokumentation und Evaluation. 
  • Schulung des pädagogischen Personals in Gesprächsführung zur Förderung einer gelingenden Erziehungspartnerschaft mit den Eltern

Ziele der Kindergartensozialarbeit

Vorrangiges Ziel der Kindergartensozialarbeit ist die Förderung einer positiven Gestaltung der familiären Rahmenbedingungen zur Sicherung einer gedeihlichen Kindesentwicklung. Außerdem steht die vertrauensvolle Zusammenarbeit vor Ort, auch in der Form aufsuchender Sozialarbeit, im Fokus.

Weiters wird der Aufbau von Vernetzungsangeboten mit den bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten im psychosozialen, pädagogischen und gesundheitlichen Bereich angestrebt. Auch die Förderung von sozialen Kontakten im Sinne einer am Gemeinwesen orientierten Sozialarbeit ist ein Ziel der Kindergartensozialarbeit. Die Entwicklung und Einführung neuer innovativer Ansätze zur Förderung der Kindesentwicklung sowie die Unterstützung des pädagogischen Alltags im Kindergarten sollen in diesem Zusammenhang ebenfalls angeführt werden.

Evaluierung der Kindergartensozialarbeit

In den betreuten Kindergärten kommt die Kindergartensozialarbeit zirka 800 Kindern zu Gute. Um die positiven Aspekte herauszuarbeiten als auch mögliche Problemfelder zu erkennen und in weiterer Folge lösen zu können, wurde die städtische Kindergartensozialarbeit vor kurzem im Rahmen einer Masterarbeit evaluiert. 139 Fragebögen wurden an 86 PädagogInnen, LeiterInnen und FrüherzieherInnen, 41 pädagogische Hilfskräfte, 7 SprachtrainerInnen sowie 5 Stützkräfte verteilt. Insgesamt 21 Fragen wurden gestellt. Die Rücklaufquote beträgt 67 Prozent (93 Fragebögen).

Belastungen für Betreuungspersonal

Die Themen sind sehr vielschichtig. Die vom Betreuungspersonal wahrgenommenen Belastungen lassen sich in vier Themenfelder gliedern:

Als größte Belastung wird Zeitmangel angegeben. Dicht gefolgt von Personalwechsel und Lautstärke. Auch die Verhaltensauffälligkeit der Kinder ist ein oft genanntes Thema.

Unterstützung von Dritten notwendig

Wenn das befragte Betreuungspersonal Unterstützung benötigt, wendet es sich in einem Drittel aller Fälle an die Leitung, zu 26 Prozent an das private Umfeld und zu 22 Prozent an die vier SozialarbeiterInnen der Kindergartensozialarbeit.

Jede zweite Betreuungskraft hat bei konkreten Anlassfällen Kontakt zu KindergartensozialarbeiterInnen, bei informellen Gesprächen sind es 24 Prozent. Dabei nützen 48 Prozent das Angebot der KiSA jede Woche und 15 Prozent nie.

Die häufigsten Anliegen an KiSA im Jahr 2019/2020 waren:

Klare Nummer eins war Erziehungsüberforderung, gefolgt von Verhaltensauffälligkeit sowie Entwicklungsrückstand/-auffälligkeiten. Auch die Scheidung bzw. Trennung der Eltern sowie Belastung der PädagogInnen sind wichtige Themen.

Wirkung der KiSA

Die befragten Betreuungskräfte sehen in der KiSA eine Unterstützung, die sich auf ihre tägliche Arbeit überwiegend positiv auswirkt. Die Erwartungen an die Kindergartensozialarbeit werden zu 91 Prozent erfüllt. Die KiSA wird in neun von zehn Fällen als „hilfreich“ bewertet und kann konkret „weiterhelfen“.

Der Aussage, „nimmt sich ausreichend Zeit für die Anliegen“ stimmen 68 Prozent zu. Auch die Unterstützung für die Eltern der betreuten Kinder wird mit 62 Prozent hoch bewertet.

Nur in 35 Prozent bedarf es einer Weitervermittlung an andere Hilfsangebote. Der Großteil des Bedarfs kann durch die SozialarbeiterInnen abgedeckt werden.

Einige Praxisbeispiele

  • Einer Mutter fällt es schwer konsequent zu sein und nein zu sagen, besonders beim Thema Essen und Fernsehen. Das Kind hat bereits im Kindergarten deutliches Übergewicht und sitzt mehrere Stunden pro Tag vor dem Fernseher.
  • Ein Vater hat Schwierigkeiten in der „Bringsituation“ sein Kind loszulassen, die Verabschiedung dauert sehr lange. Das ist für Vater und Kind eine Belastung, die sich auch in der Gruppe bemerkbar macht. Dem Kind fällt es schwer, sich zu integrieren und es ist oft bis Mittag traurig.
  • Geschwisterkinder streiten häufig, die Eltern wissen nicht wie sie damit umgehen sollen. Die Mutter neigt dazu laut zu werden, merkt aber, dass dies die Situation nur verschlimmert.
  • Ein Kind kann sich im Kindergarten an keine Regeln halten, kann nicht ruhig sitzen und hat eine sehr niedrige Frustrationstoleranz.
  • Eltern sind erschöpft. Es gibt Belastungen im familiären Bereich, die sich auch auf das Verhalten des Kindes auswirken (Paarkonflikte, Trennung, angespannte finanzielle Situation)

In allen Fällen versucht die Kindergartensozialarbeit mit den Beteiligten zu sprechen, um sich ein umfassendes Bild zu machen. Kindergartensozialarbeit hört zu, ohne zu werten, die Sorgen werden benannt und ernstgenommen, um in weiterer Folge gemeinsam Handlungsalternativen zu finden. Dazu gehört es auch, Fehlentwicklungen zu erkennen und anzusprechen, passende Hilfsangebote zu empfehlen und im Einzelfall auch zu Einrichtungen zu begleiten.

(Pressekonferenz von Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Kindergartensozialarbeit“)

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