Medienservice vom: 10.05.2021

„Begrünungsmaßnahmen Goetheschule“ als Pilotprojekt gegen sommerliche Überhitzung Schulgebäude erhält 2022 flächendeckende Fassaden-, Boden- und Dachbegrünung

  • Gradmesser für Praxistauglichkeit weiterer Liegenschaften

Die VS 8 Goetheschule im Neustadtviertel wird im Juni 2022 flächendeckend begrünt werden. Damit geht die Immobilien Linz GmbH (ILG) als Eigentümerin nicht nur effektiv gegen übermäßige sommerliche Überhitzung vor, sondern die Volksschule dient damit auch als Pilotprojekt für andere Liegenschaften der ILG. Durch die umfassenden Begrünungsmaßnahmen, die in drei verschiedenen Varianten an Boden, an der Fassade und am Dach der Schule in üppiger Pflanzenvielfalt vorgenommen werden, wird dessen längerfristige Praxistauglichkeit – etwa Pflegeaufwand und Kosten – künftig untersucht. So sollen die Unterschiede und Effekte zwischen den einzelnen Begrünungsmaßnahmen aufgezeigt und gegebenenfalls an anderen Liegenschaften ausgeweitet und optimiert werden. 

Das Referenzprojekt der ILG wird im Sinne der städtischen Klimawandelanpassung umgesetzt. Der Klimabeirat und der Stadtsenat haben das von der ILG eingereichte Vorhaben befürwortet und für die Umsetzung 100.000 Euro aus dem Klimafonds frei gegeben. Die finanziellen Mittel des insgesamt 450.000 Euro umfassenden Projekts sollen so eingesetzt werden, dass ein größtmöglicher Kosten-Nutzen-Effekt entsteht. 

„Als Bildungsstadträtin ist es mir natürlich besonders wichtig, dass die Begrünungsmaßnamen den Kindern der Goetheschule auch ganz konkret zu Gute kommen. Die Schule wird durch die Begrünung nicht nur optisch aufgewertet, sondern neue Pflanzen und Stadtgrün sind eine wichtige Maßnahme, damit der Hitze gegengesteuert werden kann. Je mehr Grün gepflanzt wird, desto nachhaltiger und langfristiger kann eine Stadt gekühlt werden“, begrüßt Umwelt- und Bildungsstadträtin Mag.a Eva Schobesberger das Pilotprojekt.

„Die Stadt Linz unterstützt und begleitet die Begrünungsmaßnahmen sehr gerne, zumal diese als Paradebeispiel gelten werden, ob sich dieser Einsatz an Gebäuden langfristig bewährt oder nicht“, ergänzt Liegenschaftsreferentin Stadträtin Regina Fechter. Derzeit laufen noch die Arbeiten und Abklärungen für die Detailplanung des vorliegenden Projekts. „Die Begrünung der Goetheschule soll im Juni nächsten Jahres umgesetzt werden. Die ersten gewünschten Kühlungseffekte können dann in den Sommermonaten erzielt und gemessen werden“, führt Fechter weiter aus.

Klimabeirat begrüßt Projekt

Die Studie „Maßnahmen gegen sommerliche Überhitzung in der Stadt unter besonderer Berücksichtigung von Liegenschaften im Eigentum der ILG“ hat die Immobilien Linz GmbH & Co KG bereits im Vorjahr vorgelegt. Diese dient als Basis für die Schulbegrünung. Der Klimabeirat kam zum Schluss, dass dieses Referenzprojekt im Sinne der Klimawandelanpassung umgesetzt werden kann und hat das Vorhaben heuer im März als förderungswürdig bewertet. Das Projekt eigne sich demnach, um Erfahrungen zur längeren Praxistauglichkeit von diversen Gebäude-Begrünungsmaßnahmen zu sammeln, hieß es in einer Stellungnahme. Die Förderung in der Höhe von 100.000 Euro aus dem Klimafonds für die Begrünung der Goetheschule wurde im Anschluss vom Gemeinderat im April beschlossen. Damit ist ein Teil der Gesamtkosten von 450.000 Euro gedeckt. Die weiteren Kosten trägt die ILG selbst.

Der Klimafonds der Stadt Linz ist jährlich mit einer Million Euro dotiert. Öffentlich-rechtliche sowie private Projektvorhaben mit Schwerpunktsetzungen zu Klimaschutz, Klimawandelanpassung und nachhaltiger Entwicklung sollen mit diesem Sonderbudget unterstützt werden.

Kühlere Stadt durch Investitionen in die Klimaanpassung 

Der Schutz vor Hitze gewinnt angesichts des Klimawandels mehr und mehr an Bedeutung. Das im Jahr 2019 beschlossene Linzer Klimaprogramm legt den Fahrplan für alle Klimaschutz-Maßnahmen in der Stadt fest. Die Begrünung von Gebäuden wird vom Umweltressort der Stadt Linz verstärkt gefördert. Zudem wurde mit der kürzlich beschlossenen Ediktalverordnung Nr. 2 ein rechtlicher Rahmen geschaffen, der allen Planungen und Bauvorhaben zugrunde gelegt wird und so bereits im Ansatz Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas verpflichtend festlegt. Ein wesentliches Ziel dabei besteht in der Reduzierung so genannter Hitzeinseln im Stadtgebiet und der sommerlichen Hitzeentwicklung in der Innenstadt durch vermehrte Begrünung.

Teil des Klimaprogramms ist auch der Linzer Stadtklimatologe, der seit dem Vorjahr unter Projekte im Stadtgebiet klimatologisch unter die Lupe nimmt sowie lokalen Klimaschutz, Klimaanpassung, Luftreinhaltung und Stadtklima mit seiner fachlichen Expertise bei diversen Projekten und Vorhaben untersucht.

„Klimaschutz und die Kühlung der Stadt bleiben die zentralen Herausforderungen für die Zukunft der Stadt. Wir müssen daher so gut es geht sowohl in den lokalen Klimaschutz als auch in Klimaanpassungsmaßnahmen investieren. Nur so können wir der steigenden Hitzebelastung dauerhaft entgegenwirken und einen Beitrag zur dringend notwendigen globalen CO2-Reduktion leisten“, betont Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger. 

Das Liegenschaftsressort setzt bereits seit geraumer Zeit auf Nachhaltigkeit: „Die Stadt Linz hat bereits vor fast 20 Jahren begonnen, Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden anzubringen. Aktuell werden bei jeder Sanierung und bei jedem Neubau sowohl die Möglichkeiten der Solarstromgewinnung als auch der Fassaden- und Dachbegrünung geprüft“, verweist Liegenschaftsreferentin Regina Fechter auf ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept im Gebäudemanagement der Stadt.

Nachhaltiges Konzept für mehr Artenvielfalt

Das Begrünungskonzept an der VS 8 Goetheschule sieht ab Juni 2022 eine flächendeckende Boden-, Fassaden- und Dachbepflanzung in drei unterschiedlichen Varianten vor. Die freien Flächen erlauben die Gestaltungsmöglichkeit durch eine große Pflanzenauswahl und Artenvielfalt. Bodenpflanzen, Rank- und Kletterpflanzen sowie kleinere Sträucher und Gräser in zusätzlich installierten Pflanzentrögen sollen für einfache Begrünung das ganze Jahr über sorgen und als Schattenspender an heißen Tagen dienen. Die Bepflanzung soll auf Wuchsform, Art, Blühzeiten und Farblich aufeinander abgestimmt werden, damit ist eine Erhöhung der Artenvielfalt sowie Lebensraum und Nahrungsquelle für Insekten und Vögel gegeben.

Begrünungsmaßnahmen VS 8 Goetheschule im Detail

Der Turnsaal der Goetheschule wird beinahe rundum begrünt. Auf einer Fläche von 270 Quadratmetern und einer Höhe von sieben Metern werden Kletter- und Schlingpflanzen auf Rankgerüsten (bodengebundene Fassadenbegrünung) bis zum Gartentor der HTL die bisher graue Fassade dauerhaft zieren. Der Einsatz der Kletterranken mittels Gerüst kommt ohne viel Technik und Aufwand aus. Der flächendeckende Pflanzenwuchs sorgt für eine ganzjährige Verschattung der Fassade.

Visualisierung (grün schraffierte Fläche) – bodengebundene Fassadenbegrünung an der Außenwand Turnsaalgebäude Goetheschule VS 8	 soll vor allem in den Sommermonaten für Abkühlung sorgen. Foto: Stadt LinzVisualisierung (grün schraffierte Fläche) – bodengebundene Fassadenbegrünung an der Außenwand Turnsaalgebäude Goetheschule VS 8  soll vor allem in den Sommermonaten für Abkühlung sorgen. Foto: Stadt Linz

Für das Dach des Turnsaalgebäudes ist eine semi-intensive Dachbegrünung geplant, auf dem eine eigenes Pflanzensystem ganzjährig Kühleffekte erzielen soll. Auf der 680 Quadratmeter großen Fläche wird ein zweischichtiger Aufbau aus Substrat/Pflanzerde rund 15 Zentimeter dick angelegt. Die Begrünung mittels Substrataufbau ermöglicht dichtes Blattwachstum und somit eine gute mikroklimatische Relevanz. Zudem wird Verdorren durch Hitze im Gegensatz zu extensiven Begrünungen weitgehend vermieden.

Visualisierung (grüne Fläche) – semi-intensive Dachbegrünung Turnsaalgebäude Goetheschule VS 8	Foto: Stadt LinzVisualisierung (grüne Fläche) – semi-intensive Dachbegrünung Turnsaalgebäude Goetheschule VS 8  (Foto: Stadt Linz)

Auf einer Fläche von 270 Quadratmetern und bis zu einer Höhe von 13 und 20 Metern soll bei der Außenwand Hofzufahrt Schillerstraße eine fassadengebundene Vertikalbegrünung errichtet werden. Durch das dichte Übereinanderreihen verschiedener Tröge und Wannen ist eine große Pflanzenauswahl möglich, die auch bei Bedarf ausgetauscht werden kann. Diese Form der Begrünung ist durch die Bauweise besonders wirksam und eignet sich besonders für einschalige, massive Konstruktionen.

Visualisierung – horizontale Ausführung einer fassadengebundenen Vertikalbegrünung, indem Tröge übereinander dicht gereiht werden. Foto: ILG

Visualisierung – horizontale Ausführung einer fassadengebundenen Vertikalbegrünung, indem Tröge übereinander dicht gereiht werden. Foto: ILG

Visualisierung (grüne Fläche) – fassadengebundene Vertikalbegrünung Außenwand Hofzufahrt Schillerstraße, Goetheschule VS 8; Foto: Stadt Linz

Gradmesser für weitere Vorhaben

Mit der Messung, wie effektiv und praxistauglich die Begrünungsmaßnahmen an der Goetheschule sind, soll gleich im Sommer 2022 begonnen werden. Es wird etwa näher untersucht, welche Begrünungs-Variante besonders kühlende Effekte und eine hohe energetische Relevanz hat. Ebenso wird der Investitions-, Wartungs- und Pflegeaufwand begutachtet, um so die optimale Variante zu finden, die gegebenenfalls auch an anderen Liegenschaften der ILG zum Einsatz kommen kann. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Umwelt- und Bildungsstadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Stadträtin Regina Fechter zum Thema „Begrünungsmaßnahmen Goetheschule“)

Weitere GesprächspartnerInnen:
Mag. Markus Eidenberger (Geschäftsführer Immobilien Linz GmbH & Co KG.) 
Mag.arch Sandra Resch (Abteilung Projektentwicklung, Immobilien Linz GmbH & Co KG)