Medienservice vom: 12.07.2021

Licht im Dschungel der Gesundheitsdaten Stadt Linz beauftragt Studie über den Status Quo des Gesundheitszustands und der Gesundheitsversorgung der Linzer Bevölkerung

Eigener Gesundheitsindikator soll Entwicklungen rascher erkennbar machen und Entscheidungen erleichtern

Die Corona-Pandemie hat wie ein Brennglas den Blickpunkt auf die Gesundheitsversorgung der Menschen in Österreich gerichtet. Dabei zeigte sich, wie wichtig aussagekräftige Daten über den Gesundheitszustand sind. Zugleich wurde auch deutlich, dass die große Menge an Informationen teilweise schwer überschaubar war. Der Versuch der Bundesregierung, dies etwa mit der Corona-Ampel zu erleichtern, scheiterte, vor allem auch aufgrund mangelhafter Transparenz.

Städte haben aktuell nur eine sehr eingeschränkte Zuständigkeit in Gesundheitsfragen. Für die Versorgung durch Ärztinnen und Ärzte ist die Gesundheitskasse verantwortlich, Krankenhäuser fallen in die Kompetenz der Bundesländer. In der Corona-Krise freilich wurden die Gemeinden immer öfter in die Verantwortung genommen, etwa, als es um die erste Organisation von Teststraßen für die Massentests ging. Das dabei herausragende Krisenmanagement der Kommunalpolitik hat dazu beigetragen, dass manche Fehlentscheidung oder -entwicklung auf Bundesebene weniger ins Gewicht gefallen ist. 

Jetzt, zum Abklingen der aktuellen Krise, ist es Zeit, für die Zukunft die richtigen Weichen zu stellen. „Wir Städte wollen dabei mehr als zuvor über Fragen der Gesundheitsversorgung mitreden. Schließlich ist nicht ausgeschlossen, dass erneut unser Krisenmanagement erforderlich wird. Da ist es gut und richtig, wenn wir die Interessen der Bevölkerung bei den zuständigen Stellen mit Nachdruck vertreten können. Dafür ist es allerdings auch notwendig, zuerst einen genauen Überblick zu haben“, fasst Bürgermeister Klaus Luger das Vorhaben „Gesundheitsindikator“ zusammen.

Stadtrat Michael Raml ergänzt: „Gesundheit ist allen Menschen ein großes, emotionsbeladenes Anliegen. Wir erleben das etwa beim Ärger oder bei der Sorge über zu wenig Vertragsärzte in Linz. Zugleich können viele Entscheidungen im Gesundheitswesen nicht nachvollzogen werden, weil Transparenz fehlt oder die verfügbaren Informationen mehr verwirren als aufklären. Dadurch verlieren wir jedoch auch viele Menschen auf dem gemeinsamen Weg.“

Mit Univ.-Prof. Dr. Gerald Pruckner von der Johannes Kepler Universität hat die Stadt einen renommierten Gesundheitsökonomen und Forscher gewonnen, der aus der Unmenge vorhandener Daten die wesentlichen Rückschlüsse herausfiltert.

Dr. Josef Obergantschnig wiederum ist ein Experte, wenn es darum geht, wichtige Erkenntnisse im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Punkt“ zu bringen und mit einfachen Analyseinstrumenten, möglichst in einer Zahl gefassten Indikatoren, Entwicklungen auf einen Blick sichtbar zu machen. „Mit der Arbeit dieser beiden Wissenschaftler sollte es uns gelingen, zeitnah ein Instrument in Händen zu halten, mit dem wir rascher die Bedarfslagen erfassen können.  Dadurch wird es uns auch möglich, die Befriedigung der Bedürfnisse der Linzerinnen und Linzer besser argumentativ untermauert bei den zuständigen Stellen einzufordern“, so Bürgermeister Klaus Luger und Stadtrat Michael Raml.

Gesundheitsversorgung: wichtiges Anliegen der Stadtpolitik

Die Gesundheitsversorgung der Linzerinnen und Linzer bildet ein wichtiges Anliegen für die Stadtregierung. Das dokumentieren zahlreiche Initiativen und Resolutionen, mit denen auf die Bedürfnisse und Bedarfslagen aufmerksam gemacht wird. Zugleich wird durch diese Resolutionen auch deutlich, dass die Möglichkeiten der Stadt stark begrenzt sind, weil andere Institutionen für das Gesundheitswesen verantwortlich sind.

Das ist zum einen die Österreichische Gesundheitskasse, die insbesondere für die Haus- und Facharztpraxen zuständig ist. Dabei zeichnet sich eine besorgniserregende Entwicklung ab: Während im Jahr 2010 auf 354 ÄrztInnen mit einem Kassenvertrag nur 302 MedizinerInnen ohne Kassenvertrag kamen, stehen aktuell 280 für jede Linzerin und jeden Linzer frei zugängliche VertragsärztInnen 517 vertragslose ÄrztInnen gegenüber, die nur unter bestimmten Bedingungen und meist mit Zusatzkosten verbunden behandeln.

Auf der anderen Seite ist das Land Oberösterreich für die Gesundheitsversorgung in Krankenhäusern verantwortlich. Linz ist dabei eine Stadt mit einer der vermutlich höchsten Dichten an Krankenhausbetten in ganz Europa. 

Die Stadt tritt im Gesundheitswesen vor allem in der Vorsorge als Dienstleister auf, zum Beispiel mit den jährlich angebotenen Gratis-Impfungen. Im Zehn-Jahres-Vergleich zeigt sich eine relativ konstante Entwicklung, allerdings haben sich im Ausnahmejahr 2020 die Gewichtungen innerhalb der verschiedenen Impfangebote deutlich in Richtung Grippe-Impfung verschoben:

 

Bewältigung der Corona-Pandemie: Stadt zeigt Stärke bei der Organisation von Test- und Impfangeboten

Die Corona-Pandemie wirkte wie ein Brennglas und richtete den Blick auf Stärken und Schwächen im System. Trotz der zuvor bereits vorhandenen Belastung im Spitalswesen, die sich durch lange Wartezeiten auf geplante Operationen ausdrückte, haben die Krankenhäuser den Stresstest weitgehend gut bewältigt. Der niedergelassene Bereich hatte teilweise mit Versorgungsengpässen zu kämpfen, da etwa die Ausstattung der Arztpraxen mit Schutzausrüstung anfangs nur schleppend vorankam. Die Pannen im Gesundheitsministerium, beispielsweise bei den zahlreichen Verordnungen, sind hinlänglich bekannt. 

Städte wie Linz konnten hingegen in jenen Situationen, in denen sie hinzugezogen wurden, ihre organisatorische Stärken unter Beweis stellen. „Die ersten Massentests im Dezember wären ohne das Krisenmanagement der Stadt und der Kooperation mit dem Land nicht möglich gewesen“, blickt Bürgermeister Klaus Luger zurück. Auch bei der Abwicklung der ersten Impfangebote konnte die Stadt unterstützen und dabei auf die Erfahrungen aus den üblichen Gratis-Impfungen zurückgreifen. „Wenig hilfreich waren dabei die Informationen aus dem Gesundheitsministerium, die langsam und oft mit großem Interpretationsspielraum eintrafen“, erklärt das Linzer Stadtoberhaupt.

Besonders die so genannte Corona-Ampel ärgert den Bürgermeister immer noch: „Aus dem Versuch, Gesundheitsdaten begreifbar zu machen und auf Fakten basierende Entscheidungsgrundlagen zu schaffen, wurde insbesondere durch Intransparenz das genaue Gegenteil. Die Ampelfarben wirkten vor allem am Anfang willkürlich vergeben, das hat dem Vertrauen der Bevölkerung geschadet“, meint Bürgermeister Klaus Luger.

Transparente Informationen als Schlüssel für ein besseres Gesundheitswesen

Transparenz ist auch dem Linzer Stadtrat Michael Raml ein besonderes Anliegen: „Wenn wir wollen, dass die Menschen die Entscheidungen für die Gesundheitsversorgung nachvollziehen können und angebrachte Schritte mitgehen, müssen wir klar und deutlich kommunizieren, was Sache ist“, so der Gesundheitsreferent.

Dabei komme es sehr darauf an, die Informationen in geeigneter Weise aufzubereiten. „Was sagt denn etwa eine hohe Spitalsbetten-Dichte aus? Führt sie zu einer angebotsinduzierten stärkeren Inanspruchnahme, sind die Linzerinnen und Linzer deshalb öfter im Krankenhaus und demnach gefühlt weniger gesund?“ fragt sich Stadtrat Michael Raml. Wie ist die Inanspruchnahme von Arztpraxen, wie wirken sich unbesetzte Vertragsstellen aus, und was wäre in der Vorsorge zu unternehmen, damit die Linzerinnen und Linzer gesünder leben?

Gesundheitsindikator: Entwicklungen beobachten und sichtbar machen, Entscheidungen faktenbasiert ableiten – für ein längeres Leben in Gesundheit

Darum haben sich Bürgermeister Klaus Luger und Stadtrat Michael Raml entschieden, ein Forschungs- und Studienprojekt in Auftrag zu geben, durch das faktenbasierte Entscheidungsgrundlagen geschaffen werden können. „Es gibt eine unglaubliche Fülle an Gesundheitsdaten, die etwa von der EU, der OECD, der Statistik Austria, den Sozialversicherungen und vielen mehr herausgegeben werden“, berichten Klaus Luger und Michael Raml.

Leider sind die Daten teilweise schwer vergleichbar, stammen aus Erhebungen mit unterschiedlichen Designs oder aus unterschiedlichen Jahren. Zudem bewirkt die riesige Informationsmenge, dass der Fokus leicht verloren geht: „Wir sehen praktisch den Wald vor lauter Bäumen nicht. Darum ist es Zeit, Licht in den Dschungel der Gesundheitsdaten zu bringen“, informieren Bürgermeister Klaus Luger und Stadtrat Michael Raml.

Deshalb wurden mit Univ.-Prof. Dr. Gerald Pruckner und Dr. Josef Obergantschnig zwei Experten gewonnen, die aus dem Wulst an Informationen zuerst einen Status Quo des Gesundheitszustandes der Linzerinnen und Linzer ermitteln sollen. Darauf aufbauend soll aus den wesentlichsten Kennzahlen ein Indikator ermittelt werden, der rasch erkennen lässt, wie sich dieser Gesundheitszustand in den nächsten Jahren verändert. „Bei einer Verschlechterung des entsprechenden Wertes können wir dann im Detail nachschauen, wodurch sich der Gesundheitszustand geändert hat und an welchen Stellschrauben im Gesundheitssystem gedreht werden muss. Dann können wir zeitnah mit guten sachlichen Argumenten an die Verantwortlichen herantreten“, definieren Bürgermeister Klaus Luger und Stadtrat Michael Raml die Ziele.

Gerald J. Pruckner ist Professor für Gesundheitsökonomie am volkswirtschaftlichen Institut der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz. Er hat in Linz studiert, promoviert und habilitiert. Er verbrachte einen einjährigen Forschungsaufenthalt an der University of California, Berkeley sowie mehrmonatige Forschungsaufenthalte an der University of Adelaide in Australien und an der Stockholm University. Von 2002 bis 2006 war er Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Innsbruck.

Seine Forschungsschwerpunkte sind Gesundheitsökonomie, medizinische Versorgungsforschung und verhaltensorientierte Ökonomie. In seinen überwiegend empirisch ausgerichteten Forschungsarbeiten beschäftigt er sich mit dem österreichischen Gesundheitssystem sowie mit Fragen der gesundheitlichen Vorsorge. Von 2008 bis 2015 war er stellvertretender Leiter des Nationalen Forschungsnetzwerkes „Labor Economics and the Welfare State“. Seit Oktober 2014 leitet er das an der JKU Linz angesiedelte Christian Doppler Forschungslabor „Aging, Health, and the Labor Market“. Prof. Pruckners Forschungsarbeiten sind in renommierten internationalen Fachzeitschriften publiziert.

Josef Obergantschnig arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte im Finanzsektor, unter anderem zehn Jahre als Chief Investment Officer (CIO) seines Arbeitgebers. Im Laufe seines Berufslebens entwickelte er eine Methode, um es Unternehmen oder Körperschaften zu ermöglichen, scheinbar skurrile Dinge messbar zu machen, um Entwicklungen besser ablesen zu können. 2014 etwa entwickelte er „NeuWind“, einen Wirtschaftsindikator, der nicht nur die Vergangenheit berücksichtigt, wie das beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Fall ist, sondern auch zukunftsorientierte Indikatoren in die Analyse mit einfließen lässt. Für die Rechtsanwaltskammer ermittelte er erstmals 2016 den „Index der Rechtsstaatlichkeit“.

Für Josef Obergantschnig sorgt Messbarkeit für Klarheit, Struktur und damit für Erfolg, egal, ob es um den Finanzmarkt geht oder die Nachhaltigkeitsziele der UNO. Durch seine Index-Methodik gewinnen seine Kunden wertvolle Erkenntnisse. Sie können Themenfelder aus der Vogelperspektive betrachten oder in einzelne Bereiche hineinzoomen. Damit können sie die Lage punktgenau beurteilen und erkennen rasch, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger, Stadtrat Michael Raml, Univ.-Prof. Dr. Gerald Pruckner und Dr. Josef Obergantschnig zum Thema „Gesundheitsindikator für Linz“)