Medienservice vom: 03.08.2021

Vision Klimaneutralität 2030 Forschungsprojekt soll eine Bewerbung von Linz für die EU-Mission „100 klimaneutrale Städte 2030“ ermöglichen

  • Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger: „Stadt muss mit aller Kraft und Vehemenz die Herausforderung Klimaneutralität angehen!“ 

Die menschengemachte Klimaerwärmung findet statt und wird durch die global unbeschränkt weiter steigenden Treibhausgasemissionen weiter befeuert. Auch in Linz werden die Auswirkungen immer deutlicher spürbar. Hitzewellen treten häufiger auf und dauern länger, die Anzahl an Hitzetagen und Tropennächten nimmt zu und Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Hagel werden häufiger.

Nur durch Klimaschutz kann diese Entwicklung aufgehalten werden. Hier stellen Städte einen besonders wirksamen Hebel für effektive Klimaschutzmaßnahmen dar. Sie bedecken nur etwa drei Prozent der irdischen Landfläche, sind aber für drei Viertel aller globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Um für Linz einen Weg zur Klimaneutralität aufzuzeigen und eine Roadmap zu entwickeln, wie diese bis 2030 erreicht werden kann, hat sich das Umweltressort der Stadt Linz bei der „Stadt der Zukunft“-Ausschreibung der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft beteiligt und nun auch einen Zuschlag erhalten. So wird das Projekt „KlimaStadtLinz2030“ seitens der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) durch Unterstützung des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie mit knapp 100.000 Euro gefördert. Im Rahmen des Projekts soll die aktuelle Situation im Hinblick auf gesicherte klimarelevante Daten, wichtige AkteurInnen, bereits bestehende Klimaschutzmaßnahmen und Steuerungsinstrumente im Wirkungsbereich der Stadt Linz detailliert erhoben werden. Bestehende und neue Maßnahmen sollen, zusammen mit einer aus einem die BürgerInnen einbindenden partizipativen Prozess entstandenen Vision zur Klimaneutralität von Linz bis 2030, als Basis für eine neue Klimastrategie der Stadt dienen.

„In den letzten Jahren haben wir die Auswirkung der Klimakrise auch in unserer Stadt und am eigenen Leib verspürt. Vermehrte Hitze und Dürre, Hagel-, Starkregen- und Unwetterereignisse sind die bereits jetzt nicht mehr abwendbaren Folgen der Klimakrise, auf die wir uns vorbereiten müssen. Gleichzeitig müssen wir mit aller Kraft und Vehemenz daran arbeiten, um unsere Stadt klimaneutral zu machen. Ich bin deshalb sehr froh, dass wir den Zuschlag für das Projekt erhalten haben. Wir müssen mit der ambitionierten Klimapolitik vorangehen, nur so sichern wir auch die Job- und Zukunftschancen unserer Kinder, “ fordert Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger. 

Projektziele 

Eine Roadmap zur Klimaneutralität von Linz bis zum Jahr 2030. Grundlage ist die Erhebung von CO2-Reduktionspotenzialen in den Sektoren Energie, Verkehr, Wohnen und Betriebe unter Beteiligung von AkteurInnen wie Stadtverwaltung, städtischen Unternehmen und BürgerInnen. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die stadteigenen Wirkungsbereiche gelegt. Hier sollen Maßnahmen entwickelt und für die Umsetzung vorbereitet werden.

Ein Steuerungs- und Monitoringkonzept. Der Umsetzungsgrad der Maßnahmen und mögliche Abweichungen vom Pfad zur Klimaneutralität sollen messbar gemacht und eventuell notwendige Anpassungen frühzeitig aufgezeigt werden. Im Projekt sollen auch die aktuell bereits existierenden Klimaschutzmaßnahmen evaluiert werden. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Ermittlung des gesamten Reduktionspotenzials dieser Maßnahmen vor dem Hintergrund der Zielvorgabe einer Klimaneutralität bis 2030.

Vorbereitung auf die EU-Mission „100 klimaneutrale Städte bis 2030 – für und mit den Bürgerinnen und Bürgern“. Insgesamt sollen mit den Erkenntnissen aus KlimaStadtLinz2030 auch weitere Projekteinreichungen im Rahmen der EU-Mission vorbereitet werden. Hier werden Projekte gefördert, in denen die von der EU-Kommission angestrebte Klimaneutralität 2050 schon bis 2030 in ausgewählten Städten exemplarisch umgesetzt werden soll. 

Gemeinsam mit den LinzerInnen 

In einem BürgerInnen-Beteiligungsprozess werden Vorschläge und Ideen zur Klimaneutralität bis 2030 erhoben und in einem weiteren Schritt zu einer neuen und umfassenden gemeinsamen Vision ausgestaltet. Diese bildet das Fundament einer zu entwickelnden neuen Klimaschutzstrategie zur Erreichung der Klimaneutralität von Linz bis 2030.

Vision und Strategie führen schließlich zu einem Maßnahmenkatalog. Dieser geht in Ambition und Breite über bereits Existierendes hinaus. Er dient als Grundlage für einen Umsetzungsplan, für konkrete Umsetzungsvorhaben in Stadtquartieren und für eine innovative Roadmap zur Klimaneutralität bis 2030. In Zusammenhang mit einem für Linz in Klimaschutzfragen neuartigen Monitoring- und Steuerungskonzept soll zusätzlich sichergestellt werden, wie die definierten Zielvorgaben erreicht werden können.

Letztlich sollen die Innovationen und Resultate von „KlimaStadtLinz2030“ für die Stadt Linz den Weg zu einer Teilnahme an der EU-Mission „100 klimaneutrale Städte bis 2030 – für und mit den Bürgerinnen und Bürgern“ ebnen. 

Ausgangssituation – CO2-Emissionen von Linz

Die jährlichen produktionsseitigen CO2-Emissionen der Stadt Linz belaufen sich städtischen Erhebungen zufolge – ohne Großindustrie – auf zirka eine Million Tonnen (Megatonnen, Mt) CO2. Davon entfallen jeweils rund ein Drittel auf die Sektoren Wohnen, Betriebe und Verkehr.

Während die CO2-Emissionen der Großindustrie zwar der Stadt Linz zugeordnet werden müssen, liegt diese außerhalb des Wirkungsbereichs der Stadtverwaltung. Bei der Entwicklung des städtischen Klimaneutralitätskonzeptes wird die Großindustrie deshalb ausgeklammert. Stattdessen werden im Konzept die Wirkungsbereiche behandelt, auf die die Stadt Linz direkt oder im erweiterten Sinne Einfluss nehmen kann (z.B. eigene Unternehmungen in der Unternehmensgruppe Linz).

Bei der Großindustrie bedarf es gesamtösterreichischer und europäischer Anstrengungen und Unterstützungsmaßnahmen, um den Weg zur Klimaneutralität zu beschreiten. Im Fall der voestalpine existieren bereits konkrete Ambitionen zur Vermeidung von CO2-Emissionen aus der Stahlproduktion durch wasserstoffgestützte Technologien, mit der Zielsetzung die Emissionen bis 2050 auf 20 Prozent des Emissionsniveaus im Jahr 2020 zu reduzieren. 

Das verbleibende CO2-Budget von Linz

Ein CO2-Budget beziffert, wieviel an Treibhausgasen noch höchstens emittiert werden kann, um die globale Erwärmung unterhalb eines Schwellenwerts zu halten. Die Aufteilung des global noch zur Verfügung stehenden CO2-Budgets auf die verschiedenen Länder der Welt und ihre Regionen und Städte kann nach unterschiedlichen Ansätzen berechnet werden. Für Linz wurde eine derartige Berechnung bis dato noch nicht durchgeführt. Ein CO2-Budget stellt jedoch eine wichtige Größe dar, um einerseits Projekte auf ihre Verträglichkeit mit den Klimaneutralitätsambitionen zu überprüfen, und andererseits den Erfolg eines Umsetzungsplans zu bewerten.

Eine erste grobe Abschätzung, wie groß das für Linz verbleibende CO2-Budget ist, ist das Umlegen der global notwendigen Rückgänge entsprechend einer definierten Emissionsentwicklung. Für die Beschränkung der globalen Erwärmung auf unter 1,5 °C können die Berechnungen des entsprechenden IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) Special Reports „Global Warming of 1.5 ºC“ (2018) herangezogen werden. Für Linz würde dies, exklusive die Emissionen des Industriesektors, ein verbleibendes CO2-Budget von 13 Megatonnen bis zum Jahr 2050 bedeuten. Bei Business-As-Usual wäre das Budget allerdings bereits etwa im Jahr 2034 aufgebraucht!

Im Rahmen des Projekts soll nun erstmalig eine fundierte Berechnung des für Linz verbleibenden CO2-Budgets erfolgen. Es geht darum, welche Anstrengungen unternommen werden müssen, das Klimaneutralitätsziel bereits bis 2030 zu erreichen. 

Weitere bereits bestehende Konzepte und Maßnahmenkataloge profitieren von den Ergebnissen des „KlimaStadtLinz2030“-Projekts bzw. von dem dort entwickelten Maßnahmenkatalog. Es wird grundsätzlich erwartet, dass bereits bestehende Konzepte mit dem Ziel des Klimaschutzes zumindest teilweise in der zu entwickelnden Klimaneutralitätsstrategie bzw. im Umsetzungsplan aufgehen und dortige klimarelevante Maßnahmen im Rahmen von „KlimaStadtLinz2030“ evaluiert werden und in Folge die dort bestehenden Maßnahmen durch neue ergänzt oder nachgeschärft werden. 

Die zu entwickelnde Roadmap und der entsprechende Maßnahmenkatalog benötigen ein Konzept zum Monitoring und zur Steuerung, um entweder bereits agieren zu können bevor Abweichungen vom geplanten Zustand auftreten oder um auf Abweichungen systematisch reagieren zu können. Ein solches Konzept wird im Rahmen von „KlimaStadtLinz2030“ entstehen.  

Zum Begriff Klimaneutralität 

Eine international einheitliche Definition von „klimaneutral“ gibt es bis dato noch nicht. Die EU versteht darunter eine weitgehende Reduktion von Treibhausgasen bis zu einem Punkt ab welchem die verbleibenden Emissionen ausgeglichen werden können (Netto-Null-Emissionen). Als Ausgleich kommen dabei Kombinationen von technologischen Lösungen, z.B. Kohlenstoffabsonderung bei CO2-intensiven Prozessen, Extraktion von CO2 aus der Atmosphäre und in beiden Fällen anschließende Einlagerung, mit der Schaffung von natürlichen CO2-Senkern wie Wäldern in Frage.

Anstrengungen zur Begrenzung der globalen Erwärmung 

Um die globale Erwärmung auf unter 1,5 °C zu beschränken, wurden im Rahmen des IPCC Special Reports „Global Warming of 1.5 ºC“ (2018) Emissionspfade dargestellt, mit welchen dieses Ziel erreicht werden kann. Diese beschreiben eine Verringerung der globalen netto-CO2-Emissionen (Stand 2020) um etwa 50 Prozent bis 2030, wobei CO2-Neutralität 2050 erreicht wird. Ähnliche Emissionspfade werden dort auch für weitere Treibhausgase (Methan, Black Carbon und Lachgas) aufgezeigt. Als Reaktion der Europäischen Union wurde im Dezember 2019 der „Europäische Grüne Deal“ vorgestellt, ein zentrales Projekt welches den Übergang der EU in eine klimaneutrale und Ressourcen schonende Wirtschaft fördern und antreiben soll.

„Stadt der Zukunft“ ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Es wird im Auftrag des BMK von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (AWS) und der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) abgewickelt.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger zum Thema „Klimaneutralität 2030. Forschungsprojekt soll eine Bewerbung von Linz für die EU-Mission ‚100 klimaneutrale Städte 2030‘ ermöglichen“)