Medienservice vom: 22.09.2021

80 Jahre GWG Aufstieg zum größten Linzer Wohnbauträger

  • Wohnbau mit gesellschaftspolitischem Auftrag

Die Entwicklung der GWG in den 80 Jahren seit ihrer Gründung ist eine Erfolgsgeschichte. Die GWG hat Linz nicht nur aus der Wohnungsnot der Nachkriegsjahre herausgeführt, sondern auch neue Stadtteile mit aufgebaut und die soziale Infrastruktur der Stadt durch die Errichtung von Kinderbetreuungseinrichtungen, Seniorenzentren und betreubaren Wohnungen vorangetrieben. Das Buch „80 Jahre GWG“ dokumentiert den Aufstieg der GWG zur größten Linzer Wohnbaugesellschaft von der Gründung bis heute. 

Seit ihrer Gründung im Jahr 1941 hat sich die GWG Linz zu einem modernen Wohnbau-Unternehmen entwickelt. Mit beinahe 20.000 Wohnungen ist jede sechste Linzer Wohnung in Linz eine Wohnung der GWG, die damit etwa jedem fünften und jeder fünften LinzerIn Wohnraum anbietet. In der Vergangenheit setzte die städtische Wohnungsgesellschaft stets neue Maßstäbe. So etwa errichtete die GWG vor 40 Jahren die Gartenstadt Auwiesen, ein Stadterweiterungsprojekt mit hoher Wohnqualität. Auch die ersten fertig gestellten Wohnungen in der solarCity waren Wohnungen der GWG. In der Grünen Mitte als einem gelungenen innerstädtischen Umnutzungsprojekt steht die GWG mit 165 Wohnungen am ersten Platz. 

Einen detaillierten Einblick in die Geschichte der GWG bietet nun das Buch der Historikerin Brigitte Kepplinger und des Ökonomen Hermann Kepplinger, das ab heute erhältlich ist. Die Publikation verbindet eine Darstellung der Entwicklung der GWG mit einer Analyse der Prinzipien und Wirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus und seiner Gefährdung durch Deregulierung und Privatisierung.

Das Unternehmen war bereits in der Wiederaufbauzeit ein Garant für Dynamik, Aufschwung und Stabilität. Tausende neue Wohnungen mussten in der teilweise ausgebombten und von großer Wohnungsnot geprägten Stadt wiederhergestellt oder neu errichtet werden. Die großen Stadterweiterungsprojekte im Linzer Süden tragen die klare Handschrift der GWG. 

Eine eindeutige Vorreiterrolle nimmt die GWG bei der Sanierung von Wohnanlagen ein und konnte mit bisher 311 nachträglich errichten Liften sowie Nachrüstungen von Loggien im Ausmaß von 45.000 Quadratmetern Meilensteine setzen. 

Als beispielhaft gelten die GWG-Projekte auf dem Gebiet des betreubaren bzw. altersgerechten Wohnens. Damit können viele Seniorinnen und Senioren möglichst lange in den vielzitierten „eigenen vier Wänden“ bleiben. Akzente setzt die GWG aber auch bei den jüngsten Projekten an der Auhirschgasse in Pichling und mit dem Einsatz von Photovoltaikanlagen zur Warmwasserbereitung mit Sonnenstrom. Damit zählt die GWG weiterhin zu den Vorreitern bei Innovationen für den Umwelt- und Klimaschutz. 

Bürgermeister Klaus Luger betont die Bedeutung der GWG für die Entwicklung der Stadt Linz: „Die Wohnungsversorgung war und ist ein zentrales Anliegen der Stadt, und die Stadt hat das gemeinnützige Unternehmen GWG zur Bewältigung dieser Aufgabe in den intensiven Dienst genommen. Die GWG hatte großen Anteil an der Beseitigung des Wohnungselends der Nachkriegsjahre und wurde zu einem wichtigen Faktor der prospektiven Stadtentwicklung. Richtungsweisende Projekte wie Auwiesen, solarCity Pichling, Grüne Mitte wurden von der GWG wesentlich mitgestaltet. Staatliche Wohnbauförderung und das Prinzip der Gemeinnützigkeit bilden die Fundamente für diesen erfolgreichen Weg. 

Dies gilt auch für die Zukunft. Die GWG, die sich mittlerweile im Alleineigentum der Stadt Linz befindet, ist ein unverzichtbarer Partner für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen: Die Errichtung leistbarer Wohnungen bleibt – im Kontext der ausufernden Immobilienspekulation – ganz oben auf der Agenda. Klimaschutz ist ein wichtiges Zukunftsthema, das auch den sozialen Wohnungsbau betrifft. Die Erhaltung und der Ausbau des sozialen Wohnungsbaus stellt darüber hinaus eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt des sozialen Zusammenhalts in der Stadt dar. Ich danke den AutorInnen für ihre Arbeit und wünsche dem Buch eine weite Verbreitung.“

„Die GWG ist betriebswirtschaftlich solide. Sie liegt mit einer Eigenkapitalquote von etwa 20 Prozent im guten Mittelfeld der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft. Das war in ihrer 80-jährigen Geschichte nicht immer so: von der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre war die GWG chronisch unterkapitalisiert und musste bei Kreditgeschäften die Stadt als Bürge und Zahler in Anspruch nehmen. Heute ist die GWG betriebswirtschaftlich gesund und eigenständig.

Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass die GWG am Immobilienmarkt als gemeinnütziges Unternehmen im Wettbewerb mit privaten Akteuren steht. Um hier faire Bedingungen zu schaffen, wurde in einer Novelle zum Raumordnungsgesetz die Kategorie „mehrgeschoßiger Wohnbau“ eingeführt. Darauf fußt das Linzer Modell, das vom Gemeinderat beschlossen wurde und der Stadt Linz ein Instrument in die Hand gibt, um gegen Immobilienspekulation vorzugehen. Dies kann auch dem gemeinnützigen Wohnbau der GWG zugutekommen,“ betont Aufsichtsratsvorsitzender Mag. Dietmar Prammer.

„Mit Investitionen von 53 Millionen Euro sichert die GWG auch 600 Arbeitsplätze und leistet so einen wesentlichen Beitrag zur Wiederbelebung der Wirtschaft nach der Corona-Krise. 26 Millionen Euro fließen in Neubauprojekte, derzeit sind rund 500 Wohnungen in Bau oder in Planung“, stellt GWG-Direktor Wolfgang Pfeil fest. 
 
Auf die Bedeutung des Wohnungsangebotes durch gemeinnützige Unternehmen verweist GWG-Direktor Nikolaus Stadler: „Der hohe Anteil an gemeinnützigen Mietwohnungen findet in den günstigsten Mieten der vier größten Landeshauptstädte seinen Ausdruck. In Innsbruck sind die durchschnittlichen Mieten etwa doppelt so hoch wie in Linz. Vor allem in der Phase der wirtschaftlichen Erholung nach Corona wird leistbarer Wohnraum für die Menschen immer wichtiger!“
 
„Neben weiteren aktuellen Stadterweiterungsprojekten wie der Wohnanlage „Auhirschgasse“ mit über 300 Wohnungen für Pichling liegt der Fokus der GWG auch auf der Stadterneuerung durch Reconstructing. Beispielgebend ist dafür die Neubebauung des Wimhölzel-Hinterlandes im Franckviertel mit über 400 Wohnungen mit zeitgemäßen Grundrissen, die auch barrierefrei sein und mit Loggien den Menschen auch den dringend benötigten Freiraum anbieten werden. Der dabei ausgearbeitete Sozialplan für die MieterInnen dieser Wohnanlage ist ein weiteres Beispiel für die Pionierrolle der GWG“, so die beiden Geschäftsführer der GWG. 

Sozialer Wohnbau als wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe

Menschenwürdiges und leistbares Wohnen – seit Beginn der Industrialisierung war dies ein zentrales gesellschaftspolitisches Problem, zu dessen Lösung je nach politischer Position verschiedene Konzepte entwickelt wurden. Für die Sozialdemokratie wurde seit ihrer Gründung eine gemeinnützige kommunale oder genossenschaftliche Wohnbautätigkeit befürwortet.

Konsequenterweise war die Förderung des gemeinnützigen Wohnbaus für die sozialdemokratische Stadtregierung der Ersten wie der Zweiten Republik stets ein zentrales Anliegen. Im Lauf der Zeit wurden hierfür verschiedene organisatorische Strukturen entwickelt; in der Zweiten Republik wurde in Linz die „Gemeinnützige Wohnbaugesellschaft der Stadt Linz (GWG)“ zur wichtigsten Trägerin des sozialen kommunalen Wohnbaus.

Gründung der GWG in der NS-Zeit

Die GWG – die „Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz, Ges.m.b.H“ – wurde 1941 gegründet. Im Kontext der NS-Stadtplanung sollte die GWG erschwingliche „Volkswohnungen“ errichten, während die Wohnungen der ebenfalls neu gegründeten Wohnbaugesellschaften WAG, GeWoGe und Neue Heimat für die Beschäftigten der Hermann-Göring-Werke, Stickstoffwerke bzw. für Aussiedler aus Südtirol (Optanten) vorgesehen waren.

Die rechtliche Basis bildete das deutsche WGG (Wohnungs-Gemeinnützigkeits-Gesetz) aus 1930 bzw. 1933 und 1940, mit dem die Durchführung des sozialen Wohnbaus gemeinnützigen Kapitalgesellschaften (GesmbH oder AG) übertragen wurde; aber auch die genossenschaftliche Organisationsform war möglich. (Das WGG wurde 1945 in die österreichische Rechtsordnung übernommen).

Das erste Projekt der GWG war die Errichtung der Siedlung Hartmayrgut in Urfahr (Freistädter Straße/Linke Brückenstraße), gleichzeitig baute die neue Gesellschaft am Auberg und in Linz-Ost, im Gebiet Lederergasse/Holzstraße/Kaplanhofstraße. Die Bauvorhaben mussten allerdings aufgrund des Kriegsverlaufs massiv zurückgefahren werden und wurden 1943/44 de facto eingestellt.

Kriegsschäden, Wohnungsnot, Wiederaufbau

Linz war 1945 eine der am meisten zerstörten Städte Österreichs. Von den 43.000 Wohnungen waren über 8.000 zerstört und 14.000 nicht oder nur eingeschränkt bewohnbar. Außerdem war Linz im Nationalsozialismus zu einer „Barackenstadt“ geworden: Anfang 1943 lebten ca. 20.000 Personen – ausländische Arbeitskräfte, Zwangsarbeiter, Aussiedler – in Barackenlagern; diese Zahl erhöhte sich nach 1945 durch Fluchtbewegungen aus den ehemals deutsch besetzten Gebieten noch erheblich. Letztlich sollte es bis in die 1970er Jahre dauern, bis auch die letzte Baracke beseitigt werden konnte.

Die neue Stadtverwaltung unter Bürgermeister Ernst Koref begann sofort mit der Organisation des Wiederaufbaus. Sowohl die Stadt selbst als auch die GWG wurden wesentliche Akteure dieser Maßnahmen, zu denen auch der Ausbau der Dachgeschoße in städtischen bzw. in Wohnbauten anderer gemeinnütziger Träger gehörte („Mansardenaktion“). Bis 1954 wurden von der Stadt Linz 2.000 zerstörte Wohnungen wiederaufgebaut. Stadt und GWG errichteten in diesem Zeitraum zusätzlich 1.200 neue Wohnungen.

Die Verteilung des vorhandenen Wohnraums erfolgte durch das städtische Wohnungsamt auf der Basis des Wohnungsanforderungsgesetzes von 1945.

Das Jahrhunderthochwasser von 1954 brachte einen herben Rückschlag: über 1.200 Häuser wurden beschädigt oder zerstört, mehr als 14.000 Personen waren obdachlos.

Eine internationale Hilfsaktion, getragen von schwedischen NGOs und organisiert mit Hilfe von Bruno Kreisky, führte zur Errichtung von 50 Fertigteilhäusern am Gründberg, der so genannten „Schwedensiedlung“.

Stufenpläne

Zur Eindämmung der Wohnungsnot, die erst in den 1970er Jahren nachhaltig gebannt werden konnte, entwickelte sich ein pragmatischer Stufenplan. Prioritär war die Verbesserung der Wohnsituation für die Barackenbewohner, die beim Wohnungsamt als „wohnungslos“ eingestuft wurden. Für sie wurden in einem ersten Schritt (ebenerdige) Massivbaracken errichtet, die von Einfachwohnungen in mehrgeschoßigen Bauten abgelöst wurden. In einem dritten Schritt wurden diese durch Wohnungen mit modernen Standards ersetzt. Die GWG war im Auftrag der Stadt intensiv an diesen Aktionen beteiligt und arbeitete hier eng mit der LAWOG zusammen, die ja 1954 mit dem zentralen Ziel der Barackenbeseitigung gegründet worden war.

Die GWG beteiligte sich auch maßgeblich bei der Errichtung von Wohnungen für Flüchtlinge im Rahmen des UNREF-Programms und errichtete für diese im Jahr 1959 100 Wohnungen in der Simonystraße.

Die GWG in den 1950er und 1960er Jahren: 

Moderne Wohnungen, leistbare Mieten

Das erste große Projekt der GWG in der Nachkriegszeit war der Ausbau der Siedlung Am Hartmayrgut in Urfahr, die Mitte der 1960er Jahre fertiggestellt werden konnte. Durch die moderne Verbauung an der Linken Brückenstraße und Freistädter Straße wurden hier neue Maßstäbe gesetzt. Dabei zog die GWG keine Bremse und sorgte in weiteren Teilen von Urfahr für kommunalen Wohnbau. Dieser weitete sich auch auf das Innenstadtviertel sowie das Franckviertel und schlussendlich auf den Linzer Süden aus. 

Eine aufgelockerte Bauweise mit Grünanlagen und Spielplätzen, die Bereitstellung großzügiger Wohninfrastruktur (gut ausgestattete Waschküchen, Trockenräume, Lagerräume) und die Planung von Parkplätzen sollte für hohe Wohnzufriedenheit sorgen. Der Balkon als private Freifläche wurde bei Neubauten mehr und mehr zum Standard.

Errichtung städtischer sozialer Infrastrukturbauten durch die GWG

Schon in den 1950er Jahren begann die GWG im Auftrag der Stadt, Betreuungsbauten zu realisieren. Zunächst handelte es sich um städtische Kindergärten, die in die Wohnanlagen integriert waren; der erste war der Kindergarten in der Rieglstraße (Hartmayrsiedlung). In allen entsprechend dimensionierten Projekten der GWG wurden in der Folge in Absprache mit der Stadt Kindergärten mit geplant und gebaut. 

In den 1960er Jahren erweiterte sich das Spektrum der Betreuungsbauten: 1963 wurde das Schwesternwohnheim des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Linz (heute: Kepler-Universitätsklinikum Med Campus III) errichtet. 1974 folgten die Sporthalle auf der Gugl sowie der Posthof als Ort der Zeitkultur am Hafen (1984, Erweiterung 1988/89).

Einen wichtigen Bereich bildeten die Seniorenzentren der Stadt Linz und die Einrichtungen des betreubaren bzw. betreuten Wohnens. 1977 wurde von der GWG das Seniorenzentrum Franz Hillinger in der Kaarstraße errichtet, das 2008 durch einen Neubau ersetzt wurde. Das Seniorenzentrum Pichling (2008) und das Seniorenzentrum Liebigstraße (2016) gehören ebenfalls hierher. Damit wurden drei der zehn städtischen Seniorenzentren von der GWG gebaut.

Kunst am Bau

Mit der Aktion „Kunst am Bau“ beschloss der Linzer Gemeinderat bei städtischen Neubauten eine künstlerische Ausgestaltung von einem Prozent der Bausumme. An Schulen und öffentlichen Orten wie dem Südbahnhofmarkt, dem Aufgang zum Linzer Schloss vom Tummelplatz aus sowie am Linzer Rathaus und an der Schiffsanlegestelle wurden Kunstwerke installiert. Wohnbauten der Stadt Linz und der GWG wurden ebenfalls zum Ort der Aktion „Kunst am Bau“.

Die GWG befand sich in der glücklichen Lage, mit Egon Oberhuber einen kunstaffinen und sachverständigen Geschäftsführer zu besitzen, der eng mit Fritz Fanta, Architekt und Leiter des Entwurfsamts im Planungsamt, kooperierte. 

Zum Beispiel zeichnet sich die Siedlung Hartmayrgut durch eine Vielzahl von Kunstwerken aus: Peter Kubovsky, Herbert Dimmel, Peter Dimmel, Franz Poetsch, Johann Hazod und andere wurden hier tätig, aber auch in anderen Wohnanlagen der GWG finden sich hervorragende Beispiele.

„Kunst am Bau“ ist für die GWG bis in die Gegenwart gelebtes Prinzip. Erwähnt seien die Spielplastik in der Wohnanlage Holzstraße (die Anlage, geplant von HERZOG + PARTNER, wurde 2001 fertiggestellt), das große Projekt von Peter Androsch, „Panorama Linzer Schriften“ in der Grünen Mitte (2016), sowie das Mural von VIDEO.SCKRE in der Prunbauerstraße (2021).

1980er und 1990er Jahre: Zeit der großen Stadterweiterungsprojekte:

Auwiesen und solarCity-Pichling

Der gesellschaftspolitische Aufbruch der 1970er Jahre manifestierte sich auch im sozialen Wohnbau: auch in Linz war dies die Zeit der Stadterweiterungsprojekte. Dabei sind Auwiesen und die solarCity besonders hervorzuheben.  

1979 erfolgte der Spatenstich in Auwiesen, bei welchem der Bau von 2.800 Wohnungen für 7.500 Menschen startete. Unter Berücksichtigung der erforderlichen Infrastruktur umfasste die Erweiterung ebenso den Bau von Kinderbetreuungseinrichtungen, einer Schule, einem Jugendclub, einer städtischen Bücherei sowie einem Einkaufszentrum. Die Wohnanlage sollte autofrei gehalten werden. Die Straßenbahnverbindung nach Auwiesen folgte im Jahr 1985. Barrierefreiheit wurde ebenso eingeplant wie die Errichtung alters- und behindertengerechter Wohnungen. 

Unter Franz Dobusch und dem Baudirektor Franz X. Goldner entstand die Wohnverbauung in der solarCity, das als ambitioniertes und städtebauliches Projekt definiert wurde. Unter Beachtung der Energieeffizienz und des Umweltschutzes sollten leistbare Wohnungen in einer optimal geplanten Siedlungsstruktur errichtet werden. Leitlinien des Konzeptes von Roland Rainer und der in der READ-Gruppe zusammengeschlossenen Architekten stellten einen geringen Verbrauch fossiler Energien durch den Einsatz von Sonnenenergie, ökologische Landschaftsplanung, Minimierung des Autoverkehrs in der Anlage und damit die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. 

Zwölf Wohnbauträger beteiligten sich an dem Bau von Wohnanlagen in diesem Viertel. Im Sommer 2001 startete die GWG als erste Gesellschaft mit dem Bau von fünf Baukörper, die insgesamt 151 Wohnungen umfassten. 

Alle städtischen Wohnbauten unter dem Dach der GWG

In ihrer weitreichenden Geschichte durchlebte die Stadt Linz im sozialen Wohnbau unterschiedliche Organisationsformen. Diese reichten von der Erscheinung selbst als Stadt Bauträgerin zu sein bis hin zu einem Zusammenschluss mit weiteren Baugenossenschaften. Letztendlich übergab die Stadt Linz die treuhänderische Verwaltung an die GWG im Jahr 1963. Aus Gründen der Vereinfachung der Verwaltung und der notwendigen Sanierungs- und Standardanhebungsmaßnahmen beschloss der Gemeinderat 1982 die GWG mit den Agenden des städtischen Wohnungsamtes zu betrauen. Gleichzeitig sollten die Treuhandwohnungen ins Eigentum der GWG übergehen. Dies scheiterte an der nötigen qualifizierten Mehrheit im Gemeinderat, was einen 30-jährigen „Fruchtgenussvertrag“ zur Folge hatte. Dadurch konnte die erste Tranche an Wohnungen im Jahr 2017 an die GWG übergeben werden, die zweite folgt mit Dezember 2021. 

Standardanhebung durch Sanierung oder Neubau

Das historische Erbe, für das die GWG mit der Übernahme des städtischen Wohnhausbestands nun verantwortlich war, hielt besondere Herausforderungen bereit. Das Spannungsfeld von Erhaltung historischer Bausubstanz und Herstellung zeitgemäßer Wohnstandards verlangte von Fall zu Fall spezielle Lösungen. Die Standardanhebung bedeutete die Verbesserung der Wohnsituationen durch Wohnungszusammenlegung, die aus den Kleinstwohnungen der Ersten Republik resultierte. Ebenso war der Anschluss von Fernwärmenetzen sowie Erneuerungen der Fenster, Fassaden und Wärmedämmungen von Nöten. Die Nachrüstung von Liften und Balkonen bzw. Loggien ist eine stets bestehende Maßnahme zur Verbesserung der Wohnqualität.  

Der Denkmalschutz stellt in diesem Kontext ein Spannungsfeld dar, denn viele der historischen Wohnbauten der GWG sind betroffen. In den meisten Fällen konnte ein gangbarer Kompromiss gefunden werden (Harbachsiedlung, Wimhölzel-Bogen, Franckstraße); in einigen Fällen (Sintstraße) war dies nicht möglich, daher entschloss sich die GWG zum Verkauf eines Teils dieses Areals.

Die Ernst-Koref-Wohnanlage und das Wimhölzel-Hinterland stellen Paradebeispiele für einen Neubau einer Anlage dar. Aufgrund externer Gutachten erwies sich dies als zielführendste Lösung zur Verbesserung der Wohnqualität. Mithilfe eines kooperativen Planungsverfahren, der Beteiligung der BewohnerInnen und Übersiedlungshilfen konnten anfängliche Konflikte und Verunsicherungen ausgeräumt werden. 

Neue Wege im städtischen Wohnbau: Umnutzung städtischer Flächen

Größere neue Bauprojekte im Bereich des gemeinnützigen Wohnbaus können mittlerweile nicht mehr ausschließlich im Wege der Stadterweiterung realisiert werden; verstärktes Augenmerk wird auf Projekte der Umnutzung städtischer Flächen zu richten sein. Hier beteiligte sich die GWG an zwei großen prominent: an der Grünen Mitte bzw. winkler park und am Projekt Wohnen beim Donaupark.

Wohnbauförderung und Gemeinnützigkeit

Wohnbauförderung und Wohnungsgemeinnützigkeit sind die beiden Säulen, die die überragende wohnungswirtschaftliche Bedeutung der GWG in ihrer 80-jährigen Geschichte begründen. Dazu kam das klare Bekenntnis der Politik der Stadt Linz, sozialen Wohnbau zu forcieren und dazu die GWG als Mehrheitseigentümerin in vielfältiger Weise in Dienst zu nehmen. 

Den rechtlichen Rahmen dafür bildet das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG). Eine Regulierung durch den Staat ist gerechtfertigt und sogar notwendig, da der Wohnungsmarkt durch eine asymmetrische Machtverteilung zugunsten der Anbieter charakterisiert ist. Dies spiegelt sich ebenso in der Preissetzung wider. Wenngleich eine geringe Gewinnausschüttung auch bei gemeinnützigen Vereinigungen möglich ist, verzichtet die Stadt Linz seit Jahren darauf. Im Gegenzug hat sich die GWG verpflichtet, diesen Betrag im Rahmen eines Sozialfonds für die Wohnungsversorgung von besonders benachteiligten Menschen einzusetzen

„Es gibt viele gute Gründe, die Gemeinnützigkeit im Wohnungswesen zu verteidigen. Tendenzen zur Aushöhlung der Wohnbauförderung oder gar zur Privatisierung von GBV-Unternehmen ist eine klare politische Absage zu erteilen. Wohnungs- und Siedlungspolitik hat starke Rückwirkungen auf die Planung und die Kosten der öffentlichen Infrastruktur, zum Beispiel auf den öffentlichen Verkehr. Auch sogenannte „weiche Faktoren“ sind zu bedenken. Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, dass qualitätsvolles Wohnen einen Einfluss auf die Bildungschancen von Kindern – Stichwort Homeschooling – hat“, betont Bürgermeister Klaus Luger. 

Spekulationsgeschäfte gefährden den sozialen Wohnbau

In der weiteren Perspektive ist aufgrund der Preisdynamik die Verfügbarkeit von Bauland in städtischen Agglomerationen zu einem zentralen Problem geworden. Das ist für die GWG besonders prekär, da sie ihre Aktivitäten ausschließlich im Stadtgebiet von Linz entfaltet. Wenn geeignete Grundstücke im Wege eines Bieterverfahrens veräußert werden, treten staatlich regulierte Marktteilnehmer, wie z. B. die GWG, in Konkurrenz zu privaten Akteuren, Immobilienfonds oder Stiftungen, die bereit und in der Lage sind, spekulativ überhöhte Preise zu zahlen. Die Errichtung von leistbaren Sozialwohnungen scheidet unter diesen Rahmenbedingungen aus.

„Linzer Modell“ als Gegenstrategie

Eine Novelle zum Raumordnungsgesetz 2020 hat eine neue Widmungskategorie „geförderter mehrgeschoßiger Wohnbau“ eingeführt. Auf diese Bestimmung nimmt das „Linzer Modell“, das der Gemeinderat in seiner Sitzung am 2. Juli 2020 beschlossen hat, Bezug. Die Verbauung der ÖBB-Liegenschaft an der Franckstraße, die eine private Gesellschaft zu einem horrenden Preis erworben hat, sollte ein erster Anwendungsfall werden.

Erfolgsgeschichte bis heute

Gegenwärtig besitzt und verwaltet die GWG knapp 20.000 von 118.500 Wohnungen in Linz und zählt damit zu den größten Wohnungsanbietern der Landeshauptstadt. Allein diese Zahl illustriert die Bedeutung der GWG für den sozialen Wohnungsbau in Linz sowie die Relevanz ihres gesellschaftspolitischen Auftrags. Die Geschichte der GWG seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte: Das Gespenst der Wohnungsnot, das Linz so lange begleitete, ist nicht zuletzt durch ihren Einsatz gebannt. Zudem hatte die starke Stellung der öffentlichen Hand den Effekt, dass gerade auch sozial schwächere Menschen sich eine qualitätsvolle Wohnung leisten konnten. Allerdings entstanden und entstehen durch die Veränderung der Bevölkerungsstruktur, die Integration von ZuwandererInnen und den Klimaschutz ständig neue Herausforderungen. Gemeinnützige Wohnbauunternehmen wie die GWG müssen sich diesen Herausforderungen stellen, dann sind die Chancen zu ihrer Bewältigung auch in Zukunft intakt.

Mit einem Neubauvolumen von rund 25 Millionen Euro setzt die GWG qualitätsvolle Signale für den Wohnbau im städtischen Umfeld und für die Linzerinnen und Linzer. Neben dem Neubau investiert die GWG jährlich nochmals rund 25 Millionen Euro in Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen. 

Aktuell sind etwa 500 Wohnungen der GWG in Bau. Zu den größten Projekten zählen das Wimhölzel-Hinterland, die Auhirschgasse in Pichling, „Wohnen am Weidingerbach“ in Auwiesen und das Bauvorhaben Zeppelinstraße / Wiener Straße in Kleinmünchen. 

Informationsunterlage zur Pressekonferenz zum Thema „Buchpräsentation anlässlich des 80-jährigen Bestehens der GWG Linz“ von Bürgermeister Klaus Luger, GWG-Aufsichtsratsvorsitzendem Gemeinderat Dietmar Prammer, den beiden GWG-Geschäftsführern Wolfgang Pfeil und Nikolaus Stadler sowie den AutorInnen Dr.in Brigitte Kepplinger und Dr. Hermann Kepplinger)