Medienservice vom: 31.05.2021 |Fotos zum Medienservice

Stadtökologisches Leitprojekt Boden, Wasser und Klima im Fokus: Linzer Biotopkartierung wird noch umfassender

Zu Ende der 1980er-Jahre wurde von der Stadt Linz ein Biotopkartierungsprogramm gestartet, das die Erarbeitung von Grundlagen zum Ziel hatte, um eine immer größer werdende Zahl von Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben zu bewahren. Aus diesem Grundlagenforschungsprogramm wurden Leitlinien für den Artenschutz erstellt und unter anderem auch ein Managementplan für das Natura-2000-Gebiet Traun-Donau-Auen entwickelt. 

Eine Schlüsselrolle dabei spielt die Naturkundliche Station der Stadt Linz. Deren aktuelle Forschungstätigkeit zur Bewahrung und Entwicklung der Naturreichtümer in der Stadt wird nun auf Empfehlung des Klimabeirats durch ein stadtökologisches Umsetzungsprogramm zur Integration von Klimaadaptierung, Biodiversitätsförderung und Lebensqualität in der Entwicklung der Landeshauptstadt Linz ergänzt.

„Als Umwelt- und Naturschutzreferentin ist es mir wichtig, dass wir die Klima- und die Artenkrise gemeinsam bekämpfen. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir nun den Startschuss für dieses umfassende Vorhaben geben können. Mit diesem Projekt werden, aufbauend auf den bisherigen Ergebnissen der Biotopkartierung, nicht nur zusätzliche Erkenntnisse gewonnen, sondern auch die Sensibilität der Bevölkerung für ökologische Zusammenhänge gestärkt.  Und es geht nicht nur um bloße Theorie, die Resultate sollen auch in praktisch umsetzbare Maßnahmen wie Schulprojekte und Kooperationen mit Partnerunternehmen einfließen“, betont Umwelt- und Naturschutzreferentin Stadträtin Mag.a  Eva Schobesberger. 

Im Rahmen dieses Vorhabens werden die vorhandenen Grundlagendaten der Linzer Stadtbiotopkartierung nach 30 Jahren aktualisiert und unter Miteinbeziehung der Aspekte Boden, Wasser und Klima erweitert. 

Eine örtliche Citizien Activity Gruppe soll die Umsetzungen praktisch begleiten und öffentliches Interesse für praktische Landschaftspflege in Linz wecken. Bereits jetzt können die LinzerInnen durch das Mitmach-Projekt „Linz tierisch“ helfen, Informationen zur Linzer Tierwelt zu sammeln. 

Die Voraussetzungen dafür wurden durch einen einstimmigen Beschluss des Linzer Stadtsenats in der Sitzung am 23. April 2021 geschaffen. Das Projekt ist vorerst auf die Jahre 2021 und 2022 ausgelegt und soll in den Folgejahren evaluiert werden. 

Langzeitstrategie für die Stadtökologie 

Aus Sicht des Klimabeirates der Stadt Linz handelt es sich beim Projektvorhaben um eine sinnvolle und notwendige Grundlagenarbeit für das Linzer Stadtklima. Zudem hat es hohes Potential, um die in der 1. Linzer Klimastrategie genannte Verlässlichkeit der Ökosysteme und Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen langfristig sicherzustellen. 

Stadtinterne Vorarbeiten, wie z.B. die Stadtklimaanalyse, sollen laut der Empfehlung des Klimabeirats in das Projektvorhaben und dessen Umsetzungen integriert werden. 

Die Umsetzung des Forschungsvorhabens soll daher in enger Abstimmung mit der Abteilung Botanischer Garten und Naturkundliche Station, Geschäftsbereich Stadtgrün und Straßenbetreuung sowie der Klimastabsstelle, Büro Stadtregierung Linz, erfolgen. 
Durchgeführt wird das Projekt von der Firma TBK Büro für Ökologie und Landschaftsplanung unter Leitung des Landschaftsökologen und -planers DI Harald Kutzenberger. Dieses Unternehmen verfügt über langjährige Erfahrung und hohes technisch-professionelles Knowhow in der Landschaftsplanung und war bereits in andere stadtökologische Untersuchungen der Stadt eingebunden. 

Ziel ist ein integriertes stadtökologisches Umsetzungsprogramm für Linz:

Erreicht werden soll das durch: 

  • Grundlagenerhebung und Umsetzungsprojekte: 

Einen Kernbereich stellt die Analyse und Aufwertung vorwiegend stadteigener Freiflächen dar, wie etwa die Beschattung und Bereicherung innerstädtischer Parks und Plätze, Straßenbegleitflächen, und öffentlicher Infrastruktureinrichtungen. 

Die ausgewählten Bereiche werden im Lauf der Jahre dokumentiert. Für jede Fläche werden in Abstimmung mit der Stadtverwaltung, vor allem mit der Naturkundlichen Station und sonstigen Abteilungen des Geschäftsbereichs Stadtgrün und Straßenbetreuung integrierte Ziele entwickelt. Diese sollen dann schrittweise umgesetzt werden. Die Erfassungsmethoden der klassischen Biotopkartierung sollen dabei zu ökologischen Standortbeschreibungen in der Stadt- und Landschaftsplanung weiterentwickelt werden. Die von der Naturkundlichen Station bereits erhobenen spezifischen Datenbestände werden übernommen und berücksichtigt. 

Die Erhebung der tierökologischen Daten erfolgt digital georeferenziert mittels PADs im Gelände mit eigenen Adaptierungen der ESRI-ARCGIS Fieldworker und Collector Software. Ausgewählte projektrelevante Informationen aus online-Datenbanken wie Zobodat, ornitho.at und naturbeobachtung.at werden berücksichtigt. 

Die europaweit geschützte und gefährdete Zauneidechse steht für hochwerti-gen Artenschutz im Stadtgebiet.Die europaweit geschützte und gefährdete Zauneidechse steht für hochwertigen Artenschutz im Stadtgebiet.

Bearbeitungsebenen Landschaftshaushalt, Lebensvielfalt und Lebensqualität

Bei den Umsetzungsprojekten wird zwischen Maßnahmen zur Erhaltung, Ergänzung und Erneuerung der standörtlichen Qualitäten auf den drei Bearbeitungsebenen Landschaftshaushalt, Lebensvielfalt und Lebensqualität unterschieden. Damit soll im Zuge der Gestaltung die Sicherung reifer Ökosysteme und Artvorkommen gewährleistet werden. Mögliche Umsetzungsprojekte der ersten Bearbeitungsperiode sind Botanischer Garten, Tiergarten, Freinberg, Volksgarten, Segelflugplatz, Donaulände, sowie kleinere Flächen im Stadtgebiet. Die Auswahl erfolgt in Abstimmung mit der Naturkundlichen Station der Stadt Linz. 

  • Umfassende Beratungstätigkeit:

Mit eingeschlossen in das Projekt ist aktive Beratung von privaten und betrieblichen InteressentInnen zu Gebäudebegrünungen und naturnahe und klimagerechte Freiflächen- und Innenhofgestaltung, um hochwertige, stadtbild-, artenschutz- und klimawirksame Lösungen zu erreichen.

Im Besonderen sollen die Feinstaubfilterung, Lärmminderung und Wasserrückhalt auch in Bestandsflächen gefördert werden. 

Zielgruppen dieses Beratungsangebotes sind beispielsweise Linz AG, GESPAG, AUVA, WIFI und ÖBB, aber auch Privatpersonen. 

Die Seerosensorte „Pöstlingberg“ ist seit über hundert Jahren ein Symbol von Linzer Wasserflächen.Die Seerosensorte „Pöstlingberg“ ist seit über hundert Jahren ein Symbol von Linzer Wasserflächen.

  • Umweltbildung: 

Angestrebt wird auch verstärkte Bewusstseinsarbeit sowie Aufbau und Organisation einer entsprechenden Citizen Acitivity Gruppe, eventuell in Kooperation mit bestehenden Umweltgruppen (Fridays for Future etc.). 

So können die Ergebnisse der erweiterten und integrierten Kartierungsmaßnahmen auch in Maßnahmen zur praktischen Lebensraumverbesserung und Landschaftspflege einfließen, wobei die Palette von der Anlage und Pflege von Gehölzpflanzungen, Kleintierhabitate, Frühblüherinitiativen in Parks bis hin zur Gestaltung mobiler Kräuterhochstauden- und Kletterpflanzenmodule reicht. 

Begleitend dazu sollen Betreuung, Monitoring und wissenschaftliche Evaluierung der Standorte, der Maßnahmenwirksamkeit und der Pflanzen- und Tierarten erfolgen. 

Ein anvisiertes Ziel ist auch die Entwicklung eines „Naturpasses Linz“ als Schulprojekt, in dem die Linzer SchülerInnen im Lauf der Schulzeit ausgewählte Stadtlebensräume besuchen. So können seltene Tierarten und „Leitarten“ wie Biber, Mauersegler, Zauneidechse, Wechselkröte, Prachtlibelle, Feldgrille und Laufkäfer beobachtet und mit ihrem Lebensumfeld erforscht werden. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger zum Thema „Stadtökologisches Umsetzungsprogramm zur Integration von Klimaadaptierung, Biodiversitätsförderung und Lebensqualität“)

Weitere GesprächspartnerInnen:
Dr. Friedrich Schwarz, Leiter der Naturkundlichen Station
DI Harald Kutzenberger, TBK Büro für Ökologie und Landschaftsplanung
DIin Daniela Hofinger, TBK Büro für Ökologie und Landschaftsplanung