Medienservice vom: 12.05.2021

Herausforderung Demenz: Linzer SeniorInnenzentren gut gerüstet Spezielle Pflege- und Betreuungsmodelle und Angebote in Tageszentren

Etwa 130.000 Menschen in Österreich leiden heute an Demenz. Die Stufen reichen in mehr oder minder schweren Formen von Orientierungsschwierigkeiten bis zur Alzheimererkrankung im fortgeschrittenen Stadium. Bis zum Jahr 2050 ist sogar mit einer Verdopplung der Erkrankungen zu rechnen. In der Altersgruppe „65 Plus“ sind circa acht Prozent  von einer Demenz betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit rasch an. Bei den über 90-Jährigen leiden mehr als 30 Prozent an einer demenziellen Erkrankung. Die Alzheimer-Demenz ist dabei mit 60 Prozent die am häufigsten auftretende Form. 

„Bis 2025 sagen die Bevölkerungsprognosen auch in Linz eine Steigerung von Menschen über 60 Jahren um fast zehn Prozent voraus. Bis zum Jahr 2035 wird die Anzahl der über 60-Jährigen auf rund 30 Prozent der Bevölkerung angestiegen sein. Die Linzer SeniorInnenzentren sind für die Herausforderung Demenz gut gerüstet. Wir bieten spezielle Betreuungsmodelle im stationären Bereich an. Dazu kommen Angebote im Tageszentrum Liebigstraße, die die pflegenden Angehörigen entlasten“, erklärt die Linzer Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

Ein Großteil der Menschen mit Demenz wird von Mobilen Diensten in der Familie oder im Rahmen der 24-Stunden-Pflege zu Hause betreut. In vielen Fällen ist jedoch mit zunehmender Pflegebedürftigkeit die Pflege und Betreuung im SeniorInnenzentrum unumgänglich. 

Die Stadt Linz hat es sich zum Ziel gesetzt, für Menschen mit Demenz besondere Angebote zu entwickeln. In den zehn städtischen SeniorInnenzentren wird speziell auf die Bedürfnisse dieser Personengruppe eingegangen. Die Pflegeansätze der Mäeutik und Biografiearbeit sowie aktive Angehörigenarbeit bewirken eine hohe Qualität der Pflege und Betreuung. Davon wiederum profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Familien, sowie das Pflegepersonal durch ein entsprechendes Pflegeverständnis.

Schwerpunkt im SeniorInnenzentrum Liebigstraße 

Der Umgang mit Demenz ist heute in allen Linzer SeniorInnenzentren ein Schwerpunkt. Eine eindeutige Spezialisierung erfolgte jedoch im 2016 fertig gestellten SeniorInnenzentrum Liebigstraße.

Seniorenzentrum Liebigstraße

Sämtliche der dort geschaffenen 120 Pflegeplätze sind für von Demenz betroffene Personen vorgesehen. Etwa 100 Bewohnerinnen und Bewohner sind von diagnostizierter Demenz betroffen, die übrigen zeigen ähnlich gelagerten Erscheinungsformen. Durch ein vielseitiges Pflege- und Betreuungsangebot kann auf den Schweregrad der Demenz individuell eingegangen werden. Alle der 65 im Pflegedienst tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Umgang mit Demenz speziell geschult. Im Vordergrund steht dabei die Biografiearbeit, also die Befassung mit der Lebensgeschichte und den Lebensumständen der Betroffenen, die einen persönlichen Zugang zu den Bedürfnissen des Bewohners bzw. der Bewohnerin ermöglichen.

Erlebnisorientierte Pflege 

Im Jahr 2012 hielt eine spezielle Pflege- und Betreuungsmethode Einzug in das Betreuungswesen der Linzer SeniorInnenzentren: Die „Mäeutik“, die Kunst der erlebensorientierten Pflege und Betreuung. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit all seinen Beziehungen, wobei sich ein Großteil dieser Methode um die Gefühlswelt der zu pflegenden Personen dreht. In der Praxis werden Fähigkeiten und Fertigkeiten von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Betreuungspersonen bewusst gemacht und gefördert. 

Die Pflegepersonen lernen, sich mit ihrer Erfahrung und mit Hilfe der Instrumente der Mäeutik immer besser in die Lebenswelt der Bewohnerinnen und Bewohner einzufühlen, ihre wesentlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und sie in die individuelle Pflege einzubeziehen. Die Bezugspflege und wie erwähnt die Biografiearbeit (Geschichte der Betreuten) sind ein unerlässlicher Bestandteil des mäeutischen Pflegemodells. Damit wird dem Pflegepersonal der Umgang mit schwierigen Situationen erleichtert.

Bestmögliche fachliche Unterstützung 

Bei der Schulung des Pflege- und Betreuungspersonals arbeiten die Linzer SeniorInnenzentren auch mit spezialisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MAS Alzheimerakademie zusammen, zum Beispiel bei schwierigen Einzelfallbesprechungen. 

Ein Team von drei ErgotherapeutInnen und ein Konsiliararzt für Neurologie sowie ein Physiotherapeut und eine Logopädin stehen ebenfalls für spezielle Untersuchungen und Therapien zur Verfügung.  

Musik und Tanz 

Beim Musizieren, Singen und Tanzen werden Fähigkeiten wie das Tastempfinden, Raumempfinden und Wissen bzw. die entsprechenden Gehirnregionen aktiviert. Deshalb werden im SeniorInnenzentrum Liebigstraße regelmäßige Musiknachmittage mit Live-Musikanten abgehalten. Für das leibliche Wohl sorgen Kaffee und Kuchen. Auch Tanzen gehört dazu. 

Demenz-Betreuung in privaten Heimen 

Neben dem umfassenden städtischen Angebot stellen auch private Heime und Organisationen in Linz spezielle stationäre Betreuungsangebote zur Verfügung. So bietet die Caritas im SeniorInnenwohnhaus Karl Borromäus spezielle Pflege für an Demenzerkrankte an. Das Pflegeheim St. Anna, das Haus der Diakonie und die Franziskusschwestern, verfügen ebenfalls über Möglichkeiten zur Versorgung dementer Personen.

Städtisches Tageszentrum Liebigstraße 

Mit Jänner 2016 ist neben dem SeniorInnenzentrum auch das Tageszentrum Liebigstraße mit bis zu 40 Plätzen in Betrieb gegangen. Der Schwerpunkt liegt hier ebenfalls bei der Betreuung von SeniorInnen mit Demenz. Der Ablauf im Tageszentrum Liebigstraße unterscheidet sich von den anderen städtischen Tageszentren in Linz dadurch, dass vor allem in Kleingruppen auf die speziellen Bedürfnisse der Menschen eingegangen wird. Aktivgruppen mit Singen, Basteln, Bewegungstherapie, Werkgruppen und Gesprächsgruppen gehören zu einem „typischen“ abwechslungsreichen Wochenplan.

„Mit dieser Einrichtung sprechen wir ältere Menschen an, die weiterhin zu Hause wohnen, aber aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, ihr Leben in der gewohnten Umgebung ohne Unterstützung zu meistern. Zudem werden pflegende Angehörige entlastet, die entweder im Beruf stehen oder eine Atempause im Pflegealltag benötigen“, informiert die Linzer Sozialreferentin Karin Hörzing.

Tageszentrum Regenbogen

Ein Pendant zum Tageszentrum Liebigstraße ist das Tageszentrum Regenbogen der Volkshilfe Linz, wo durch die Kostenübernahme der Stadt Linz für die Linzerinnen und Linzer 20 spezielle Betreuungsplätze gesichert werden konnten. Die Volkshilfe Linz betreibt das Tageszentrum Regenbogen für Menschen mit demenziellen Erkrankungen bereits seit 13 Jahren und verfügt daher über fundiertes Know-How. Geöffnet ist es von Montag bis Freitag von 7:30 bis 16 Uhr. Der Besuch ist ganztägig möglich.

Tageszentrum Elisabeth Stub‘n 

Ebenfalls eine Tagesbetreuung für Menschen mit Demenzerkrankungen bietet die Elisabeth Stub’n im Seniorenwohnhaus Karl Borromäus an der Linzer Harrachstraße. Die SeniorInnen können ab 8 Uhr in die Elisabeth Stub’n gebracht und bis 16 Uhr abgeholt werden. Die Tagesbetreuung kann regelmäßig an einem Tag oder auch an mehreren Tagen pro Woche in Anspruch genommen werden. Mit abwechslungsreichen Beschäftigungsangeboten für Körper, Geist und Seele wird der Tag gestaltet. Je nach Wunsch gibt es auch ein gutes Frühstück, Mittagessen und eine Nachmittagsjause. 

Herausforderung Demenzbetreuung

Einen besonderen Stellenwert bekommt die Demenzbetreuung auch im neuen Linzer Sozialprogramm 2021. Denn besonders in der Betreuung von Demenzerkrankten braucht es vermehrt eine Verbindung zwischen erprobten und neuen Ideen. Die Stadt Linz wird daher in Kooperation mit dem Innovationsbüro vermehrt technische Innovationen forcieren, die Demenzerkrankten Unterstützung und Hilfe anbieten sowie das Pflegepersonal entlasten.  

Für den künftigen Umgang mit der Herausforderung Demenzbetreuung ist die Stadt Linz im Austausch mit dem Land Oberösterreich. Das Landesprojekt Sozialressort 2021+ sieht die Förderung von Innovationen im Bereich der Altenpflege vor. Demenzspezifische Angebote sollen bis 2025 sukzessive ausgerollt werden, mehr Flexibilität geschaffen, neue (wissenschaftliche) Ansätze strukturiert aufgenommen und gefördert werden. Ebenfalls ist die Errichtung individueller alternativer Wohnformen angedacht. 

Auf Landesebene läuft zudem das Projekt „Integrierte Versorgung Demenz in “, welches die Optimierung des Umgangs mit demenziellen Erkrankungen zum Ziel hat. Teil der „Integrierten Versorgung Demenz in OÖ“ ist ein Pilotprojekt in den Alten- und Pflegeheimen in Kalham, Mauerkirchen und Ternberg. Dieses soll die Versorgung und Lebensqualität von an Demenz erkrankten Heimbewohnern und -bewohnerinnen verbessen. Im Mittelpunkt steht die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen, z. B. niedergelassene bzw. Fachärzte und -ärztinnen, Pflege- und Betreuungspersonal, Psychologen und Psychologinnen.

„Seit 2012 kann in Linz von einer Vollversorgung gesprochen werden. Unser Ziel ist es, diesen Status beizubehalten. Ich möchte allen Linzerinnen und Linzern ihren Wunsch erfüllen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu können“, betont Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz „Angebote für Menschen mit Demenz in Linz“ von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing)

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