Medienservice vom: 06.09.2021 |Fotos zum Medienservice

Der Weg zur Klimahauptstadt Anforderungen, Indikatoren und Bewerbungsprozess für den Titel European Green Capital

Im November 2019 fasste der Linzer Gemeinderat den Beschluss für eine Klimastrategie der Stadt Linz. Teil des Beschlusses ist das Bekenntnis, dass sich die Stadt Linz bis zum Jahr 2025 für den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ (European Green Capital Award, EGCA) bewerben wird. Das Umweltmanagement der Stadt Linz hat daraufhin bei einer Informationsveranstaltung des Sekretariats der Europäischen Kommission teilgenommen, bei der potenzielle BewerberInnen wichtige Hinweise zum Ablauf der Teilnahme erhalten haben. 

Mit dem Bekenntnis zur Bewerbung durch den Gemeinderat geht nun die Verpflichtung einher, in den zwölf für die Bewerbung zentralen Themenfeldern konkrete Aktionspläne auszuarbeiten. Damit eine Teilnahme Aussicht auf Erfolg hat, müssen diese Aktionspläne und Vorhaben ambitioniert sein und über bereits etablierte Maßnahmen hinausgehen. Dass Linz zu solchen Veränderungen in der Lage ist, zeigt die Entwicklung der Industriestadt seit den 1980er Jahren. Mit der Einstellung eines Stadtklimatologen und eines Stadtklimakoordinators sowie der Einrichtung eines Klimabeirats und Klimafonds wurden im Hinblick auf Klimaschutz- und Anpassung wesentliche und wichtige Strukturen bereits geschaffen. 

„Das Ziel ,Grüne Hauptstadt Europas‘ zu werden, soll uns dabei helfen, den umfassenden und notwendigen Transformationsprozess unserer Stadt in Richtung Klimaneutralität gemeinsam zu gestalten. In manchen Themenfeldern, wie zum Beispiel Biodiversität, ist Linz bereits jetzt relativ gut aufgestellt. So haben wir mit der Naturkundlichen Station, der Zeitschrift ÖKO.L und der Stadtbauernförderung für ökologische Maßnahmen als eine der wenigen Städte überhaupt eine eigene Stelle zur Forschung und Bewusstseinsbildung in Sachen Naturschutz. Gerade gestartet haben wir zudem ein stadtökologisches Umsetzungsprogramm. Auch was unsere Luftqualität betrifft, konnten in den letzten Jahren entscheidende Verbesserungen erzielt werden. Vor allem in Sachen Bodennutzung, Energie und Verkehr müssen die Vorhaben aber wesentlich über das hinausgehen, was bis dato vorliegt. Deutlich wurde auch, dass erstens die gesamte Stadt in die Bewerbung eingebunden werden muss und zweitens nicht nur das zählt, was schon erreicht wurde, sondern die Ambitionen der Stadt zu echten Veränderungen, die mit konkreten Umsetzungsplänen untermauert werden müssen“, so Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger. 

Ablauf der Bewerbung

Die Bewerbung kann grob in drei Runden unterteilt werden:

  • Vorrunde
  • Hauptrunde
  • Finalrunde

Zunächst werden in der Vorrunde die Bewerbungsunterlagen der sich bewerbenden Städte gesichtet und eine Vorauswahl wird getroffen. Hier werden zum Beispiel unvollständige oder formal fehlerhafte Bewerbungen aussortiert. In der Hauptrunde werden die verbleibenden Städte auf Basis von 12 Indikatoren von ExpertInnen bewertet und gereiht. Die vier Städte mit den höchsten Rängen erreichen schließlich die Finalrunde. Eine Jury entscheidet dort auf Grundlage der Vor-Ort-Präsentationen der vier Finalisten über die Zuerkennung des European Green Capital Awards.

Die zwölf Indikatoren

Alle zwölf Indikatoren, im Folgenden aufgelistet, müssen in der Bewerbung abgedeckt werden.

  • Luftqualität
  • Lärm
  • Abfall
  • Wasser
  • Natur & Biodiversität
  • Nachhaltige Flächennutzung & Boden
  • Grünes Wachstum & Öko-Innovation
  • Klimawandel: Vorbeugung
  • Klimawandel: Anpassung
  • Nachhaltige urbane Mobilität
  • Energie / Energieeffizienz
  • Governance

Für jeden Indikator sind konkret die frühere und die aktuelle Situation, Zukunftspläne und Referenzen anzuführen. Konkrete Fakten und Zahlen sind erwünscht, aber auch Begründungen dürfen nicht ausgespart werden. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass die einzelnen Maßnahmen deutlich über dem etablierten Standard liegen müssen, damit eine Chance auf Prämierung besteht. Ein koordiniertes und eng verzahntes Vorgehen der direkt betroffenen Organisationseinheiten und Abteilungen bei der Erarbeitung der Bewerbung ist unabdingbar.

Mehrere Anläufe sind die Regel

Ausnahmslos alle Städte – außer Stockholm, die erste EGCA-Stadt – die in den einzelnen Jahren den Titel „European Green Capital“ erhalten haben, mussten sich davor mehrmals bewerben. Die EGCA-Gewinnerin 2021 Lahti hat sich insgesamt dreimal beworben. Wenn eine erste Bewerbung nicht sofort erfolgreich ist, sollte das nicht demotivieren – im Gegenteil:  die Anmerkungen der ExpertInnen sollen helfen, die Bewerbung für das nächste Jahr zu verbessern. Um den Titel zu erhalten ist also ein hartnäckiges und konsequentes Engagement, Ausdauer und echter (politischer) Wille Grundvoraussetzung.  

Einigkeit ist wesentlich

Es wurde deutlich vermittelt: Die Stadt – sowohl Politik, aber auch Unternehmen, NGOs und BürgerInnen – muss geschlossen hinter der Bewerbung und den damit verbundenen Aufgaben stehen. Aufgrund der Art der Bewerbung geht damit auch ein deutliches Bekenntnis einher, klar definierte Umwelt- und Klimaziele zu erreichen und die notwendigen Schritte dorthin ambitioniert umzusetzen.

Die Bewerbung benötigt ein Kernteam und Budget 

Grüne Hauptstadt Europas 2021 Lahti hat berichtet, dass die Erstellung der Einreichunterlagen etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen hat. Lahti gründete nach Zuerkennung des EGCA für die Umsetzung die Stiftung Sustainable Lahti Foundation. Als Budget hat die Stadt über einen Zeitraum von 4 Jahren etwa 9 Millionen Euro veranschlagt. Dementsprechend muss Linz ab Ende des Jahres damit beginnen, konkrete Vorbereitungen auf den Bewerbungsprozess zu starten. 

Ein Jahr im internationalen Rampenlicht 

Im European-Green-Capital-Jahr steht die jeweilige Stadt im internationalen Rampenlicht und nimmt die Rolle als EU-Botschafterin wahr. Klima- und Umweltschutz müssen dementsprechend sowohl für BürgerInnen als auch für BesucherInnen der Klimahauptstadt durch Aktionen und konkrete Vorhaben greifbar gemacht werden. Die Stadt muss sich als Vorbild für andere Städte zeigen und zum Beispiel durch internationale Fachtagungen den Klimaschutz in den Fokus rücken. 

Insgesamt unterstützt also schon allein der Bewerbungsprozess die Stadt dabei, gezielte Maßnahmen in Richtung Klimaneutralität zu setzen. Die Zuerkennung des Titels würde wohl für einen Transformationsschub in unserer Stadt sorgen und auch zahlreiche BesucherInnen nach Linz führen. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger mit DI Wilfried Hager (Abteilungsleiter Umweltmanagement) und Stadtklimatologen Mag. Johannes Horak zum Thema „Der Weg zur Klimahauptstadt: Anforderungen, Indikatoren und Bewerbungsprozess für den Titel European Green Capital“)

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