Medienservice vom: 17.10.2022 |Fotos zum Medienservice

Frauenressort unterstützt Ausbau des „StoP-Projekts – Stadtteile ohne Partnergewalt“ Spezielle „StoP-Bänke“ machen auf Frauenhelpline aufmerksam

  • Laufende Veranstaltungen des StoP-Teams

Durch eine finanzielle Förderung des städtischen Frauenressorts kann das Heuer mit dem Frauenpreis „StoP-Projekt – Stadtteile ohne Partnergewalt“ des Frauenhauses in Linz ausgebaut werden. Das Projekt hat das Ziel, gemeinsam mit Bewohner*innen sowie Multiplikator*innen aus Vereinen, Firmen, Bildungseinrichtungen und Politik, häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder bis hin zu Femiziden zu verhindern. Auch spezielle „StoP-Bänke“, die „StoP-Nachbarinnen“ mit Mitarbeiter*innen des Geschäftsbereichs Stadtgrün und Straßenbetreuung gestaltet haben, werden nun im Stadtgebiet aufgestellt. Diese sollen sowohl ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum setzen, als auch auf „StoP“ und die Frauenhelpline aufmerksam machen.  

„Frauenmorde stellen die schlimmste Eskalationsstufe eines kontrollierenden Problems dar: Das gesellschaftliche Zusammenleben ist geprägt von einer massiven Schieflage zwischen den Geschlechtern. Eine Ausprägung davon ist Männergewalt, genährt von männlichem Besitz- und Anspruchsdenken gegenüber Frauen. Mindestens jede fünfte Frau ist in Österreich von Gewalt betroffen. Das StoP-Projekt ist ein wichtiger, gemeinwesenorientierter Gewaltschutzansatz, der durch die zusätzliche Förderung des Frauenressorts in Höhe von 25.000 Euro auch im Franckviertel gestartet werden kann“, so Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

StoP ist ein Gemeinwesenprojekt und orientiert sich an der Methode des Community Organizing. Diese Methode kommt ursprünglich aus den USA und unterstützt Menschen ihren eigenen Lebensraum kollektiv und organisiert zu gestalten und zu verändern. In Linz wurde das Projekt bereits 2021 durch eine voraussichtliche Finanzierung teilweise des Sozialministeriums im Stadtteil Urfahr installiert und wird nun auch im Franckviertel ausgebaut. 

Zum Projekt

Das Projekt StoP wurde im Jahr 2000 in Hamburg von Prof.in Dr.in Sabine Stövesand von der HAW Hamburg entwickelt und ist seit vielen Jahren in unzähligen Stadtteilen in Deutschland umgesetzt. In Österreich gibt es mittlerweile 25 Standorte in Städten und Gemeinden in allen Bundesländern StoP-Projekte – in Oberösterreich in den Städten Wels, Perg und Linz.

StoP ist keine einmalige Bewusstseinskampagne, sondern ein nachhaltig ganzheitlich geplantes Projekt, hinter dem ein gut durchdachtes und wissenschaftlich fundiertes und evaluiertes Konzept steht. StoP ist ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Gesamtpaket der Gewaltprävention, durch das alle Menschen, insbesondere Nachbar*innen eingeladen und befähigt werden, sich aktiv gegen Femizide, häusliche Gewalt an Frauen und Kindern bzw. Partnergewalt zu engagieren. Die erschütternden Zahlen an Femiziden machen deutlich, dass es als Ergänzung unter Bereicherung der bewährten und professionellen Arbeit von Frauenhäusern und Frauenberatungseinrichtungen, Opferschutz und Täterarbeit, sowie Polizei und Justiz einen neuen innovativen Ansatz in der Gewaltprävention gegen Gewalt an Frauen und Kindern braucht.

Das Projekt StoP verbindet bestehende Opferschutzarbeit mit Gemeinwesenarbeit und setzt dort an, wo Gewalt stattfindet: In den Stadtteilen, in der Nachbarschaft, in den Siedlungen und Häusern. Dort wo Menschen wohnen und / oder arbeiten. Es ist ein Projekt, das sich ausdrücklich und direkt an die Zivilgesellschaft anwendet, diese aktiv einbindet und ihnen konkrete und anwendbare Handlungsmöglichkeiten aufzeigt, was jede*r Einzelne beteiligt kann. Wie will StoP auch den Appell an die Bevölkerung richten, sich aktiv einsetzen, sich eindeutig und klar gegen Gewalt an Frauen und Kindern zu positionieren und sich mit geschlechtsspezifischer Gewalt und den dafür verantwortlichen geschlechterungleichen Machtstrukturen auseinanderzusetzen.

Stop als Initiative des Frauenhauses

Seit vier Jahrzehnten bietet das Linzer Frauenhaus Frauen und deren Kindern niederschwellig und unbürokratisch unmittelbare Hilfe. Die Auslastung des Hauses in den letzten Jahren zeigt bedauerlicherweise, dass Frauenhäuser heute mehr denn je benötigt werden. Aus diesem Grund ist es für das Frauenhaus ein wichtiges Anliegen zusätzlich zur Einzelhilfe, in der Frauen und Kindern Beratung, Betreuung, Begleitung und gut geschützten Wohnraum zur Verfügung stellt wird, mit StoP aus dem Frauenhaus hinaus in die Stadtteile, in die Nachbarschaften zu gehen. Durch dieses innovative und gemeinwesenorientierte Projekt und die zusätzlichen Personalressourcen ist es im letzten Jahr gelungen durch vermehrte Öffentlichkeitsarbeit in Print- und Onlinemedien, aber auch in zahlreichen persönlichen Gesprächen in Urfahr in Wohnsiedlungen und auf öffentlichen Plätzen auf das immer noch tabuisierte Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder aufmerksam zu machen. Die StoP Koordinatorinnen, die gleichzeitig auch Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sind, informieren bei Schulungen und Workshops rund um das Thema häusliche Gewalt und Zivilcourage Mitarbeiter*innen und Ehrenamtliche aus vielen Linzer Sozialvereinen und bilden diese zu Multiplikator*innen aus. In den Schulungen geben sie neben Tipps, wie in unterschiedlichen Situationen Zivilcourage geleistet werden kann, auch Informationen zum Frauenhaus und anderen Beratungsstellen und Hilfeangeboten für Opfer von häuslicher Gewalt weiter. Dadurch können zusätzlich Mythen und Vorurteile gegenüber Betroffenen von häuslicher Gewalt und dem Frauenhaus als Einrichtung aufgebrochen werden. 

Beim Projekt in Urfahr konnte im Laufe des ersten Jahres bereits eine Gruppe von engagierten Nachbarinnen aufgebaut werden konnte, die, so wie es das StoP-Konzept vorsieht, sich regelmäßig zu moderierten Frauentischen trifft und gemeinsam mit den Sozialarbeiterinnen bei Veranstaltungen und auf öffentlichen Plätzen über Möglichkeiten Zivilcourage bei Verdacht auf häusliche Gewalt zu zeigen, informiert. Beeindruckend ist, dass einige ehrenamtlichen Nachbarinnen im ersten Jahr bereits eigenständig in Zeitschriften, online und bei Radiosendungen, sowie in ihrem Umfeld Infos über Zivilcourage und regionale Beratungseinrichtungen sowie die bundesweite Helpline informierten. So und durch Kooperationen mit Lebensmittelgeschäften, Kindergärten und Wohnungsgenossenschaften konnten viel Linzer*innen erreicht werden, die selbst Betroffene sind oder in ihrer Nachbarschaft Opfer von häuslicher Gewalt unterstützen können. 

Durch die Präsenz von StoP in der Öffentlichkeit u.a. bei Kundgebungen, Demonstrationen oder Vernetzungstreffen und durch die mediale Aufmerksamkeit zB durch bereits erhaltene Preise wie dem Erste-Bank-Preis oder dem Frauenpreis der Stadt Linz, wird dem Thema Gewalt gegen Frauen eine große Aufmerksamkeit zuteil – und jedes Wissen darüber kann helfen Gewalt zu verhindern.

„Im Namen des Linzer Frauenhauses, der StoP Koordinatorinnen und den engagierten Nachbarinnen möchte ich mich bei der Stadt Linz für die zusätzliche Finanzierung von 25.000 Euro sehr herzlich bedanken. Es ist ein sehr schönes und eindeutiges Zeichen, dass alle Parteien in der Linzer Stadtregierung dem Antrag gegen Gewalt an Frauen einstimmig zugestimmt haben! Ein großes Danke auch nochmals an Mag.a Eva Schobesberger, die uns seit den ersten Gesprächen super unterstützt und an das Projekt glaubt“, so die Geschäftsführerin des Linzer Frauenhauses Mag.a Grete Rackl.

Aktuelle Veranstaltungen von StoP Linz

„Was gegen häusliche Gewalt und Partnergewalt sagen. Was gegen Sexismus, Machtungleichheit und Diskriminierung tun. Zivilcourage zeigen und Leben retten.“ Das ist der Slogan von StoP Linz. Die positiven Rückmeldungen aus dem ersten StoP Jahr haben das StoP-Team motiviert, den partizipativen Ansatz des StoP Konzepts weiter zu vertiefen und das niederschwelliges Angebot für interessierte und engagierte Linzer*innen auszubauen:

StoP ist ein Nachbarschaftsprojekt, das allen voran in Urfahr und jetzt erfreulicherweise auch im Franckviertel informieren will, dass häusliche Gewalt kein individuelles Problem in den eigenen vier Wänden ist, sondern ein gesellschaftliches und jede*r sich für gewaltfreie Beziehungen und Nachbarschaften einsetzen kann: StoP will eine aufmerksame Nachbarschaft, Zivilcourage und Vernetzung fördern. 

„Das Herzstück des StoP Konzepts sind Frauen-, Männer- und Nachbarschaftstische, bei denen Austausch, Reflexion und das Entwickeln von neuen Ideen im Mittelpunkt stehen. Wir nehmen uns hier auch Zeit, schöne und empowernde Momente des Lebens zu genießen, gut auf uns zu schauen und zu überlegen, was wir Aktivist*innen brauchen, damit es uns gut geht. Weil es in Linz noch nicht in jedem Stadtteil StoP Standorte gibt, laden wir ausdrücklich alle Linzer*innen, unabhängig von Alter, politischer oder religiöser Weltanschauung und Sprachkenntnisse ein bei StoP an den beiden Linzer Standorten mitzumachen“, so StoP Koordinatorin Elisa Lummerstorfer, M.A.

In Urfahr finden alle zwei Wochen montags um 17.30 Uhr Frauentische, im Franckviertel 14-tägig mittwochs ebenfalls am Nachmittag Nachbarschaftstische, zu welchen auch Männer eingeladen sind, statt. Details zu den regelmäßigen Treffen und weiteren Aktionen und Veranstaltungen sind auf StoP Homepage unter Termine und auf den StoP Linz Social Media-Kanälen abrufbar. 

Das StoP Team freut sich über Ideen, Anregungen und Menschen, die zu den Frauentischen und Nachbarschaftstischen und Workshops kommen und ihre Mitmenschen motivieren bei häuslicher Gewalt nicht wegzusehen, sondern sich zu informieren und sich zivilcouragiert für Betroffene und deren Kinder einzusetzen. 

Gleichberechtigung und Gewaltfreiheit: Kurz und langfristige Ziele von StoP Linz 

Wichtige langfristige Ziele von StoP:

  • Senkung der hohen Zahl an Gewalthandlungen im häuslichen Bereich und Verhinderungen von Femiziden 
  • Gewalt in Beziehungen wird nicht mehr als Privatsache gesehen, wird von der Gesellschaft nicht mehr toleriert und tabuisiert. Betroffene, Täter und das Umfeld trauen sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und sind in ein sie unterstützendes soziales Netz eingebunden.

Wichtige kurzfristige Ziele von StoP Linz: 

  • Thematisierung häuslicher Gewalt sowie Bekanntmachung von StoP Linz in Medien und physischer Öffentlichkeit (Plakate in Stiegenhäusern, Aktionismus in der Öffentlichkeit)
  • Sensibilisierung der Bevölkerung auf Geschlechterstereotype und häusliche Gewalt: Bevölkerung verfügt über Wissen zu den genannten Themen und Kenntnisse zu (professionellen) Unterstützungsangeboten. 
  • Schaffung eines Angebots zum Erlernen, Ausprobieren und Festigen von Interventionsmöglichkeiten für Zivilcourage, die bei (vermuteter) häuslicher Gewalt angewandt werden können.
  • Ehrenamtliche Nachbar*innen und Multiplikator*innen nehmen an Frauen*tischen in Urfahr und Nachbarschaftstischen im Franckviertel teil und schätzen/nutzen die Treffen und Menschen dort als Ressource, um sich gegenseitig zu motivieren, weiterhin zivilcouragiert für gewaltfreie Nachbarschaften und eine Stadt frei von häuslicher Gewalt aufzutreten.
  • Aufbau eines Netzwerkes an Multiplikator*innen in Linz.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger, Personaldirektorin Mag.a Brigitta Schmidsberger und Frauenbeauftragte Mag.a Jutta Reisinger über den Ausbau des StoP-Projekts

Weitere Gesprächspartnerinnen:
Mag.a Grete Rackl / Geschäftsführerin Frauenhaus Linz
Elisa Lummerstorfer, M.A. / Projektkoordinatorin StoP Linz

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