Medienservice vom: 24.03.2022 |Downloads zum Medienservice

110.000 Linzerinnen und Linzer sind erwerbstätig Je höher die Ausbildung desto höher Beschäftigungsquote

  • AMS-Chef Gerhard Straßer: „Personalnachfrage geht aktuell durch die Decke" 
  • Bürgermeister Klaus Luger: „Beschäftigung durch Senkung der Teilzeitquote und gezielte Zuwanderung erhöhen“

Etwas mehr als die Hälfte der Linzer Wohnbevölkerung zählen laut Statistik Austria zu den Erwerbspersonen. Nach Geschlechtern aufgeteilt sind das 58 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen. Linzer zwischen 35 und 39 Jahren weisen mit 85 Prozent die höchste Erwerbstätigenquote auf. Bei den Frauen stehen die 45-49-Jährigen am häufigsten im Berufsleben (82 Prozent). Die Erwerbstätigenquote wird stark von der Ausbildung beeinflusst. Personen mit einem über die Pflichtschule hinausgehenden Bildungsabschluss verfügen anteilsmäßig über ein höheres eigenes Einkommen als Personen ohne weiterführende Ausbildung.

Im Vergleich mit den anderen großen Landeshauptstädten können sich die Werte von Linz jedenfalls sehen lassen. So liegt Linz beispielsweise bei der Erwerbstätigenquote der Männer mit 75 Prozent vor Salzburg, Graz und Innsbruck.

„Aktuell geht die Personalnachfrage durch die Decke. Das verfügbare, gewünschte Arbeitskräftepotenzial ist aber weitgehend ausgereizt“, erklärt AMS-Landesgeschäftsführer Gerhard Straßer.

„Die Daten der Statistik Austria zeigen, dass Linz ein attraktiver Arbeitsort ist. Besonders freut mich, dass wir den Vergleich mit anderen großen Städten in Österreich nicht zu scheuen brauchen. Damit die Linzer Arbeitswelt auch in Zukunft ganz vorne mitspielen kann, müssen wir an verschiedenen Schrauben drehen: Beispielsweise an der Attraktivierung der Vollzeitbeschäftigung, dem Ausbau der betrieblichen Kinderbetreuung, der Verbesserung der Ausbildungsquote und gezielter Zuwanderung von Fachkräften“, will Bürgermeister Klaus Luger die Linzer Arbeitswelt weiter optimieren.

Mehr als Hälfte der Linzer Wohnbevölkerung ist erwerbstätig

Die Statistik Austria hat die Erwerbstätigkeit in Linz unter die Lupe genommen. Die aktuellsten zur Verfügung stehenden Zahlen beziehen sich auf den Stichtag 31. Oktober 2019. Etwas mehr als die Hälfte der Linzer Wohnbevölkerung zählt zu den Erwerbspersonen (110.000 oder 53 Prozent). Nach Geschlechtern sind das 58 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen. Eine Person gilt als erwerbstätig, wenn sie in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet oder wegen Urlaub, Krankheit etc. nicht gearbeitet hat, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgeht.

Linz ist Nummer Eins bei 15-64-jährigen Männern

Die Erwerbstätigenquote ist der Anteil der Erwerbstätigen an der Wohnbevölkerung. Die Gruppe der 15-64-Jährigen betrachtet die Personen im Haupterwerbsalter. Die Erwerbstätigenquote der 15-64-jährigen Linzerinnen und Linzer zusammen betrug im Jahr 2019 knapp 72 Prozent. Dabei liegt die Quote der Männer mit 75 Prozent klar über jener der Frauen mit 68 Prozent. 

Im Vergleich mit den anderen großen Landeshauptstädten liegt Linz bei der Erwerbstätigenquote der Männer vor Salzburg, Graz und Innsbruck. Bei den Frauen liegt lediglich Salzburg leicht voran.

Teilzeitquote von Frauen primär, jedoch nicht ausnahmslos von Möglichkeiten der Kinderbetreuung geprägt

Knapp ein Sechstel aller unselbständig erwerbstätigen Linzer und jede zweite unselbständig erwerbstätige Linzerin zwischen 15 und 64 Jahren arbeiten in Teilzeit. Verglichen mit den anderen größeren Landeshauptstädten weist Linz die geringste Teilzeitquote der unselbstständig erwerbstätigen Männer auf. Die Teilzeitquote der Frauen ist in Linz (51 Prozent) höher als in Salzburg und liegt auf demselben Niveau wie in Graz. Dadurch ergibt sich, dass in Linz, verglichen mit den anderen größeren Landeshauptstädten, die Differenz zwischen männlicher und weiblicher Teilzeitquote mit 35 Prozentpunkten am höchsten ist. Übrigens beträgt der Unterschied in ganz Oberösterreich betrachtet sogar 46 Prozent.

Höchste Erwerbstätigenquote bei Linzern zwischen 35 und 39 Jahren 

Die Erwerbsstatistik ermöglicht auch die Betrachtung der Erwerbstätigenquoten nach Altersgruppen und Geschlecht. Die Differenzen zwischen Linzerinnen und Linzern fallen je nach betrachteter Altersgruppe unterschiedlich stark aus. So sind 35 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer zwischen 15 und 19 Jahren bereits erwerbstätig. Dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern zu Beginn der Erwerbskarriere ist darauf zurückzuführen, dass mehr junge Männer als junge Frauen eine Lehre absolvieren und daher bereits mit 15 Jahren ins Erwerbsleben einsteigen. Mädchen besuchen häufiger weiterführende Schulen und beginnen entsprechend später zu arbeiten. 

Im Alter von 20 bis 24 Jahren ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern gering (Frauen: 65 Prozent, Männer: 67 Prozent). Danach verläuft der Anstieg bei den Frauen – bedingt durch Geburten und Kindererziehungszeiten – flacher als bei den Männern. Linzer zwischen 35 und 44 Jahren weisen mit 85 Prozent die höchste Erwerbstätigkeit auf. Bei den Frauen sind die 45- bis 49-Jährigen am häufigsten berufstätig (82 Prozent). Nach diesem Höchststand sinkt die Erwerbstätigenquote der Frauen und Männer zunächst langsam, ab einem Alter von 55 Jahren pensionsbedingt jedoch immer stärker. 

Bedingt durch den früheren Pensionsantritt der Frauen beträgt der Unterschied zwischen Frauen und Männern im Alter von 60 bis 64 Jahren 25 Prozentpunkte. Im Alter von mindestens 65 Jahren sind noch 3 Prozent der Frauen und mit 6 Prozent doppelt so viele Männer erwerbstätig.

Höchste Erwerbstätigenquote mit akademischer Ausbildung 

Zur Analyse der Erwerbstätigkeit nach der höchsten abgeschlossenen Ausbildung wird die betrachtete Gruppe auf die 25-64-Jährigen eingeschränkt, da sich jüngere Personen oft noch in Ausbildung befinden und somit die Quoten verzerren. Die Erwerbstätigenquote der 25-64-jährigen Linzerinnen und Linzer zusammen beträgt im Jahr 2017 etwa 75 Prozent. 

Diese wird stark von der höchsten abgeschlossenen Ausbildung beeinflusst. Bei Personen mit einem über die Pflichtschule hinausgehenden Bildungsabschluss ist die Erwerbstätigenquote generell deutlich höher als bei Personen ohne weiterführende Ausbildung. Zum Vergleich: 25-64-jährige LinzerInnen mit Pflichtschulabschluss sind zu etwa 60 Prozent berufstätig. LinzerInnen mit Lehrabschluss weisen eine ähnlich hohe Erwerbstätigenquote wie LinzerInnen aus berufsbildenden mittleren Schulen und aus allgemeinbildenden höheren Schulen auf. Etwa 75 Prozent der LinzerInnen mit einer solchen Ausbildung sind erwerbstätig. Nach Abschluss einer berufsbildenden höheren Schule sind 83 Prozent der 25-64-jährigen LinzerInnen erwerbstätig. Bei Personen mit akademischer Ausbildung ist diese Quote noch etwas höher (85 Prozent).

Erwerbstätigenquoten der 25- bis 64-jährigen LinzerInnen nach AusbildungMit steigendem Bildungsniveau ähnlichere Berufstätigkeit zwischen Frauen und Männern

Die Erwerbstätigenquote der 25-64-jährigen Frauen liegt mit 71 Prozent unter jener der Männer mit 79 Prozent. Am größten ist die Geschlechterdifferenz bei Personen mit Pflichtschulabschluss. Während etwa zwei Drittel der Männer erwerbstätig sind, sind es bei den Frauen nur etwas mehr als die Hälfte. Der Unterschied zwischen Frauen und Männern nimmt mit steigendem Bildungsniveau ab. Bei Personen mit Tertiärausbildung liegen Frauen und Männern annähernd gleich auf.

AMS-Chef Straßer: „Arbeitskräftepotenzial weitgehend ausgereizt“

"Die Personalnachfrage geht aktuell durch die Decke", erklärt AMS-Landesgeschäftsführer Gerhard Straßer. „Das verfügbare, gewünschte Arbeitskräftepotenzial ist aber weitgehend ausgereizt. Sowohl das Potenzial ausländischer Arbeitskräfte als auch die Anzahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter reduziert sich. Daher sollten Unternehmen besonders darauf achten, ältere Mitarbeitende länger in Beschäftigung zu halten, Menschen mit geringerer Qualifikation den Einstieg ins Unternehmen zu ermöglichen und speziell Frauen die Möglichkeit zur Stundenaufstockung zu geben. Die Langzeitarbeitslosigkeit ist immer noch ein großes Thema – hier nimmt die Stadt Linz mit eigenen Programmen eine Vorreiterstellung ein. Der Wettbewerb ist nicht nur unter den Branchen und Betrieben, sondern auch unter den Regionen, Bundesländern und Bezirken eröffnet“, sagt Straßer.

Arbeitslose und offene Stellen in OÖ (Bestand 2021/22)

Warum gibt es eine höhere Arbeitslosigkeit in den Zentralräumen?

Pendelbewegungen: Im Zentralraum gibt es mehr Konkurrenz am Arbeitsmarkt. Linz beispielsweise ist ein Bezirk, in dem 62 Prozent der Beschäftigten aus den umliegenden Bezirken zur Arbeit einpendeln. 

Zusätzlich gibt es den größten Zustrom an Asylsuchenden und Flüchtlingen im Zentralraum (rund 54 Prozent der anerkannten Flüchtlinge in Oberösterreich sind in Linz arbeitslos gemeldet).

Alternde Erwerbsbevölkerung

In den kommenden fünf Jahren wird der Kreis an Personen im erwerbsfähigen Alter aus demografischen Gründen abnehmen. Schon jetzt sind die Zuwächse an Beschäftigten bei den Jugendlichen und den Personen im Haupterwerbsalter deutlich geringer als bei Personen über 50. Allerdings werden diese in wenigen Jahren in Pension gehen.

Schrumpfender Auslandspool

Das Institut für höhere Studien (IHS) geht davon aus, dass heuer das ausländische Arbeitskräftepotenzial österreichweit um 4,5% steigen wird, im nächsten Jahr jedoch nur noch um 3,5%. Zum Vergleich: Zwischen 2016 und 2019 gab es Zuwächse um die sechs Prozent. In den Ländern im Osten, aus denen in der Vergangenheit viele Arbeitskräfte gekommen sind, hat sich die Arbeitsmarktsituation deutlich verbessert (siehe Grafik unten). Lediglich in Bosnien, der Türkei und den kleineren Balkanländern gab es noch zweistellige Quoten.

Europäische Arbeitslosenquoten im Jahr 2021

Quelle: statista.at (z.T. geschätzt)
 
„Inwieweit der Ukraine-Krieg die Lage verändert, lässt sich noch nicht seriös abschätzen. Es kommt insbesondere auf die Dauer des Krieges an, ob die Geflüchteten in unserem Land bleiben werden. Da bisher sehr viele Frauen mit Kindern geflohen sind, werden sie auch nur beschränkt dem österreichischen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen können“, betont Straßer.

Mismatch bei Qualifizierungen

„Eine Herausforderung bei der Arbeitsvermittlung ist derzeit das Mismatch zwischen geforderten Ausbildungen und der formalen Qualifizierung der Jobsuchenden", sagt Straßer. „Mehr als die Hälfte hat maximal einen Pflichtschulabschluss. Hinzu kommen regionale Diskrepanzen zwischen Personalnachfrage und vorhandenen Arbeitskräften."

Arbeitslosenquoten nach Ausbildung (OÖ, Feb. 2022)

Diese Grafik zeigt sehr deutlich, dass Qualifikationsangebote ihre Wirkung tun.

Teilzeitfalle und Kinderbetreuung

Eine aktuelle Studie des WIFO-Instituts zeigt, dass das Arbeitskräftepotenzial von Frauen bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Neben Teilzeit und Kinderbetreuungszeiten ist auch die geringe Beschäftigung im Alter ein Thema: Nur 48 Prozent aller unselbstständig beschäftigten Frauen standen unmittelbar vor der Pension im Berufsleben. 20 Prozent wechselten vor der Pensionierung zwischen Arbeitslosigkeit und geringfügiger Beschäftigung. Ein Viertel aller angestellten Frauen ging in den letzten zehn Jahren vor der Pension überhaupt keiner Erwerbstätigkeit nach. Beim Rest beträgt die Lücke bis zu fünf Jahre.

Offensichtlich muss man hier Motivationsgründe finden, wie zum Beispiel „Arbeit muss Spaß machen“. Ein gutes Arbeitsklima ist hier das große Thema.

"Im Falle von Linz kommen weitere Faktoren hinzu, die zu einer reduzierten Erwerbsbeteiligung von Frauen führen", erläutert Straßer. So können Pendlerinnen oft lange Anfahrtszeiten und Kinderbetreuung nur schwer unter einen Hut bekommen. In der Industrie gibt es vielfach für Frauen ungünstige Schichtmodelle, während etwa im Handel sowie Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen Teilzeit vorherrscht. Ein weiteres 'Teilzeitmodell' ist letztlich auch die Altersteilzeit, die besonders im öffentlichen Dienst und bei großen Firmen genutzt wird. Erfreulich ist, dass 56 Prozent aller Studentinnen und Studenten einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen und somit die Bindung an oberösterreichische Betriebe nach dem Studium eine erfolgversprechende ist. Man muss also an vielen Knöpfen drehen, um bei der Frauenerwerbsquote eine Verbesserung herbeizuführen.

Diese spezielle Situation des Zentralraums bedeutet, dass es im positiven Sinn sehr viele Möglichkeiten für eine Beschäftigung in Linz gibt. Es bedeutet aber auch, dass es beim Ausmaß der Beschäftigung von Frauen noch Potenzial gibt. Im Vergleich mit anderen Landeshauptstädten konnte sich Linz hier sehr gut positionieren und braucht keinen Vergleich zu scheuen.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger und AMS-OÖ Geschäftsführer Gerhard Straßer zum Thema „Erwerbstätigkeit - Linzer Arbeitswelt“)

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