Medienservice vom: 09.11.2021

Städtische Schulsozialarbeit im Zeichen von Coronakrise, Lockdown und Homeschooling Mehr als 900 Schülerinnen und Schüler in Betreuung

Soziale Probleme haben sowohl auf die Lernbereitschaft als auch die weiteren Berufs- und Lebenschancen jedes Einzelnen massive Auswirkungen. Um diese zu bewältigen und die Kinder und Jugendlichen in ihrem Heranwachsen zu unterstützen, wurde Sozialarbeit an Schulen als präventiver sozialer Dienst etabliert.  

An Linzer Pflichtschulen mit gesamt etwa 11.300 Schülerinnen und Schüler wird Schulsozialarbeit im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe angeboten. Die SozialarbeiterInnen der Abteilung Jugendgesundheit und Schulsozialarbeit aus dem Geschäftsbereich Soziales, Jugend und Familie stehen als AnsprechpartnerInnen für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen vor Ort bereit. 

Die Corona-Pandemie fordert Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen gleichermaßen. Die Schulsozialarbeit hat sich während dieser Zeit als wichtiges Hilfsmittel herauskristallisiert, um Problemstellungen und Schwierigkeiten im schulischen Umfeld rechtzeitig angehen zu können. 

„Unser erklärtes Ziel städtischer Schulsozialarbeit ist es, Problemsituationen möglichst früh zu erkennen und individuelle Lösungen zu finden. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern und Kooperationspartnerinnen in den Schulen gelingt es, Mädchen und Buben bestmöglich in ihrer Entwicklung zu begleiten“, betont Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. 
 
Coronakrise, Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Homeschooling und Distance learning – es ist eine äußerst herausfordernde Zeit für SchülerInnen, Eltern und PädagogInnen gleichermaßen. Schulsozialarbeit ist dabei ein wichtiger Baustein, um Problemstellungen und Schwierigkeiten im schulischen Umfeld rechtzeitig zu bearbeiten. Der soziale Dienst dient der Prävention von Krisen und tritt für den Schutz der Minderjährigen ein. Die städtische Schulsozialarbeit (SuSA) klärt bei Kindern und Jugendlichen im schulischen Zusammenhang auftretende Probleme ab, berät und betreut SchülerInnen und deren Familien. 

„Die bedeutende Funktion der Schulsozialarbeit als präventiver sozialer Dienst hat sich besonders während und nach den Lockdowns gezeigt. In dieser Zeit war die Nachfrage unserer Beratungsangebote sehr hoch. Der enorme Fallanstieg ist eindeutig auf die Corona-Krise zurückzuführen. Mir ist dabei besonders wichtig, dass jedes Anliegen bearbeitet wird und kein Kind verloren geht. In vielen Fällen ist es der Schulsozialarbeit gelungen, vor allem jene SchülerInnen und deren Eltern zu erreichen, bei denen der Kontakt zum Schulsystem während der Lockdowns abgebrochen ist. Dies ist sicherlich den guten Netzwerken der SchulsozialarbeiterInnen zu verdanken“, betont Vizebürgermeisterin Sozialreferentin Karin Hörzing.

Mehr als 900 Schülerinnen und Schüler betreut

An Linzer Pflichtschulen mit gesamt etwa 11.300 Schülerinnen und Schüler wird Schulsozialarbeit im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe angeboten. Die SozialarbeiterInnen und SchulärztInnen aus der Abteilung Jugendgesundheit und Schulsozialarbeit im Geschäftsbereich Soziales, Jugend und Familie bilden ein gut kooperierendes und fachlich kompetentes ExpertInnenteam am Standort Schule. Sie stehen Familien und Schulen – je nach Bedarf persönlich oder telefonisch – aktiv zur Seite. 

Im vergangenen Schuljahr 2020/21 wurden exakt 932 SchülerInnen von der Schulsozialarbeit in den Linzer Pflichtschulen betreut. Konkret sind das 126 Fälle mehr als im Vorjahr. Über 50 Prozent der betreuten Kinder sind im Volksschulalter, gefolgt von Mittelschule (36 Prozent), Sonderschule (8 Prozent) und Polytechnischer Schule (4 Prozent). Die Kontaktaufnahme erfolgte in mehr als 70 Prozent der Fälle durch die PädagogInnen bzw. durch die Schulleitung, gefolgt von BetreuungslehrerInnen (10 Prozent) sowie den Eltern (6 Prozent) oder SchülerInnen (2 Prozent) selbst.

In 40 Prozent der Fälle dauerte die Betreuung weniger als zwei Monate. Um 37 Prozent der Schülerinnen und Schüler nahmen sich die SozialarbeiterInnen länger an. 22 Prozent wurden über sechs Monate hinaus betreut. In 6 Prozent der Fälle reichte das Schulsozialarbeit-Angebot für die betreuten SchülerInnen nicht aus. Für sie wurden unterstützende Erziehungshilfen in die Wege geleitet. 

Coronakrise als familiäre Herausforderung

Die vergangenen eineinhalb Jahre haben Familien enorm geprägt. Für viele Eltern war es eine große Herausforderung, neben der Erziehung und Freizeitgestaltung auch das Home-Schooling sicherzustellen und das oft auf kleinstem Raum. „Vor allem die Lockdowns stellte viele Familien vor unvorhergesehene Hürden. Die SchulsozialarbeiterInnen haben deshalb direkt aus dem Homeoffice die Eltern, Kinder und Jugendlichen bestmöglich unterstützt. Die Eltern waren dankbar, dass sie Rat bekommen haben, aber vor allem, dass ihnen in fordernden Zeiten ausreichend Gehör geschenkt wird“, informiert Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

Gerade in der Zeit des Lockdowns haben die SuSA-MitarbeiterInnen versucht, mit den Eltern die Tage zu strukturieren sowie Ideen für ein gutes Miteinander in den Familien eingebracht. Zahlreiche Entlastungsgespräche wurden geführt und der Fokus auf die positiven Aspekte dieser intensiven Zeit des Miteinanders in den Familien gelenkt. Die große Verunsicherung hat dazu geführt, dass manche die Wohnung nur für die notwendigsten Angelegenheiten verlassen haben. „Es hat sich gezeigt, dass die Zusammenarbeit der Schulsozialarbeit mit dem Bildungssystem in Linz krisenfest ist und auch außergewöhnliche Herausforderungen mit Geduld, Umsicht und gegenseitiger Wertschätzung meistert“, erläutert Hörzing.

Lernschwierigkeiten und Erziehungsüberforderung 

Die Problemstellungen, mit denen SuSA konfrontiert wird, reichen von Erziehungsüberforderung der Eltern, Verhaltensauffälligkeiten der SchülerInnen, ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen, kulturellen und sprachlichen Integrationsproblemen, gesundheitlichen Problemen, familiären Konflikten und Krisen über Lernschwierigkeiten und Schulverweigerung bis hin zu Gewalt, Suchtmittelmissbrauch und Straffälligkeit. 

Die Hauptproblemfelder der SchülerInnen liegen nach wie vor in Lernschwierigkeiten (47 Prozent), Erziehungsüberforderung (47 Prozent) sowie Verhaltensauffälligkeiten (40 Prozent). Weiters war die SuSA im Schuljahr 2020/21 auch mit Schulverweigerern (26 Prozent) sowie mit Eltern, die die Kooperation mit der Schule verweigern (21 Prozent) befasst.

Lösungsorientiert ins nächste Schuljahr

Auch das Schuljahr 2021/22 wird Herausforderungen mit sich bringen, die die Schulsozialarbeit mit Erfahrung, Zuversicht und Engagement meistern will. Ob mit oder ohne Pandemie: Die SuSA bleibt ein wichtiger Baustein im sozialen Bildungsgefüge sowie ein stabiler Ansprechpartner, der lösungsorientiert zur Entwicklung der Kinder beiträgt. Den Fokus legt die SuSA auf das Tätigkeitsfeld der präventiven, begleitenden und aufsuchenden Sozialarbeit sowie die Krisenintervention.

Gleichzeitig sind die SuSA-MitarbeiterInnen gut mit internen und externen Hilfsangeboten vernetzt. 

Linz in der Vorreiterrolle

In der Landeshauptstadt wird die Schulsozialarbeit bereits seit den 90er Jahren eingesetzt. Sie hat sich mit dem schulärztlichen Dienst entwickelt und bietet in Kooperation mit dem System Schule sehr gute soziale und auch gesundheitliche Beratungsangebote im präventiven Bereich. Hervorzuheben ist die fachliche Qualität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch die Jahrzehnte dauernde Praxis und kontinuierliche Fortbildung und Supervision erreicht wurde. Hinzu kommt, dass die Schulsozialarbeit und der schulärztliche Dienst in einer Abteilung tätig sind. Durch die damit mögliche enge Kooperation wird nicht nur eine hohe fachliche Kompetenz, sondern ein vernetztes Zusammenarbeiten zur bestmöglichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ermöglicht. 

„Schulsozialarbeit wird von Eltern, PädagogInnen und SchülerInnen gerne in Anspruch genommen. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Tätigkeit sowie ihr herausragendes Engagement für die Linzer Kinder und Familien“, sagt Vizebürgermeisterin Hörzing abschließend. 

Beispiel eines Falles in der schwierigen Zeit der Pandemie

Die Rückkehr in die Schule nach dem langandauernden Homeschooling stellt für die Schülerin D. eine große Herausforderung dar. Sie ist mit zahlreichen Ängsten konfrontiert und hat Schwierigkeiten den Schulalltag zu bestreiten. Dies führt dazu, dass D. nur noch ungern in die Schule geht. Aus diesem Grund wendet sich die Schule, nach Rücksprache mit den Eltern, an die Schulsozialarbeiterin. Im gemeinsamen Gespräch wird ersichtlich, dass die Schülerin einen sicheren Rahmen benötigt, um über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen. Aus diesem Grund wird gemeinsam mit SuSA ein Termin bei einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin organisiert. Zudem werden Möglichkeiten zur Entlastung der Schülerin im Rahmen der Schule besprochen. Sie hat nun die Möglichkeit im Bedarfsfall das Klassensetting zu verlassen, um am Gang zur Ruhe zu kommen oder die Betreuungslehrerin für ein Gespräch aufzusuchen. 

Aufgrund der engen Kooperation zwischen Schule, Eltern und Schulsozialarbeit ist es gelungen, dass die Schülerin wieder gerne die Schule besucht. Sie kann entspannter dem Unterricht folgen und die Zeit gemeinsam mit ihren MitschülerInnen genießen.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Städtische Schulsozialarbeit“)

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