Medienservice vom: 01.09.2022 |Fotos zum Medienservice

Mahnmal für das Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen Linz II im Botanischen Garten „Büste der Ohnmacht“ von Timna Brauer

  • Künstlerin gestaltete Skulptur in Form eines femininen Oberkörpers aus Keramik

Ein Mahnmal erinnert künftig Besucher*innen des Botanischen Gartens an das ehemalige Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen Linz II, das dort auf der Gugl mehr als ein Jahr stationiert war. Die Skulptur „Büste der Ohnmacht“ wurde von der Tochter des im Jänner 2021 verstorbenen Künstlers Arik Brauer, Timna Brauer, geschaffen. Mit dieser Büste erfährt ein schon bestehendes Mahnmal im Botanischen Garten – in Form einer Informationstafel und einer Kunstinstallation aus Steinen zu Linz II – eine deutliche und markante Aufwertung. Die Stadt setzt damit im Sinne der Gedenkkultur ein Erinnerungszeichen bei der Aufarbeitung der eigenen NS-Geschichte. 

„Die Stadt Linz beschäftigt sich seit Jahren auf vielfältige Weise mit ihrem historischen Erbe. Seit Mitte Mai dieses Jahres werden an verschiedenen Standorten Erinnerungsstelen für jüdische Opfer des Nationalsozialismus aufgestellt. Mit der ‚Büste der Ohnmacht‘ wird ein weiterer wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung geleistet“, betont Bürgermeister Klaus Luger.

„Eine Stadt mit einer NS-Vergangenheit wie Linz kann ihre Geschichte nicht intensiv genug aufarbeiten oder ausreichend an die Opfer der Naziherrschaft erinnern. Daher bedanke ich mich bei Timna Brauer, dass wir durch ihre Skulptur nun auch im Botanischen Garten ein wichtiges Zeichen setzen können“, so Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Das Nebenlager

Das Konzentrations-Nebenlager existierte von Februar 1944 bis zur Befreiung Anfang Mai 1945. Besondere historische Brisanz erhielt dieses Lager dadurch, da es auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers eingerichtet wurde. Die abkommandierten Häftlinge aus Mauthausen mussten unter menschenunwürdigen Bedingungen am Ausbau der bestehenden Stollen des Märzen-, Limoni- und Cembrankellers zu Luftschutzkellern arbeiten. Die Lebensbedingungen im Lager waren äußerst schlecht. Der deutsche Häftling Fritz Grabowski über die Situation: „Unsere Unterkünfte befanden sich im Stollen. Unsere Arbeitsstelle ebenfalls. Einem großen Teil der Häftlinge war es nicht möglich, ans Tageslicht zu kommen. Sie mussten während der Dauer des Aufenthaltes im Arbeitslager Linz II, also 14 Monate, stets im Dunkeln leben. Da die Ernährung eine denkbar schlechte war, im Verein mit dem Mangel an frischer Luft und Sonnenlicht, war der Gesundheitszustand der Häftlinge der denkbar schlechteste.“ Insgesamt waren 380 Menschen in Linz II inhaftiert. Über die Nationalitäten der Häftlinge ist wenig bekannt. Es dürften in erster Linie Sowjetbürger, Polen, Deutsche und Franzosen gewesen sein.

Idee zur Errichtung der Büste (von Timna Brauer)

Die Idee der Errichtung eines Mahnmales gleich neben den historischen Stollen entstand nach einem Konzert im Botanischen Garten im Sommer 2020. Ursprünglich wollte der Vater Arik Brauer eine Keramikfigur für dieses Mahnmal herstellen. Aufgrund seines überraschenden Todes konnte diese Idee leider nicht mehr umgesetzt werden. Der Vater hat jedoch in den letzten Jahren seiner Tochter die Kunst der Keramik übermittelt und es war ihr, auch als zweite Generation von Holocaustopfern, ein großes Anliegen, diese Erinnerungsskulptur zu erschaffen. Die Skulptur stellt einen femininen Oberkörper dar – ein seltenes Beispiel eines Mahnmals zum Holocaust. Eine Bekleidung aus Mosaik, bestehend aus Feuersteinen, bedeckt teilweise die Büste. Die Feuersteine hat Timna Brauer als Symbol in den Karmelhügeln in Israel gesammelt. 

Durch unregelmäßige Anordnung der Steine soll der Eindruck eines aufgerissenen Hemdes entstehen, der Sinnbild für den durch tödliche Zwangsarbeit im Steinbruch von Mauthausen und beim Bau des Luftschutzstollens im NL Linz II geschundenen, malträtierten Körper sein soll. Der weibliche Körper weist zudem auf die Tatsache der Zwangsprostitution von Frauen im KZ Mauthausen hin. 

Folgendes Gedicht der 1901 als Kind einer jüdischen Familie in Czernowitz geborenen Lyrikerin Rose Ausländer hat die Künstlerin inspiriert:

Ins Leben
Nur aus der Trauer Mutterinnigkeit
strömt mir das Vollmaß des Erlebens ein.
Sie speist mich eine lange, trübe Zeit
mit schwarzer Milch und schwerem Wermutwein.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Bürgermeister Klaus Luger, Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Künstlerin Timna Brauer zum Mahnmal „Büste der Ohnmacht“. Weiterer Gesprächspartner: Dr. Friedrich Schwarz, Leiter Botanischer Garten)

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