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FRAUEN
Presseaussendung vom 21.11.2005

Marianne.von.Willemer.05 – Frauen.Literatur.Preis

Das Frauenbüro der Stadt Linz vergibt auf Initiative des Frauenausschusses des Linzer Gemeinderates den mit 3600 Euro dotierten Preis. Der Marianne von Willemer Preis entwickelte sich zum erfolgreichsten Linzer Literaturpreis. Er wird alle zwei Jahre, im Wechsel mit dem Frauen Netzkunst Preis, verliehen - im nächsten Jahr ist der Preis wieder der Sparte Netzkunst gewidmet.

Österreichweit wurden in den vergangenen 50 Jahren etwa drei Mal mehr Männer als Frauen mit Literaturpreisen ausgezeichnet, was keineswegs eine Frage des Talentes ist. Die Gründe dafür sind vielmehr in den Biografien von Frauen zu suchen, die häufig erst später mit dem Schreiben beginnen und daher die, bei vielen Preisen festgelegte Altergrenze von 35 Jahren überschreiten. 67 % der Autorinnen, die heuer für den Marianne von Willemer Preis eingereicht haben, waren älter als 35 Jahre. Mit diesem Preis soll der Benachteiligung von Schriftstellerinnen entgegen gewirkt werden. Er soll talentierten Autorinnen die Möglichkeit bieten, ihr Können öffentlich zu machen und sich in der heimischen Literaturszene zu etablieren.

334 Einreichungen

Mehr als verdoppelt hat sich die Anzahl der Teilnehmerinnen an dem österreichweiten Wettbewerb. 334 Frauen (2002 waren es 137) reichten Texte ein, wobei die jüngste Literatin 13 Jahre, die älteste 83 Jahre ist.

Oberösterreich ist mit 117 Einreichungen das Bundesland mit der stärksten Beteiligung, davon kommen 45 aus der Stadt Linz. 107 Autorinnen kommen aus Wien, 29 aus Niederösterreich, 28 aus Tirol, 20 aus Salzburg, 17 aus der Steiermark, zehn aus Kärnten und sechs aus Vorarlberg.

Die Preisträgerinnen

Dieses Jahr teilen sich zwei Autorinnen den Preis: Mag.a Eva Fischer aus Kirchberg-Thening für „6 Miniaturen“ und Traude Korosa aus Wien für „in licht und nichtlicht“. Somit wird diesmal nur eine Anerkennung vergeben, die heuer gleichzeitig ein Jugendpreis ist. Die 18-jährige Cornelia Travnicek aus Traismauer in Niederösterreich konnte die Jury mit ihrem Werk „am strand weit genug“ überzeugen.

Mag.a Eva Fischer studierte Sozialwirtschaft an der Kepler-Universität Linz, absolvierte ein Grundlagenstudium der Kunstgeschichte in Salzburg und Linz und besuchte den Lehrgang „Kreative Kultur- und Bildungsarbeit“ an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Linz. Außerdem arbeitete die 54-jährige Autorin an der KTU Linz an der Entwicklung des Projekts „Kunstbaukasten“ mit. Nach Jahren der Kunstvermittlung, mit Schwerpunkt 20. Jahrhundert und Gegenwartskunst, wollte Mag.a Fischer selbst kreativ arbeiten. Sie schrieb Miniaturprosa und Lyrik, die sie in Büchern veröffentlichte, machte Text-Bild beziehungsweise Objekt-Arbeiten, eine Arbeit in vier Medien (Text, Malerei, Foto, Objekt) sowie Zeichnungen. Die Künstlerin stellte bereits im Jägermayrhof Linz und in der Galerie Forum in Wels aus.

Bei den „6 Miniaturen“ handelt es sich um schematische Aufrisse kurzer dialogischer Situationen. Die Kurzprosatexte, in denen kleine Welten geschaffen werden, beruhen auf einem spielerischen Umgang mit der Sprache.

„Die Texte zeichnen sich aus durch den leichtfüßigen Umgang mit Geschlechterthematik, mit männlicher und weiblicher Stimme, eines männlichen beziehungsweise weiblichen Blicks. Die „Miniaturen“ fassen das große Thema sprachlich überaus prägnant und spielerisch ironisch.“

Traude Korosa ist 1955 in Arbing/OÖ. geboren und lebt seit 1985 in Wien. Die Mitarbeiterin der IG Autorinnen und Autoren sowie der Grazer Autorenversammlung studierte Germanistik und Publizistik. Sie erhielt 1987 den dritten Jurypreis bei Literatur zur Arbeitswelt sowie 1989/90 ein Arbeitsstipendien des BMUK. Die Autorin hielt bereits zahlreiche Lesungen in Linz, Oberösterreich und Wien. Traude Korosa schrieb Beiträge in Anthologien und Zeitschriften und wurde auf Radio Orange (Wien), Radio Fro (Linz) und Frauenzimmer/Freier Rundfunk (Freistadt) gesendet. Ein Lesemitschnitt von Radio Fro ist auf CD erschienen. Ihre Bücher heißen „Hannas Vermächtnis und andere Geschichten“, erschienen im Triton Verlag, und „haust der wind in deinem haar.gedichte“, erschienen im literaturverlag luftschacht.

„in licht und nichtlicht“ sind vier „Farbengeschichten“, vier Geschichten von Frauen, in denen die einzelnen Farben das Thema variieren. Die Autorin stellt Frauen als Randfiguren dar, die keine andere Existenzform für sich sehen, als in die Isolation zu flüchten.

„Die Radikalität dieses Textes entspricht zwar inhaltlichem Pathos, aber stilistischer Ausgewogenheit. Dieses Risiko zum Pathos ist beeindruckend – und eine Gratwanderung, die durchwegs gelingt.“

Cornelia Travnicek besucht die Höhere Abteilung für Elektronik an der HTBL und VA St. Pölten. Die junge Literatin veröffentlichte bereits Arbeiten in Zeitschriften und Anthologien. 2004 war sie Stipendiatin der Stiftung Niedersachsen. Sie erzielte im selben Jahr den Publikumspreis beim Hattinger Förderpreis und gewann heuer den Preis für jugendliche Autoren bei „Schreiben zwischen den Kulturen“.

„am Strand weit genug“ handelt von Kindesmissbrauch und erzählt aus der Perspektive des betroffenen kleinen Mädchens. Die teils schmucklose Sprache und der fast sachlich gehaltene Stil stehen im Kontrast zur Dramatik des Erzählten. 

„Die junge Autorin hat das schwierige Tabuthema Missbrauch sprachlich kompetent und inhaltlich vielschichtig behandelt und gemeistert. In ihrer stilistischen und sprachlichen Bewältigung gerade einer literarisch schwer zu fassenden Thematik wie der des Missbrauchs beweist die Autorin ein erstaunliches Talent.“

Jury

Expertinnen im Bereich der Literatur beurteilten die 334 Arbeiten. Da Thema und Literaturgattung frei wählbar sind, waren die eingereichten Texte sehr unterschiedlich. Sie reichten von Lyrik, verschiedenen Formen der Prosa bis zu Drehbüchern.

Der Jury gehörten die Direktorin des StifterHauses Linz, Dr.in Petra-Maria Dallinger, die Autorin Eugenie Kain sowie Mag.a Silvana Steinbacher-Schiller vom ORF Oberösterreich an.

Marianne von Willemer

Stellvertretend für die vielen Frauen, die für ihre literarischen Arbeiten keine Anerkennung fanden, die unter falschem Namen veröffentlichen mussten oder deren Werke sogar gestohlen wurden, ist Marianne von Willemer Namensgeberin für den Preis. Ihre Gedichte veröffentlichte kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe, der die in einem regen Briefwechsel mit Marianne von Willemer entstandenen Wechselgedichte unter „Hatem-Suleika“ in seinem „Westöstlichen Divan“ veröffentlichte, ohne die junge Dichterin zu erwähnen.

(Informationsunterlage von Gemeinderätin Regina Fechter-Richtinger und der Linzer Frauenbeauftragten Elvira Tomancok zur Preisverleihung des „Marianne.von.Willemer.05 – Frauen.Literatur.Preises“.)

Weitere Gesprächspartnerinnen:
Eugenie Kain (Jurorin)
Mag.a Eva Fischer (Preisträgerin)
Traude Korosa (Preisträgerin)
Cornelia Travnicek (Jugendpreisträgerin/Anerkennung)

www.linz.at/frauen.

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