Medienservice vom: 19.04.2022

Selbsthilfe wirkt – gerade in Pandemiezeiten Stadt Linz unterstützt Selbsthilfe Dachverband

Eine (chronische) Erkrankung/Behinderung – ob körperlich oder psychisch – 
oder die Folge davon kann Betroffenen und Angehörigen den Boden unter den Füßen wegreißen. Schnell ist man überfordert oder hadert mit seinem Schicksal. Eine Selbsthilfegruppe kann hierfür eine wertvolle und hilfreiche Anlaufstelle sein: eine Plattform wo sich Gleichgesinnte finden die miteinander reden, einander zuhören und die Probleme ihres Gegenübers ohne lange Erklärungen verstehen.

Die Selbsthilfe Oberösterreich, Dachverband der Selbsthilfegruppen, wurde vor über 30 Jahren von 22 lose zusammengeschlossenen Selbsthilfegruppen gegründet. Der Sitz ist in Linz; Mitglieder zählt der Dachverband etwa 400. Grundgedanke dabei: Zusammen sind wir stark und können mehr bewegen. 

„Gesundheit ist unser höchstes Gut. Die Stadt Linz unterstützt verschiedenste Gesundheitsinitiativen, die einen niederschwelligen Zugang sicherstellen. Gerade in Zeiten wie der Corona-Pandemie sind die Angebote des Dachverbandes der Selbsthilfegruppen besonders wichtig. Durch die Krise und die von ihr verursachten persönlichen Veränderungen und Schicksale braucht es vor allem solche Organisationen, die umgehend zur Stelle sind, wenn man sie benötigt“, erklärt Gesundheitsreferent Stadtrat Michael Raml. 

Die Förderung aus Gesundheitsförderungsmitteln der Stadt Linz belaufen sich jährlich auf 18.000 Euro. Im Jahr 2020 wurden pandemiebedingt zusätzlich rund 7.000 Euro subventioniert, um das Angebot unter erschwerten Bedingungen aufrecht erhalten zu können.

„Wenn sich jemand auf die Suche nach einer Selbsthilfegruppe macht oder womöglich selbst eine gründet, ist das erste Etappenziel bereits erreicht. Selbst aktiv werden und versuchen, step-by-step, Krisen zu meistern ist eines der wichtigsten Ziele einer Selbsthilfegruppe. Zugleich beschäftigen sich Selbsthilfegruppen eingehend mit einer Erkrankung bzw. Beeinträchtigung und bieten aus diesem Grund eine starke Unterstützung. Gerade in Zeiten der Pandemie sollen Betroffene und bzw. oder Angehörige die Chance, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, nutzen“, erläutert Selbsthilfe -Obmann DDr. Oskar Meggeneder.

Anlaufstelle Selbsthilfegruppe

Selbsthilfegruppen sind keine „Beratungsstellen“, sondern ein Angebot, für das sich Betroffene und/oder Angehörige freiwillig entscheiden, mit der Prämisse miteinander und voneinander zu lernen. Auffangen, ermutigen, informieren, orientieren und unterhalten sind die Kernelemente einer Selbsthilfegruppe. Darüber hinaus wird das vermittelt, was Menschen im Alltag häufig vermissen: ein Gefühl der Gemeinschaft, Austausch von Erfahrungen, gegenseitige Unterstützung, Verständnis, Vertrauen, Anteilnahme, Zuspruch und Ermutigung. Wichtig ist, dass die Selbsthilfegruppe einen „Schutzraum“ bietet, in dem Offenheit und Vertrauen möglich sind, sodass innerhalb der Gruppe ein vertrauensvolles Zusammengehörigkeitsgefühl und nicht zuletzt manchmal sogar Freundschaften fürs Leben entstehen. 

Selbsthilfe vermittelt die Betroffenenperspektive: Die Gruppen leisten wertvolle Hilfe, um wieder Mut zu fassen das Leben mit einer Erkrankung so gut wie möglich zu bewältigen. Die Teilnehmenden arbeiten gemeinsam an der alltäglichen Verbesserung einer schwierigen Lebenssituation und werden so zu Expertinnen und Experten für die eigene Gesundheit bzw. Erkrankung. Mit dem Ziel – trotz Erkrankung – die Selbstbestimmtheit und die Autonomie nicht zu verlieren, sondern vielmehr zu fördern. So vielfältig wie die Themen, mit denen sich Selbsthilfegruppen auseinandersetzen, sind auch die Möglichkeiten die Gruppenaktivitäten zu gestalten. 

Selbsthilfegruppen können und sollen eine medizinische oder therapeutische Behandlung nicht ersetzen, aber als Ergänzung und wertvolle Unterstützung zu den Leistungen der Sozialversicherungen und des Gesundheitswesens sind sie inzwischen unverzichtbar und eine wichtige Säule des Gesundheitssystems.

Neue Wege beschreiten in Zeiten der Pandemie

Persönliche Kontakte und Treffen in der Gruppe gleich Betroffener sind sozusagen die Seele der Selbsthilfe. Pandemiebedingt waren und sind die Gruppentreffen nur eingeschränkt (oder überhaupt nicht) möglich. Um die Sozialkontakte von und zu den Gruppenmitgliedern aufrechtzuerhalten, sind Fantasie und Erfindungsreichtum gefragt. Es überrascht nicht, dass die Selbsthilfegruppen trotz der Kontaktbeschränkungen neue Wege der Kommunikation beschritten haben. Fast alle Gruppen hatten telefonisch oder über E-Mails den Kontakt zueinander. Als Ersatz für physische Gruppentreffen kommen vermehrt virtuelle Treffen zum Einsatz. Auch nach Lockerungen der Beschränkungen sind Präsenztreffen meist noch schwer planbar. Die, aufgrund der räumlichen Situation, oft begrenzte Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das Procedere der Anmeldung, die Organisation und Einhaltung der Hygienevorschriften, aber auch die Befürchtung einer Ansteckung mit dem Corona-Virus stellen zusätzliche Herausforderungen dar – besonders bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen und somit mit einem höheren Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf. Einige Gruppen greifen auch zu kreativen und spontanen Lösungen, wie Treffen im Freien (z. B. Parks oder zu Gesprächs-Spaziergängen). 
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass der persönliche Kontakt in Gruppentreffen nach wie vor eine unabdingbare Voraussetzung für die Selbsthilfearbeit ist. Gleichwohl haben die teils unfreiwilligen virtuellen Treffen und sonstigen digitalen Formate zusätzliche Möglichkeiten der Selbsthilfearbeit aufgezeigt und werden wohl auch künftig zum Einsatz kommen.

Wie unterstützt der Dachverband Selbsthilfe ?

Die Selbsthilfe Oberösterreich, Dachverband der Selbsthilfegruppen, wurde im Jahr 1990 von 22 lose zusammengeschlossenen Selbsthilfegruppen gegründet. Der Grundgedanke ist seit damals stets derselbe: Zusammen sind wir stark und können mehr bewegen. 

Der Tätigkeitsbereich des gemeinnützigen Vereins erstreckt sich auf das Bundesland Oberösterreich, der Vereinssitz befindet sich in Linz. Die Mitgliedschaft im Dachverband ist für Selbsthilfegruppen (SHG) und Selbsthilfeorganisationen (SHO) kostenlos. SHG sind freiwillige, meist lose Zusammenschlüsse von Betroffen und/oder Angehörigen, SHO sind vereinsmäßig organisiert. In beiden Organisationsformen steht der Erfahrungs- und Informationsaustausch im Mittelpunkt. Die Anzahl der Mitglieder hat sich kontinuierlich erhöht und liegt seit 15 Jahren um 400. Unterstützt werden wir vom Land , dem Magistrat der Stadt Linz und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). 

In erster Linie unterstützt und betreut der Dachverband Selbsthilfegruppen im Gesundheitsbereich und hilft Menschen, die auf der Suche nach einer für sie geeigneten Selbsthilfegruppe sind. Es werden Selbsthilfeinteressentinnen - interessenten beraten, wenn sie eine neue Gruppe gründen möchten und über Möglichkeiten, die Gruppe zu gestalten und bekannt zu machen, informiert. Die Beratungs- und Unterstützungsleistungen der Selbsthilfe sind kostenlos. Darüber hinaus vermittelt der Dachverband als zentrale Anlaufstelle Hilfesuchende an entsprechende Beratungsstellen. 

Die Gründung einer Selbsthilfegruppe erfordert von Initiatorinnen und Initiatoren ein enormes Engagement. Die Organisation von Räumlichkeiten für die Gruppentreffen, Öffentlichkeitsarbeit, um die Gruppentreffen anzukündigen und um weitere Betroffene für die Mitarbeit zu gewinnen, das Aneignen von Leitungs- und Moderationsfähigkeiten und nicht zuletzt all die Aktivitäten – auch wenn sie ehrenamtlich erbracht werden – finanziell abzusichern, verlangen den Initiatorinnen und Initiatoren einiges ab. Der Dachverband unterstützt die Selbsthilfegruppen bei diesen Aufgaben, wie die Ankündigung der Gruppentreffen in den Printmedien, die Erstellung von Infomaterial, die Organisation von Gruppenräumen etc. Die Gruppensprecherinnen und -sprecher können auch Beratung in individuellen Einzelcoachings erfahren, was im Umgang mit vielfach schwer kranken Menschen eine große Hilfe darstellt.

Weiterbildungen für Gruppen

Seit fast 20 Jahren veranstaltet die Selbsthilfe Weiterbildungen für Gruppensprecherinnen und -sprecher und Engagierte – jährlich bis zu sechs Tages-Workshops zu relevanten Themen, wie „Selbsthilfegruppen leiten: Wirksames Annehmen und Abgrenzen“, „Gewaltfreie Kommunikation“, „Feedbackkultur stärken“, „Souverän nein sagen und Grenzen setzen“, „Umgang mit Konflikten“ oder „Die Selbsthilfegruppe im Internet“ etc. Diese Seminartätigkeit wird vom „Fonds Gesundes Österreich“ finanziell unterstützt. Seit 2020 wurden für Mitglieder auch virtuelle Vorträge über Zoom organisiert.

Podcasts zur Stärkung der Gesundheitskompetenz

„Von uns für Sie“ – unter diesem Titel hat der Dachverband im Jänner ein neues Projekt gestartet: Podcasts zur Stärkung der Gesundheitskompetenz. Die ehrenamtliche Tätigkeit in einer SHG oder in einer SHO ist mitunter sehr herausfordernd. Wir wollten ein neues Tool kreieren, das sowohl von Einzelpersonen als auch in den Gruppen genutzt werden kann. Aufgebaut ist die Podcastreihe in fünf Blöcken: Der erste ist seit Jänner online, im April, Juli, Oktober und abschließend Dezember erscheinen die nächsten Folgen. Die Audiodateien beinhalten jeweils theoretische Inputs und aktive Übungen aus den Bereichen Stressmanagement und Entspannungstraining. Michaela Kraupa, Expertin für Stressmanagement und Burn-out-Prävention, gestaltet die Podcasts und ist die Persönlichkeit hinter der Stimme, die die einzelnen Blocks begleitet. „Betrachten Sie unser neues Projekt als eine gemeinsame Reise durch das Jahr 2022. Stellen Sie sich einfach vor, jede einzelne Podcastfolge stellt ein Etappenziel dar, das von Mal zu Mal eine Bereicherung für Sie und für Ihr Leben bereithält.“ Hören Sie einfach einmal rein: https://www.selbsthilfe-ooe.at/news_medien/podcasts/ 

Die Dachverband-Website www.selbsthilfe-ooe.at bietet tagesaktuell abrufbare Informationen zu den Aktivitäten oberösterreichischer SHG und SHO – wenn vorhanden mit Verlinkung zur Website der jeweiligen Gruppe. Die Daten werden zeitnah aktualisiert, wie beispielweise die Termine der Gruppentreffen, Änderung der Kontaktdaten, Neugründungen etc.: https://www.selbsthilfe-ooe.at/selbsthilfegruppen/selbsthilfegruppe_finden/ 

Viermal jährlich erscheint das Magazin „Lichtblick“, mit vielen interessanten Erfahrungsberichten und Artikeln rund um das Thema Selbsthilfe. Dieses ergeht an Ärztinnen und Ärzte, Krankenanstalten, Einrichtungen im oberösterreichischen Gesundheitswesen und an Selbsthilfe interessierten Menschen. Download unter: https://www.selbsthilfe-ooe.at/news_medien/archiv_lichtblick/

Im Zwei-Jahres-Rhythmus wird ein Verzeichnis der Selbsthilfegruppen in Oberösterreich gedruckt – ein wichtiges Hilfsmittel für Gesundheitseinrichtungen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen und für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, um Patientinnen und Patienten und Klientinnen und Klienten auf die für sie geeigneten Selbsthilfegruppen hinweisen zu können. 

Einen Meilenstein für die Kooperation zwischen Selbsthilfegruppen und Krankenhäusern stellt das Gütesiegel „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ dar, das 2012 erstmals an drei oberösterreichische Spitäler verliehen wurde. Dieses ist ein Anreiz für eine systematische und nachhaltige Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfe und Krankenhaus. Die Qualitätsentwicklung ist aber nicht mit der Auszeichnung beendet, sondern erfordert eine gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema und soll auch andere Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitsbereich motivieren, sich um die Auszeichnung „Selbsthilfefreundlichkeit“ zu bewerben. Bis heute konnten insgesamt sieben Spitäler ausgezeichnet werden.

Vernetzung von Kompetenzen

Weil nur durch Erfahrungsaustausch und in kollegialer Zusammenarbeit die Selbsthilfe-Bewegung im Gesundheitswesen weiterentwickelt werden kann, ist die Selbsthilfe seit Herbst 2017 Netzwerkpartnerin der Initiative NANES (nationales Netzwerk Selbsthilfe), einem Zusammenschluss themenübergreifender Selbsthilfe-Unterstützungseinrichtungen in Österreich.

Statements von Betroffenen

„Vor einigen Jahren wusste ich trotz ärztlicher Betreuung nicht mehr weiter. Ich wollte Menschen kennenlernen, die Ähnliches erlebt haben. Mit Hilfe meines Hausarztes und der Unterstützung durch die Selbsthilfe wagte ich mich an das Experiment Selbsthilfegruppe.“

„Mein Verständnis im Umgang mit meiner Erkrankung hat sich durch die vielfältigen Erfahrungen in der Gruppe erweitert.“

„Nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus besuchte ich eine Selbsthilfegruppe. Der Austausch in der Gruppe hat mir sehr viel Halt gegeben und tut mir immer noch gut.“

„Meine Motivation in einer Selbsthilfegruppe mitzuwirken ist einen geschützten Ort zu schaffen, wo suchende Menschen mit Gleichgesinnten über ihre Verletzungen, Sorgen und Ängste offen reden können.“

„Die monatlichen Treffen sind für mich (sofern in der Pandemie möglich) ein Fixpunkt, da der Austausch von Informationen und Erfahrungen sehr vielseitig und hilfreich ist.“

„Die Selbsthilfegruppe gibt mir ein Umfeld, in dem ich offen über meine Sucht reden kann.“

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Gesundheitsreferent Stadtrat Dr. Michael Raml und Selbsthilfe OÖ–Dachverband der Selbsthilfegruppen-Obmann DDr. Oskar Meggeneder zum Thema „Selbsthilfe in Linz“)

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