Medienservice vom: 13.07.2021 |Downloads zum Medienservice|Fotos zum Medienservice

Messen für ein gutes Stadtklima Klimawandelanpassungskonzept geht in die Umsetzung

Das Stadtklima ist ein komplexes System. Besonders deutlich werden die Auswirkungen des Klimawandels an heißen Tagen und Nächten oder gar während Hitzewellen. Als einer der ersten konkreten Umsetzungsschritte des Linzer Klimawandelanpassungskonzeptes geht nun eine Wetterstation für Lufttemperatur und Luftfeuchte („EVA“) in Betrieb. Ab 2022 soll dann ein flächendeckendes Mikroklima-Messnetz die Stadt Linz mit Messdaten bei der Klimaanpassung unterstützen. Die Aufzeichnungen des Hauptplatz-Messpunktes können in Echtzeit auf der Website der Stadt Linz (www.linz.at/stadtklima.php) abgerufen werden.  

Als ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Klimawandelanpassungskonzept werden so genannte Verwundbarkeitsstudien für jeden einzelnen Stadtteil erstellt werden. Diese zeigen, welche Gebiete in der Landeshauptstadt besonders hohen Handlungsbedarf in Hinblick auf Klimawandelanpassung aufweisen. Hierbei werden neben der Hitzentwicklung auch Faktoren wie die Altersentwicklung der jeweiligen Wohnbevölkerung sowie die Bevölkerungsdichte mit einberechnet.

Ende des laufenden Jahres startet darüber hinaus ein umfassender partizipativer Prozess: Die Stadt arbeitet darin gemeinsam mit Tochtergesellschaften ihrer Unternehmensgruppe (UGL), Bürgerinnen und Bürgern sowie weiteren Stakeholdern mit Linz-Bezug unter anderem Handlungsempfehlungen aus Sicht der Beteiligten aus.

Insgesamt umfasst das Klimawandelanpassungskonzept zehn übergeordnete strategische Ziele und damit verbundene 144 Handlungsempfehlungen, um die Auswirkungen des Klimawandels in Linz zu lindern. Letztere sind in zwölf Handlungsfelder gegliedert.

„Die Hitzewelle in der zweiten Juni-Hälfte hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass wir uns rasch und vor allem auf einer professionellen Basis mit dem Stadtklima auseinandersetzen müssen. Nur so lässt sich verhindern, dass die Klimakrise zu einer Klimakatastrophe wird. Um die Stadt darüber hinaus für die Linzerinnen und Linzer langfristig lebenswert zu erhalten, bedarf es vieler zielgerichteter und auf die einzelnen Stadtgebiete konkret ausgearbeiteter Schritte. Mit dem Klimawandelanpassungskonzept legen wir die Basis dafür. Klar ist dabei, dass die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse umgesetzt werden müssen: Wir müssen unter anderem unsere Frischluft- oder Kaltluftentstehungsgebiete konsequent schützen. Hier bedarf es bei verschiedenen Akteurinnen und Akteuren sicher noch einiges an Bewusstseinsbildung“, betont Umweltreferentin Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Juni 2021: Neun Tage Hitzewelle

Dass die Hitze der Stadt im Sommer brutal sein kann, ist nicht nur Austropop-Fans ein Begriff. Zwischen 18. und 26. Juni verzeichnete die Hauptplatz-Messstation „EVA“ eine insgesamt neun Tage andauernde Hitzewelle, während derer es zu sechs Hitzetagen mit mehr als 30 Grad Celsius tagsüber sowie vier Tropennächten mit mehr als 20 Grad Celsius gekommen ist (siehe Grafik).

Exkurs: Wann spricht man von einer Hitzewelle?

„Nach einer in Europa gebräuchlichen Definition von Jan Kyselý wird begonnen, die Dauer zu zählen, wenn an drei aufeinander folgenden Tagen eine Maximaltemperatur von 30 Grad Celsius überschritten wird. Die Hitzewelle endet, wenn die mittlere maximale Tagestemperatur aller Tage seit Beginn der Hitzewelle unter 30 Grad fällt, oder die Höchsttemperatur an einem Tag unter 25 Grad fällt. Am Beispiel des Hauptplatzes bedeutet dies, dass am 18.6. zu zählen begonnen wurde, da ab diesem Tag die Temperatur täglich über 30 Grad anstieg und dies sogar an sechs Tagen hintereinander. Danach sank die Maximaltemperatur leicht unter die 30-Grad-Schwelle, der Mittelwert der Tagesmaximaltemperaturen seit Beginn der Hitzewelle blieb jedoch deutlich darüber. Somit endete die Hitzewelle am 26.6. da am 27.7. die Maximaltemperatur unter 25 Grad Celsius fiel“, erklärt Stadtklimatologe Mag. Johannes Horak.

Mikroklima-Messnetz: Messen, analysieren, handeln

Die Wetterstation für Lufttemperatur und Luftfeuchte schafft mehr Möglichkeiten zum Monitoring temperaturbezogener klimatologischer Indikatoren (Hitzetage, Tropennächte etc.). Darüber hinaus verbessert die Stadt dadurch ihre statistische Datengrundlage im Hinblick auf das Meso- und Mikroklima. Die von „EVA“ gewonnenen Daten können neben einer Fülle an weiteren klimatologischen Informationen künftig auf www.linz.at/stadtklima.php eingesehen werden. Für das 2022 startende flächendeckende Messnetz wird EVA zudem als Referenzmessstation dienen. 

„Die Daten der installierten Wetterstation sind durch den Web-Zugang für die Bevölkerung zugänglich. Ziel des weiteren Aufbaus eines flächendeckenden Messnetzes sind eine verbesserte Bewusstseinsbildung für das Thema Stadtklima sowie die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas, wie etwa Bepflanzungsmaßnahmen, objektiv darstellen zu können“, berichtet Ing. Gerald Binder, Produktmanager Umweltmesstechnik von der Abteilung Umwelttechnik im Magistrats-Geschäftsbereich Planung, Technik und Umwelt.

Klimawandel macht verwundbar

Als einer der nächsten Schritte sollen, beginnend mit dem dritten Quartal des laufenden Jahres, Verwundbarkeitsanalysen für jeden statistischen Bezirk bzw. Stadtteil der Landeshauptstadt erstellt werden. Diese verknüpfen verschiedene Informationen, um Gebiete mit besonders hohem Handlungsbedarf im Hinblick auf die Klimawandelanpassung zu identifizieren, zum Beispiel die Hitzebelastung, die Altersstruktur der Bevölkerung und die Bevölkerungsdichte. Zusätzlich weisen sie schließlich jene Handlungsempfehlungen aus, die in diesen Gebieten konkret anwendbar sind.

Weiterer Fahrplan: Review durch den Klimabeirat und partizipativer Prozess

Gegen Ende des dritten Quartals soll der Aufbau des Klimawandelanpassungskonzepts durch die Klimastabstelle dem Klimabeirat für ein erstes Review und fachliche Rückmeldungen zur Verfügung gestellt werden.

Noch im laufenden Jahr startet auch ein umfassender partizipativer Prozess, der den Magistrat, andere Unternehmen der Unternehmensgruppe, Linzerinnen und Linzer aber auch weitere Stakeholder mit direktem Linz-Bezug umfasst. In diesem sollen unter anderem Handlungsempfehlungen aus Sicht der unmittelbar Beteiligten auf ihre Übertragbarkeit auf Linzer Verhältnisse überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Die zu erwartenden Kosten von Handlungsempfehlungen werden in weiterer Folge unter Einbeziehung der Verwundbarkeitsanalysen bestmöglich abgeschätzt. Die Handlungsempfehlungen werden auch hinsichtlich bundesweit gültiger Kriterien der österreichischen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel priorisiert. Als weitere wesentliche Punkte des partizipativen Prozesses werden Synergien, Schnittstellen und Zielkonflikte zu anderen Strategien und Konzepten der Stadt Linz identifiziert sowie Beiträge zur internen Bewusstseinsbildung geleistet.

Hitze macht krank – wie kann man sich schützen?

Klimaschutz und Klimawandelanpassung sind keine „Schönwetterthemen" mehr, wie diese früher zu Unrecht genannt wurden. Dass Hitze auch massive Auswirkungen auf das physische und psychische Wohlergehen hat und mitunter auch ernsthafte körperliche Beschwerden nicht nur bei älteren Menschen hervorrufen kann, ist mittlerweile zum Common Sense geworden. Nicht zuletzt deshalb gilt es, so schnell wie möglich zu handeln und gegenzusteuern.

Hitzewellen – Extremwetter statt Sommerfeeling

Ein Zusammenhang zwischen Hitzewellen und erhöhter Sterblichkeit wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Studien festgestellt. Die extreme Hitze des Sommers im Jahr 2003 führte Europaweit zu etwa 70.000 zusätzlichen Todesfällen während in Wien während der 44 Hitzewellentage in Summe 180 Menschen mehr verstarben.

Die Hauptgründe für Erkrankungen oder Todesfälle während einer Hitzewelle sind nicht Hitzeschläge oder ähnliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, sondern bereits bestehende Atemwegs- oder Herzerkrankungen. Die Hitze kann chronische Lungenerkrankungen, Herzprobleme, Nierenprobleme sowie psychische Erkrankungen zusätzlich verschlechtern und damit verbundene Risiken erhöhen.

Besonders verwundbare Bevölkerungsgruppen während Hitzewellen sind unter anderem

  • Säuglinge und Kleinkinder
  • Menschen gehobenen Alters
  • Schwangere und Stillende
  • ArbeiterInnen im Freien
  • Alleine lebende Menschen
  • Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen
  • chronisch kranke Menschen, insbesondere mit Lungen- und Atemwegserkrankungen, Herzerkrankungen, Nierenproblemen oder Diabetes.
  • MigrantInnen oder der Landessprache nicht mächtige BewohnerInnen

Vorbeugende Maßnahmen

Den Wohnraum kühl halten

  • Tagsüber die Fenster schließen. Heißere von außen eindringende Luft erwärmt ansonsten die Wohnung.
  • Jalousien (idealerweise außen angebracht) oder Vorhänge schließen oder mit z.B. Decken oder Tüchern abdunkeln. Einfallendes Sonnenlicht erhitzt Oberflächen und erhöht somit die Lufttemperatur in der Wohnung.
  • Nur bei Nacht und, sofern es kühl genug ist, in den Morgenstunden lüften. Ein nach innen gerichteter, am Fenster stehender Ventilator kann dazu dienen bei unzureichender natürlicher Durchlüftung kühlere Außenluft in den Raum zu transportieren.
  • Glühlampen und nicht benötigte Elektrogeräte abschalten, Nutzung des Ofens so weit als möglich vermeiden um Wärmequellen in der Wohnung zu reduzieren.
  • Feuchte Handtücher die im Raum aufgehängt werden können zur Kühlung beitragen. Achtung, dies erhöht auf Dauer die Luftfeuchtigkeit und kann zu einem unangenehmen Raumklima führen.

Sich nicht der Hitze aussetzen

  • In kühlen oder klimaregulierten Umgebungen aufhalten. Sollte das eigene Zuhause nicht kühl gehalten werden können 2-3 Stunden am Tag einen kühlen Ort aufsuchen (z.B. ein klimareguliertes öffentliches Gebäude oder Einkaufszentrum).
  • Nicht zur heißesten Tageszeit nach draußen gehen, diese ist für Linz etwa von 15-18 Uhr zu erwarten.
  • Körperlich anstrengende Tätigkeiten sollten so weit als möglich vermieden oder reduziert werden. Ansonsten wird empfohlen diese zur kühlsten Tageszeit (vor Sonnenaufgang) durchzuführen.
  • Bei Außenarbeiten regelmäßig Pausen machen oder, wenn möglich, die Arbeit überhaupt auf kühlere Tagesabschnitte verlagern.
  • Aktivitäten im Freien sollten weitgehend eingeschränkt werden.
  • Im Schatten aufhalten.
  • Niemals Menschen (insbesondere Kleinkinder oder Babys) oder Tiere in einem geparkten verschlossenen Fahrzeug zurücklassen.

Den Körper kühlen und mit Wasser versorgen

  • Kühl duschen oder baden. Als Alternative werden zum Beispiel Kühlpolster (Cold Packs), feuchte Handtücher, Schwämme oder Fußbäder empfohlen.
  • Lockere, leichte und helle Kleidung sowie einen Sonnenhut tragen.
  • Leichte und dünne Bettwäsche/Leintücher verwenden, von Polstern wird eher abgeraten.
  • Ausreichend Wasser trinken noch bevor man sich durstig fühlt, mindestens 1,5 – 3 Liter täglich (bei anstrengenden Tätigkeiten kann mehr notwendig sein). Menschen mit Nieren- oder Herz-Kreislauferkrankungen wird empfohlen unbedingt ihren Arzt / ihre Ärztin im Hinblick auf die geeignete Flüssigkeitsmenge zu konsultieren. Dies gilt insbesondere auch für Menschen die aus medizinischen Gründen weniger Flüssigkeit zu sich nehmen dürfen.
  • Alkohol, Koffein und Zucker meiden. 
  • Kleine Mahlzeiten einnehmen, diese aber dafür öfter. Nahrung mit hohem Proteingehalt sollte gemieden werden. Leicht verdauliche und fettarme Nahrungsmittel mit hohem Wassergehalt werden empfohlen.

Anderen helfen

  • Nach dem Wohlbefinden von Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn und im speziellen älteren oder Risikogruppen angehörenden Menschen erkundigen. Sicherstellen, dass diese genug Wasser zu sich nehmen.
  • Das Gespräch mit Familienangehörigen über extreme Hitzewellen suchen – was kann jeder/jede an den Orten tun wo er/sie die meiste Zeit verbringt?
  • Aktiv auf Bekannte, die in eine Risikogruppe fallen, zugehen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ältere oder kranke Menschen sollten zumindest täglich besucht werden.
  • Nimmt eine Person Medikamente, sollte mit der Ärztin / dem Arzt abgeklärt werden, wie diese die Thermoregulation des Körpers und dessen Wasserhaushalt beeinflusst.
  • Einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen und lernen, wie man mit hitzebedingten Notfällen (aber auch anderen) umgehen kann.
  • Man sollte die Risiken, die mit dem Aufenthalt und Aktivitäten in der Hitze einhergehen sowie die Symptome von hitzebedingter Erschöpfung und Hitzeschlag, kennen.
  • Auch auf Tiere und insbesondere auf Haustiere muss geachtet werden. 

Zusätzliche Vorsorge bei bestehenden gesundheitlichen Problemen

  • Medikamente sollten unter 25 Grad Celsius oder im Kühlschrank gelagert werden. Achtung, die Packungsbeilage gibt Aufschluss über den zulässigen Temperaturbereich!
  • Im Fall chronischer Leiden oder der Einnahme von Medikamenten sollte der Arzt/die Ärztin konsultiert werden. Bestimmte Arzneimittel können die Hitzeverträglichkeit negativ beeinflussen, insbesondere
    • Diuretika (Entwässerungsmittel)
    • Benzodiazepine (Schlaf verursachende und stark betäubende Mittel)
    • Sedativa (Beruhigungsmittel)
    • Betarezeptorenblocker (oft als Kombinationspräparat mit Diuretika oder anderen blutdrucksenkenden Substanzen)

Quellen:
Heatwave Guide For Cities, 2019, Red Cross Red Crescent Climate Centre
https://www.ages.at/themen/umwelt/informationen-zu-hitze/tipps-gegen-die-hitze/ 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger zum Thema Klimawandelanpassungskonzept geht in die Umsetzung.)

Weitere Gesprächspartner: Mag. Johannes Horak, Stadtklimatologe und Ing. Gerald Binder, Produktmanager Umweltmesstechnik, Stadt Linz

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