Medienservice vom: 02.07.2021 |Fotos zum Medienservice

Tolle Projekte für das Brucknerjahr 2024 Sonderförderprogramm an_TON_Linz wurde erstmals juriert

2024 feiert Linz und Oberösterreich den 200. Geburtstag Anton Bruckners. In Vorbereitung für dieses Jubiläumsjahr wurde heuer erstmals das Förderprogramm an_TON_Linz ausgeschrieben. Bruckner als international bekanntester Komponist mit Linz-Bezug und historische Zentralfigur des oberösterreichischen Musikschaffens ist dabei Ausgangspunkt für eine gegenwärtige innovative, künstlerische Auseinandersetzung rund um Themen und Fragestellungen, die sein Leben, Werk und Wirken betreffen. 

Aus den insgesamt zwölf Einreichungen konnte eine dreiköpfige Jury kürzlich vier tolle Projekte auswählen. Die Ergebnisse dieser Auswahl zeigen, dass die Zielsetzung, mit dem neuen Förderprogramm Projektideen für das Brucknerjubiläum zu finden und damit eine starke Beteiligung der Linzer Kunst- und Kulturschaffenden an diesem Ereignis zu sichern, voll aufgegangen ist. Erwünscht waren im Sinne der UNESCO City of Media Arts Linz auch Einreichungen mit digitalem Kontext. Die Gesamtdotation betrug 15.000 Euro und soll sich bis zum Brucknerjahr kontinuierlich steigern. 

„Anton Bruckner steht für die kulturelle Größe unseres Landes und unserer Stadt. Gerade deshalb brauchen wir eine breite Auseinandersetzung mit seinem Leben, Werk und Wirken, um Bruckner neu zu sehen und zu feiern. Für das Jubiläumsjahr 2024 ist es mir ein besonderes Anliegen, der freien Linzer Kunst- und Kulturszene eine starke Beteiligung zu ermöglichen. Das neue Förderprogramm an_TON_Linz wird dabei ein wesentlicher Baustein sein. Ich freue mich sehr über die ersten ausgezeichneten Projekte und bin schon gespannt auf das Ergebnis“, so Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer.

Kunst- und Kulturschaffende aller Sparten, Kulturvereine, WissenschaftlerInnen, PädagogInnen und KulturvermittlerInnen waren beim neuen an_TON_Linz eingeladen, Projektideen einzureichen, die eine zeitgemäße Interpretation des musikalischen Schaffens, neue Haltungen und Herangehensweisen zu Bruckners Person und Werk sowie innovative Vermittlungsansätze formulieren und die Brucknerrezeption damit für die Zukunft mitgestalten. Die zwölf Projekteinreichungen wurden von einer dreiköpfigen Jury, die bis 2024 bestellt ist, begutachtet und gewertet. Dieser gehören Univ.-Prof. Dr. Reinhard Kannonier, ehemaliger Rektor der Kunstuniversität Linz, Univ.-Prof.in Carola Bauckholt, Leiterin des Instituts für Komposition, Dirigieren und Computermusik der Anton Bruckner Privatuniversität, sowie die Musikvermittlerin und Journalistin Marie-Therese Rudolph an.

Folgende Schwerpunkte der Ausschreibung wurden bei der Bewertung der Einreichungen berücksichtigt:

  • Zeitgenössische Komposition und experimentelle elektroakustische Neudeutung
  • Interdisziplinäre Kunstprojekte, Media Art und Performances
  • Literarische Produktionen und audiovisuelle Projekte
  • Wissenschaftliche Forschungsarbeiten und wissenschaftliche Publikationen
  • Vermittlung und Lehre

Die vier ausgewählten Projekte stehen stellvertretend für die Bandbreite einer zeitgemäßen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Anton Bruckner. Ziel ist es, dass diese und alle weiteren an_TON_Linz Projekte Teil des Brucknerjahres werden.

„Der nasse Mantel“. Video-Podcast von Peter Androsch

Im Internet hat sich eine lebendige Szene von anspruchsvollen Podcasts entwickelt, die durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie zusätzlich befeuert wurde. Daran und an Peter Androschs Ausstellung „Bruckner kontrovers“, die im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes 2020 gezeigt wurde, schließt das Video-Podcast-Projekt „Der nasse Mantel“ an. Ausgangspunkt für die Beziehungen und Assoziationen rund um Anton Bruckner sind die zusammengepressten, vollgekritzeltem 42 Seiten von Bruckners Notizbuch, aus dem Androsch ein Netzwerk von realen und gedachten Personen und Orten, Zitaten und Stimmungen spinnt. Unter anderem treten auf: Richard Wagner, Johannes Brahms, Karl Marx, Adalbert Stifter, Ludwig Boltzmann, Rainer Maria Rilke, Thomas Bernhard und Lady Gaga. 

In Anlehnung an die Soziogramme von Mark Lombardi (1951-2000) wird mit Netzwerkdarstellungen agiert, um Überblick und Struktur zu schaffen. Im Zentrum der künstlerischen Arbeit steht allerdings die Phonographie, das als Verfahren der Überlagerung Androschs zentrales ästhetisches Mittel ist. Im Projekt kommen Phonographien in drei Kategorien zum Einsatz: einer musikalischen, einer historischen und einer portraitbasierten. Großes „Ohrenmerk“ wird auf die Tonebene gelegt: Klänge, Geräusche, Atmosphären sind detailgenau angelegt. Schauplätze aus Bruckners Leben spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle, z.B. die ehemalige Lehrerbildungsanstalt in der Hofgasse 23. 

Die Gesamtproduktion wird als 8-minütiger Video-Podcast nach den Regeln von Creative Commons zur Verfügung gestellt. Peter Androsch schafft damit eine ungewöhnliche Bruckner-Begegnung, mit Augenzwinkern in neue Konstellationen gerückt. Und was es mit dem „nassen Mantel“ auf sich hat, erfährt man auch im Video-Podcast, der im Herbst 2022 online gehen soll. 

Zur Person: Den 1963 in Wels Geborenen kann man getrost als Schallkünstler bezeichnen. Peter Androsch ist überzeugt, dass man von der Welt oft mehr erfährt, wenn man genau zuhört als wenn man genau hinsieht. Er ist als Musiker, Komponist, Raum- und Schriftkünstler, Forscher, Schreiber und Vortragender international tätig.

„Te d… Ich würde“. Performance von Silk Fluegge Kliscope

Anton Bruckners Musik in einer körperlichen Dimension – die Linzer Performancecompany Silk Fluegge kooperiert bei dieser tänzerischen Umsetzung von Bruckners Musik mit dem Komponisten und Musiker Fabian Rucker. Das Research-Projekt „Te d… Ich würde“ setzt sich mit den Besonderheiten von Bruckners Komposition auseinander, den rhythmischen Überlagerungen, den Polyrhythmen und mit dem übersichtlichen Periodenbau. In seiner musikalischen Auseinandersetzung mit der Natur und ihren Formeln, z.B. den Quinten, kommt es immer wieder zu Wiederholungen. Dabei inspiriert Bruckners Musik zu einer choreographischen Annäherung der besonderen Art.

Wie in der Modelltheorie der mathematischen Logik wird Bruckners Musik als ein formales Gebilde begriffen, deren Formen in unterschiedlichen Modellen erfüllt sein können. Das Werk Bruckners wird zunächst nicht einfach gemäß seiner Notation gespielt, sondern in eine Differenz gebracht, indem es auf den Körper, seine Bewegungen und seine Sprache umgelegt wird. Dabei wiederholt die Choreographie dann in ihr zugänglichen weiteren Dimensionen die rhythmischen Strukturen dieser Musik auf ganz unerwartete Weise. In einem freien Akt stellt Silke Grabinger letztlich Bruckners Musik dar und agiert unter der titelgebenden Prämisse „Ich würde dies … darstellen“. 

In einer Serie von Work-in-Progress-Vorstellungen wird die performative Auseinandersetzung mit Anton Bruckner von Februar bis September 2022 im Tanzstudio Silk Fluegge Kliscope zu sehen sein.

Zum Kollektiv: Silk Fluegge ist ein KünstlerInnen-Kollektiv für urbanen und zeitgenössischen Tanz, Kunst und zeitgenössischen Zirkus, neuerdings angesiedelt im Kliscope, Glimpfingerstraße 8, am Spallerhof in Linz. Das künstlerische Schaffen beinhaltet Aufführungen in Theatern, Interventionen im musealen und öffentlichen Raum sowie Kunst- und Kulturvermittlung.

„Bruckner-Rhythmus“. Interaktive Installation von Reinhard Gupfinger

Musik zum Angreifen – der Bildhauer und Klangkünstler Reinhard Gupfinger macht mit seinem Projekt „Bruckner-Rhythmus“ Bruckners Symphonien durch skulpturale Darstellungen im Rahmen einer interaktiven Installation auch visuell und taktil erfahrbar. Mit der vom Künstler selbst entwickelten Apparatur „Audio Foam Cutter“ können dafür Audiosignale in dreidimensionale Skulpturen, sogenannte Sound Reliefs, umgewandelt werden. Mit einem Heißdrahtschneider werden die Audiosignale der Symphonien in Polystyrol geschnitten und daraus Gussformen für Reliefs hergestellt. Sensoren, die über diese Reliefs verteilt werden, ermöglichen im Gegenzug durch Annähern und Entfernen die Produktion von Sounds. 

Die NutzerInnen der Installation sind auf diese Weise zum spielerischen Umgang und Experimentieren mit Bruckners Musik angeregt. Dabei soll die Wahrnehmung von Bruckners Werk auf weitere Sinnesebenen gerichtet und neu erlebbar gemacht werden. Reinhard Gupfinger verwendet für seine Arbeiten unter anderem den typischen Bruckner-Rhythmus, ein ständiges Neben- und Übereinander von rhythmischen Zweier- und Dreierbildungen. Eine Kompositionsvariante, die der Musik große Spannung und Energie verleiht. Die Realisierung des Projektes ist für Sommer 2022 geplant.

Zur Person: Geboren 1977 in Linz studierte Reinhard Gupfinger Bildhauerei - transmedialer Raum und Interface Cultures an der Kunstuniversität Linz. Gupfingers künstlerisches Schaffen bewegt sich zwischen Bildender Kunst und Klangkunst, knüpft an subversiv agierende urbane Jugendkultur an und verbindet sie zugleich mit hoch entwickelten komplexen Soundtechniken.

Music Box. Anton Bruckner und die Suche nach dem Klang“. Interdisziplinäres Konzert der Kompositionsklasse der Anton Bruckner Privatuniversität

Die Orgel als Music Box und Sound generierende Maschine – mit diesem ungewöhnlichen Gedanken würdigen die StudentInnen der Kompositionsklasse der Anton Bruckner Privatuniversität Jorge Villoslada Durán, Jadwiga Frej, María Pérez Díez, Katharina Roth und Alireza Shahabolmolkfard Anton Bruckner als virtuosen Orgelimprovisator und musikalischen Erneuerer. Für ein Konzert im Linzer Mariendom, wo auch der zeitgenössische Bruckner aufgeführt wurde, experimentieren die jungen KomponistInnen mit Musikstücken für Orgel und computerbasierte Sounds. Die Orgel soll dabei in ihrem revolutionären Potential ausgelotet werden. Der akustische und architektonische Raum des Linzer Mariendoms bietet den jungen KomponistInnen aber nicht nur den Platz für ein musikalisches Experiment. Die StudentInnen bringen ihre Erfahrungen mit Theater- und Tanzperformances ein und bespielen den Kirchenraum in seiner gesamten Dimension. Das interdisziplinäre Konzert wird im Herbst 2022 stattfinden.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer und Dr. Julius Stieber, Direktor Kultur und Bildung, über die ausgewählten Projekte des Sonderförderprogramms an_TON_Linz)

Weitere GesprächspartnerInnen:
Silke Grabinger / Tänzerin, Performerin und Choreographin
Peter Androsch / Musiker, Komponist und Forscher

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